Erdoğan: Moscheen abreissen um Straßen zu bauen!

22. Oktober 2013

Von wegen Islamisierung der Türkei durch den türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdoğan, (T PM RTE), wer hätte das gedacht? Bei einem AKP-Meeting im Parlament sagte der T PM RTE anläßlich der Proteste und Kritik an ausgedehnten Baumfällungen für die dritte Bosporus-Brücke Istanbuls, „dass er der Öffentlichkeit diene und nicht Individuen und dass er sogar eine Moschee* abreissen lassen würde, wenn sie einer geplanten Straße im Wege stünde!“

Umweltorganisationen befürchten, den im Juni begonnen Arbeiten könnten die letzten grünen Wälder Istanbuls zum Opfer fallen. Der Minister für Forsten und Wasser Veysel Eroğlu hatte für den Brückenbau die Fällung von 381.096 Bäumen angekündigt.  Andere nennen erheblich größere Zahlen.

Einmal in Fahrt gekommen, fügte T PM RTE hinzu, dass „die Brücke nicht nur den Bewohnern Istanbuls diene, sondern der gesamten Menschheit (warum nicht gleich dem ganzen Universum?)!“

„Die Protestierer, die Straßen blockierten, seien moderne Banditen“, sagte T PM RTE.

Angesichts diesen erneuten Beweises einer fortschrittlichen demokratischen Geisteshaltung, sollte die EU sich überlegen, ob sie nicht noch schnell ein paar Verhandlungskapitel über den türkischen EU-Beitritts eröffnet, aber ganz pronto bitte?

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*( aus dem Museum Hagia Sophia in Eminönü, der ehemals berühmten Sophien-Kirche, könnte man doch auch anstatt einer Moschee einen hübschen Parkplatz machen, eine Tiefgarage zum Beispiel?)


Recep Tayyip Erdoğan zunehmend unkalkulierbar? Setzen die USA auf Abdullah Gül?

29. September 2013

Erdoğan hatte in letzter Zeit keine Erfolgserlebnisse bei Obama. An den wesentlichen Schritten in der Syrien Krise war er nicht beteiligt, bzw. wurde er nachträglich auf dem Dienstweg durch die Außenminister informiert. Dies hat ihm sicher nicht gefallen. Ob Syrien, Ägypten, Israel, oder Palästina, in der UN, im Sicherheitsrat, die Positionen Erdoğans erhielten selten Beifall in Washington, DC. Kein Treffen mit Obama beim G20 in St. Petersburg, obgleich er sich selbst öffentlich dafür empfohlen hatte.

Der Kauf des chinesischen Raketenabwehrsystems FD-2000 ist durchaus rational begründbar, weil es billiger ist, weil es gemeinsam produziert wird, weil Technologietransfer an die Türkei vereinbart wurde. Gleichwohl ist es ein Affront an die NATO, die USA und deren Rüstungsindustrie.

Ob das chinesische FD-2000 besser wäre als die Konkurrenten Russlands Rosoboronexport S-400, das Französisch-italienische Eurosam Aster 30 oder das US Raytheon Patriot, vermag ich nicht zu sagen. Sicher ist, die Türkei hätte vom Westen nicht dieses Gesamtpaket bekommen.

Die Frage ist, ob Erdoğan emotional reagiert hat, ob er beleidigt ist, oder ob er sich kühl kalkulierend bei dieser Gelegenheit einfach etwas mehr Manövrierfreiheit verschaffte. Wenn er regionale Hegemonialmacht aus eigener Kraft sein möchte, dann braucht er diese Handlungsfreiheit und darf nicht als Wachhund der USA an der Grenze von Europa und Asien gelten. Aber auch das „türkische Modell“ eines politisch gemäßigten Islam bei demokratischen Verhältnissen steht auf dem Prüfstand. Ob es nach den jüngsten Erfahrungen in Lybien, Ägypten und Syrien noch Bedarf an politischen islamischen Gesellschaftsmodellen gibt, das darf bezweifelt werden. Säkulare Systeme haben offenbar auch ihre Vorteile. Vorbild dafür ist die Türkei Erdoğans jedenfalls nicht. Dort scheinen die Zeiten Atatürks endgültig vorbei zu sein?

Dass sich die Beziehungen zu den USA zur NATO und Europa dadurch etwas verschlechtern ist wohl der unvermeidbare Preis dafür. Andererseits wissen alle Beteiligten genau, was sie an der Türkei haben und das wird sich aus Eigennutz des Westens schnell einpendeln und regeln.


Tschüss, EU: Die Türkei startet durch und hebt ab!

26. September 2013

Yiğit Bulut, beschrieben als Top-Berater des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, empfiehlt der Türkei ihre EU-Beitrittsbemühungen zu beenden um schneller zu wachsen!

Die Türkei sei Zentrum und Anführer eines Kreises der den Nahen Osten, Zentralasien und Afrika umfasse. Die türkische Führungsrolle sei auf natürlichem Wege entstanden, als die Türkei 2006 die ihr von den westlichen Imperialmächten seit 1850 vorgezeichnete Route aus eigenem Entschluss verlassen habe. Heute sei alles unter Kontrolle und es unterliege dem Willen der Türkei und nicht der Imperialmächte. Das türkische Gesellschaftsmodell und die natürliche Führungsrolle der Türkei diene als Vorbild  für die neuen Staatsformen die im Nahen Osten, in Zentralasien und Afrika im entstehen seien.

Die Türkei sollte sich das EU-Szenario schnellstens vom Hals schaffen. Wir machen immer noch mit denen rum, die uns seit 150 Jahren von nicht existierenden „Roadmaps“ erzählen und unsere Zeit verschwenden. Ein neues Zivilisationsprojekt entstünde heute eher aus dem Reichtum und den Wurzeln der türkischen Geschichte, als aus der sich in Auflösung befindlichen EU, so meint Bulut.

Am härtesten geht der zuständige Minister für Europa-Fragen Egemen Bağış mit der EU ins Gericht. Er lässt keine Chance aus, der EU die Schuld für alle Stockungen und Verzögerungen beim Beitrittsprozess zuzuweisen.  Selbst türkische Beobachter konstatieren, dass er absolut nichts zu dem Annäherungsprozess beigetragen hätte. Auf der Ebene des Premierministers und des Präsidenten wird die EU zwar noch immer als ein strategisches Ziel bezeichnet, Beobachter sehen den ursprünglich einmal vorhandenen Enthusiasmus aber von Tag zu Tag schwinden.

Deutschland und Frankreich hätten den Beitrittsprozess für drei Jahre eingefroren. Der Bundestagsabgeordnete İsmal Ertuğ wird zitiert, dass Merkels Wahlsieg die Chancen für die Eröffnung neuer Verhandlungskapitel nicht verbessert habe. Hätte es den Gezi-Park Zwischenfall nicht gegeben, hätte man andere Gründe  gesucht und gefunden, konstatierte er.

Türkische Beobachter aus dem Universitätsbereich sehen es differenzierter: Das Meinungsspektrum reicht von „man könne nicht alle Schuld auf die EU schieben“ bis hin zu „die EU wollte uns von Anfang an mit dem Beitrittsprozess ausbremsen und abwürgen“.

Wenn solche Ansichten in Recep Tayyip Erdoğans Umfeld vorherrschen, dann erklärt das so einiges, was in letzter Zeit stattgefunden hat und zu einem schleichenden Entfremdungsprozess auf beiden Seiten geführt hat.


Ausgebremst: SCO sieht die Türkei als Trojanisches Pferd der USA und NATO!

25. September 2013

Die türkischen Ambitionen Beobachterstatus oder gar die Vollmitgliedschaft in der SCO zu erlangen, wie Recep Tayyip Erdoğan es einmal „laut“ gedanklich ins Spiel brachte, haben einen Dämpfer erhalten. Zum letzten Treffen in Bishkek wurde die Türkei nicht einmal eingeladen.

Noch im April hatte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu in Almaty, Kasachstan mit dem Generalsekretär der SCO, Dmitry Mezentsev, eine Absichtserklärung unterzeichnet, die der Türkei den Status eines Dialog-Partners, vergleichbar mit Weissrussland und Sri Lanka, verlieh. Man spricht also zumindest miteinander.

Die SCO-Mitglieder können anscheinend die Eile der Türkei, ihren Status in der Organisation anzuheben nicht ganz nachvollziehen. Zu klar wird sie als auf der Seite der USA und NATO stehend wahr genommen. Auf dem angestrebten Level eines Beobachters würde die Türkei auf ihren Nachbarn Iran treffen, der in der Frage Syrien ebenfalls eindeutig positioniert ist.

Sofort werden finstere Mächte, die übliche Verschwörung gegen die Türkei konstatiert: Ein Vollmitglied sei dagegen und zwar China! Jedenfalls scheint damit klar, dass die Wünsche des Recep Tayyip Erdoğan für die SCO-Mitglieder nicht gleich Befehle sind, die es umgehend zu erfüllen gilt.

Andere konstatieren realistischer, dass jedes SCO-Mitglied seine eigenen Gründe gegen die Türkei habe und mahnen zur Intensivierung der türkischen Kontakte in der Region.

In der Syrien-Frage steht die Türkei diametral gegen Russland und China. Vor einigen Jahren hatte Recep Tayyip Erdoğan die Unruhen der turkstämmigen Uighuren in China als einen “beinahe Völkermord“ bezeichnet und sich damit keine Freunde gemacht in China.


Erdoğan, Irrer oder „weiser Seher“?

27. August 2013

Über Leo Brux und sein unentbehrliches Blog blog.initiativgruppe.de stiess ich auf die DTN-Meldung, dass Erdoğan den Austritt der Türkei aus der UN erwäge. Meine erste Reaktion war klar, sie lautete etwa so, „jetzt ist er endgültig durchgeknallt“, der Recep natürlich, nicht der Leo! Dann dachte ich etwas länger über diese Frage nach und kam zu einem differenzierteren Urteil.

Erdoğans Aussagen sind m.E. zunächst einmal sachlich richtig und politisch in sich schlüssig. Die Behauptung des von den DTN zitierten „Experten für türkische Aussenpolitik“(?) Dr. Günter Seufert hingegen, von einer politischen Isolation der Türkei, kann ich nicht uneingeschränkt nachvollziehen.

Tatsache ist, dass das Kräfteverhältnis im Un-Sicherheitsrat dem Zustand der Welt Mitte der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts entspricht. Die vertretenen Mächte entsprachen im Wesentlichen der Anti-Hitler-Koalition im WWII. Dass heute, rund 70 Jahre nach dem WWII klar von den USA abhängige Länder wie Großbritannien und Frankreich Veto-Mächte sind und Indien und Brasilien zum Beispiel nicht einmal vertreten sind, ist ein Anachronismus, der in keiner Weise den Realitäten von 2013 entspricht. Der UN-Sicherheitsrat ist zusammen mit dem selektiven Gebrauch des Argumentes der Menschenrechte ein Kontroll- und Kampfinstrument des Westens, dem von Russland oder China nur ein gelegentliches Veto entgegen gesetzt werden kann.

Erdoğans Bemerkung war womöglich aus dem Zusammenhang gerissen worden?
Er hätte wohl besser zunächst für eine konkrete Überarbeitung der UN-Satzung, der Zusammensetzung der Gremien und der Spielregeln geworben und Verbündete dafür gesammelt und erst danach, sollte es – wie zu erwarten ist – zu keiner Einigung kommen, eine Alternativ-Organisation in den Raum stellen sollen? Aber die Türkei ist keineswegs isoliert, nicht einmal im Westen, vom Osten ganz zu schweigen. Sie ist ganz klar mittlerweile zu einem Machtzentrum aus eigener Kraft gewachsen und Obama weiss dies und berücksichtigt dies. Über die EU kann Erdoğan ganz gelassen lachen. Die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei und die Verschiebung der Machtverhältnisse im Nahen Osten haben die Notwendigkeit eines  EU-Beitritts obsolet gemacht. Die Türkei braucht ihn nicht mehr, sie will ihn vermutlich nicht mehr und er würde auch nicht funktionieren. Glaubt vielleicht jemand, Erdoğan würde sich von Lady Ashton, Barroso, van Rompuy & Co. bindende politische Vorgaben machen lassen und stimmgleich mit Belgien und Luxembourg in Brüssel sitzen wollen?

Aber faktisch ist es ohnehin der Westen selbst, der den UN-Sicherheitsrat entwertet, wenn er ankündigt, notfalls auch ohne dessen Einschaltung in Syrien tätig werden zu wollen. Der Westen nutzt den Rat, wenn es ihm passt und missachtet ihn und UN-Beschlüsse, wenn es ihm nicht passt (z.B. in Fragen Israel betreffend). Obama hält es übrigens mit dem US-Parlament ganz ähnlich.

Es gibt außer den USA, dem UK, Frankreich, Israel und der Türkei(!) niemanden, der militärisch in Syrien eingreifen möchte, die US-Vasallen Saudi-Arabien und Katar lasse ich hier mal unerwähnt. Trotzdem wird es wohl zu einem solchen Eingreifen kommen, aus fabrizierten Gründen, wie wir es aus dem Irak und Lybien bereits kennen und wie es offenbar auch schon für den Iran geplant ist. Wir schlittern in einem Krieg von globalen Dimensionen. Man nennt das Weltkrieg… Obama soll sich am vergangenen Wochenende bereits auf ein militärisches Vorgehen mit Cameron geeinigt haben. Die Franzosen freuen sich, mitmachen zu dürfen und auch Guido Westerwelle und Frau Merkel werden rechtzeitig die Kurve kriegen…

Gestern noch im Kanal, Morgen Syrien und dazwischen Gibraltar befreien?

Gestern noch im Kanal, Morgen Syrien und dazwischen Gibraltar befreien?

Bei den erwarteten riesigen unterseeischen Gas- und Ölvorräten im östlichen Mittelmeer zwischen Zypern, Israel, Libanon, Syrien und der Türkei und den gigantischen Gewinnerwartungen wird jetzt der Player mit den besten Raffinerien und Pipelines vor Ort in Aleppo, nämlich Syrien ausgeschaltet, bzw. übernommen. Das ist der Plan. Die Pläne des Westens gehen aber zuletzt häufig schief und führen zu Massentod, Verelendung und Chaos, von ihrer moralischen Verkommenheit mal ganz abgesehen. Russland, China, der Iran und Andere werden sich dies nicht ewig tatenlos ansehen können. Dieses Machtpoker-Spiel nähert sich deshalb nahezu zwangsläufig seinem bösen Ende…


Spanien: Mariano Rajoy, Präsident auf Abruf!

24. Juli 2013

Der Mann hat viele schlimme Dinge zu verantworten in Spanien als Exekutor neoliberaler Politik nach Merkelschen, bzw. Wall Street Vorgaben. Er braucht einem also nicht gleich übermäßig Leid zu tun. Leid tun sollte einem eher das Millionenheer der Arbeitslosen, das allerdings nicht nur in der Ägide der PP entstanden ist.

Trotzdem empfinde ich so langsam genau ein solches Gefühl des Mitleids, wenn ich einen zutiefst unglücklichen, hilflos wirkenden Menschen sehe, der sich hoffnungslos in seinem Lügen-Dickicht verstrickt hat und sich nur mit Hilfe von Mantra- bzw. Gehirnwäschartig vorgetragenen Wortstanzen von Tag zu Tag weiter durchs Amt hangelt.

Von einer funktionierenden Regierung kann in Spanien derzeit wohl keine Rede sein? Zuerst waren es die eigenen Medien, dann die internationalen Medien und mit dem Portugiesen José Manuel Durao Barroso ist es nun erstmals ein hoher EU-Politiker, der direkt fragt, ob Rajoy am Ende über den Schwarzgeld- und Bestechungsfall Bárcenas stürzen könnte?

Dankenswerter Weise verdankt die Welt das Wissen um diese Frage Barrosos, der selbstlosen Indiskretion des LAPAO*-sprachigen Katalanen Josep Antoni Duran i Lleida, Präsident der Unió Democrática de Cataluña (UDC) und Sprecher des Bündnisses CiU im spanischen Kongress.

Er, Mariano Rajoy Brey, habe eine satte parlamentarische Mehrheit in fast allen Parlamenten Spaniens und die Wirtschaft und das höchste Gericht auf seiner Seite, erklärte Duran dem erstaunten Portugiesen und deutete an, dass Rajoy und seine PP der Welt das Beispiel einer machtgeilen Partei bieten wolle, die glaube (ähnlich wie dies der bekannte türkische Demokrat Recep Tayyip Erdoğan zu sehen pflegt), dass man sich nach gewonnener Wahl alles erlauben könne, das Mandat des Wählers sozusagen ein Freibrief sei für die Zeit zwischen zwei Wahlen. Nun sei Erdogans Rezept der Inhaftierung von etwa 200 unbotmäßigen Journalisten hier nicht zur Nachahmung empfohlen. Parallelen jedoch gibt es durchaus: Beide haben sich vor Kritik weitgehend zurück gezogen auf einen kleinen Kreis von Ja-Sagern, der ihnen die objektive Lagebeurteilung zumindest erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht!

Ich wage den Tipp, dass Mariano Rajoy „verbrannt“ ist und eher früher als später gehen muß. Seine Vize-Präsidentin María Soraya Sáenz de Santamaría Antón hat wohl nicht das Teflon-Format zur spanischen Merkel, auch wenn sich beide kürzlich schon mal in Berlin beschnuppern durften. Die Generalsekretärin der PP María Dolores de Cospedal García steckt selbst bis über beide Ohren im Bárcenas-Skandal der eigentlich PP-Skandal heissen müsste. Wahrscheinlich scharrt irgendwo sein Vor-Vorgänger, der unsägliche José María Aznar López mit den Hufen und wartet darauf gerufen zu werden, denn eines ist natürlich sonnenklar: Spanien gehört mit Haut und Haaren der PP, ganz alleine ihnen, den Enkeln des Caudillo Francisco Paulino Hermenegildo Teódulo Franco y Bahamonde Salgado Pardo und der Zweck heiligt so gut wie alle Mittel, damit das auch in absehbarer Zukunft so bleibt!

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*(LAPAO = lengua aragonesa propia del área oriental = PP-Neusprech um nicht das böse Unwort „Catalá“ sagen zu müssen!)


Nach Androhung von Strafzöllen: Baut VW jetzt Fabriken in der Türkei?

19. März 2013

Der türkische Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan hatte bekanntlich kurz vor Merkels Türkei-Besuch von VW ultimativ den Bau von Endmontage-Installationen in der Türkei gefordert und den Wolfsburgern andernfalls mit der Einführung von Strafzöllen gedroht. Als drittgrößter Importeur in die Türkei sei VW da empfindlich zu treffen, hiess es. VW sagte darauf hin die zunächst geplante Begleitung von Merkel aus Termingründen ab.

Premierminister Erdoğan hat sowieso die allgemeine Losung ausgegeben, eine eigene türkische Automobilindustrie aufzubauen um die Fertigungstiefe in der türkischen Wirtschaft zu erhöhen. Es würde aus Sicht von VW also Sinn machen sich an dieser geplanten türkischen Autoindustrie von Beginn an zu beteiligen. Dann käme vielleicht eines Tages der neue Polo aus Anatolien?

VW will laut CEO Winterkorn („der 16-Millionen-Martin“) in den nächsten Jahren zehn neue Fabriken bauen, davon alleine sieben in China und eine in den USA. Dann blieben ja theoretisch immerhin noch zwei für die Türkei übrig…

An Merkel verkaufte Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan diesen Vorschlag allerdings nicht als Drohung sondern, hübsch schnuckelig verpackt in angekündigte neue Steuersenkungen, als lukrativen Investitionsanreiz für Volkswagen!


Syrien verklagt Erdoğan in Europa wegen Raub, Plünderung, Piraterie und Terrorismus!

5. März 2013

Die Kammer der syrischen Industrie hat in einem nicht genannten europäischen Staat Klage gegen die türkische Regierung, vertreten durch Premierminister Recep Tayip Erdogan, eingereicht.

Der Vorwurf lautet auf Förderung und Beihilfe zum Terrorismus und Plünderung von Industrieanlagen und Fabriken in Syrien.

„Die Klage sei eingereicht worden um die syrischen Rechte zu sichern, unabhängig von unserer politischen Überzeugung“, sagte der Präsident der Kammer, Fares Shehabi den Medien.

Sie verfügten über die nötigen Beweise und Dokumente um Erdoğans Verwicklung in die Unterstützung von Banditentum und Terrorismus beweisen zu können.

Die Kammer klage Erdoğan an, zur systematischen Plünderung und Deindustrialisierung der Provinz Aleppo und dem Verschleppen des Raubgutes in die Türkei beigetragen zu haben.

Etwa tausend Fabriken in der Provinz Aleppo seien systematisch geplündert und die geraubten Anlagen als Beute in voller Kenntnis und mit der Hilfe der türkischen Regierung in die Türkei verschleppt worden.

Der syrische Aussenminister hat die UN durch einen Brief entsprechend informiert. Die typisch-asymetrische Hör- und Sehfähigkeit den Westens hinsichtlich arabischer Anliegen macht jedoch wenig Hoffnung auf eine Reaktion oder gar ein positives Ergebnis.

http://www.hurriyetdailynews.com/syrias-industry-body-sues-turkey-for-terrorism-looting-report.aspx?pageID=238&nID=42284&NewsCatID=345


Nach Neuwahl: Gibt es eine Lösung für das Zypern-Problem?

1. März 2013

Nicos Anastasiades, neugewählter und gestern vereidigter Präsident der Republik Zypern,  hat in seiner Antrittsrede vor dem Parlament in Nikosia seinen Wunsch nach neuen Beziehungen zur Türkei ausgedrückt. Er unterstütze auch die Annäherung der Türkei an die EU, sagte er!

Das könnte Bewegung in die seit Jahren völlig verfahrene Situation auf der geteilten Insel bringen? Er stelle sich vor, mit Hilfe von Verträgen und UN-Entscheidungen, zu einer Lösung zu kommen. Er wolle dies Problem so schnell wie möglich lösen und richtete sich dabei sowohl an die griechischen als auch die türkischen Zyprioten.

Die Existenz des international nur von der Türkei anerkannten Gebildes in Nordzypern, ist allerdings der Hebel der Türkei, zum Beispiel bei der Exploration und dem Abbau  von unterseeischen Öl- und Gas-Resourcen um die Insel mitzureden. Hier sind hauptsächlich Zypern, Israel und die Türkei involviert.

Wenn man sich eine Türkei in der EU vorstellt, sollte allerdings zuvor eine Wiedervereinigung Zyperns erfolgen, als eines unabhängigen EU-Mitgliedstaates, der sowohl zu Griechenland als auch zur Türkei historische und kulturelle Wurzeln unterhält. Es wäre schwer vorstellbar, dass die Türkei ihren Marionettenstaat als eigenen Staat in die EU bringen könnte, um so ihre Stimmenzahl und ihren Einfluss zu verstärken.

Jedenfalls hat Nicos Anastasiades seinen Ball geschickt gespielt und ihn Recep Tayyip Erdoğan zugeworfen. Der muss sich jetzt bewegen…

http://www.hurriyetdailynews.com/greek-cyprus-anastasiades-seeks-new-era-with-turkey.aspx?pageID=238&nID=42120&NewsCatID=351


Einer geht noch! Der türkische Aussenminister Ahmet Davutoĝlu haut noch einen raus:

27. Februar 2013

„Europas Geschichte wurde bisher nicht ohne die Türkei geschrieben und sie wird auch in Zukunft nicht ohne die Türkei geschrieben werden“, sagte er gestern auf einem AKP-Treffen.

Sich auf die britische Unterstützung eines türkischen EU-Beitritts beziehend, meinte er, dass die Situation in Frankreich und Deutschland eine andere sei als im Vereinigten Königreich.

Die künftigen Entscheidungen bezüglich einer EU-Mitgliedschaft der Türkei würden die Zukunft Europas stärker beeinflussen als unsere, tönte Recep Tayyip Erdoğans kleiner Satellit.

Genau betrachtet, hat er Recht mit seinen Aussagen! Europas moderne Anfänge könnten mit der türkischen Bedrohung aus dem Balkan zu tun gehabt haben. Es hat viele kleine politische Einheiten kurzfristig geeint um der Bedrohung durch das viel größere Osmanische Reich Herr zu werden.

Man muss kein Hellseher sein um die gewaltigen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen zu antizipieren, die ein türkischer EU-Beitritt zur Folge hätte.

Die Türkei ist von einer derartigen Größe an Bevölkerung, Territorium und Wirtschaftskraft,  und den daraus resultierenden Problemen, dass die EU sich daran verschlucken würde. Sie würde vermutlich an diesem Brocken ersticken aus reiner Gier an der Expansion?

Man erlebt gerade, wie schon relativ kleine Staaten und ihre Wirtschaftsprobleme den tönernen Euro-Koloss ins Wanken bringen. Die Lage in der EU ist nirgendwo geregelt, weder in Griechenland, in Portugal, in, Irland, Spanien und Italien. Nicht in Frankreich, nicht in Zypern. Den Euro kann der schwanzgesteuerte Clown Berlusconi alleine zur Geschichte machen.

England denkt laut über seinen Austritt nach und will der EU als Danaer-Geschenk noch schnell vor diesem Austritt die Türkei ins Boot holen? Honi soit qui mal y pense…

Wenn man den Euro aufgäbe, weil sich die Vorstellungen der Deutschen und der EU-Peripherie nicht in Einklang bringen lassen, wie uns jeden Tag erneut eindrucksvoll bestätigt wird, und die EU nach britischen Vorstellungen auf einen gemeinsamen freien Markt reduzierte, dann gäbe es in diesem Rahmen vermutlich durchaus Raum für die Türkei? Aber das wäre nicht die EU von heute. Es gäbe keine Niederlassungsfreiheit, keine Milliarden-Subventionen, denn die Nationalstaaten würden durch dieses britische Modell wieder deutlich gestärkt werden. Interessanterweise gibt es jüngst in der französischen Linken, von den Kommunisten, ein Manifest mit dem Tenor „rettet den Nationalstaat“ vor der Mutter allen Übels, der EU!

Aber Ankara wird sich nicht von den van Rompuys, den Barrosos oder den Schulzens aus Brüssel regieren lassen. Recep Tayyip Erdoğan baut nicht gerade seine Verfassung um, um danach als starker Präsident nichts mehr zu sagen zu haben? Mitteleuropa wird sich umgekehrt seine Vorstellungen nicht aus Anatolien vorschreiben lassen. Beides kann man durchaus verstehen. Hier käme zusammen, was nicht zusammen gehört!

Dennoch war, ist und bleibt die Türkei natürlich ein sehr wichtiger Nachbar Europas und Russlands. Apropos Russland!
Warum will die Türkei eigentlich nicht Russland beitreten? Folgt man der Argumentation des türkischen Aussenministers, dann könnte man für das Wort Europa im Eingangsstatement auch das Wort Russland setzen! Die Türkei hat auch Russland entscheidend beeinflusst, als starker Nachbar, als Konkurrent und manchmal eben auch als Feind. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden: Die SCO-Karte ist noch nicht ausgespielt…

http://www.hurriyetdailynews.com/europes-fate-wont-be-written-without-turkey-fm-davutoglu.aspx?pageID=238&nID=41974&NewsCatID=338