Katalanische Unabhängigkeit: Nix Halbes und nix Ganzes!

4. November 2013

Wenn es je einen tragischen Tropf gegeben hat, der in seinem Tun stets das Gegenteil des Beabsichtigten erreicht hat, dann ist dies Artur Mas, der President de la Generalitat d’Catalunya.

Ein Hasardeur, der ohne Plan auf den Unabhängigkeitszug sprang, Neuwahlen ausrief und grandios scheiterte. Er weiss es wohl, will es aber noch nicht eingestehen?

Ein Unabhängigkeitsprojekt, das zu keinem Zeitpunkt wesentlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung hinter sich scharen kann, ist von Beginn an zum scheitern verurteilt. Mit weniger als der Hälfte der Stimmen wäre es ein Witz und mit demokratischen Mitteln nicht zu realisieren.

Persönlich hat Mas das Wählervotum für das Bündnis CiU von 64 über 50 auf prognostizierte 32 Sitze im katalanischen Parlament halbiert! Dies hat er als regierender Präsident mit Amtsbonus vermasselt. Da gibt es keine Ausrede. Sein Bündnispartner Unió, der nicht das Unabhängigkeitsziel teilt, bedankt sich herzlich für diese ungewollte Marginalisierung.

Sein blutsaugender Partner ERC hat im gleichen Zeitraum seine Sitze beinahe verdoppelt von 21 auf 37 Sitze. Zusammen aber haben sie in dem einen Jahr des Unabhängigkeitsdeliriums ihre Sitze von 71 auf 69 reduziert! Auch das ist wenig überzeugend…

Statt dessen baut er, obwohl stets klamm,  „Botschaften“ an wichtigen Plätzen der Welt, wo man ihm kaum einmal einen Gesprächstermin gewährt. Der fährt ja schon irgendwo hin in seiner Verzweiflung, wenn ihn dort wenigstens die Klofrau empfängt!

Mas ist aber keineswegs der einzige Verlierer. Die Sozialisten der PSC verlören ein Drittel ihrer Wähler, wenn jetzt gewählt würde! Darüber hinaus sind ihre Anhänger in der Mitte gespalten zwischen  Zustimmung und Ablehnung der Parteipolitik. Wenn man sich vor Augen hält, dass die PSC vor kaum drei Jahren in Katalonien regierte, dann ist dies ein weiterer unvorstellbarer Abstieg.

Die PP verlöre sogar etwas mehr als ein Drittel in diesem Fall. Das ist der Rajoy-Malus.

Der von der Unió propagierte sogenannte „dritte Weg“, wie immer der im einzelnen auch ausgestaltet sein mag, wird wohl die letzte Hoffnung für fast alle Beteiligten sein?

Der Zuspruch zur Unabhängigkeit ist leicht rückläufig auf den Stand vor einem Jahr zurück gegangen. Artur Mas hat’s vermasselt!


Zerbricht das Bündnis CiU am Separatismus-Kurs des Artur Mas?

5. Dezember 2012

Obwohl es zunächst nicht so schien und Josep Antoni Duran i Lleida seinem Partner Mas nach seiner verheerenden Wahlklatsche die Treue schwor, sind prinzipielle Soll-Bruchstellen durchaus vorhanden. Duran i Lleida will keine Abtrennung Kataloniens von Spanien. Alles darunter findet seine Unterstützung.

Nun hat die „Bildungsreform“ des José Ignacio Wert, die heilige Kuh des Katalanismus tangiert, die Präferenz der katalanischen Sprache im gesamten Bildungsbereich vom Kindergarten bis zur Universität. Er verlangt schlicht das eigentlich selbstverständliche, nämlich dass spanische Eltern in Spanien ihren Kindern eine Erziehung und Bildung in spanischer Sprache, dem Castellano, gewährleisten dürfen, wenn sie dies wünschen. Ist das Bildungssystem dazu nicht in der Lage, soll die Autonomie zur Kostenübernahme von entsprechenden Privatschulen verpflichtet werden. Dagegen hat nun Mas empört die Solidarität der Separatisten-Parteien ausgerufen und für kommenden Mittwoch eine Konferenz einberufen. Es ist zu erwarten, dass es zu einer weiteren Radikalisierung und Verhärtung der Separatisten kommen wird. Die Folge wird eine Ausgrenzung von PPC, den C’s und der PSC sein.

Es wird sich dann die Frage stellen, wieweit die Unió diesen radikaleren Kurs mit tragen kann und will? Innerhalb der Unió hat Duran i Lleida mit dem Austritt seines schärfsten internen Kritikers, des Bürgermeisters von Vic , Josep Maria Vila d’Abadal aus der Unió seinen Kurs konsolidiert. Vila d’Abadal neigt eher den separatistischen Konzepten des Artur Mas zu.

Umgekehrt wird wohl auch die Convergència des Artur Mas kein monolithischer Block sein. Es dürfte durchaus den Einen oder Anderen geben, der dem katalanischen Separatismus skeptisch gegen übersteht. Schließlich hat CiU über Jahrzehnte ihre Rolle und ihren Einfluß durch die Zusammenarbeit mit Madrid ausgeübt und gestärkt und es sollen, wie besagte inoffizielle, nichtexistierende, interne Dossier-Entwürfe unbekannter Regierungsstellen unbewiesen behaupten, einige sogar recht wohlhabend auf diese Tour geworden sein?

Nur durch einen Bruch des Bündnisses CiU könnte die Unió mit der PPC, der PSC und den C’s zusammen eine absolute Separatistenmehrheit in Katalonien verhindern, auch wenn es knapp werden dürfte…

http://ccaa.elpais.com/ccaa/2012/12/03/catalunya/1354536589_946787.html

PS: Falls es zum Bruch der CiU kommen sollte, wie wäre dann die Sitzverteilung zwischen Convergència und Unió?