Frankreich: Vorsprung von Hollande zu Sarkozy schrumpft auf 5 Prozent!

4. Mai 2012

Das war aber zu erwarten! Zwei Tage vor dem Wahlsonntag, dem 6. Mai 2012 liegt der Herausforderer mit 52,5 Prozent vor dem noch amtierenden Präsidenten mit 47,5 Prozent. Die Tage von Merkels zappeligem Assistenten im Elyssée-Palast sind gezählt…

Das Wahlergebnis dürfte sogar noch enger werden, ich schätze Hollande gewinnt mit etwas unter drei Prozent Vorsprung die Wahlen und wird neuer Präsident Frankreichs, während Sarkozy sein Bling-Bling-Leben in der Regenbogenpresse und den Teilen der dankbaren Wirtschaft fortsetzen wird, denen er in den letzten fünf Jahren außerordentlich beträchtliche Gewinne verschafft hat.

Unter normalen Bedingungen ist die Wahl also gelaufen, wenn nicht noch etwas Unvorhersehbares geschieht. Fünf Prozent in zwei Tagen sind nicht zu drehen…

Das fast dreistündige TV-Duell, übertragen von sieben TV-Sendern und gesehen von fast 18 Millionen Franzosen, hat für Sarkozy nicht den erhofften Erfolg gebracht. Dies zeigt folgende Analyse:

Als Sieger sahen von den Anhängern:

…………………Sarkozy……………….Hollande

Hollande…..   5%…………………. 78%
Sarkozy……. 70%…………………..  6%
Mélenchon..12%……………………68%
Bayrou……… 30%…………………..32%
Le Pen……… 45%…………………..23%

Das bedeutet, Hollande hat nicht nur die eigenen Anhänger besser überzeugt als Sarkozy, sondern auch bei allen anderen Parteien höhere Zustimmungsraten erzielt als dieser, außer bei den extremen Rechten der Front National der Marine Le Pen, von denen er aber immerhin noch 23% davon überzeugen konnte, der Bessere zu sein!

Dies könnte am Sonntag der Schlüssel zum Sieg sein, für François Hollande!


Frankreich: Wie verzweifelt ist Sarkozy?

30. März 2012

Der amtierende französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy vollzieht in diesen Tagen eine erstaunliche Metamorphose. War er zu Beginn seines Wahlkampfes, vor etwa acht Wochen, noch ein harter Verfechter eines eng an Deutschland und Madame Merkel angelehnten Sparkurses, ein wahrer Euro-Fighter und allzeit bereit, seine Herrin und Meisterin gar im französischen Wahlkampf einzusetzen, so hat er jetzt einen brutalen Kurswechel vollzogen.

Frankreich ist für ihn kein Land, dass – wie der britische THE ECONOMIST in seinem aktuellen Heft schreibt – extrem renovierungsbedürftig, gar brachial reformreif ist,  Sarkozys Frankreich hat ganz andere Probleme:

Es hat zu viele Migranten! Fast doppelt so viele, wie es verkraften kann. Die andere Hälfte schmeisst Sarkozy unter dem lebhaften Beifall der Front National raus!

Die Franzosen müssen Halal-Fleisch, also nach muslimischen Religionsvorschriften geschächtetes Fleisch von lebend ausgebluteten Tieren essen und wissen es nicht!

Die Mordserie von Toulouse und Montauban gab Sarkozy die Chance, sich selbst zum Kämpfer gegen den Islamismus zu ernennen und er nutzte sie!

Er stellte im Wahlkampf kunstvoll einen schamlosen Vergleich zwischen den Morden des Mohamed Merah und dem 11. September 2001 der USA her, einen Moment, von dem an nichts mehr so sei wie es vorher gewesen war…

Zufällig ist Merah kaum unter der (französischen!) Erde, als überall in Frankreich Razzien bei Islamisten stattfinden, bei denen 19 Verhaftungen erfolgen und Kalaschnikov-Sturmgewehre beschlagnahmt werden.

„In einen guten, französischen Haushalt gehört keine Kalaschnikov“, findet Sarkozy zwar nicht zu Unrecht, aber ein Staatspräsident der Razzien kommentiert wie ein Polizeisprecher? Man könnte es als würdelos und durchsichtig bezeichnen…

Es gibt scheinbar nur noch ein Thema in Frankreich, der extreme Islam, die „Islamisten“?

Sarkozy warf sein gesamtes Spar- und Wirtschaftskonzept und Euro-Retter-Image über Nacht kurzerhand über Bord und setzte statt dessen auf die Themen, Ausländer, Migranten, Islamismus, Innere Sicherheit. Sarkozy reloaded, wann kommt der „Kärcher“?

Der ganz profane Grund für diesen Wechsel ist seine vernichtende Bilanz der ersten fünf Jahre, „quelle catastrophe!“

Dazu seine späte Erkenntnis, dass man mit Merkel und ihrer grenzdebilen Sparpolitik in Frankreich nicht punkten kann!

Die Themen in Frankreich müssten da sein:

Jobs
Verschuldung
Euro-Rettung
EU
Neo-Kolonialismus

Leider hat Monsieur, „le President de la Republique“ bei diesen Themen gaanz schlechte Karten und viele Altlasten im Keller!

Schließlich: ohne die Unterstützung und Stimmen der extremen Rechten von der FN kann Sarkozy nicht wieder Präsident werden und er weiss das!


Nur eine Nicht-Kandidatur kann Sarkozy vor Merkel retten!

6. Februar 2012

Der Posten des französischen Präsidenten, einst ‚qua Amt‘ einer der einflussreichsten und stärksten Männer des Westens, ist unter Merkel und Sarkozy zu einer Art Hausmeister, einem Lakaien des geplanten und immer mehr vollzogenen deutschen Wirtschaftsprotektorates über Frankreich verkommen. Im Duo Merkozy stellt Merkel den Kopf, der sagt wo’s lang geht und Sarkozy den herumzappelnden Hintern!

Auf Frankreich, der ‚grande nation‘ ruhte einst die Hoffnung der kleineren europäischen Länder auf ein ausgewogenes Gleichgewicht, eine Balance der Kräfte in Europa.

Sarkozy hat das nun gründlich vermasselt. Würde er mit Merkels Hilfe wiedergewählt, wäre er nur eine weitere Pappnase der Kanzlerin, eine Art gallischer Peter Hinze auf Abruf!

Schwer zu sagen, wie sich diese Aussicht mit dem Selbstbild Sarkozys vereinbaren ließe? Aber es gäbe für ihn noch einen Weg, sich nicht zu Merkels Trottel machen zu lassen:

Nicolas Sarkozy bräuchte nur zu erklären, dass er nicht als Kandidat der UMP für die Wahl zum Präsidenten zur Verfügung stehe, Frau und Kind/er unter den Arm zu klemmen und sich ab in die Wirtschaft zu verziehen, zum ‚richtig Kohle‘ machen!

Auf der Münchener Sicherheitskonferenz legte der Oxford-Historiker Timothy Garton Ash unter der Überschrift „Die Rolle Deutschlands in Europa und der Welt“ seine Sicht der Dinge klar:

  1. Deutschland verfolge kurzsichtige, nationale Interessen anstatt Europäische!
  2. Deutschland wolle ein Europa nach deutschem Vorbild formen!
  3. Deutschland sehe sich fälschlicherweise als Dauerzahler Europas!
  4. Deutschland dürfe Europa nicht teilen, sondern müsse es zusammenführen. Dies, nicht die Eingliederung der DDR, sei seine eigentliche Reifeprüfung!

Nun würde mich in diesem Zusammenhang auch Garton Ashs Ansichten über Großbritanniens und Frankreichs Rollen und Haltungen zu Europa brennend interessieren, aber man kann halt nicht alles haben!

Hier macht ein kluger Mann, deshalb vermutlich nicht zufällig, den Versuch Fragen zu Kosten und Nutzen Europas, die klar Klassenspezifisch zu beantworten sind, national zu beantworten und damit faktisch bewusst Fälschung zu betreiben:

Die Geringverdiener und das Prekariat in Deutschland sind eben nicht Nutzniesser des Euros und Europas! Sie sind nur die nützlichen Idioten, die vom Kapital als Modell für Resteuropas Arbeitnehmer auserkoren worden sind! Was hier geschehen ist und überall geschehen soll, ist die Optimierung der Renditen für das internationale Kapital. Selbst die Politik mit ihren nationalen Spielchen sind letztlich nur Getriebene von Banken, Versicherungen und Hedgefonds…


Schere in den Umfragekurven von Nicolas Sarkozy und Marine Le Pen zur französischen Präsidentenwahl schließt sich weiter!

17. Januar 2012

Sarkozy = −2,0% auf 23,5%
Hollande = −1,5% auf 30,0%
LePen = +3,5% auf 17,0%
Mélenchon = +2,0% auf 8,5%
Bayron = +1,0% auf 14,0%
Joly = −1,5% auf 3,0%
Villepin +1,0% auf 2,0%

Umfrage LE FIGARO vom 15.01.2012

Wenn die sich hier abzeichnende Tendenz anhält und so zum Trend wird, dann wird sich am Ende folgender „Zieleinlauf“ ergeben: Hollande deutlich vor Sarkozy und dieser sehr knapp vor Le Pen. Im schlimmsten Fall läge Le Pen gleichauf oder gar vor Sarkozy! Die anderen dürften dann aus dem Rennen und zu vernachlässigen sein?

Sarkozy wird also erhebliche Anstrengungen unternehmen, der FN Stimmen abzugraben. Er wird wohl auch auf etwas deutlicheren Abstand zu Deutschland und Merkel gehen um nicht als ihr Pudel gesehen zu werden. Die Dinge um die Schuldenkrise und die Euro-Rettung dürften in den nächsten Monaten nicht einfacher werden? Die kurzfristige Absage des Treffens Montis, Sarkozys und Merkels in Rom durch den deutschen Botschafter(?) in Italien kann als sehr ungewöhnlich betrachtet werden. Irgendetwas ist da hinter den Kulissen geschehen?