Hat Putin Erdogan abgezockt?

11. November 2020

Der Jahrzehnte alte latente Konflikt zwischen Azerbaidjan und Armenien um das international weder als legitim noch gar als Staat anerkannte Gebiet Berg-Karabach auf azerischem Territorium ging am 27. September 2020 urplötzlich in einen heissen Krieg über, bei dem die Interessenparteien, wie in diesem Gebiet nicht unüblich, nicht auf den ersten Blick klar waren.

Russland verkaufte Waffen an beide Seiten. Israel verkaufte Waffen, z.B. Drohnen an Azerbaidjan, das zugleich ein wichtiger Energielieferant Israels und ein strategischer Partner in einem möglichen Konflikt zwischen Israel und dem Iran wäre (Flughäfen am Kaspischen Meer, welche die Reichweite der israelischen Air Force gewaltig erweitern würden!).
Dann war da die Türkei Erdogans, der mitten im türkischen Wirtschaftschaos seinen fiebrigen Großmachtsträumen nachhing und Azerbaidjan direkt militärisch und mit Hilfe aus Libyen importierter Söldner unterstützte.

Der militärische Erfolg Azerbaidjans war so klar, daß sich Putin am Ende gar beeilen musste um eine totale militärische Niederlage Armeniens im letzten Moment zu verhindern. Möglicherweise war es der versehentliche Abschuß eines russischen Helikopters über armenischem Territoriums durch Azerbaidjan, der genug Druck aufbaute um dessen Präsidenten Ilham Aliyev zur Unterschrift unter den Waffenstillstand zu nötigen, der letztlich die armenische Kapitulation, „den totalen Endsieg“ verhinderte?

In Moskau wurde nach Verhandlungen der Kriegsparteien (ohne die Türkei!) ein Waffenstillstand unterzeichnet, der für Armenien nahezu einer Kapitulation gleich kam, so klagte zumindest dessen Präsident Nikol Pashinyan:

Das Territorium Berg-Karabachs hatte sich zu Gunsten Azerbaidjans um etwa 30% oder 12.000 km2 verkleinert und dies in strategisch entscheidenden Gebieten.
Das in drei zeitlich fixierten Schritten zu übergebende Gebiet wird künftig durch Azerbaidjan verwaltet.
2.000 schwer bewaffnete russische „Schiedsrichter“ kontrollieren künftig die wichtigen Schnittstellen und Verbindungen zwischen Armenien und Berg-Karabach, aber auch zwischen der Türkei und Azerbaidjan für die nächsten 5 Jahre mit der Option auf Verlängerung.

Sollte dies wirklich so eintreffen, dann wäre Erdogan nach Armenien der zweite Verlierer dieses Konfliktes und sein Einsatz wäre umsonst gewesen!
Aber vielleicht gibt es für Erdogan ja auch einen „sehr gut versteckten Nutzen“ dieses Waffenstillstandes von Putins Gnaden? Dann wird er dies seinen Türken gewiss zeitnah mitteilen?

Der französische Präsident Emmanuel Macron hätte sich nach dem Libanon nun auch in Armenien bisher vergeblich bemüht…

______
https://www.al-monitor.com/pulse/originals/2020/11/turkey-russia-armenia-azerbaijan-nagorno-karabakh-deal.html


Streit zwischen Recep Tayyip Erdoğan und Emmanuel Macron: Worum geht es?

27. Oktober 2020

Da beschimpfen sich zwei Männer. Das kommt öfter vor. Diese beiden aber sind die Präsidenten ihrer Länder und sie beschimpfen sich öffentlich über die Medien. Das bedeutet, sie können nicht zurück ohne vor den eigenen Bürgern das Gesicht zu verlieren. Vermutlich haben beide Berater und eine Menge Erfahrung im politischen Streit. Warum also die (offensichtlich?) gewollte Zuspitzung?

Der Eine ist eine der Top-Figuren der EU, des Westens (Nun, Donald Trump und Boris Johnson würden dies wohl bestreiten?), der Andere ist der selbsternannte Sprecher der Muslime und gefühlte Rekonstrukteur des Osmanischen Imperiums. Der Eine sieht sich in postkolonialer Veranwortung für Teile Nord- und Westafrikas und des Nahen Ostens.

Der Eine beheimatet Millionen Bürger muslimischen Glaubens, für die sich der Andere als Sprecher zuständig fühlt und bei Bedarf auch einmischt.

In der EU herrscht Religionsfreiheit, in Frankreich zusätzlich eine klare Trennung zwischen Staat und Religionen, gleich welchen Typs, der Laizismus. Der hier, diesem Konflikt offenbar zu Grunde liegende Karikaturenstreit ist offensichtlich nur die Spitze eines Eisberges der wechselseitigen Entfremdung? Da gibt es eine große Minderheit die der Mehrheit ihren Glauben, ihren Willen, aufzwingen will und wenn man dazu zu tötlicher Gewalt greifen muss. Das bedeutet im Prinzip, es gibt keine gemeinsamen, von beiden Gesellschaftsteilen akzeptierten Spielregeln mehr.

Diese Spaltung in Gesellschaften gibt es nicht nur in Fragen von Religion, sondern auch im Umgang mit der aktuellen Corona-Pandemie, die persönliche Einschränkungen fordert. Es gibt sie schon länger bei der Frage der Impfpflicht, wo Impfgegner Andere gefährden. Der Umgang mit den sozialen Medien führt häufig zur Sammlung von Gleich- oder ähnlich Gesinnten, was in der Regel zur Verstärkung derer Ansichten führt.

Könnte es am Ende gar sein, daß die beiden sich streitenden Präsidenten gemeinsam von jeweil innenpolitischen Konflikten ablenken wollen? Brauchen sie gar den „äusseren Feind“, weil sie nicht in der Lage sind den Bruch in ihren Gesellschaften zu heilen?

Was hat Erdogan im östlichen Mittelmeer verloren, was in Syrien, in Libyen, in Azerbaidjan, auf der Krim, im Irak? Geht es der türkischen Wirtschaft dadurch besser oder schmiert die Lira gerade ab?

Was will Macron am Ende eigentlich erreichen? Er, der schon einmal eine EU-Armee forderte und die NATO für „Hirntot“ erklärte? Wie weit folgt ihm die EU bei seinen Ansinnen? Deutschland hält sich derzeit auffällig zurück, von etwas Pathos unseres Aussenministers abgesehen.

Was will der EU-Staat Frankreich im Alleingang in all diesen Konflikten erreichen? Die EU vor vollendete Tatsachen stellen? Tatsache ist, daß die meisten EU-Staaten ähnliche Probleme mit ihren Minderheiten haben. Dies ist keine Frage der jeweiligen Staatsangehörigkeit sondern des Denkens eines jeden Einzelnen, egal welchen Pass er in der Tasche hat.

Die bestialische Ermordung des französischen Lehrers Samuel Paty erfolgte zu einem Zeitpunkt, als all diese oben genannten Konflikte schon offen ausgetragen wurden. Das eher trotzig klingende „wir werden weiterhin Karikaturen veröffentlichen“ geht in diesem Sinne am Problem vorbei. Es wird weiterhin einen, mehrere, viele selbsternannte Sprecher der Muslime geben, die ihren Glaubensgenossen in Europa Handlungsanweisungen, Befehle geben, die von Ultras dann befolgt und ausgeführt werden. Wir, die EU brauchen GEMEINSAM ein funktionierendes Handlungskonzept zum Umgang mit dieser supranationalen Problematik.


Heute wählt Nord-Zypern!

11. Oktober 2020

In einem (gerade noch rechtzeitigen?) einseitigen Wahlkampf-Gag, anscheinend ohne Wissen der nordzypriotischen, von Erdogan und Ankara abhängigen Inselregierung des Mustafa Akinci, hat der mit diesem konkurrierende Wahlkandidat Ersin Tatar den seit 46 Jahre gesperrten Inselort Varosha oder Maras aus der Grünen Zone geöffnet und damit Wirbel in Nordzypern, Zypern, der EU und der UNO ausgelöst.

Tatar tat dies am 6. Oktober, bei einem Besuch in Ankara, in Gegenwart von Erdogan, praktischerweise im bis heute einzigen Staat dieser Welt, der Türkei, der Nordzypern als eigenständigen Staat anerkennt!

Der amitierende Nordzyprische Präsident Mustafa Akinci, der manchmal mit Ankara „über Kreuz liegt“, war wie schon gesagt, nicht eingeweiht!

So könnte diese einseitige Aktion Erdogans am Ende ein „zweischneidiges Schwert“* für den Großen Meister aller Türken werden? Denn die nordzypriotischen Wähler werden mit der Nase auf den Umstand gestoßen, daß die Türkei und Nordzypern bezüglich der Grünen Zone seit 46 Jahren nichts erreicht haben…
______
*(Hier zum Verständnis für kulturell, historisch und sozialisierte Türken: Das ist so eine Art von einem geraden Säbel, der dafür aber auf beiden Seiten scharf ist und somit auch seinen Benutzer verletzen könnte:-) )

______
https://www.al-monitor.com/pulse/originals/2020/10/northern-cyprus-elections-open-ghost-town-ankara-support.html


Was geschieht eigentlich gerade in der Türkei und warum?

9. Oktober 2020

Ein interesantes Interview von Claudia Detsch, IPG mit Felix Schmidt, Repräsentant der FES in Istanbul, das ein wenig Licht in das Dunkel der Ereignisse im östlichen Mittelmeer, Nordafrika, Kleinasien und dem Nahen Osten werfen soll. WER tut was und vor allem, WARUM?

„…Erdoğan sei anscheinend bei weitem nicht der starke Mann, als der er sich international so gerne verkaufen will, sondern sein Koalitionspartner Devlet Bahçeli, MHP treibe Präsident Erdoğan (AKP) immer unverfrorener vor sich her und werde mittlerweile von vielen Türken als der eigentliche Entscheidungsträger bei außenpolitischen Fragen gesehen! Wer hätte das gedacht?“

„…Ein weiterer Grund sei die sich verschärfende Wirtschaftskrise im Land. Präsident Erdoğan erhoffe sich von seinen außenpolitischen Abenteuern, die Nation hinter sich zu vereinen und von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die zu einer zunehmenden Verarmung breiter Bevölkerungskreise geführt hat, abzulenken. Vor allem der Konflikt im Kaukasus habe zu einer nationalistischen Aufwallung in großen Teilen der Bevölkerung geführt, der eine breite Zustimmung zugunsten Aserbaidschans signalisiere…“

______
https://www.ipg-journal.de/interviews/artikel/tuerkei-4706/?utm_campaign=de_40_20201009&utm_medium=email&utm_source=newsletter


Rechnet Erdogan sich die türkischen Corona-Zahlen schön, wegen den wichtigen Tourismus-Einnahmen?

7. Oktober 2020

Die Türkei rechnet sich „ihre“ Corona-Zahlen offenbar auf eigene Weise zusammen. Die echten Infektionszahlen sollen laut türkischer Opposition etwa um das achtfache (x8) höher sein als offiziell angegeben!

Sie entsprechen deshalb, laut WHO, nicht dem Vorgehen des Restes der Welt, weil sie nicht dem UNO-Standard folgten.

Dies könnte zwar strukturelle Probleme als Ursache haben, womöglich soll aber auf diese Weise der türkische Tourismus indirekt geschützt, gefördert werden. Das kann man zwar verstehen, aber fair gegenüber Urlaubern ist das natürlich nicht..

Das UK hat bereits reagiert und die Türkei von der Liste der sicheren Reiseländer gestrichen!

______
https://www.blick.ch/news/ausland/regierung-erdogan-rechnet-die-lage-schoen-um-den-tourismus-anzukurbeln-tuerken-tuerken-corona-zahlen-id16131341.html?utm_source=BLICK%2BNewsletter&utm_campaign=0d32de871f-EMAIL_CAMPAIGN_2020_10_07_03_38&utm_medium=email&utm_term=0_e3faa554f0-0d32de871f-216035377


Heftige Kämpfe zwischen Armenien und Azerbaidjan!

27. September 2020

Am heutigen Sonntag seien LE MONDE und AFP zufolge heftige Kämpfe mit Toten und Verletzten auf beiden Seiten ausgebrochen. Sie fanden in der separatistischen, von Armenien unterstützten Region Nagorny-Karabakh statt. Moskau, Paris und die EU fordern einen sofortigen Waffenstillstand!
Beide Seiten geben dem jeweils Anderen die Schuld am Ausbruch der Kämpfe…

Diese Kaukasusregion kann im Konfliktfall schnell Russen und Türken mit hinein ziehen und unkontrollierbar eskalieren…

Azerbaidjan will sechs von Armeniern kontrollierte Dörfer „zurück erobert“ haben.

Armenien habe die Generalmobilmachung und das Kriegsrecht ausgerufen. Sicher wird die NATO ihnen helfen, oder?


Griechenland, Türkei, EU, NATO, USA, UK, Russland…

15. September 2020

Der Schlamassel im östlichen Mittelmeer zieht sich immer mehr in die Länge. Ein EU-Beitrittskandidat und NATO-Mitglied, die Türkei, bestreitet einem EU- und NATO-Mitglied- und Nachbarstaat, Griechenland Teile dessen Territorien bzw. deren Nutzungsrechte. Dabei haben sich aus den unterschiedlichsten Gründen noch andere EU- und NATO-Staaten wie Italien vor allem aber Frankreich direkt eingemischt. Dazu kommen dann noch (mindestens!) die Nur-NATO Staaten UK und die USA. Dahinter dürfte noch Russland Interessen in dieser Gegend der Welt verfolgen?

Da sind also kommerzielle und territoriale Interessen der Anrainerstaaten. Dazu kommen (theoretisch!) übergeordnete Interessen der EU und der NATO. Dann sind da noch die globalen Interessen der USA, des UK und natürlich Russlands. Ob im Hintergrund auch China eine Rolle spielt?

Es geht um bereits gefundene und zusätzlich vermutete Erdgasbestände, die alle Seiten entweder besitzen oder zumindest kontrollieren möchten.

Erdogan fährt mit seiner Marine in griechischem und zypriotischen Seegebiet herum und beschützt ein illegal Gas suchendes türkisches Forschungsschiff, die „Oruc Reis“*, das mittlerweile wieder das türkische Antalya angelaufen hat.

Die Griechen schimpfen, wollen aber keine militärische Auseinandersetzung mit der Türkei. Die Franzosen schicken symbolisch eine aus zwei Rafale-Jets bestehende Luftstreitmacht nach Zypern. Die Briten, sowieso auf Zypern stationiert, halten den Ball flach und schweigen.

Die NATO ist derweil mit griechischen(!), türkischen(!), französischen, italienischen, deutschen(?) und natürlich US-Kriegschiffen im östlichen Mittelmeerraum unterwegs. Wegen ihrer Beteiligung im Krieg in Syrien und ihres daraus resultierenden Marinestützpunktes Latakia sind auch die Russen vor Ort. Die meisten anwesenden NATO-Mitglieder sind zumindest symbolisch auf griechischer Seite. Die USA hingegen machen anscheinend Marinemanöver mit den Türken? Zumindest gibt es auf den 26.08.2020 datierte Fotos des US-Zerstörers „Winston C. Churchill“ (der auch US-Bürger war) im Netz, Seite an Seite mit der türkischen Fregatte TCG „Barbaros“.

Aber es kommt gelegentlich auch vor der libyschen Küste zu irritierenden Zusammenstößen zwischen türkischer und französischer Marine, denn die Türkei mischt inzwischen im ehemals französisch-italienischen Einflussgebiet aus Kolonialzeiten Libyen eifrig mit und fördert dort unkontrolliert die Aufrüstung. Die Türkei soll vor der libyschen Küste aber auch auf dem Festland nach Erdgas und -öl suchen wollen und verhandele darüber bereits mit der libyschen Regierung. Beide Staaten haben mal eben die neuen Seegrenzen im östlichen Mittelmeer neu ausgehandelt, die restlichen Anrainer durften zusehen und haben dies aus den Medien erfahren. Wie rechtsgültig sind eigentlich solche bilateralen Verträge nach internationalem Recht, wenn andere Staaten davon direkt betroffen sind?

Hat die EU in diesem Konflikt eigentlich eine gemeinsame Haltung?
Zumindest Macron hat auf Korsika ein Treffen von 7 tangierten EU-Staaten abgehalten, nämlich Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Malta, Griechenland und Zypern…
Griechenlands Regierung verkündet die Aufrüstung durch einen NATIONALEN Schild und bestellt sogleich 18 Rafale-Jets bei Frankreich und 4 neue Fregatten (von wem?) und modernisiert 4 alte Fregatten aus deutscher Produktion. Dazu Flugabwehr, Torpedos und viel, viel Munition! Wieviel Milliarden € steckt das hochverschuldete Griechenland jetzt in NATIONALE Aufrüstung?

Weder NATO noch EU scheinen hier noch eine Rolle zu spielen?
Können NATO und EU bei einem Streit zwischen Mitgliedern nicht helfen?

Zumindest die EU wird es versuchen und am 24. und 25. September einen EU-Gipfel zum Thema abhalten.

Was sagen die Frauen von der Leyen und Merkel, was Herr Michel dazu? Wie lange will die EU eigentlich noch versuchen Erdogan mit einem EU-Beitritt zu locken? Das hat bisher in keinem Falle funktioniert und meine Phantasie reicht nicht dazu aus, mir die dazu benötigte Einstimmigkeit der EU-Staaten für einen Beitritt der Türkei vorzustellen, z.B. die von Malta, von Zypern, von Griechenland, von Italien und von Frankreich?

Hat die NATO eine gemeinsame Haltung? Was sagt deren Generalsekretär Rasmussen? „Ja, aber…?“

Was sagen die USA bzw. Trump?

Was sagen die Russen bzw. Putin? „Net?“

Macron und Erdogan beschimpfen, provozieren und belehren sich derweil weiter gegenseitig über die Medien mit post-pupertärem Infantilismus, wie auf dem Schulhof…

Durch die Menge der Beteiligten und die Vielzahl der oft konträren Interessen eine potentiell gefährliche Ausgangslage für einen größeren Konflikt, der aus dem Ruder laufen könnte…
______
*(Das Schiff trägt den Namen eines lokalen osmanischen Regenten in Nordafrika, das Jahrhunderte lang zum Osmanischen Reich gehörte, bis es den Osmanen von Frankreich und Italien abgenommen wurde.
https://en.wikipedia.org/wiki/Oru%C3%A7_Reis)


Leben in spannenden Zeiten.

28. August 2020

Keine Ahnung, ob man das Jahr 2020 in Zukunft einmal als das Corona-Jahr bezeichnen wird? Das werden wir sehen!

Dazu kommt aber eine durch die Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmen ausgelöste internationale Wirtschaftskrise, deren Folgen man derzeit nur erahnen kann.

Weil das noch nicht genug Probleme sind, kommen die üblichen Verdächtigen dazu: Russland, China, Weissrussland und… ja auch ein paar Quertreiber in der EU und der NATO wären da noch zu erwähnen.

Über uns allen schwebt dazu global eine Klima-Krise mit Katastrophenpotential.

Von Europa aus betrachtet, man möge diese Eurozentrik entschuldigen, haben die Briten mit ihrem vermutlich unverhandelten Brexit einen verhängnisvollen Startschuss abgefeuert: Jeder sucht seinen eigenen Vorteil, andere Austrittskandidaten werden mittelfristig folgen. Solidarität beschränkt sich derzeit auf das Verteilen von möglichst vielen Schuldenmilliarden auf die EU-Mitglieder, „das für einander einstehen“ bei der Verschuldung, ohne die gleichzeitige Einhaltung vereinbarter Pflichten und Verträge. Eine Chancen- und Rechtsgleichheit der EU-Bürger in den diversen Mitgliedstaaten ist bisher nicht annähernd zu sehen. Statt dessen werden die von der südöstlichen Peripherie der EU gerne als Lohnsklaven über Sub-Subunternehmen im Zentrum der EU – vor unser aller Augen – in Bauindustrie, Landwirtschaft, Schlachthöfen, in medizinischen und Pflegeberufen ausgebeutet.

Angesichts der Missstände in unserer EU kommen die Bösewichte von Aussen geradezu wie gerufen: Eine der schillerndsten Figuren ist dieser Sultan Erdogan, der als EU-Beitrittskandidat diese EU nicht nur mit Flüchtlingsströmen erpresst, sondern auch als NATO-Mitglied andere NATO-Mitglieder wie Griechenland, Italien oder Frankreich potentiell bedroht, wenn sie seinen territorialen Plänen im südöstlichen Mittelmeer im Wege stehen. Gleichzeitig betreibt er mit Russland Gas-Pipeline-Projekte, kauft russische Waffen und steht trotzdem in Syrien (was macht der bloß da?) den Russen feindlich gegenüber. Um die oben genannten NATO-Partner-Staaten bei der Veränderung der Seegrenzen auf Abstand zu halten macht er sogar Manöver mit… Putin(?), nein mit Trump, bzw. den USA! Und er mischt in Libyen mit, gegen die EU und NATO-Staaten…
Wie lange soll diese Erdogan-Türkei noch „EU-Beitrittskandidat“ sein?

Über „den bösen Putin“ haben wir ja schon gesprochen, aber jetzt wagt der es doch, sich in Weissrusslands überfällige Demokratisierung einzumischen, fast so wie Polen, Littauen, die NATO oder gar Heiko Maas!
Gut, daß die NATO an diesen Grenzen seit Jahren militärisch aufrüstet. Sie steht bereit und ein paar tausend GIs aus Deutschland kommen noch hinzu.

Wenn man sich die Linie dieser potentiellen Konflikte ansieht, dann reicht diese von der Ägäis über das Schwarze Meer bis zur Ostsee. 75 Jahre nach dem Ende des WW2 könnte man vom anderen Ende des Atlantiks, aber auch aus Fernost betrachtet, einen lokalen europäischen Konflikt ja fast als Konjunkturprogramm betrachten? Gleichzeitig würde diese EU als wirtschaftlicher Wettbewerber und politischer Faktor wohl nahezu ausscheiden?

Der „Export-Weltmeister-Status“ wäre unter diesen Bedingungen schlicht Geschichte…




Wie die ARD-Tagesschau uns medial „rektal beeinflusst“!

25. April 2016

Gestern Abend, ARD-TAGESSCHAU, 20:00 Uhr. Ich höre nur mit einem Ohr hin, wie der Obama-Besuch in Hannover zelebriert, uns präsentiert wird. An einer Stelle hakt etwas bei mir im Unterbewusstsein ein, aber ich bin abgelenkt, habe anscheinend Besseres zu tun?

Heute fiel es mir wieder ein und ich habe die Meldung über Obama nochmals angesehen und angehört. Obwohl der deutsche Kommentar akustisch im Vordergrund steht ist Obama im Hintergrund deutlich zu hören, so ab 02:10 min der Sendung.

Obama sagt, daß er wegen Syrien besorgt sei und deswegen u.a. „…we are in constant communications with Turkey!“

Der deutsche Redakteur macht daraus: „…mit der BEFREUNDETEN Türkei sind wir ins ständigem Kontakt!“

Wie kommen die bei der Tageschau eigentlich dazu, bei dem Versuch „uns ständig das Gehirn zu waschen“, sogar den POTUS hörbar falsch zu übersetzen? Tun die das aus eigenen, freien Stücken, in „vorauseilendem Gehorsam“, oder gibt es mittlerweile gar eine Vorgabe der Regierung, wie mit Erdogans Türkei, die gerade mal wieder bei uns Kulturpolitik betreibt, umzugehen ist?

http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-13715.html


Da muss der Papst aber gestaunt haben?

22. April 2016

„Papst Franziskus, möge Gott dich segnen! Wir sind Latinos aus einem katholischen Land. Gott hat dich geschickt. Wir brauchen deine Hilfe!“

So habe es in spanischer Sprache auf einem einfachen Karton-Plakat, das dem Papst bei seinem Besuch bei den Flüchtlingen im Lager Moria auf Lesbos entgegen gehalten worden sei, gestanden.

Die spanische Zeitung EL MUNDO schreibt, daß sich unter den Bootsflüchtlingen, die nach dem Übersetzen vom türkischen Festland mit Schlauchbooten auf der griechischen Insel Lesbos im Lager Moria interniert worden seien, auch Gruppen von Wirtschaftsflüchtlingen aus dem karibischen Inselstaat Dominikanische Republik und dem mittelamerikanischen Honduras befänden! Konkret sprachen sie von einer Gruppe aus 28 Einwohnern der Dominikanischen Republik und einem Equatorianer, darunter 12 Frauen, davon eine schwanger.

Sie gelangten erst NACH dem EU-Türkei-Abkommen zu 63 Personen in einem Schlauchboot für 20 Personen nach Lesbos, weshalb sie nun alle dem Vertrag entsprechend in die Türkei zurück gebracht würden. Die Türkei habe aber keine Rücknahmeabkommen mit Lateinamerikanischen Ländern, so daß ihr End-Verbleib offen sei.

Sie seien nach Istanbul geflogen, dann mit Autos an die türkische Küste gebracht und für tausend Euro im Schlauchboot nach Lesbos übergesetzt worden. Praktisch alle von ihnen wollten nach Spanien, wo es bereits ca. 120.000 von ihnen – legal oder illegal – gäbe, zu denen teilweise bereits Beziehungen und Kontakte beständen. Aber Spanien bestünde auf einem wirtschaftlichen Mindestniveau dieser Migranten als Voraussetzung einer Visa-Erteilung und deshalb dieser Umweg über die Türkei und Griechenland in die EU!

Es ist erstaunlich und bezeichnend, daß diese Menschen nicht etwa versuchen in die doch wesentlich näheren USA zu emigrieren, sondern diesen längeren, teureren und lebensgefährlichen Versuch der Einreise nach Europa wagen.

Die meisten seien Wirtschaftsflüchtlinge, einer bezeichnete sich als politisch verfolgter Gewerkschaftler. Spanien hat 2014 keinem Asylantrag aus der Dominikanischen Republik statt gegeben. In 2015 seien 279 Anträge gestellt worden. Einige der auf Lesbos internierten hätten ihre Häuser auf ihrer Karibik-Insel beliehen für das Türkei-Griechenland-Spanien-EU -Abenteuer und nun müssten sie monatliche Tilgungen leisten, die sie nicht bedienen könnten, weil sie im Lager auf Lesbos nicht arbeiten dürften. Sicher Einzelfälle, trotzdem tragisch…

__________
http://www.elmundo.es/internacional/2016/04/22/57192391e5fdeabe5b8b4696.html