Hollande vs Sarkozy: Virtuelles Kopf-an-Kopf-Rennen in Frankreich?

5. Mai 2012

Seit dem TV-Duell der vergangenen Woche sind Hollandes Umfragewerte leicht abgebröckelt und die Sarkozys ebenso gestiegen. Drei Institute sehen Hollande bei 52,5%, dem niedrigsten bisher gemessenen Wert für Hollande seit Beginn der Umfragen vor einem Jahr. Fünf andere Institute sehen ihn dagegen noch bei 53-54% liegen, was relativ sicher* für ihn wäre.

…Depuis la fin de la semaine dernière, cependant, la tendance est à une légère érosion des intentions de vote en faveur de François Hollande: dans leurs dernières études avant le premier tour, trois instituts (OpinionWay jeudi, BVA et Ipsos vendredi) donnent François Hollande à 52,5% des voix, son plus bas score dans un sondage depuis la primaire socialiste. Les cinq autres instituts le créditent de 53 à 54% des intentions de vote… (Zitat: LE FIGARO)

OpinionWay sieht zudem eine leichte Steigerung der Wahlbeteiligung von 80% im ersten Wahlgang auf nun 82-83% in der Stichwahl.

…selon OpinionWay, les mesures de participation réalisées vendredi après-midi donnaient à nouveau une «nette progression à quelques heures du scrutin». «Nous la mesurons entre 82 et 83%, soit deux points de plus qu’au même moment il y a deux semaines», précise Bruno Jeanbart, directeur des études chez OpinionWay… (Zitat: LE FIGARO)

http://elections.lefigaro.fr/presidentielle-2012/2012/05/04/01039-20120504ARTFIG00745-les-clefs-du-second-tour-de-la-presidentielle.php

*(Paris Match sieht in einer letzten Umfrage Hollande mit 4% vorne liegen. Da die Fehlerquote bei diesen Umfrage bis zu 3% beträgt, kann man zu diesem Zeitpunkt eine sichere Aussage eigentlich nicht mehr treffen.)

http://www.parismatch.com/Actu-Match/Presidentielle-2012/la-presidentielle-en-temps-reel.html

Ein kommentierender Leser sprach sogar vom ersten Medien-Putsch in Frankreich, denn die Medien hätten den zweistellig zurückliegenden Sarkozy auf den Punkt so nahe an Hollande herangeführt, dass bei einem Sieg Sarkozys die Franzosen nicht sogleich von Schiebung sprechen würden. Tatsächlich wurde seit einem Jahr das Bild durch regelmäßige Umfragen geprägt, die letztlich Sarkozy als unbeliebtesten Präsidenten mit zweistelligem Abstand auf seinen Herausforderer Hollande abholten und ihn PUNKTGENAU  an diesen Herausforderer heranführten. Sollte wieder erwarten Sarkozy gewinnen, würde deshalb in Frankreich kaum die Revolution ausbrechen?

Ein realistisches Szenario? Ansichtssache! Im weitesten Sinne ist fast jede Information, mit der wir den ganzen Tag gefüttert werden, von uns nicht verifizierbar…

Wichtig wird für dem 6. Mai auch sein, dass die Sozialisten die Mobilisierung hochhalten und sich nicht schon im Vorfeld als sichere Sieger fühlen und zuhause bleiben…


François Hollande: Fessenheim Adieu!

3. Mai 2012

Das hochbetagte AKW Fessenheim, das älteste Frankreichs, am Oberrhein, im Erdbebengebiet, unweit der deutschen Grenze nahe Freiburg und Basel gelegen, geht wohl endlich seinem Ende entgegen, jedenfalls falls am kommenden Sonntag François Hollande zum Französischen Präsidenten gewählt wird.

Ansonsten sollt bis 2025, also in den kommenden 13 Jahren, der Anteil der Atomenergie am französischen Strom von 75 auf 50 Prozent reduziert werden.

Das sind die Atom-Meiler in Frankreich:

Anzahl und Verteilung der Atomkraftwerke in Frankreich1


Frankreich: Ein Land in Realitätsverweigerung!

30. März 2012

THE ECONOMIST schreibt diese Woche über Frankreich, seinen Wahlkampf und seine gravierenden Probleme.  Wenn man in diesen Zeiten die Eurozone bereise, würde man von den vielen verbalen Reformen bekräftigt. Mari Monti haben den „Rettet-Italien-Plan“ ausgerufen und damit die Euro-Krise schon beinahe für beendet erklärt! Spaniens Rajoy habe den Arbeitsmarkt „reformiert“ und einen brutalen Spar-Haushalt angekündigt. Die Griechen wüssten, dass die Freigiebigkeit und Steuerhinterziehung vorbei seien. Doch ein Land habe sich noch nicht mit seiner veränderten Lage beschäftigt, Frankreich. (Das fängt ja an wie bei Asterix!)

Frankreich gehe in die letzten drei Wahlkampf-Wochen vor dem Ersten Wahlgang seiner Präsidentenwahlen.  Beide Kandidaten überböten sich in teuren Wahlversprechungen und „angekündigtem Geld ausgeben“, völlig losgelöst von den wirtschaftlichen Realitäten Frankreichs.

Die Verschuldung, die Arbeitslosigkeit, spätestens seit den Anschlägen von Toulouse und Montauban kein Thema mehr im Wahlkampf! Statt dessen Sicherheit, Migration, Halal-Fleisch und Islamismus. (Sarkozy verstieg sich sogar dazu, die Anschläge des Mohamed Merah als Frankreichs 11. September zu bezeichnen, nach dem nichts mehr so wie vorher sein würde!)

Als Rezept würden höchstens wirtschaftliche Abschottung gegen den bösen Weltmarkt und ein Ausstieg aus dem Schengen-Abkommen, der europäischen Reisefreiheit angeboten.

Der mutmaßliche Wahlsieger Hollande stünde am Tag nach der Wahl, vor genau den selben Problemen wie Sarkozy…

Der ECONOMIST hat mit seiner Analyse recht und doch nicht recht! Er beschreibt die Lage Frankreichs zutreffend, aber er unterstellt, dass dieser Problematik nur mir den üblichen neoliberalen Folterwerkzeugen beizukommen sei. Damit erweist er sich als ideologisch blind.

Die Hoffnung Europas ruht darauf, dass Hollande (ja, diese Schnarchnase!) nach der Wahl das Steuer herumwirft und Merkel Paroli bietet. Im Interesse ganz Europas muss das hirn- und charakterlose Wirken dieser Dame schleunigst beendet werden. Wenn Frankreich die Südschiene und einige andere Länder hinter sich vereinen kann, dann besteht die reale Chance den neoliberalen Irrsinn, dem Merkel blindlings folgt, zu beenden! Dafür wünschen wir Hollande Glück!

(Was den ECONOMIST betrifft, anstatt über den Kanal nach Frankreich zu spähen, sollte er sich zunächst an beiden Ufern der trüben Themse umsehen?)

http://www.economist.com/node/21551478


Rätsel Frankreich: Stimmenpotential 60:40 zugunsten der Rechten. Wieso kann Hollande da gewinnen?

17. März 2012

Es ist schon komisch. Im ersten Wahlgang hat Nicolas Sarkozy nach rund 6 Wochen Wahlkampf seinen Opponenten François Hollande überflügelt. Knapp zwar nur, so um 1 bis 1,5 Prozent, aber das ist keinesfalls ein Präsidentenbonus, wie man ihn vermutet hätte. Sarkozy haben die Franzosen ziemlich satt. Im zweiten Wahlgang soll er nur um die 45 Prozent erreichen gegenüber 55 Prozent von Hollande. Scheinbar wäre damit alles klar, scheinbar…

Aber was geschieht eigentlich zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang? Es haben sich zwei Kandidaten für den zweiten Wahlgang herauskristallisiert. Nennen wir sie hier einmal Sarkozy und Hollande. Das sind die beiden extremen Pole des zweiten Wahlganges. Die restlichen Kandidaten des ersten Wahlganges scheiden aus. Ihre Wähler müssen sich umorientieren oder sich der Wahl enthalten. Welche Stimmen könnten sich für das konservative Lager des Nicolas Sarkozy entscheiden? Da wären zunächst die rund 15 Prozent der Stimmen der Front Nacional der Marine Le Pen. Sarkozy hat diesen 15 Prozent im Wahlkampf schamlos hofiert. Dann wären da noch die 13 Prozent des bürgerlichen Herren François Bayrou. Auch sie würden im Ernstfall dem Lager Sarkozys zuneigen.  Rechnet man diese Potentiale zusammen könnte die Rechte um die 60 Prozent der Stimmen holen. Hollande hingegen könnte maximal um die 10 Prozent Zugewinn von Links erwarten. Die Linke könnte also maximal um 40 Prozent erzielen.

Wie kann es dann aber sein, dass Hollande in Umfragen konstant im zweiten Wahlgang mit rund 55 Prozent als vorne liegend gesehen wird? Das entspräche doch ziemlich genau dem Gegenteil der hier gesehenen Potentiale?

http://elections.lefigaro.fr/presidentielle-2012/2012/03/16/01039-20120316ARTFIG00658-sondage-l-ecart-se-resserre-entre-sarkozy-et-hollande.php

Nehmen wir einmal an, Sarkozy holte aus eigener Kraft also per UMP 30%. Dazu bekäme er von etwa der Hälfte der Wähler von Le Pens FN und dazu die Hälfte von Bayrous MoDem, zusammen also weitere 15%. Dann läge er genau in der Größenordnung von 45% die ihm für den zweiten Wahlgang vorausgesagt worden sind. Soweit passt das noch. Aber wie kann Francois Hollande, dessen Gesamtpotential bei nur 40% gesehen wird, im zweiten Wahlgang auf prognostierte 55% kommen? Die Linken und Grünen werden ihn sicher nicht hundertprozentig unterstützen? Woher sollen also seine Stimmen kommen? Sollte es so viele Franzosen geben, die zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang vom linken ins rechts-konservative Lager wechseln? Oder gibt es unter den Linken beim zweiten Wahlgang eine um etwa zehn% höhere Mobilisierung? Rätselhaftes Frankreich…

PS: Zwei Mathematiker, die alle französischen Wahlen formelmäßig analysierten, sagten übrigens Sarkozy einen ganz knappen Sieg mit 50,x % voraus für den zweiten Wahlgang und zwar für den Fall, dass er den ersten Wahlgang mit rund 30% gewinnt. Dann benötigte er von Le Pen und Bayrou ca. zwei Drittel der Wähler um knapp über die absolute Mehrheit von 50% zu gelangen. Dies klingt für mich pausibel.


Nicolas Sarkozy abgestürzt! Soll Juppé es nun richten?

5. Oktober 2011

Zu früh gefreut, Freunde des rabenschwarzen Humors! Er tat dies nur in einer Meinungsumfrage, die die Zeitung LIBERATION zwischen dem 30. September und dem 1. Oktober telefonisch bei 1007 Personen durchführte! (http://www.liberation.fr/politiques/01012363298-sondages-sarkozy-plonge-juppe-emerge)

Demnach sagten 68 % der Befragten, Sarkozy würde die Präsidentschaftswahlen 2012 verlieren, wenn er antreten würde. Zu seinen besten Zeiten – im Sommer 2007 – verfügte er über diesen Prozentsatz an Zustimmung!

Überraschend erscheint dagegen sein Aussenminister Alain Juppé zu seinem stärksten innerparteilichen Rivalen in der UMP zu werden: 26% wollen Juppé, 21% Sarkozy, 16% Francois Fillon und 10% Jean-François Copé als UMP-Kandidaten sehen.

Angelastet werden Sarkozy die öffentliche Verschuldung, die Finanzkrise, Soziale Kürzungen und Affären von Verflechtungen politisch-finanziellen Charakters, sprich Korruption…

(Dass er nebenbei geradezu absurde NATO-Kriege führt und so für den Tod tausender Libyer hauptverantwortlich ist, sei hier nur am Rande erwähnt!)

Die sozialistische Opposition profitiert von Sarkozys Desastern:
Françoise Hollande 53 %, Martine Aubry 46%, Manuel Valls 34% und Arnaud Montebourg 30%.

Die Umfrageergebnisse der Rechten wurden im Artikel nicht erwähnt…