Zypern: Wiedervereinigung oder Zweistaatenlösung?

30. März 2013

In Zypern kommt offenbar Bewegung in die Politik beider Inselteile? Die schwierige Wirtschaftslage des griechisch-zypriotischen Staates und des türkisch-zypriotischen Wunsches nach Teilhabe an den Offshore-Gas-Förderungen , scheinen Bewegung in die seit Jahren eingefrorenen Beziehungen der Inselteile zu bringen.

Es ist die Türkei, die für den Norden spricht. Sie ist weiterhin das einzige Land dieser Erde, das den türkisch besetzten Norden als einen unabhängigen Staat anerkennt.

Die Türkei bringt nun den Plan der Wiedervereinigung ins Gespräch, verbunden mit einer Drohung, wie das so ihre Art ist. Sie droht mit einer Zweistaatenlösung und bleibt die Erklärung schuldig, warum dieser Vorschlag künftig mehr Zuspruch finden sollte, als dies in der Vergangenheit geschah?

Der griechisch-zypriotische Aussenminister Ioannis Kasoulides fordert die Türkei dazu auf gemeinsam einen ersten Schritt zu unternehmen um eine Lösung zur Wiedervereinigung zu finden. Die Türkei käme aber immer mit den gleichen, aufgewärmten Vorschlägen, fügte er skeptisch hinzu.

Er konnte es sich nicht verkneifen, die ständigen Provokationen des türkischen EU-Krawallministers Egemen Bağış zu verurteilen, der sich ungefragt überall einmischt, anstatt seine Hausaufgaben bezüglich der Voraussetzungen für eine türkische EU-Mitgliedschaft zu machen. Der erste Schritt sollte es sein, die von Bağış ungefragt in die Öffentlichkeit getragene Wolke aus Anklagen, Ironie und Polemik zu vertreiben! Bağış hatte zuletzt das Verbrennen einer türkischen Flagge bei einer Demonstration in Nikosia als Konspiration bezeichnet und zuvor den griechischen Zyprioten die türkische Lira angeboten, sollten sie den Euro verlassen wollen / müssen…


Türkei droht ENI und nimmt Gefährdung eigener Pipeline-Projekte in Kauf!

3. November 2012

Die griechischen Zyprioten haben in dieser Woche vier weitere Lizenzen zur Öl- und Gas-Exploration in den Gewässern um die geteilte Insel angekündigt. Dazu würde mit den Firmen ENI und TOTAL (beide Italien), KOGAS (Süd-Korea) und NOVATEC (Ukraine) verhandelt.

Dies heizt die angespannte Lage um die Ausbeutung der Offshore Öl- und Gasvorräte um die Insel an. Die Türkei vertritt bekanntlich den Standpunkt, dass die Hoheits- und Besitzrechte in den Gewässern um Zypern der ganzen Insel und nicht nur dem griechisch-zypriotischen EU-Mitglied gehörten.

Der türkische Energie-Minister Taner Yıldız, drohte nun vor Journalisten öffentlich, die Beteiligung ENIs an gemeinsamen Projekten mit der Türkei zu überdenken, falls ENI sich mit den griechischen Zyprioten einlassen würde.

Ausserdem bestätigte er, dass das NATO-Mitglied Türkei auch weiterhin das vom Westen verhängte Embargo gegen den Iran durch Kauf iranischen Erdgases unterlaufen würde.

Beim Samsun-Ceyhan-Pipeline-Projekt blieben nach einem Rauswurf der ENI nur die Russen mit ROSNEFT und TRANSNEFT als Partner der Türken übrig.

Auch bei Blue Stream, einer Untersee-Pipeline-Projekt, das Erdgas von Russland durchs das Schwarze Meer in die Türkei leitet, ist die ENI am Betreiber- und Eigner Joint Venture BSPC beteiligt.

Mit seiner Ankündigung zeigt Taner Yıldız, die zweifelhafte Berechenbarkeit der Türkei in ihrer angestrebten Eigenschaft als Energy-Hub für Europa und die fragwürdige Bereitschaft sich selbst zu Schaden.

http://www.hurriyetdailynews.com/turkey-may-reconsider-local-eni-investments-over-greek-cyprus-ties.aspx?PageID=238&NID=33870&NewsCatID=344


Israel: Bald unabhängig von ägyptischem Gas?

6. Juni 2012

Vor der israelischen Mittelmeerküste bei Haifa ist der Explorationsfirma IOR zufolge erneut ein sehr interessantes Erdgasvorkommen im Feld „Pelagic“ entdeckt worden. Es soll 190 Milliarden Kubikmeter Volumen umfassen. Damit wäre es allerdings kleiner als die 2010 entdeckten Felder „Tamar“ (250 Milliarden Kubikmeter) und „Leviathan“ ( 480 Milliarden Kubikmeter).

Mit der Erschliessung dieser Gasfelder könnte Israel sich nicht nur von den Sabotageanfälligen ägyptischen Gaslieferungen unabhängig machen, sondern eventuell via Zypern-Hub zum Exporteur nach Europa werden?

Die Anrainer des südöstlichen Mittelmeer-Beckens scharren aufgeregt mit den Hufen, locken manch beträchtliche Einnahmequellen. Nur die Türkei schmollt…

http://www.lemonde.fr/planete/article/2012/06/04/un-important-gisement-de-gaz-decouvert-au-large-des-cotes-israeliennes_1712418_3244.html


Exodus: Siedeln Israelis, bewacht von der IDF, künftig auch auf Zypern?

21. Mai 2012

Dass Zypern und Israel seit Monaten Gespräche führen und Pläne verfolgen, die Offshore-Öl- und Gasvorkommen um Zypern gemeinsam zu erschliessen und zu nutzen ist bekannt. Premierminister Netanyahu war am 16. Februar zu Besuch bei seinem Griechisch-zypriotischen Kollegen Christofias. Der Inhalt der Gespräche wurde weitgehend vertraulich gehalten.

Die Anatolische Nachrichten Agentur ANA, meldet unter Berufung auf Quellen in Nicosia, dass Israel die gesamten Kosten einer geplanten Gasraffinerie übernehmen wolle. Diese sollte durch 10.000 israelische Arbeiter betrieben werden, die dann zusammen mit ihren Familien eine rund 30.000 Israelis starke Kolonie auf Zypern bilden würden. Deren Sicherheit, sowie die der Raffinerie, sollte durch 20.000 israelische Kommandotruppen gewährleistet werden. So gäbe es, Schwupp, quasi über Nacht rund 50.000 Israelis auf Zypern, jessas, a kloas Wunder!

Diese ANA Nachricht erscheint mir aus verschiedenen Gründen wenig glaubhaft! Sie dürfte wohl eher sinnbildlich sein, für das tiefe Misstrauen zwischen Israel und der Türkei, das in den letzten zwei Jahren entstanden ist?

Es dürften in Israel nicht 10.000 Raffinerie-Spezialisten „einfach so“ abrufbar sein? Die relative Nähe der Insel Zypern zu Israel machte keine Besiedlung Zypern notwendig, wenn Israels Regierung gleichzeitig alle Juden der Welt nach Israel, „nach Hause“ ruft?
Die Relation Soldaten/Siedler von 1:1,5 erscheint mir extrem hoch?
Bei Netanyahus Besuch im Februar war von einem Flugplatz für die israelische Luftwaffe auf Zypern die Rede. Das würde zum Schutz der Installationen an Land und auf See mehr Sinn machen, als Kommandotruppen am Boden?
Es sei denn, man rechnete mit einer türkischen Bodenoffensive von Nordzypern aus?

http://www.hurriyetdailynews.com/israel-seeks-to-deploy-20000-commandos-in-greek-cyprus-.aspx?PageID=238&NID=21160&NewsCatID=359

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Eine Reihe von Beiträgen zum Thema Offshore-Energie-Ressourcen zwischen Zypern, Israel und der Türkei findet man über die Suchfunktion des Blogs und dem Stichwort „Zypern“


Türkei droht den Öl-Multis mit Krieg!

16. Februar 2012

Die Türkei warnte heute davor, dass sie unter keinen Umständen ausländischen Ölgesellschaften jegliche von ihr unautorisierte Suche oder den Abbau von Öl- und Gasressourcen im östlichen Mittelmeer erlauben würde und dass sie alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz ihrer Rechte in den Gebieten  ihres Kontinental-Sockels treffen würde.

Diese klare Ansage kam, nachdem die Griechischen Zyprioten am 11. Februar im offiziellen EU-Journal eine Ausschreibung veröffentlichten zur Suche und Abbau von Hydrocarbon Brennstoffen in ihrer sogenannten Exklusiven Wirtschaftszone.

Das türkische Außenministerium erkenne diesen einseitigen Schritt der Griechischen Zyprioten, unternommen entgegen allen Warnungen, nicht an der ebenso provokant wie unverantwortlich sei.

Diese Lage würde die internationalen Gesellschaften, die an einem Angebot zu dieser Ausschreibung interessiert sein könnten, in Konfrontation mit der Türkischen Republik von Nord-Zypern und der Türkischen Petroleum Gesellschaft bringen und zu unerwünschten Spannungen in der Region führen.

Demnächst wird der israelischen Premierminister Netanyahu in Zypern erwartet, der seinerseits sehr daran interessiert ist, die Offshore-Resourcen gemeinsam mit Zypern abzubauen.

Mal sehen, ob er sich von dem türkischen Statement abschrecken lässt? Schließlich gibt es Pläne, Zypern zu einem Energiehub nach Europa auszubauen und dort locken Milliardengewinne…

http://www.hurriyetdailynews.com/turkey-warns-greek-cyprus-on-oil-drilling-ahead-of-israeli-pm-visit–.aspx?pageID=238&nID=13894&NewsCatID=338