Geht Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ins Gefängnis?

11. Dezember 2020

Das „Le Parquet national financier“ der französischen Justiz ermittelt seit 23.11.2020 erstmals gegen einen Ex-Präsidenten der Republik Frankreich. Vorgeworfen werden ihm Korruption und Bestechung. Der Ankläger forderte am 10.12.2020 für Nicolas Sarkozy, seinen Anwalt (und langjährigen Freund) Thierry Herzog* und Ex-Magistrat Gilbert Azibert je 4 Jahre Gefängnis, davon 2 Jahre in echter Haft und 2 Jahre auf Bewährung. Die theoretische Höchstrafe für diese Delikte betrüge 10 Jahre! Das Urteil soll am 01.03.2021 verkündet werden.

Sarkozy (selbst Anwalt von Beruf) sieht sich in seinem Schlusswort als unschuldig, als juristisch Verfolgter auf einem Kreuzweg, der die Wahrheit gesagt habe und bereit sei, die Verantwortung zu tragen, der aber NOCH Vertrauen in die Justiz unseres Landes habe (die ihn folglich am Ende freisprechen müsse)…

Sarkozy soll mit Hilfe seines Anwaltes Einblick in geheime Ermittlungsakten zur Affäre „Bettencourt“ erlangt haben und dem Magistrat Azibert im Gegenzug Hilfe und Kontakte für dessen Traumjob in Monaco versprochen haben, den dieser jedoch nie erhielt!

Der amtierende Innenminister Gérald Darmanin rühmt Nicolas Sarkozy derweil parallel im TV in den höchsten Tönen als ehrlichen Mann und verdienstvollen Präsidenten mit dem er sich regelmäßig austausche (wussten Sie das, Präsident Macron?) und der vor kurzem zu einem Frühstück bei ihm im Innenministerium „á Beauvau“ zu Gast war (haben sie das gehört, hohes Gericht?).

______
*Für den Anwalt Herzog werden zusätzlich zur Haftstrafe, anschließend 5 Jahre Berufsverbot gefordert!

______
https://www.francetvinfo.fr/politique/affaire/sarkozy-sur-ecoute/affaire-des-ecoutes-quatre-ans-de-prison-dont-deux-fermes-requis-contre-nicolas-sarkozy-et-les-deux-autres-prevenus_4211799.html#xtor=EPR-51-%5Baffaire-des-ecoutes-quatre-ans-de-prison-dont-deux-ferme-requis-contre-nicolas-sarkozy-son-avocat-thierry-herzog-et-l-ancien-magistrat-gilbert-azibert_4212075%5D-20201208-%5Bbouton%5D

https://www.francetvinfo.fr/politique/affaire/sarkozy-sur-ecoute/


Frankreichs: Wird die FN überschätzt? Jeder Zweite hält Le Pen für unfähig!

8. November 2014

Hollandes TV-Interview hat die ablehnende Haltung der großen Mehrheit der Franzosen zu seiner verfehlten Politik natürlich nicht beendet, gar „gedreht“!

In Umfragen werden deshalb seine möglichen Gegenkandidaten durchgespielt und die FN und Marine Le Pen schneiden in diesen Umfragen oft besser ab, als die Politiker der etablierten Parteien.

Aber im Moment dieser Umfragen geht es ja um nichts und man kann dann schon mal seinen Unmut dadurch äußern, indem man radikalen Parteien (völlig unverbindlich) seine Zustimmung gibt.

Nun gibt es eine neue Umfrage von Odaxa für I-télé mit folgendem Ergebnis:

49% glauben, dass Alain Juppé es besser machen würde,
12% glauben, dass Alain Juppé es schlechter machen würde,
39% glauben, dass Alain Juppé es genauso machen würde,
wie Francois Hollande.

38% glauben, dass Sarkozy es besser machen würde,
28% glauben, dass Sarkozy es schlechter machen würde,
33% glauben, dass Sarkozy es genauso machen würde,
wie Francois Hollande.

31% glauben, dass Manuel Valls es besser machen würde,
15% glauben, dass Manuel Valls es schlechter machen würde,
54% glauben, dass Manuel Valls es genauso machen würde,
wie Francois Hollande.

29% glauben, dass Marine Le Pen es besser machen würde,
45% glauben, dass Marine Le Pen  es schlechter machen würde,
26% glauben, dass Marine Le Pen  es genauso machen würde,
wie Francois Hollande.

78% glauben, dass mutige Politiker reformieren könnten.
21% glauben, dass dies durch die Globalisierung unmöglich sei.

Was kann man diesen Zahlen entnehmen?
Die Franzosen setzen auf die Kandidaten der UMP stärker als auf die FN und natürlich auf den der Regierung. Dabei ist die Akzeptanz von Juppé deutlich höher als die Sarkozys.

Auffallend ist die nüchterne Bewertung des Jungstars der PS, des amtierenden Premierministers Manuell Valls. Er wird offenbar für die Hollande-Politik mitverantwortlich gemacht?

Auffallend ist ferner, dass nicht einmal ein Drittel der Befragten (29%) glaubt, dass die hochgejubelte Marine Le Pen es besser machen würde. Fast die Hälfte (45%) glaubt sogar, dass sie es schlechter machen würde als der grottenschlechte Francois Hollande!

Interessant ist, dass zwischen einem Viertel und einem Drittel der Befragten finden, dass es keinen Unterschied mache, wer regiere in Frankreich. Logischerweise ist dieser Prozentsatz bei Manuel Valls, dem Premierminister des Präsidenten Hollande deutlich höher mit 54%. Dieser Wert ist aber bei Marine Le Pen am Niedrigsten (26%) von allen Kandidaten.

Daraus kann man wohl schließen, daß Le Pen zwar polarisiert, aber daß fast jeder Zweite der Befragten sie für unfähig hält Frankreich zu regieren. Dies bedeutet, dass die FN Marine Le Pens keine echte Alternative für den französischen Wähler böte!


Rechtsrutsch? Was ist nur mit den Franzosen los?

5. Oktober 2014

Die Front National hat 2014 zugelegt. Sie hat erstmals zwei Sitze im Senat gewonnen. Dazu ein gutes Dutzend Bürgermeister-Posten und nicht weniger als 24 Europaabgeordnete in Strasbourg.

In einer aktuellen Umfrage findet zwar noch eine Mehrheit von 56% der Befragten Marine Le Pen schlecht (26%) bzw. sehr schlecht (30%), aber ihre Beliebtheit ist in diesem Jahr stark angestiegen. 43% finden sie gut (32%) bzw. sehr gut (11%).

Diese zunehmende Akzeptanz ist besonders verwunderlich, da die Befragten gleichzeitig ihre Eigenschaften durchaus negativ beurteilten:

78% finden sie extrem Rechts
73% finden sie aggressiv
72% finden sie mutig
63% finden sie rassistisch
62% finden sie demagogisch
58% finden sie überzeugend
48% finden sie bürgernah
45% finden sie kompetent
44% empfinden sie als Staatsfrau
43% finden sie ehrlich
40% finden sie sympathisch
38% finden sie visionär

Bedeutet dies, dass diese negativen Eigenschaften inzwischen von den Franzosen akzeptiert werden?

Bei den nächsten Präsidentschaftswahlen 2017 würde Marin Le Pen zwar gegen jeden heute denkbaren Kandidaten den ersten Wahlgang gewinnen, aber letztlich verlieren:

So würde die Wahl der Umfrage zu Folge ausgehen:

Marine Le Pen 46% (35%)* vs. Francois Hollande 50%
Marine Le Pen 37% (—%) vs. Manuel Valls 60%
Marine Le Pen 33% (18%) vs. Nicolas Sarkozy 63%
Marine Le Pen 28% (17%) vs. Alain Juppé 71%
_____
*(in Klammern ihre Werte vom Mai 2014! Sie hat sich in allen Werten stark verbessert.)
_____

Selbst der bei den Franzosen extrem unbeliebte Francois Hollande würde, wenn auch knapp, gegen sie gewinnen. Rechte Kandidaten graben ihr hingegen deutlich Stimmen ab.
Das bedeutet, aus heutiger Sicht werden die Franzosen Rechts wählen und selbst der „Rechte Sozialist“ Valls erzielt in diesem Trend das schlechteste Ergebnis! Alain Juppé läge hingegen mit 8% Vorsprung vor Nicolas Sarkozy und gar 43% Vorsprung vor Marine Le Pen an erster Stelle!

Man kann wohl vorsichtig daraus schließen, dass der aktuelle Höhenflug der FN und Marine Le Pens aus der Schwäche und Unbeliebtheit der sozialistischen Regierung resultiert? Praktisch jeder Gegenkandidat der Rechten würde plus-minus zwei Drittel der Stimmen gegen die FN einfahren. Diese Umfragewerte drücken also im Zweifel wohl eher Unzufriedenheit mit der sozialistischen Hollande-Präsidentschaft aus, als echte Zustimmung zur Front National, hoffe ich?


Europawahl fordert auch in Frankreich erste Opfer!

27. Mai 2014

Die UMP, die vereinte Volksbewegung Sarkozys, die nie eine Partei sein wollte und die den Bereich Mitte-Rechts des politischen Spektrums in Frankreich abdeckte, wurde bei der Europawahl zurecht gestutzt und mit 20,77% und dem Verlust eines Drittels ihrer Sitze hinter der Rechten FN auf den zweiten Platz verwiesen.

Damit ist die UMP in ihrer Existenzgrundlage getroffen und somit akut gefährdet. Die lautete bisher vereinfacht, dass die FN pfui, nicht wählbar  und somit nicht regierungsfähig sei. Die kleinen rechten Schweinereien wurden im Parlament von der UMP exekutiert.

Dies hat der Wähler nun geändert. Wenn die rechte Klientel der UMP nun gleich zum Original, zur noch rechteren FN weiter wandert, dann fehlt es der UMP auf vorhersehbare Zeit an jeder möglichen Regierungsmehrheit. Dies dürfte auch in Sarkozys Zukunftsplänen eine Rolle spielen, denn sollte er zu den Wahlen 2017 erneut antreten wollen, dann müsste er seine Wähler von der FN zurück gewinnen, was einen Wahlkampf, deutlich Rechts der Mitte erwarten ließe?

Dazu kam der mediale Paukenschlag des Privatiers Sarkozy, der sich kurz vor der Europawahl – offensichtlich mit der UMP-Führung  nicht abgestimmt – ausgiebig in Zeitungs-Interviews äußerte. Wenn man das Ergebnis betrachtet, hat es der UMP bei der Wahl nicht geholfen. Es könnte allerdings auch sein, dass Sarkozys Ziel das Abräumen der gegenwärtigen UMP-Führung war und das scheint ihm gelungen zu sein.

Wie praktisch immer im Dunstkreis von Sarkozy gibt es aber auch eine Affäre, diesmal mit dem Namen „Bygmalion“, einer Kommunikationsagentur die während Sarkozys Wahlkampf falsche Rechnungen an die UMP ausgestellt haben soll.

UMP-Präsident Jean-François Copé spürt offenbar „die Einschläge näher kommen“ und hat für Oktober einen außerordentlichen Kongress einberufen, auf dem er nicht mehr für die Parteiführung kandidieren wolle.

AKTUALISIERUNG: UMP-Präsident Jean-François Copé  wird bereits zum 15. Juni zurück treten. Sein Amt soll bis Oktober von einer Gruppe aus den drei ehemaligen Premierministern François Fillon, Alain Juppé, Jean-Pierre Raffarin gemeinschaftlich ausgeübt werden.

Während Jean-François Copé bisher behauptete nichts von dieser „Affäre Bygmalion“ zu wissen, hat sein „rechter Arm“ Jérôme Lavrilleux, der damals stellvertretender Direktor der präsidialen Wahlkampagne Sarkozys war, die Existenz eines betrügerischen Systems mittels der Agentur Bygmalion eingeräumt, deren Gründer Bastien Millot seit 15 Jahren ein Getreuer von… (erraten!) Jean-François Copé  ist.

Mit Copés Rücktritt wird offenbar unmittelbar gerechnet? Der Kongress im Oktober soll von NKM, der unterlegenen Bürgermeister-Kandidatin von Paris Nathalie Kosciusko-Morizet, geplant und durchgeführt werden. Mögliche Nachfolger laufen sich mit Alain Juppé, Christian Jacob, Jean-Pierre Raffarin, Claude Goasguen und Anderen bereits warm, während sie noch Copé scheinheilig zum Durchhalten bis Oktober auffordern..


Frankreich: Hat Hollande Sarkozy an den Eiern?

4. Juli 2013

Als Ex-Präsident ist Nicolas Sarkozy automatisches Mitglied des Französischen Verfassungsrates.  Nun hat Sarkozy mitgeteilt, dass er sofort sein Mandat niederlegen und diesen Rat verlassen würde um seine Redefreiheit zurück zu gewinnen! Was ist geschehen?

Dieser Verfassungsrat hat heute bestätigt, dass das Wahlkampfkonto Nicolas Sarkozys von 2012 den Staat um etwa elf Millionen Euro „betrogen, beraubt“ habe!

Der Verfassungsrat entschied, dass die Ablehnung der Nationalen Wahlkampf-Kommission CNCCFP des Wahlkontos des Kandidaten Sarkozy für die Präsidentschaftswahl 2012 berechtigt war.

Die zulässigen Wahlkampfkosten der UMP seien um rund eine halbe Million Euro(?) oder 2 % über dem erlaubten Maximum gelegen.

Der amtierende Präsident habe als Kandidat Wahlkampf auf acht Reisen betrieben, die seiner Kampagne zugerechnet werden müssten.

Dadurch habe Sarkozys Kampagne „automatisch“ die erlaubte Maximalsumme für das Erreichen der zweiten Runde von 22.509.000,-€ überschritten.

Sarkozy müsse insgesamt 363.613,-€ an das Finanzministerium zurück zahlen.

PS: Ob die angeblichen Gaddhafi-Millionen für Sarkozys Wahlkampf hier in irgend einer Weise berücksichtigt wurden, das ist zweifelhaft…


Frankreich: Bernard Tapie von der Finanz-Polizei arrestiert!

24. Juni 2013

Der Fall des Schlichtungsverfahrens Tapie / Crédit Lyonnais, der heute als bandenmäßiger Betrug mit einem Schaden von 405 Millionen Euro zu Lasten des französischen Staates betrachtet wird, geht in die nächste Runde. Tapie will von der Bank beim Verkauf seiner adidas-Anteile übervorteilt worden sein.

Heute wurde einer der Parteien des Schichtungsverfahrens, nämlich der schillernde, politiknahe Unternehmer Bernard Tapie arrestiert und soll dem Untersuchungsrichter Rede und Anwort stehen. Dieser Arrest kann maximal vier Tage dauern.

Es soll bewiesen werden, dass es sich bei der sogenannten Schlichtung um ein Scheinverfahren handelte, bei dem alle Beteiligten sich jahrelang gut kannten, Geschäfte miteinander machten, keineswegs objektiv und neutral handelten, sondern sich bandenmäßig gegen den französischen Staat verschworen haben.

Praktisch alle für das Verfahren relevanten Spitzen der Regierung Sarkozy sind verwickelt und auch der Präsident selbst soll sich mehrfach im fraglichen Zeitraum mit dem Unternehmer Tapie, dem Begünstigten des Plots, getroffen haben. Sarkozy genießt als Präsident allerdings die totale Immunität für all seine Handlungen, Taten und Untaten während seiner Amtszeit. Dies gilt indess nicht für seine damalige Finanzministerin Christine Lagarde „…nimm mich, benutze mich solange ich Dir von Nutzen bin!“* und auch nicht für seinen Kabinettschef Claude Guéant und den Christine Lagardes, Stéphane Richard, sowie für den Verwalter Jean-François Rocchi, der in der CDR die insolvente Crédit Lyonnais abwickelte.
Das gilt natürlich auch nicht für den Schlichter, den Ex-Richter Pierre Estoup, dem eine schwülstige, handschriftliche Widmung Tapies in einem Buch zum Verhängnis wurde. Dem Schlichter wird vorgeworfen, verbotene Geschäftskontakte zu Tapies Anwälten unterhalten zu haben und deshalb die gebotene Neutralitätspflicht verletzt zu haben.

Der französische Staat will das Verfahren für nichtig erklären lassen. Für den Fall hat Tapie schon mal angekündigt höchstens noch rund hundert Millionen der eingesackten 405 Millionen übrig zu haben, da das Leben teuer sei. Vielleicht musste er aber auch nur eine handvoll Komplizen und Mitwisser auszahlen und in ein günstiges politisches Umfeld investieren?

*(Das ist der Ton, in dem eine französische Ministerin mit ihrem Präsidenten (schriftlich!) verkehrt.)


Frankreich: Richter und Anwalt in U-Haft im 403 Millionen € Skandal Tapie/adidas/Crédit Lyonnais/Sarkozy/Lagarde!

28. Mai 2013

Die juristische Untersuchung des Schlichtungsverfahrens nahm erneut eine unerwartete Wendung. Hatte man auf Grund der Aktenlage zunächst mit einer Anklage der damals die ungewöhnliche Schlichtung gegen den Rat der Experten ihres Ministeriums durchstechende Wirtschaftsministerin Christine Lagarde gerechnet, die dann jedoch vorläufig eine auf den Status einer „verdächtigen Zeugin“ reduzierte Verschnaufpause bekam, so wurde gestern Mittag einer der drei damals im CJR mit der Schlichtung befassten Richter in Untersuchungshaft genommen.

Der vorläufige Vorwurf lautet, dass der Richter Pierre Estoup Geschäftskontakte zu Maurice Lantourne, dem Anwalt Bernard Tapies verheimlichte, es somit einen möglichen Interessenkonflikt gegeben habe und somit eine Entscheidung des Gerichtes CJR zu Lasten der staatlichen Auffanggesellschaft CDR, die Nachfolgerin der in finanziellen Schwierigkeiten geratenen und vom Zusammenbruch bedrohten Credit Lyonnais, ermöglicht haben könnte!

Was kommt als Nächstes? Wer steckt nicht drin, in diesem Fall?
_________
NACHTRAG:
Wir brauchten nicht lange zu warten: Auch der Anwalt Bernard Tapies, Maitre Maurice Lantourne soll verhaftet worden sein und sich in U-Haft befinden!
Wenn die geschäftliche Verbindung des Richters Estoup zu Anwalt Lantourne zum Zeitpunkt der Schlichtung bestand und bewiesen werden kann, dann könnte das gesamte Verfahren als ungültig bewertet werden. Christine Lagarde wäre in einem solchen Fall fein raus!


Christine Lagarde sagt in Paris vor Gericht aus.

23. Mai 2013

Christine Lagarde, Generaldirektorin des IMF, wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Schon bevor sie – quasi durch die unkontrollierten Triebe ihres Vorgängers Dominique Strauss-Kahn – zur siebtmächtigsten Frau der Welt (Forbes) wurde, war Madame als Französische Wirtschaftsministerin auch nicht ganz ohne jeden Einfluß. Ob sie diesen in ungesetzlicher Weise geltend machte, zu Lasten des französischen Steuerzahlers, wird gegenwärtig vom Gerichtshof der Republik Frankreich, CJR in Paris untersucht. Kürzlich hatte es in ihrem Pariser Domizil schon eine Hausdurchsuchung gegeben

Heute Morgen erschien Sie nun vor Gericht um zum Vorwurf „der Komplizenschaft bei der Fälschung von Dokumenten und Veruntreuung öffentlicher Gelder“ Stellung zu nehmen“ («complicité de faux et détournement de fonds publics»).

Sie soll im Oktober 2007 bei einem Streit zwischen dem Geschäftsmann Bernard Tapie und der Bank Crédit Lyonnais entgegen dem Rat hoher Beamter ihres Ministeriums schriftlich ein Schlichtungsverfahren angeordnet haben, anstatt den „normalen“ Weg durch die Gerichte zu gehen. Tapie gelangte auf diese Weise an eine Entschädigung von rund 403 Millionen Euro inklusive aufgelaufener Zinsen aus der Staatskasse.

Bei der „freundschaftlichen Lösung“ der Affäre Adidas/Tapie spielten die folgenden Personen, Politiker, Anwälte und hohe Funktionäre eine besondere Rolle: Nicolas Sarkozy, Christine Lagarde, Jean-Louis Borloo, Stéphane Richard, François Pérol, Jean-Denis Bredin, Pierre Mazeaud und Pierre Estoup.

Im Büro des Präsidenten, mit dem sich Tapie häufig traf und austauschte, könnte die Idee zum Schlichtungsverfahren anstatt des Rechtsweges geboren worden sein. Tapie selbst gibt an, sich mindestens ein Dutzend Mal mit Sarkozy getroffen zu haben. Sarkozy selbst wird die Neigung nachgesagt, Freundschaften, Politik und Geschäft gewinnbringend verbunden zu haben.

Christine Lagarde traf dann als zuständige Ministerin die entsprechenden Entscheidungen, die sie heute noch immer als die beste Lösung verteidigt. Sie gibt sich gelassen und „sieht – sich selbst betreffend – nichts Neues unter der Sonne“ in dieser Sache.

Jean-Louis Borloo war kurzzeitig ihr Vorgänger als Wirtschaftsminister und zuvor Anwalt Tapies zu dem er enge Kontakte unterhielt.

Stéphane Richard war Kabinettschef sowohl von Borloo als auch Lagarde.

François Pérol war 2007-2009 stellvertretender Generalsekretär des Élysée-Palastes und zuvor stellvertretender Leiter für Finanzen in Sarkozys Kabinett.

Jean-Denis Bredin, Pierre Mazeaud und Pierre Estoup waren Richter am Schiedsgericht.

Tapie soll – wie bei ihm anscheinend üblich – im fraglichen Zeitraum mit den beteiligten Personen engen Kontakt gehalten haben.

Alle genannten Beteiligten sind in hohen Ämtern und Funktionen des Staates und der Wirtschaft.

Der Gerichtshof CJR ist für Mitglieder der Regierung und ihre Amtsausübung zuständig.


Frankreich: Die UMP zerbröselt in Zeitlupe!

27. November 2012

In Frankreich vollzieht sich in diesen Tagen vor den Augen der staunenden Öffentlichkeit das Schauspiel der inneren Zerstörung der UMP, der Vereinigten Volksbewegung, des ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

Mit Jean-François Copé und François Fillon standen  zwei Kandidaten als Nachfolger für die Führung der Bewegung bereit. Es wurde wochenlang gewahlkämpft, gewählt, tagelang ausgezählt, beide erklärten sich vorschnell zum Sieger, verlangten Nachzählungen, bzw. Neuwahlen. Es wurde ein Schlichter hinzugezogen, der bald entnervt aufgab. Fest steht lediglich, der Sieger heisst François…

Es mischte sich der Polit-Rentner Sarkozy höchst selbst ein und nun erklärt  François Fillon die Bildung einer neuen politischen Gruppe seiner Unterstützer der „Versammlung UMP“ im Parlament als dritter Vertreter des rechten Spektrums.

Damit hatte die zunächst vergnügt grinsende Zuschauerin Marine Le Pen, von der FN wohl nicht gerechnet? Jetzt müssen sich die Rechten in Frankreich für eine von Drei Parteien, bzw. Bewegungen entscheiden.

http://www.leparisien.fr/politique/cope-l-heure-n-est-pas-a-revoter-27-11-2012-2359371.php


Basta mit Entzug: Keine 90 Tage nach seinem Abgang mischt Sarkozy wieder mit!

8. August 2012

Die französische Version der HUFFINGTON POST berichtet, dass Nicolas Sarkozy sich in der Politik zurückmeldete.

http://www.huffingtonpost.fr/2012/08/07/nicolas-sarkozy-syrie-telephone-retour-abdel-basset-sayda_n_1753746.html?utm_campaign=080812&utm_medium=email&utm_source=Alert-france&utm_content=FullStory

Er tat dies zu einem Zeitpunkt, zu dem sich das politische Frankreich in Urlaub befindet und ihm somit die volle Aufmerksamkeit der Medien garantiert ist.
Sein alter Kumpel und Libyen-Spezi Bernard-Henry Levy gab das Stichwort, als er seine Enttäuschung über die zögerliche Haltung des französischen Präsidenten François Hollande in der Syrien-Frage ausdrückte.

Sogleich nutzte Sarkozy da seine Chance und telefonierte 40 Minuten mit dem selbsternannten Leiter der syrischen Opposition, dem Kurden Abdel Basset Sayda. Schon dies ein klarer Verstoss gegen die Gepflogenheiten aller seiner Vorgänger im Präsidentenamt, die es stets vermieden sich öffentlich zu Frankreichs Aussenpolitik zu äußern.

Aber die beiden „Staatsmänner in spe“ gaben als Ergebnis des Telefonates sogar eine gemeinsame Erklärung heraus:

Sie forderten ein schnelles Eingreifen der internationalen Gemeinschaft um ein Massaker zu vermeiden.

Sarkozy scheint dabei sein hinterhältiges Libyen-Spiel zu wiederholen? Denn es gibt natürlich auch Fotos von ihm mit Assad http://ow.ly/i/OWBL  im freundlichen Plausch, ebenso wie es sie mit Gaddhafi gegeben hatte, der ihm angeblich sogar bei den Wahlkampfkosten „unter die Arme gegriffen haben soll“, was Sarkozy natürlich entrüstet dementiert. Nun, Gaddhafi zumindest haben die Fotos nicht geholfen…

Anscheinend will Sarkozy sein übles Spiel als eine Art Todesengel des Bernard-Henry Levy beim sperrigen Syrer Assad wiederholen?

Nebenbei scheint ihm der König von Marokko unter die Arme zu greifen, dem er neuerdings als Lobbyist, pardon als Spezial-Berater und Anwalt gegen Geld und Immobilien zu Diensten scheint:

http://www.slateafrique.com/92317/nicolas-sarkozy-futur-lobbyiste-mohammed-vi

Schon während seiner Präsidentschaft soll er mindestens vier private Urlaubsreisen nach Marokko unternommen haben, für die er als Gast des Königs nichts zahlte. Das hat mehr als nur ein Gschmäckle, das ist eigentlich ein Unding!

Sarkozys vorzügliche Kontakte zu den USA, speziell zur CIA, waren schon öfter Thema in den Medien. So scheint es, dass der Ex-Präsident heute als Diener vieler Herren und gegen Bezahlung fungiert und da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass diese Aktivitäten nicht unbedingt französische Interessen darstellen. Was dieser Brite Tony Blair kann, das kann ich schon lange, scheint er sich zu denken?

Die Verteidigung in den verschiedenen Strafverfahren, in denen seit Ablauf seiner Immunität gegen ihn ermittelt wird, scheint ihn jedenfalls zumindest nicht auszulasten?