Sieben Monate danach: Eurojust und das Lac d’Annecy Massaker.

31. März 2013

Am 19. und 20. März fand bei EUROJUST in Den Haag eine Tagung über den Ermittlungsstand in der Mordsache Al Hilli und Andere in Chevaline, Haute Savoie, Frankreich statt, die am 5. September 2012 geschehen war.

EUROJUST gab dazu eine Pressemitteilung heraus, die diplomatisch neutral, technisch sauber und brillant die Ermittlungsabläufe und Koordinierung zwischen den Ermittlern aus den beteiligten Ländern Frankreich, UK, Schweden, Spanien und der Schweiz beschrieb. (Italien wird nicht erwähnt, obwohl sich der Tatort nahe an der italienischen Grenze befindet und andernorts seinerzeit über Ermittlungen in Italien berichtet wurde?)

http://eurojust.europa.eu/press/PressReleases/Pages/2013/2013-03-20.aspx

Zur Sache selbst, dem Stand der Ermittlungen im Falle der Al Hillis und Sylvain Molliers, stand darin kein einziges Wort!

Was aber ist der letzte bekannte Stand der Ermittlungen in diesem Rätsel?

In Genf war ein Schweizer festgenommen und wochenlang verhört, dann aber als entlastet wieder freigelassen worden! Man hatte über die am Tatort in Chevaline vorgefundenen leeren Geschosshülsen der 7,65mm Parabellum Munition deren genaue Produktionscharge und in der Folge deren Verbleib bis zu dem Schweizer ermitteln können. Der Vorwurf an ihn lautete zunächst, die Tatwaffe beschafft zu haben.

Seine Freilassung wurde mit fehlerhaften Analysen begründet und der Mann als vollkommen entlastet bezeichnet!

Dann wurde erneut Zaid, der Bruder Saad Al Hillis in Surrey vernommen. Seine Arbeit, bzw. Tätigkeit zum Tatzeitraum wird erneut minutiös untersucht. Auch für die Details des Millionen Erbes der Al Hilli Brüder, bestehend aus Bargeld in einer Genfer Bank und der Immobilie in England, interessieren sich die Ermittler noch immer sehr.

Aber hätte Zaid als Täter, seine beiden Nichten, die ihn kannten und ihn jederzeit hätten identifizieren können, am Leben gelassen? Er hätte auch sofort gewusst, dass die Kleine fehlt und irgendwo im oder am Fahrzeug versteckt sein musste!

Ein merkwürdiges Detail am Rande: RTL-France behauptet als einziges Medium in einer grafischen Tatortskizze, dass Iqbal Al Hilli, die hinter ihm auf der rechten Fahrzeugseite sitzende Ehefrau des Saad Al Hilli, am ganzen Körper keine Schussverletzung aufgewiesen habe? Woran starb sie dann? Sie hatte ja die ganze Zeit ihre kleine Tochter zwischen den Beinen und im Fußraum des BMW platziertem Gepäck versteckt.

Die entscheidende Frage nach dem Tatmotiv bleibt weiter offen!
War es Hass und wenn ja, aus welchem Grund? Familiär, ideologisch, materiell?
War es Angst vor Identifizierung? Wer durfte am Tatort nicht erkannt werden und warum?
War es der durchgeknallte Irre, der Waffennarr aus der Gegend, der am Ende seine Tat doch höchst  erfolgreich durchführte?
Ein ähnlicher Fall in der Schweiz wurde geprüft und als nicht zusammenhängend mit der Untat von Chevaline eingestuft…


Neues zum Lac d’Annecy-Massaker: Al-Hilli überfuhr Mollier mit dem BMW!

28. Oktober 2012

LE MONDE will Ermittlungsergebnisse der Generaldirektion der Gendarmerie Nationale gesehen haben, die einen partiell neuen Einblick in das Tatgeschehen erlaubten.

Die kürzlich von mir geforderten Angaben zur Munition und Waffe sind gemacht: Es handelt sich um eine 7,65mm Parabellum oder Luger Patrone der Dimension 7,65 x 21mm, abgefeuert aus einer hundertjährigen Waffe, vom Typ P 06, dem Vorläufer der berühmten P 08! Sie dürfte noch seltener und damit in Waffen-Sammlerkreisen hochbegehrt  sein. Dies sollte die Ermittlungen eigentlich vereinfachen?

Die Tatwaffe von Chevaline!

Zum Tatablauf darf man wohl annehmen, dass die al-Hillis niemals diesen Parkplatz aufgesucht hätten, wenn die Leiche Sylvain Molliers dort gelegen hätte?

Sie waren also zuerst da, Vater und ältere Tochter, außerhalb des Autos, der Rest der Familie im BMW, als Sylvain Mollier auftauchte.

Dieser Mollier fuhr ein Mountain-Bike der 5.000+Euro-Klasse, soll zuvor noch nie in der Gegend gefahren sein, die ihm von seinem Schwiegervater empfohlen worden war.

Die Waffe konnte identifiziert werden, weil Fragmente(?) der Waffe am Tatort auf dem Boden gefunden worden seien. Hatte der Täter die Waffe also fallen lassen oder fand gar ein Kampf am Tatort statt? Oder handelt es sich um die leeren Magazine? Dann hätte man aber die „Fragmente“ wohl auch als solche bezeichnet?

Al-Hilli soll versucht haben mit seiner Tochter schnellstens das Auto zu erreichen. Ihm gelang dies, seiner Tochter nicht. Warum die Eile? Weil Sylvain Mollier niedergeschossen worden war?

Al-Hilli soll rückwärts gefahren sein, dabei den liegenden Mollier angefahren haben, dessen Körper entsprechende Spuren zeigte. Der Mörder sei dem Fahrzeug dabei schiessend schiessend gefolgt. Dann habe al-Hilli sich beim Versuch zu wenden festgefahren. Jetzt, immobil geworden, konnten die Insassen ihrem Mörder nicht mehr entkommen, der sie mit Kopfschüssen tötete.

Dann schoss der Täter erneut auf den am Boden liegenden Mollier. Die Munition ging ihm aus und er versuchte die ältere Tochter Zaynab, die bereits eine Schussverletzung erlitten hatte, mit der Waffe zu erschlagen.

Dann hörte er plötzlich auf und floh vom Tatort. Ob er selbst etwas gehört hat, oder von einem „Schmiere stehenden“ Komplizen gewarnt wurde ist noch unklar.

Zeugen wollen einen Mann auf einem Motorrad gesehen haben, der, mit den Beinen auf der Erde das Gleichgewicht zu halten suchend, den Eindruck eines ungeübten Fahrers machte. Da von unten bereits der Ex-RAF-Brite William Brett Martin mit dem Fahrrad nahte und hinter ihm der französische Walker/Wanderer mit seinen beiden Begleiterinnen bergauf kamen, ohne diesen Motorradfahrer zu erwähnen, müsste der bergauf oder seitlich geflüchtet sein. Interessant wäre, ob er den Zeugen passend gekleidet erschien, also z.B. auch als Biker zum Tatort gekommen sein könnte oder woher sonst das Motorrad stammte?

Der Täter muss bei diesem Waffentyp eine Kugel im Lauf und insgesamt drei volle Magazine mit sich geführt und bei der Tat zwei Magazinwechsel durchgeführt haben um auf 25 abgegebene Schüsse zu kommen. Die leeren Magazine hat er dabei nicht weggeworfen sondern eingesteckt. Das lässt trotz aller Emotionalität und Brutalität der Tatausführung auf rationales Handeln schließen und einen vertrauten Umgang mit der Oldtimer-Waffe. Ein Schütze mit einer solchen, seltenen Waffe sollte in Schützen- und Sammlerkreisen Spuren hinterlassen?

Deutsche Geheimdienste(!) hätten von einer Spur des Vaters von Saad al-Hilli zum Vermögen Saddam Husseins gesprochen. Der verstorbene Vater besass ein Konto mit einem Millionenbetrag im nahen Genf. Dieses Konto soll aus einer Zeit stammen als Saddam Hussein mit der Aktion Embargo-Waren gegen Öl einen regen Tauschhandel führte. Der Streit der al-Hilli-Brüder sei um dieses Konto und nicht um das eigentliche väterliche Erbe geführt worden.

http://www.lemonde.fr/societe/article/2012/10/27/tuerie-de-chevaline-les-secrets-d-une-scene-de-crime_1782012_3224.html