Koch oder Kellner: China bietet Cameron Kulisse ehemaliger UK-Größe.

21. Juni 2014

Der chinesische Premierminister Li Keqiang und sein britischer Kollege David Cameron trafen sich in der vergangenen Woche zu ihrem jährlichen Meeting, diesmal in London.

Hochgeschwindigkeitszüge beim britischen HS2-Projekt (High Speed 2), das London schnell mit dem Norden der Insel verbinden soll, war eines der Zauberworte, mit deren Hilfe man den gegenseitigen Handel bereits im kommenden Jahr auf bis zu 100 Milliarden US-Dollar boosten will! Erstmals hat Li Keqiang dies in einem entwickelten, ehemaligen Hightec-Land des Westens erfolgreich promoted. Diese chinesische Visitenkarte kündigt mit ihrer Hightec-Kompetenz dem Westen das unvermeidliche Ende des „chinesischen Billigheimers“ an.

Aber die Briten, einstmals die Wiege der industriellen Revolution, sind offenbar bereits derart abgehängt vom industriellen „state of the art,“ dass sie den Chinesen (und ihrem Kapital!) auch ihre Nukleartechnologie, Offshore-Windkraft und Photovoltaic öffnen, sie also „an’s Eingemachte“ lassen? Verträge im Wert von über 30 Milliarden US-Dollar wurden unterzeichnet, allerdings auch im Bereich Finanzen und Erziehung.

Zum 10. Jubiläum der gegenseitigen Zusammentreffen soll die Zusammenarbeit auf vielen Gebieten auf ein neues Niveau gehoben werden u.a. durch Direktgeschäfte in der jeweils lokalen Währung des Britischen Pounds und des chinesischen Renminbi RMB) und dazu soll es in London (wie übrigens auch in Frankfurt) künftig eine Clearing Bank und – ganz allgemein – Niederlassungen chinesischer Banken geben.

Die Chinesen sind speziell an wissenschaftlicher Innovation, grüner Ökonomie, Medizin und Luftfahrt interessiert, Branchen in denen die Briten etwas zu bieten haben.

EU- und Ausländerfeind Cameron will die Visa-Bedingungen für Chinesen vereinfachen und er hiess „Scharen“* von chinesischen Firmen und „Horden“* von chinesischen Studenten willkommen auf der Insel ;-)

Cameron, der ständig mit einem EU-Austritt des UK kokettiert, machte sich (hoffentlich unaufgefordert?) zum Vorkämpfer und Promotor eines Europäisch-Chinesischen Investment-Abkommens und der Bildung einer Europäisch-Chinesischen Freihandelszone. Ist das die Spielwiese, mit der Merkel den Wankelmütigen bei der Stange halten will?

Der chinesische Premier reiste indessen in die Provinz, nach Kontinentaleuropa weiter, Griechenland zu retten, äh.. zu besuchen ;-)

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*(Ausländische Besucher der Britischen Insel, die das Königreich evtl. Geld kosten könnten, werden gerne mit diesen Attributen verknüpft. Man verzeihe mir deshalb den Scherz!)


Amis aufgepasst, Opportunist Cameron geht mit China fremd!

3. Dezember 2013

Cameron, der normalerweise die Menschenrechte wie eine Schnapsfahne im Munde trägt, ist plötzlich zum größten Freund und ehrlichen Broker der Chinesen auf der Welt geworden. Mir schwante schon so was, als die Chinesen sich kürzlich an seinen neuen AKWs und Flughäfen beteiligten, was normalerweise sensible Bereiche sind?

Cameron muss mächtig Druck haben und die Chinesen, so gibt er inzwischen zu, seien zu seinem wichtigsten Handelsfaktor nach dem berüchtigten Bankenunwesen geworden. Vermutlich wollte er nicht sagen, die Briten importierten zu viel aus dem Fernen Osten? So flog er mit rund 130 seiner besten Freunde aus der Wirtschaft  nach Peking um sich von den Chinesen erklären zu lassen, worin die britische Wirtschaft noch Weltspitze ist! Unter den britischen Exportschlagern führte er u.a. den Fußball und James Bond auf…

Cameron hat gemerkt, dass China seit dem Vorjahr die größte Handelnation der Welt ist, dass China im kommenden Jahr der größte Importeur der Welt sein wird und dass China in zehn Jahren den Rest der Welt locker in den Sack stecken kann! Für jemanden der sich seit 68 Jahren als Juniorpartner einer Weltmacht versteht, ist anscheinend der Zeitpunkt für einen ökonomischen Seitenwechsel gekommen?

Während die USA an der Eindämmung der Chinesen in Asien und auf der Welt arbeiten, will Cameron ihnen die Märkte der Welt, speziell den Europäischen öffnen? Dazu brauchen sie ihn nicht, das haben sie bereits ganz alleine geschafft! Trotzdem meint Cameron, dass die Chinesen die Briten unbedingt brauchten um Zugang zu G8, G20 und tätärätää… zur EU zu bekommen! Wie, der Typ, der ständig mit EU-Austritt droht, bietet sich den Chinesen als ehrlicher Broker zur EU an? Ja glaubt der, die Chinesen lesen keine Zeitung, haben kein Internet?

Aber Cameron braucht den chinesischen Renmimbi als Rettungsring in der City of London, fall der Dollar abschmiert, daher weht der Wind! So macht der smarte David drei Vorschläge, die sich praktisch selbst erfüllen.

1. Wir müssen unseren bilateralen Handel und die Geschäfte intensivieren. Der Import aus China hat sich ganz ohne David im letzten Jahr verdoppelt. Seine Exporte stiegen immerhin um 20%. Die Feder muss er sich irgendwie an seinen Hut stecken!
Sein UK sei der attraktivste Investitionsstandort, mit mehr chinesischen Investitionen als die nächsten vier EU-Länder zusammen! Nette Umschreibung von Ausverkauf, David!

2. Briten und Chinesen, bekanntlich beide Weltmeister im „Abschotten“, könnten auf der WTO-Konferenz in Bali diese Woche gegen den Protektionismus und für offene Grenzen antreten! Für wahr, dafür sind beide Staaten bekannt;-) Dann könnten Briten und Chinesen Afrika retten und gegen Hunger und Armut antreten. Dagegen wäre nun wirklich nichts einzuwenden, aber ich fürchte, er versteht etwas ganz anderes darunter?

3. Ebenso wie in die unseeligen US/ EU TTIP-Verhandlungen wolle sich Cameron mit seinem ganzen politischen Superschwergewicht für einen Freihandelszone mit den Chinesen einsetzen.

Die Chinesen hörten sich das ungerührt an und hatten dann – wegen seines Dalai Lamas Empfangs im Vorjahr – noch eine alte Rechnung mit Dave zu begleichen. So sperrten sie ganz konkret und überhaupt nicht symbolisch einen britischen Reporter von der gemeinsamen Pressekonferenz von Cameron und Li Keqiang aus. Downing Street war sehr besorgt, aber David Cameron schluckte diese Kröte im Sinne des höheren Anliegens. Dass er seine Lektion verstanden hat, zeigte sein Hinweis auf die Integrität des chinesischen Staates. Da wiederum mögen sich die Tibeter gewundert haben?

Seine veröffentlichte Erklärung zu diesem Ausflug mit 130 Freunden auf Kosten des britischen Taxpayers nach China liest sich irgendwie wie eine Innenpolitische Wahlkampf-Kampagne…