Islamisierte Geiseln? Marine Le Pens kalkulierter Faux-Pas.

31. Oktober 2013

In einem TV-Interview rätselte sie lang und breit über das Äußere und das Auftreten der vier freigekauften französischen Geiseln Pierre Legrand, Daniel Larribe, Thierry Dol und Marc Féret die vor über drei Jahren aus einer französischen Uran-Mine in Niger entführt worden waren.

Die Männer trugen teilweise „islamisch“ anmutende Bärte und Kleidungsstücke, senkten ihre Häupter, behielten die Hände in den Taschen oder auf dem Rücken, machten ernste Gesichter und vermieden jeden Blickkontakt und schwiegen bei der „öffentlichen Vorführung“  bei ihrer Ankunft in Frankreich durch den glücklosen Präsidenten Hollande, die dieser sich 25 Millionen Euro kosten ließ, wie gemunkelt wird…

Le Pen mag Hollande den „Erfolg“ geneidet haben, aber dieser Schuss ging eindeutig nach hinten los. Ihr Verhalten wurde einmütig kritisiert. Le Pen ruderte zurück und sprach von unglücklichen Formulierungen. Sie sei kein Psychiater. Zuvor hatte sie jedoch über ein mögliches Stockholm-Syndrom, eine Islamisierung der Geiseln spekuliert.

Die Geiseln – soviel ist inzwischen bekannt – sind die meiste Zeit einzeln und streng isoliert untergebracht gewesen. Sie können unter einem Schock an Einflüssen gestanden haben? Sie mögen an ihre im Niger zurückgebliebenen Schicksalsgenossen gedacht haben, denn es sind noch weitere Geiseln vor Ort?  Sie könnten aber auch schlicht und einfach sauer gewesen sein, denn um sie „rauszukaufen“ hätte der französische Staat und auch Hollande persönlich, der nun auch schon 18 (lange!) Monate im Amt ist, nicht mehr als drei Jahre ihres Lebens abwarten müssen?


Obama informiert Kongress über Entsendung von hundert US-Militärs nach Niger.

23. Februar 2013

Niger und die USA hatten im Januar nach monatelangen Verhandlungen einen Bilateralen Vertrag unterzeichnet, der eventuell in Niger stationierten US-Militärs Narren- und Handlungsfreiheit, kurz totale Rechtssicherheit, für den total unwahrscheinlichen Fall bieten soll, dass die USA in diesem öden Westfarikanischen Wüstenstreifen jemals Militär stationieren wollten.

Dann brach, wie auf’s Stichwort, Francois Hollande mit rund viertausend Franzosen zum Blitzkrieg in Nigers Nachbarland Mali auf, der jetzt auch schon wieder etwas länger andauert, obwohl nach vierzehn Tagen die Vollzugsmeldung des Erfolges durch den Präsidenten höchstselbst vor Ort in Mali erfolgte.

Da die Franzosen es offenbar doch nicht so blitzschnell und Mutterseelen-alleine schaffen und so verzweifelt sind, dass sie sogar die Bundeswehr um Hilfe bitten müssen, bietet Obama den Galliern großherzig Aufklärungshilfe und Logistik an.

Jetzt also per Federstrich, in wenigen dürren Sätzen, die Entsendung von hundert US-Militärs nach Niger. Als nächstes erfolgt die Stationierung von US-Drohnen in diesem Land auf einem über Nacht erstellten US-Stützpunkt aus der Retorte und danach befinden sich wesentliche Teile Westfarikas unter direkter US-Kontrolle.

Dann wird man nach wenigen Aufklärungsflügen feststellen, dass die ganze Wüste da unten voller Terroristen ist und zu Obamas Lieblingsdrohnen, den unbemannten Terrorbombern greifen und Menschen aus der Luft umbringen, wahllos, ohne Verfahren und Urteil, auf die moderne amerikanische Art halt.

Der US-Kongress, der die Kriege des Präsidenten eigentlich zu genehmigen oder zu verbieten hat, der wird wieder einmal nicht gefragt.

Das erinnert mich ein bisschen an die Tour, wie Merkel und die Maisbirne neuerdings die Bundeswehr in Konflikte hinein schwafeln, obwohl, im Bundestag sitzen bis auf ein paar ewig gestrige Linke sowieso nur kriegsbegeisterte Parteien, an denen Kaiser Wilhelm II seine helle Freude gehabt hätte.

Jetzt also wenige hundert Bundeswehrsoldaten, nur für Logistik und Ausbildung, nicht zum pfui, pfui, kämpfen. Dann hundert US-Militärs ins Nachbarland Malis und schwupps, hoppla, schon ist ein neuer, selbstgeschaffener, internationaler Konflikt ins Leben gerufen, denn die Ablehnung dieser militärischen Aggression durch Russen und Chinesen ist natürlich garantiert.

Krieg gegen den Terror, was für eine „wunderbar, elastisch-auslegungsfähige“, neokoloniale Erfindung der USA!

http://www.commondreams.org/headline/2013/02/22-1


Hollande, letzte Woche: Es geht nur um Hilfe für Mali, sonst um nix!

24. Januar 2013

Frankreich hat Spezialkommandos in Malis Nachbarland, nach Niger beordert, um dort die Uran-Fabriken und Installationen des staatlich, französischen Nuklear-Giganten  AREVA vor Anschlägen zu schützen.

Damit haben sich die Folgen der französische Intervention in Mali nach Algerien auf mindestens ein drittes Land, auf Niger ausgeweitet.

AREVA ist der größte Auslandsinvestor in Niger, baut dort seit über 50 Jahren Uran ab und liefert einen großen Teil des nuklearen Brennstoffs für den Betrieb französischer Kernkraftwerke, die 75% der französischen Elektrizität erzeugen.

Frankreich habe Kommandotruppen und Ausrüstung nach Imouraren und Arlit geliefert. Das Verteidigungsministerium und AREVA wollten sich dazu nicht äußern. AREVA beschäftigt derzeit 2.700 Arbeiter in Niger. Noch in diesem Jahr soll in einer dritten Mine mit dem Uran-Abbau begonnen werden.

Im Moment gibt es 600 Soldaten aus dem Tschad und 500 Soldaten aus Nigeria im Norden Nigers an der Grenze zu Mali. Sie unterstehen nicht französischem Kommando. Ihre Zahl soll auf 2.000 erhöht werden.

Ironischerweise schließt sich damit ein Kreis: Es waren diese Uranminen in Niger, wo vor einem Jahrzehnt der Krieg des Westens gegen Al-Kaida begann. George W. Bush wollte eine Rechtfertigung für einen Krieg gegen den Irak wegen unterstellter Nuklear-Pläne. Sein Außenminister, der unglückliche Collin Powell lieferte damals seinen UN-Auftritt mit sogenannten Beweisen gegen Saddam Hussein. Darunter waren auch Bilder der Uranminen in Niger, angeblich aus britischen Geheimdienstquellen.

Weil Bushs Botschafter Wilson dies vor Ort nicht gefügig-servil untermauerte, wurde aus der Ecke von Vice-President Dick Cheney Wilsons Gattin, die CIA-Agentin Valerie Plame, enttarnt. Darüber gibt es inzwischen sogar einen Hollywood-Film.

http://www.prensaescrita.com/adiario.php?codigo=S&pagina=http://www.elpais.com


Frankreichs gut geplante, spontane Rettungsaktion in Mali.

15. Januar 2013

Sepp Aigners sehr empfehlenswerter Blog „kritische massen“ verlinkte auf zwei Artikel zum Thema Mali von „German Foreign Policy“ und von „Hintergrund“, welche über die reine Tagesaktualität weit hinausgehen und die Hintergründe ausleuchten.

Kurz zusammengefasst:
Die USA und Frankreich haben in Westafrika jahrelang konkurriert. Die Welt- gegen die Ex-Kolonialmacht, sozusagen! Geputscht wurde von einem Soldaten, der drei Jahre in den USA ausgebildet worden war. Aber es war dieser Putsch, der den militanten „Islamisten“  den Weg frei machte zur Eroberung und geplanten Abtrennung des Nordens von Mali.

Frankreich preschte vergangenen Freitag anscheinend selbstlos vor, als die Einnahme von Bamako und damit ganz Malis durch die Islamisten drohte. Dabei musste das französische Handeln militärstrategisch und logistisch ganz unspontan, lange und gründlich vorbereitet worden sein.

Hinter den Kulissen streiten die USA, der Weltsicherheitsrat, die Nato, die EU, Chinesen und die EU-Partner Großbritannien und Deutschland um Macht und Einfluß. Präsident François Hollande, „die Schildkröte“, hat Fakten geschaffen. Die anderen müssen jetzt reagieren und das tun sie auf unterschiedliche Weise:

Spanien will ein Transportflugzeug stellen und rund 30 Ausbilder für Malis Armee.

Dänemarks Parlament stimmt heute ab über die dreimonatige Entsendung eines Transportflugzeuges C-130 Hercules. Es kann bei parlamentarischer Zustimmung sofort abfliegen.

Belgien prüft die Verlegung einer C-130 Hercules oder von Medizinern aus dem nahen Kongo.

UK und Kanada wollen zusammen drei große Frachtmaschinen des Typs C-17 für diese Woche zum Transport von Militärgütern von Frankreich nach Mali zur Verfügung stellen. Hier sieht man das generelle Fehlen von nennenswerten Lufttransportkapazitäten im Langstreckenbereich der europäischen Armeen.

Die EU will insgesamt rund 250 Ausbilder und 300 Soldaten zu deren Schutz nach Mali entsenden.

Die USA wollen Aufklärungsdaten und evtl. Drohnen stellen.

Deutschland überlegt noch! Eine Lösung müsse politisch sein, sagt der Außenminister. Aber Westerwelle und Niebel waren kürzlich in Mali. So überrascht von der Entwicklung und den Verhältnissen in Westafrika sollten die Deutschen also nicht sein?
Das heisst im Klartext: Deutschland eiert herum, zwischen seinen politischen und wirtschaftlichen Ansprüchen und militärischen Möglichkeiten und der Angst von einer faktischen Entente zwischen Frankreich und England ausgeschlossen zu sein und so auch in Europa Einfluss zu verlieren. Vermutlich war Frau Merkel die Letzte, die von Hollande informiert wurde?

Niemand ausser Frankreich, also weder die UN, die EU oder die NATO möchte sich diese Mission zu Eigen machen, sie unterstützen sie aber verbal und konkret auf Bilaterale Weise.

In Mali gibt es Gold, und es wird Öl, Gas und Uran vermutet.. Ausserdem ist das Land strategisch zum Schutz des Uranabbaus in Niger durch französische Firmen von Bedeutung. Ausserdem soll es in Mali einen relativ unbekannten Flughafen geben, auf dessen mehrere Kilometer langen Piste Drogen-Jumbos aus Südamerika landen. Mali sei ein wichtiger Drogenumschlagplatz mit dem Ziel Europa.


Gibt es viele Malis in Westafrika?

13. Januar 2013

Dieser Beitrag geht speziell an Leo Brux*.

Leo, ich habe mich mit der Lage in Afrika im Allgemeinen und Mali im Speziellen nicht so auseinandergesetzt, dass ich mir hier ein Urteil zutrauen könnte. Ich weiss es schlicht nicht! *(Ich antworte Dir nicht über die Kommentarfunktion, weil ich die Karte da nicht rein kriegte :-()

Ich will mal ganz vorsichtig und ganz allgemein die Ansicht wagen, dass wir anscheinend eine Art von Rekolonialisierung Afrikas erleben. Da sind zum Einen die alten Kolonialmächte England in Ostafrika und Frankreich in Westafrika. Sie haben noch immer einen gewissen Einfluss in ihrem Hemisphären, aber längst nicht mehr die alte militärische Stärke. Der Einfluß liegt wohl eher in Sprache, Kultur und Wirtschaftsbeziehungen.

Dann gibt es darüber die USA, die eine Zeit lang mehr oder weniger offen versuchten, z.B. die Franzosen in Westafrika abzulösen. Im Augenblick haben die USA aber wohl andere (wirtschaftliche) Sorgen. Dann gibt es die Chinesen, die in großem Stil in ganz Afrika agieren. Sie sind ebenso an Energieresourcen und Rohstoffen interessiert, wie alle anderen Kolonialisten auch.

Dann gibt es uralte Konflikte zwischen Wüsten- und Steppennomaden und sesshaften Bauern. Der Klimawandel sorgt für die Ausdehnung der Sahara nach Süden. Die Nomaden, mehrheitlich Muslime, dringen mit ihren Herden um zu Überleben in das Gebiet der Bauern ein.

Dann gibt es den Konflikt zwischen Christen und Muslimen, von dem ich nicht weiss, ob es ein „echter“ oder ein von außen, künstlich aufgeheizter Konflikt ist?
Er ist auch nicht auf Mali beschränkt, sondern existiert ja auch z.B. in Nigeria.

Dazu kommt die Destabilisierung der ganzen Nordafrikanischen Staaten durch die sogenannten Arabischen Revolutionen. Dazu kommen unkontrollierte, offene Grenzen und reichlich Waffen aus Lybien, Sudan, Somalia, etc.

Das wäre so in etwa die Ausgangslage, aus meiner begrenzten Sicht gesehen. Jetzt zu Frankreich. Das Land versucht zweifellos seine alte Rolle wiederzubeleben. Es hat schon im Lybien-Krieg eine treibende, aggressive Rolle gespielt, bei der allerdings die kolportierten finanziellen Abhängigkeiten des Herrn Sarkozy vom Herrn Gaddhafi auch eine Rolle gespielt haben könnten? Hollande hat öffentlich beteuert, dass es für Frankreich keine wirtschaftlichen Gründe in Mali gäbe.

Wie ich in meinem Beitrag schrieb, gehörte der am vergangenen Freitag getötete Hubschrauberpilot zu einer Kommandotruppe, die schon seit Ende Oktober (illegal?) in Mali operierte! Am vergangenen Donnerstag war der Präsident von Mali bei Hollande in Paris und bat offiziell um Hilfe. Innerhalb von Stunden wurden Truppen nach Mali geflogen und um Bamako stationiert. So etwas bedarf der Vorbereitung. Inzwischen sind auch Truppen der Westafrikanischen Union angekündigt, zugesagt, eingetroffen? Es gibt eine Resolution des UN-Sicherheitsrates die Frankreichs Agieren deckt. Die USA wollen nur Aufklärungsdaten und Drohnen stellen. Die Briten stellen anscheinend Transportflugzeuge. Die sind alle wirtschaftlich schwer angeschlagen und tun nur das Nötigste um Einerseits Solidarität und Andererseits Sparsamkeit zu zeigen. Ob die Franzosen das alleine schaffen können, dazu fehlen mir Informationen. Aber vielleicht mischen ja die Deutschen dort schon mit? Der FIGARO zeigte die Karte mit dem Flughafen wo französische UND deutsche Truppen gelandet seien. Das wurde dann zwar dementiert, aber wenn es so wäre, würde ein Einsatz der KSK überhaupt von der Bundesregierung bestätigt?Bei der parallelen gescheiterten Befreiungsaktion im ostafrikanischen failed state  Somalia haben sie sich die französischen Kommandos jedenfalls nicht mit Ruhm bekleckert. Nachdem was ich spanischen Quellen entnahm, soll es dort recht dilletantisch zugegangen sein…

Einen Aspekt habe ich bisher nicht erwähnt, aber er scheint mir durchaus wichtig: Die allgemeine Weltwirtschaftskrise wirkt sich in den ärmeren afrikanischen Staaten sicher noch härter aus als bei uns? Die simple Not der Menschen könnte die Lage in diesen Staaten weiter destabilisieren.

Ich halte Frankreichs Haltung auf der Grundlage meines heutigen Wissens für gerechtfertigt. Selbst wenn es stimmen sollte, dass Frankreich dort in Mali keine wirtschaftlichen Interessen habe, dann könnte dieser begrenzte(?) Krieg für den bisher insgesamt doch recht glücklos agierenden Präsidenten Hollande verlockend gewesen sein, um von innenpolitischen Schwierigkeiten an allen Ecken und Enden abzulenken?

Die Lage in Mali wurde aber schon vor Monaten durchaus kontrovers diskutiert und führte zu der sicher nicht allzu häufigen Situation, dass ein Presseoffizier von US-Army AFRICOM in Stuttgart auf konkrete Artikel von globalresearch einging und diese als schlechten Journalismus abqualifizierte. Mach‘ Dir selbst ein Bild, Leo:

http://www.africom.mil/Newsroom/ForTheRecord/10015/letter-to-the-editor-global-research-response

http://www.globalresearch.ca/americas-secret-war-in-africa/5307958

http://www.globalresearch.ca/covert-ops-in-nigeria-fertile-ground-for-us-sponsored-balkanization/30259