Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr!

19. Oktober 2015

Am 17. Januar 1966 stiessen in rund 9.000m Höhe über dem kleinen Zweitausend-Seelen-Dorf Palomares in der andalusischen Provinz Almeria zwei US-Luftwaffen-Flugzeuge zusammen und stürzten beide brennend ab. Die eine Maschine war eine KC-135 Tankmaschine, die versucht hatte, einen B-52 Bomber in der Luft aufzutanken. 4 der insgesamt 11 Soldaten in beiden Maschinen konnten mit dem Fallschirm abspringen und und überleben, 7 ihrer Kameraden starben hingegen, schon schlimm genug!
Noch schlimmer war es aber, dass es sich bei dem B-52G-Bomber um einen Atomwaffenträger handelte, der vier Atombomben des Typs B28RI in seinen Bombenschächten hatte…

Drei der Bomben fielen in den Ort Palomares, die Vierte einige Kilometer entfernt ins Mittelmeer. In zwei der Bomben detonierte die konventionelle Zündladung und verteilte das Plutonium der Atombombe in Palomares und durch den Wind in einer nicht genau abzugrenzenden Umgebung.

Es wurde medial alles getan um die völlige Abwesenheit von Gefahr für die Bevölkerung von Palomares und die Spanier im Allgemeinen zu demonstrieren. So zog sogar der Franco-Tourismus-Minister Manuel Fraga Iribarne* die Badehose über den Speck-Bauch und tummelte sich für Fotografen im Mittelmeer. (http://www.antena3.com/clipping/2012/01/09/00031/30.jpg)

Trotzdem wurden in einem Vierteljahr 1.400 Tonnen Boden abgetragen und per Schiff in die USA (zur Entsorgung?) gebracht. Die vierte Bombe wurde in einer technisch anspruchsvollen Aktion durch ein Bergungs-U-Boot aus 869m Tiefe gehoben.

Der Zwischenfall führte zu internationalen Protesten, diplomatischen Spannungen und zur Änderung der US-Strategie. Einen offiziellen Abschlussbericht gab es erst 1976, nach 9 Jahren! Die betroffenen Menschen erhielten erst 1986, nach 19 Jahren Einsicht in ihre Gesundheitsakten und schließlich erhielten 522 Menschen durchschnittlich 1.150,-$ an Entschädigung. Damit war für die USA der Fall Palomares zunächst erledigt!

2004 wurden hohe Radioaktivitätswerte gemessen und die entsprechenden Grundstücke enteignet. 2006, vierzig Jahre nach dem Unfall, vereinbarten Spanien und die USA die vollständige Dekontaminierung des betroffenen Gebietes! 2006 wurden „strahlende Atomschnecken“ entdeckt, noch später belastetes Plankton im Meer. 2009 wurde durch wikileaks enthüllt, dass der damalige spanischen Außenminister  Moratinos befürchtete, die Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes könnte die öffentliche Meinung ins Spanien gegen die USA richten! Da veröffentlichte man ihn lieber erst gar nicht…

2009 haben die USA ihre letzte Zahlung zu den Kosten der Verseuchung geleistet und fühlen sich seitdem „aus dem Schneider“, wie man so sagt!

Heute, am 19.10.2015, fast 50 Jahre nach dem Unfall über dem Dorf Palomares treffen sich der spanische Außeminister José Manuel García-Margallo und sein US-Kollege John Kerry zu einem intimen Abendessen zu Zweit um die letzten Details eines Abkommens zu regeln, das Morgen in Madrid unterzeichnet werden soll, eine politische Erklärung in der sich die USA dazu verpflichten, weitere 50.000 Kubikmeter verseuchter Erde aus Palomares abzutransportieren und diese irgendwann, irgendwo, irgendwie zu entsorgen…

Die technischen, terminlichen und finanziellen Details dieser Vereinbarung stehen angeblich noch nicht fest, müssen noch ausgehandelt werden.

Die Amis zieren sich dabei, fürchten sie doch einen Präzedenzfall für ähnliche Probleme in anderen Teilen der Welt!

Wahrlich, wer solche Freunde hat…

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*(Fraga gründete 1976 die Alianza Popular, mit der er sich eine Zukunft in der Nach-Franco-Ära sicherte. Aus ihr ging 1989 die Partido Popular hervor, die Mitte-Rechts-Partei des aktuellen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy und des heute Abend mit John Kerry speisenden spanischen Außenministers José Manuel García-Margallo, womit sich der Kreis schließt…


Palomares: Wie die USA Spanien seit 44 Jahren verarschen!

11. Dezember 2010

Beim Zusammenstoss einer mit vier Atombomben beladenen B-52 und einem Tankflugzeug des Typs KC-135 stürzten beide Maschinen der US-Airforce am 17. Januar 1966 über der südspanischen Mittelmeerküste bei dem Dorf Palomares ab. Von den elf Besatzungsmitgliedern der Maschinen überlebten nur vier das Unglück. Drei der Wasserstoff-Atombomben vom Typ B28 fielen auf besiedeltes Gebiet, die vierte fiel ins Mittelmeer.

Dies geschah in den Hochzeiten des Kalten Krieges und die NATO-Verbündeten USA und Franco-Spanien beeilten sich durch medienwirksame Aktionen die Harmlosigkeit des Geschehenen zu demonstrieren. Seit dem Zeitpunkt des Absturzes arbeiteten spanische und US-Wissenschaftler, Militärs und Politiker daran, die Tatsache und den Grad der Verseuchung zu untersuchen, zu dokumentieren und deren Folgen zu beseitigen.

So verbrachten die USA 1.700 Tonnen kontaminierter spanischer Erde aus Andalusien in ein Depot in Süd-Carolina in den USA. Es gab Zusagen und Absprachen und Verträge von anscheinend zweifelhafter Belastbarkeit nach denen sich die USA auch finanziell an den Kosten beteiligen sollten.

In den 90er Jahren wurden dann erhöhte Radioaktivität in der Luft und in den Pflanzen festgestellt. Sie rührte offenbar von einem Zerfallsprodukt des Plutoniums, dem Americio(?). 2001 wurde bei erneuten Messungen ein Wert ermittelt, der das angenommene Maximum für von Menschen bewohntes Gebiet um das zwanzigfache übertraf!

Ein Gesetz der US-servilen Regierung Aznar aus dem Jahre 2003 ermöglichte die „stille“ Enteignung der Gebiete, auf die damals die Bomben fielen, ohne das der Name „Palomares“ überhaupt genannt wurde.

2004, unter der Regierung der PSOE, wurden dann die Anstrengungen reaktiviert, den Fall Palomares endgültig zu bereinigen. Überraschend wurde damals festgestellt, dass sich nach rund vierzig Jahren noch ca. ein Pfund Plutonium im Boden von Palomares befinden musste! Auch erkannte man, dass die radioaktive Strahlenbelastung weit über die enteigneten und eingezäunten Zonen hinausging.

Die USA beteiligten sich mit rund zwei Millionen Dollar an den Kosten der Studie. Es wurden 50.000 Kubikmeter hochkontaminierte Erde errechnet. In der ganzen Zeit liefen Gespräche zwischen Spanien, der US-Botschaft in Madrid und dem Aussenministerium in den USA in dem es neben der technischen Modalitäten der Beseitigung der Schäden auch um die finanzielle Beteiligung der USA an den anfallenden Kosten ging.

Dann wurde auf einmal festgestellt, dass die in Jahrzehnten unterschriebenen Dokumente und Verträge keine eindeutige Schadenregulierung paraphierten. In 2007 wurden darauf neue Verträge zur Ermittlung der Schäden abgeschlossen, mit denen sich keine der Vertragsparteien zu deren Beseitigung verpflichtete!

Man „erwartete trotzdem, dass sich die USA zur Beseitigung der belasteten Böden und des Plutoniums (Halbwertszeit 24.000 Jahre!) sowie zur Übernahme der Kosten bereit erklären würden. Doch die sahen das offenbar völlig anders!

Vor einem Jahr sprach der damalige spanische Aussenminister Moratinos bei Hillary Clinton das Thema Palomares dann erneut an. „Sie könne sich an den Vorfall erinnern“ war Clintons Antwort, ohne jegliche Verpflichtung. Dann stellten die USA die jährliche Zahlung von 300.000 Dollar ein, mit denen sie sich an den Untersuchungen beteiligt hatten. Gleichzeitig stellten sie die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen fest.

Offenbar hatten die Spanier sich vierzig Jahre lang mit wissenschaftlichen Gesprächen ohne ausreichende diplomatische und rechtliche Begleitung begnügt und hinhalten lassen und die USA hatten diese Chance erkannt und genutzt!

SO VERARSCHT MAN NATO-VERBÜNDETE!

Palomares: 50.000 metros contaminados con plutonio · ELPAÍS.com