Paris: Bärtiger Nordafrikaner schneidet Soldaten mit Cutter die Kehle durch, sagt die Polizei.

25. Mai 2013

Im westlichen Pariser Vorort La Defense wurde am Samstag, gegen 18 Uhr, ein an einem Vorort-Bahnhof patroullierender französischer Soldat von einem“ bärtigen Nordafrikaner in hellem Jihab“ (Polizei) mit einem Cutter angegriffen und schwer verletzt. Unter anderem wurde ihm die Kehle durchgeschnitten.

Der Soldat befindet sich im Percy-Krankenhaus und ist nicht mehr in Lebensgefahr. Der Angreifer entkam in der Menschenmenge des Geschäftsviertels.

Die Anti-Terror-Brigade befasst sich mit dem Vorfall der als terroristischer Anschlag bewertet wird.

Der Soldat gehörte zum 4. Schützen-Regiment in Gap, war in Afghanistan und sollte demnächst in Mali eingesetzt werden.

Seit dem Anschlag auf Lee Rigby am vergangenen Mittwoch in London folgten die französischen Medien dem Vorfall mit großer Aufmerksamkeit.

Womöglich erzeugt diese hohe Medienpräsenz Nachahmer?

Der Anschlag von Paris folgte vielleicht dem Vorbild von London und dieser Anschlag womöglich Toulouse und Montauban im Vorjahr?

ERGÄNZUNG:
Der 23-jährige Cédric Cordier ging als letzter in einer gemischten Drei-Mann-Patrouille* aus Militär und Polizei und wurde von hinten angegriffen. Die Tat sei wortlos, ohne Bekenner- oder Gebetsrufe ausgeführt worden. Seine beiden Kameraden konnten so den Vorfall weder erkennen, noch verhindern, noch den in Richtung der Geschäfte durch den Verbindungstunnel zwischen der Nahverkehrsbahn RER und den Einkaufszentren flüchtenden Angreifer dingfest machen.

Cordier, der sehr viel Blut verloren habe, sich aber nicht in Lebensgefahr befände, sei in das Militärkrankenhaus Percy in Clamart gebracht worden, sein Zustand sei beruhigend.

Der PARISIEN zitiert Polizeikreise die „einen Mann nordafrikanischen Typs um die 30 Jahre, Bart- und Djellabaträger“ als Täter beschreiben.

Diese Beschreibung wird allerdings vom LE JOURNAL DE DIMANCHE dementiert!

Der Präfekt des Departements Hauts-de-Seine, Pierre-Andre Peyvel weigerte sich diese Beschreibung zu bestätigen oder zu verneinen. Die Polizeigewerkschaft UNSA beschreibt den Täter lediglich als groß und athletisch ohne nähere Herkunftsangaben.

Es sind also zum gegenwärtigen Zeitpunkt hauptsächlich die Medien unter Berufung auf Innenminister Valls und Verteidigungsminister Le Drian und den Präsidenten Hollande, die einen möglichen terroristischen oder islamischen Hintergrund beschreiben, der sich ohne Kenntnis der Motive und bestätigte Täterbeschreibung** zumindest vorläufig als spekulativ erweist: Kann sein, kann auch nicht sein!

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* Diese gemischten Teams der sogenannten Aktion Vigipirate sollen dem Schutz vor terroristischen Anschlagen dienen. Kritiker sehen darin einen Missbrauch der Armee für Polizeiaufgaben. Siehe dazu auch: https://fr.wikipedia.org/wiki/Plan_Vigipirate

**(Solche öffentlichen Räume mit großer Besucherfrequenz sind auch in Paris mit Videocameras überwacht. In diesem Falle gleich von drei verschiedenen Organisationen, der Französischen Eisenbahngesellschaft, der Nahverkehrsgesellschaft und der Betreibergesellschaft des Einkaufszentrums Vier Jahreszeiten.)


Frankreich: Ein Jahr nach Toulouse und Montauban, Gedenkroutine?

11. März 2013

Heute jährt sich der Beginn der Mordserie des Mohamed Merah in Montauban und Toulouse. Es gibt offizielle Ermittlungen. Es gibt TV-Dokus. Es gibt Gedenkfeiern, Gedenktafeln an den Tatorten und einen „Weissen Marsch“. Es gibt wieder viele Worte, aber gibt es auch konkrete Ergebnisse?

Ausser unerklärlichen Pannen und Koordinationsproblemen zwischen den Französischen Sicherheitsbehörden ist nicht wirklich viel heraus gekommen. Sein Bruder Abdelkader Merah sitzt in Untersuchungshaft. Im Vorfeld des Jahrestages gab es einige Aktivität vortäuschende vorläufige Festnahmen von der Beihilfe Verdächtigen. Sie alle mussten nach Ablauf der maximalen Arrestzeit wieder entlassen werden, weil die Beweise nicht reichten. Die Suche nach dem ominösen „Dritten Mann“ geht weiter.

Es bleibt weiterhin unklar, wie ein junger Mann unter den Augen der Geheimdienste  und vermutlich von ihnen geführt, derart aus dem Ruder laufen konnte, ohne dass die Profis dies bemerkten?

Merah jedoch ist in seinen Kreisen und seiner Familie längst zum Helden verklärt worden. Die Angehörigen der Opfer beklagten, dass seiner Mutter und Schwester in einer auf France 3 ausgestrahlten Doku zum Jahrestag zu viel Raum zur Selbstdarstellung eingeräumt worden sei. Es kann leider nicht ausgeschlossen werden, dass es irgendwo Nachahmer gibt, die den Jahrestag zu Aktionen nutzen wollen? Vermutlich werden die französischen Behörden in diesen Tagen stillen Alarm ausgelöst haben? Denn in Mali sterben Muslime durch französische Truppen, wie damals in Lybien.

Eines von Merahs Opfern lebt noch. Ein schwerstverletzter junger Soldat, Loïc Liber, der vermutlich Zeitlebens unter den Folgen des Attentats leiden wird. Er ist in der Öffentlichkeit fast vergessen…

http://www.lemonde.fr/societe/article/2013/03/11/debut-des-hommages-aux-victimes-de-mohamed-merah_1845876_3224.html


Obama informiert Kongress über Entsendung von hundert US-Militärs nach Niger.

23. Februar 2013

Niger und die USA hatten im Januar nach monatelangen Verhandlungen einen Bilateralen Vertrag unterzeichnet, der eventuell in Niger stationierten US-Militärs Narren- und Handlungsfreiheit, kurz totale Rechtssicherheit, für den total unwahrscheinlichen Fall bieten soll, dass die USA in diesem öden Westfarikanischen Wüstenstreifen jemals Militär stationieren wollten.

Dann brach, wie auf’s Stichwort, Francois Hollande mit rund viertausend Franzosen zum Blitzkrieg in Nigers Nachbarland Mali auf, der jetzt auch schon wieder etwas länger andauert, obwohl nach vierzehn Tagen die Vollzugsmeldung des Erfolges durch den Präsidenten höchstselbst vor Ort in Mali erfolgte.

Da die Franzosen es offenbar doch nicht so blitzschnell und Mutterseelen-alleine schaffen und so verzweifelt sind, dass sie sogar die Bundeswehr um Hilfe bitten müssen, bietet Obama den Galliern großherzig Aufklärungshilfe und Logistik an.

Jetzt also per Federstrich, in wenigen dürren Sätzen, die Entsendung von hundert US-Militärs nach Niger. Als nächstes erfolgt die Stationierung von US-Drohnen in diesem Land auf einem über Nacht erstellten US-Stützpunkt aus der Retorte und danach befinden sich wesentliche Teile Westfarikas unter direkter US-Kontrolle.

Dann wird man nach wenigen Aufklärungsflügen feststellen, dass die ganze Wüste da unten voller Terroristen ist und zu Obamas Lieblingsdrohnen, den unbemannten Terrorbombern greifen und Menschen aus der Luft umbringen, wahllos, ohne Verfahren und Urteil, auf die moderne amerikanische Art halt.

Der US-Kongress, der die Kriege des Präsidenten eigentlich zu genehmigen oder zu verbieten hat, der wird wieder einmal nicht gefragt.

Das erinnert mich ein bisschen an die Tour, wie Merkel und die Maisbirne neuerdings die Bundeswehr in Konflikte hinein schwafeln, obwohl, im Bundestag sitzen bis auf ein paar ewig gestrige Linke sowieso nur kriegsbegeisterte Parteien, an denen Kaiser Wilhelm II seine helle Freude gehabt hätte.

Jetzt also wenige hundert Bundeswehrsoldaten, nur für Logistik und Ausbildung, nicht zum pfui, pfui, kämpfen. Dann hundert US-Militärs ins Nachbarland Malis und schwupps, hoppla, schon ist ein neuer, selbstgeschaffener, internationaler Konflikt ins Leben gerufen, denn die Ablehnung dieser militärischen Aggression durch Russen und Chinesen ist natürlich garantiert.

Krieg gegen den Terror, was für eine „wunderbar, elastisch-auslegungsfähige“, neokoloniale Erfindung der USA!

http://www.commondreams.org/headline/2013/02/22-1


Sponsort VW die Touareg in Mali?

6. Februar 2013

VW hat einen SUV im Programm, mit dem Namen einer terroristischen Vereinigung, die derzeit in Mali mal mit mit, mal gegen unsere französischen Nachbarn und Freunde kämpft. Noch ist der Absatz in Frankreich nicht eingebrochen, seit der Intervention der Grande Armée in der Sahel-Zone. So ist die Marke „Touareg“ derzeit sowohl Gut als auch Böse besetzt, Ende offen…

„Touareg“, das klingt nach Freiheit, Sanddünen und Abenteuer und so ganz anders, als wenn die Karre „Islamist“ heissen würde.
Namensgebung ist eine heikle Angelegenheit, nicht erst seit Mistdubishi mal einen SUV „Pajero“ nannte, was in Lateinamerika eine unanständige Konotation hat!

Auf Nummer sicher wäre man mit einem – möglichst lange Toten – Süd- oder Mitteleuropäischen Freiheitskämpfer als Namensgeber. Wie klänge „Südtiroler“ oder etwa „Katalane“ für die Niedersachsen? Wir wissen es nicht…

 


Rückzug – überdenkt Frankreich Krieg gegen Mali? (von Jason Ditz)

30. Januar 2013

Regierungsvertreter distanzieren sich von Versprechen, alle Rebellen in Mali zu vernichten. Erst vor acht Tagen versprach der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian, die französische Invasion Malis um jeden Preis fortzusetzen, bis jeder Widerstand ausgelöscht sei, und bezeichnete als sein Ziel die „totale Wiedereroberung” Malis.

Heute deutete der französische Präsident Francois Hollande an, dass die Rolle Frankreichs als führende Invasionskraft in diesem Krieg praktisch beendet sei, indem er sagte, dass es Zeit ist, dass die „Afrikaner die Sache übernehmen können.“

Offiziell gehen französische Regierungsvertreter von einem Sieg aus, wobei etwa Le Drian sagt, dass das Ziel des Militärs, die Bevölkerungszentren im Norden unter Kontrolle zu bringen, erreicht worden sei, obwohl die Truppen nicht weiter nördlich als bis Timbuktu vorgestoßen sind und nahezu zwei Drittel des Landes in der Hand der Rebellen verbleiben.

In der Praxis erfolgt dieser Wandel, nachdem Frankreich mit Kritik wegen den Tötung von Zivilisten konfrontiert ist und nachdem Regierungsvertreter eingeräumt haben, dass der Kampf härter ist als angenommen.

Das lässt vermuten, dass Frankreich sich noch einmal einen Krieg überlegt, von dem man geglaubt hat, er würde in wenigen Wochen zu einem umfassenden Sieg führen, und sich von dem Versprechen distanziert, Mali praktisch zu einer terrorfreien Demokratie zu machen.

erschienen am 28. Januar 2013 auf

http://news.antiwar.com/2013/01/28/hinting-at-pullback-is-france-rethinking-mali-war/

> Glen Ford – Der Herr als „Gast”: http://antikrieg.com/aktuell/2013_01_12_derherr.htm

Die Weiterverbreitung der Texte auf dieser Website ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse http://www.antikrieg.com nicht zu vergessen!


Medien: Wir müssen leider draussen bleiben! Frankreichs Schattenkrieg in Mali.

26. Januar 2013

Journalisten fühlen sich in Mali wie der Hund vor dem Metzgerladen, sie riechen die News, aber sie dürfen nicht rein! Französische Medien, denen ihr Auftrag über die Lage in Mali zu berichten erschwert bzw. unmöglich gemacht wird, beginnen über die Haltung ihres Militärs und ihrer Regierung eine breite Debatte.

In Mali würden alle Straßen, die nach Norden führen, von Malis Armee hermetisch abgeriegelt. Es gäbe wohl große Ängste, dass französische Journalisten als Geiseln in die Hände der Aufständischen fallen könnten.

Die französische Armee habe zwar Presseoffiziere, aber für die sei sogar Schweigen schon eine Art der Kommunikation. Alle Bilder und Informationen könnten dem Feind dienen, so heisst es da „Feind hört mit“!

„Eingebettete Journalisten“, wie es bei der US-Army der Fall sei, gäbe es nur vereinzelt, für zeitlich und thematisch genau definierte Fälle in der Etappe. Dort könnten sie das hoch spannende Be- und Entladen von Flugzeugen filmen.

Von der Armee selbst veröffentlichte Bilder, wie kürzlich die von einen Hubschrauberangriff, verfügten nicht über simple Basisinformationen wie Datum, Ort und Zeit des Geschehens. Sie seien nicht verifizierbar.

Besonders betroffen sind die TV-Journalisten, die auf Filme angewiesen sind. Mangels informativer Filme, diskutieren sie die Informationspolitik der Armee und der Regierung.

Die Franzosen und zunehmend andere Europäer finanzieren diesen Krieg mit ihren Steuergeldern. Sie haben ein Recht darauf zu erfahren, was dort in Mali geschieht. Die französische Armee und vielmehr die französische Regierung sind ihren Bürgern Rechenschaft schuldig, sind verantwortlich für ihr Handeln.

Der Salonsozialist Hollande behandelt die Franzosen wie ein Feudalherr seine Untertanen, wie unmündige Kinder. Ein weiteres Anzeichen einer schwachen Regierung…

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Nachtrag:
Einen Unterschied macht Präsident Hollande aber schon. Seit er „Kriegsherr“ ist, benutzt er nicht mehr die Bahn oder andere öffentliche Verkehrsmittel, wie er es zu Beginn seiner Amtszeit getan hatte um sich ein volkstümliches Image zu geben, sondern Präsidentenjet oder Hubschrauber. Aus Sicherheitsgründen, sagt man…

http://bigbrowser.blog.lemonde.fr/2013/01/25/guerre-dinfos-le-difficile-travail-des-journalistes-au-mali/

http://www.telerama.fr/medias/guerre-au-mali-comment-s-en-tirent-les-m-dias-fran-ais,92579.php

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Hollande, letzte Woche: Es geht nur um Hilfe für Mali, sonst um nix!

24. Januar 2013

Frankreich hat Spezialkommandos in Malis Nachbarland, nach Niger beordert, um dort die Uran-Fabriken und Installationen des staatlich, französischen Nuklear-Giganten  AREVA vor Anschlägen zu schützen.

Damit haben sich die Folgen der französische Intervention in Mali nach Algerien auf mindestens ein drittes Land, auf Niger ausgeweitet.

AREVA ist der größte Auslandsinvestor in Niger, baut dort seit über 50 Jahren Uran ab und liefert einen großen Teil des nuklearen Brennstoffs für den Betrieb französischer Kernkraftwerke, die 75% der französischen Elektrizität erzeugen.

Frankreich habe Kommandotruppen und Ausrüstung nach Imouraren und Arlit geliefert. Das Verteidigungsministerium und AREVA wollten sich dazu nicht äußern. AREVA beschäftigt derzeit 2.700 Arbeiter in Niger. Noch in diesem Jahr soll in einer dritten Mine mit dem Uran-Abbau begonnen werden.

Im Moment gibt es 600 Soldaten aus dem Tschad und 500 Soldaten aus Nigeria im Norden Nigers an der Grenze zu Mali. Sie unterstehen nicht französischem Kommando. Ihre Zahl soll auf 2.000 erhöht werden.

Ironischerweise schließt sich damit ein Kreis: Es waren diese Uranminen in Niger, wo vor einem Jahrzehnt der Krieg des Westens gegen Al-Kaida begann. George W. Bush wollte eine Rechtfertigung für einen Krieg gegen den Irak wegen unterstellter Nuklear-Pläne. Sein Außenminister, der unglückliche Collin Powell lieferte damals seinen UN-Auftritt mit sogenannten Beweisen gegen Saddam Hussein. Darunter waren auch Bilder der Uranminen in Niger, angeblich aus britischen Geheimdienstquellen.

Weil Bushs Botschafter Wilson dies vor Ort nicht gefügig-servil untermauerte, wurde aus der Ecke von Vice-President Dick Cheney Wilsons Gattin, die CIA-Agentin Valerie Plame, enttarnt. Darüber gibt es inzwischen sogar einen Hollywood-Film.

http://www.prensaescrita.com/adiario.php?codigo=S&pagina=http://www.elpais.com