Torie-Wahlsieg: Calamity-Dave künftig allein zuhause?

8. Mai 2015

Was für eine Sensation! Trotz der vollkommenen Unterstützung der Finanzindustrie der City of London und der das Gehirn weich hämmernden Propaganda der konservativ-gleichgeschalteten Medien hat David Cameron die absolute Mehrheit von 326 Sitzen nur um 5 Sitze übertroffen!

Dabei nutzte ihm auch die aktive Zuarbeit von Ed Miliband und seiner Labour Party. Nur deren Selbstauflösung schon VOR der Wahl hätte Cameron vielleicht zu noch mehr Sitzen verholfen?

Labour muss jetzt tief ans Eingemachte gehen. Miliband ist weg vom Fenster, er trat inzwischen zurück!
Labour muss programmatisch klar machen, warum die Unter- und die untere Mittelschicht Labour künftig überhaupt noch wählen sollten, anstatt einfach zuhause auf dem Sofa oder im Pub zu bleiben?

Camerons bisherigen liberalen Koalitionspartner Nick Clegg hat es ebenfalls zerlegt bei den Wahlen, auch er trat zurück!
Zerlegt hat es allerdings auch Nigel Farage von UKIP, Camerons Albtraum von Rechts. Farage hatte keinen Sitz errungen und trat ebenfalls zurück…

Die Schotten, die SNC aber, sind die eigentliche Sensation: Sie haben sich um schlappe 50 Sitze verbessert im Unterhaus von Westminster, von bisher 6 auf jetzt 56 Sitze! Wenn ich das hier jetzt so richtig überblicke, dann  haben sie bis auf einen ALLE Sitze für Schottland gewonnen?
Andererseits zeigt sich an diesem Beispiel auch die grundsätzliche Schwäche des Wahlsystems. Die SNC hat auf ganz England bezogen mit etwa 5% der abgegebenen Stimmen völlig überproportionale 56 Sitze, was 9% der vorhandenen 650 Sitzen entspräche, geholt! Die SNC wird sich in Westminster künftig sicher deutlich „schottischer“vernehmen lassen? Wie werden die Briten dann darauf reagieren? Im Wahlkampf hatte Cameron die SNP und Labour noch am Wahltag per Facebook als „Untergang des Königreiches“ geschmäht…

Da wird wohl jetzt ein neuer „Schottischer Befreiungsversuch“ von England, ein neues Referendum, diesmal geführt von Nicola Sturgeon, nicht sehr lange auf sich warten lassen?

Was aber bedeutet Camerons Sieg für die UK-Innenpolitik, was für die Außenpolitik in der EU, der UN und in der NATO?

Hat er das Format zum überparteilichen Staatsmann, oder zieht er jetzt gnadenlos den „Neocon“ durch?
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http://www.theguardian.com/politics/live/2015/may/08/election-2015-live-labour-and-libdems-crushed-in-shock-election-result