Herbst 2012: Stimmung in der EU kippt, genug gespart, es reicht!

1. Oktober 2012

In Portugal, Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich und sogar in Deutschland wird gegen die Sparexzesse der Bankenrettungsgeilen nationalen und EU-Politiker gestreikt.

Zwar wird in den Medien durchaus darüber berichtet, aber in einer minimalen Art und Weise, die den Protest tendenziell herunterspielt als eher vereinzelte, exotische Aktionen von faulen Südeuropäern und unbelehrbaren Linken.

Solidarität der europäischen Völker darf weder gezeigt noch thematisiert werden, statt dessen wird lang und breit über das uns angeblich Trennende doziert und berichtet.

Die unweigerliche Folge dieser verlogenen Haltung: Die EU hat inzwischen in weiten Teilen der Bevölkerung , besonders bei der Arbeits- und perspektivlosen Jugend, jeden Kredit verspielt.

Man kann aus sturer Dummheit á la Merkel-Deutschland, aus einer ursprünglich gut gemeinten Sache wie der – allerdings schon verkorkst gestarteten – Währungsunion, durch Inflexibilität und völligem Mangel an Empathie, eine bürgerkriegsähnliche Stimmung erzeugen. Merkel ist gerade dabei, diesen Beweis zu erbringen!

Es gibt absolut keinen Grund für ganze Völker sich wegen der geistigen Beschränktheit einzelner Politiker als Sklaven vor den Karren des Bankenunwesens spannen zu lassen um diesen aus dem Dreck zu ziehen!

Niemand hat das Recht Generationen und Völkern eine menschenwürdige Gegenwart und lebenswerte Zukunftsperspektive zu verwehren nur um einer handvoll Gierlappen ihr Zocker-Spielgeld risikolos und hochverzinst zu garantieren.

Risikozinsen gibt es für Risiko! Manchmal, noch viel zu selten, tritt der Fall ein, dass eine Investition verloren geht. Es wäre noch nicht einmal aus der Sicht dieses perversen Systems richtig, hier in die „ach-so-hoch-gelobten-freien-Kräfte-des-Marktes“ einzugreifen. Dadurch vergrößert sich die um den Globus schwappende Geldblase noch und richtet noch höheren Schaden an, denn Morgen will sie wieder irgendwo Zinsen abgreifen.

Im Moment kann gar nicht genug Geld verbrannt werden, wenn man darauf besteht, dass existierendes, im Markt zirkulierendes Geld ein „Menschenrecht“ auf Verzinsung hat! Jeder erlebt doch bei seinem Kreditinstitut, dass man auch ohne nennenswerte Verzinsung Guthaben anlegen kann, bei denen nicht einmal ein Inflationsausgleich geleistet wird. Das ist der Beweis, dass es geht!

Jetzt kommt das Frankreich des François Hollande unter Druck. Wenn er aber, wie es ja schon einmal passierte, zusammen mit Monti und Rajoy an einem Strick zieht und Griechen und Portugiesen ihnen dabei helfen, dann haben sie die gebündelte Kraft Merkel nicht nur über den Tisch sondern auch von einer Ecke Europas zur anderen zu ziehen. Deutschland muss entweder mitspielen, oder sich einen anderen Spielplatz suchen.

Und warum sollte Deutschland mitspielen? Weil dies kein nationales, sondern ein Schichten- oder Klassenproblem in Europa ist! Weiten Kreisen der Unter- und Mittelschicht in Deutschland stehen die protestierenden Menschen Südeuropas in Wirklichkeit erheblich näher, als der Banker an der nächsten Ecke. Man tut nur alles, diesen Gedanken nicht aufkommen, nicht reifen zu lassen!

Statt dessen werden Vorurteile und fremdenfeindliche Stereotype gepflegt und gezüchtet. Das ist schließlich alles besser als die SCHWEINEGEFÄHRLICHE länderübergreifende Solidarität der europäischen abhängig Beschäftigten!

Zu den Protesten des vergangenen Wochenendes in Paris,  kam es nur zwei Tage  nach der Vorstellung des Haushaltsentwurfs für 2013, dem zu Folge 10 Milliarden durch Einsparungen im Sozialbereich und 20 Milliarden durch Steuererhöhungen geplant sind. Das reichte, die Franzosen zu zehntausenden auf die Straße gehen zu lassen und Protestierende aus anderen Ländern der EU machten solidarisch mit.

Aber dieser Protest war hoffentlich nur eine lockere Aufwärmübung für den 9. Oktober, an dem die Gewerkschaften zum Streik aufgerufen haben, in einem Frankreich mit zehn Prozent (offiziellen!) Arbeitslosenzahlen und Großunternehmen, die Kürzungen und Entlassungen angekündigt haben…

Für einen menschlichen Politikwechsel in ganz Europa!


Spanien: Streiflichter zur Krise aus ULTIMA HORA, EL PAÍS.

1. Juni 2012

Spanien war im März das EU-Land mit der höchsten Arbeitslosigkeit (24,3%), gefolgt von Griechenland (21,7%), Lettland (15,2%) und Portugal (15,2%).

Die EU-Länder mit der geringsten Arbeitslosigkeit waren Österreich (3,9%), Luxemburg  und die Niederlande (beide 5,2%) sowie Deutschland (5,4%).

Spanien hievt die Arbeitslosenquote in der EU auf satte 11%. Im Euro-Raum gibt es 17,4 Millionen, in der ganzen EU gar 24,6 Millionen Menschen ohne Arbeit!

Der Verkauf von Neuwagen in Spanien stürzte im Mai um 8,2% auf 72.442 Fahrzeuge ab und wird bis zum Jahresende auf dem Niveau von Marrokko angelangen.

Der Risikoaufschlag Spaniens für neue Kredite stieg angesichts der fehlenden Lösung der Bankenkrise auf den Rekordwert von 542 Basispunkte bezogen auf den deutschen Bezugswert. Zehnjährige Anleihen kosteten 6,5%. Ab sieben Prozent werden Rettungsmaßnahmen der EU und des IMF erwartet.