Rechtsrutsch? Was ist nur mit den Franzosen los?

5. Oktober 2014

Die Front National hat 2014 zugelegt. Sie hat erstmals zwei Sitze im Senat gewonnen. Dazu ein gutes Dutzend Bürgermeister-Posten und nicht weniger als 24 Europaabgeordnete in Strasbourg.

In einer aktuellen Umfrage findet zwar noch eine Mehrheit von 56% der Befragten Marine Le Pen schlecht (26%) bzw. sehr schlecht (30%), aber ihre Beliebtheit ist in diesem Jahr stark angestiegen. 43% finden sie gut (32%) bzw. sehr gut (11%).

Diese zunehmende Akzeptanz ist besonders verwunderlich, da die Befragten gleichzeitig ihre Eigenschaften durchaus negativ beurteilten:

78% finden sie extrem Rechts
73% finden sie aggressiv
72% finden sie mutig
63% finden sie rassistisch
62% finden sie demagogisch
58% finden sie überzeugend
48% finden sie bürgernah
45% finden sie kompetent
44% empfinden sie als Staatsfrau
43% finden sie ehrlich
40% finden sie sympathisch
38% finden sie visionär

Bedeutet dies, dass diese negativen Eigenschaften inzwischen von den Franzosen akzeptiert werden?

Bei den nächsten Präsidentschaftswahlen 2017 würde Marin Le Pen zwar gegen jeden heute denkbaren Kandidaten den ersten Wahlgang gewinnen, aber letztlich verlieren:

So würde die Wahl der Umfrage zu Folge ausgehen:

Marine Le Pen 46% (35%)* vs. Francois Hollande 50%
Marine Le Pen 37% (—%) vs. Manuel Valls 60%
Marine Le Pen 33% (18%) vs. Nicolas Sarkozy 63%
Marine Le Pen 28% (17%) vs. Alain Juppé 71%
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*(in Klammern ihre Werte vom Mai 2014! Sie hat sich in allen Werten stark verbessert.)
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Selbst der bei den Franzosen extrem unbeliebte Francois Hollande würde, wenn auch knapp, gegen sie gewinnen. Rechte Kandidaten graben ihr hingegen deutlich Stimmen ab.
Das bedeutet, aus heutiger Sicht werden die Franzosen Rechts wählen und selbst der „Rechte Sozialist“ Valls erzielt in diesem Trend das schlechteste Ergebnis! Alain Juppé läge hingegen mit 8% Vorsprung vor Nicolas Sarkozy und gar 43% Vorsprung vor Marine Le Pen an erster Stelle!

Man kann wohl vorsichtig daraus schließen, dass der aktuelle Höhenflug der FN und Marine Le Pens aus der Schwäche und Unbeliebtheit der sozialistischen Regierung resultiert? Praktisch jeder Gegenkandidat der Rechten würde plus-minus zwei Drittel der Stimmen gegen die FN einfahren. Diese Umfragewerte drücken also im Zweifel wohl eher Unzufriedenheit mit der sozialistischen Hollande-Präsidentschaft aus, als echte Zustimmung zur Front National, hoffe ich?


„Heute in Frankreich“: 15 prominente Franzosen schreiben offene Briefe an Präsident Hollande, dass sie die Schnauze voll hätten von seiner Politik!

14. November 2013

Leider sind die Texte dieser Briefe (zumindest vorerst!) nur für die Abonnenten des LE PARISIEN zugänglich. Aber soviel ist bekannt: Sie drücken in drastischen Worten ihren Verdruss, ihren Ärger, ihre Wut und ihre Enttäuschung über die Sprachlosigkeit aus, die zwischen der Regierung Ayrault des Präsidenten Hollande und den Franzosen herrsche.

Hollande hat sich im Elysée-Palast verbarikadiert und lässt den Dingen ihren Lauf. Ayrault lässt die Minister seiner Koalition weitest gehend gewähren, was zu einer Kakophonie in der Öffentlichkeit und wenig Ergebnissen führt. Wenn die Dinge dann völlig vermasselt sind, dann mischt sich der Präsident persönlich ein und fällt Entscheidungen die schwer nachzuvollziehen sind.

Steuererhöhungen, die LKW-Maut, die Schülerproteste, der staatlich befeuerte Rassismus gegen die Roma, zunehmender Antisemitismus, zunehmende Gewaltkriminalität (In Marseille werden inzwischen Streit und Händel routine- und regelmäßig mit Kalashnikovs terminal gelöst!), Reformstau, Rückfall der französischen Wirtschaft im internationalen Vergleich, Arbeitslosigkeit, Kaufkraftverluste haben eine gefährliche Gemengelage der Unzufriedenheit ausgelöst. Die relativ harmlos begonnenen Rotkäppchen-Streiks in der Bretagne haben inzwischen teilweise anarchische Züge angenommen und sie sind noch nicht vorbei. Für den 23. November sind neue Streiks angekündigt. In der Bretagne wird es dann wohl keine Radar- und Mautinstallationen mehr geben. Sie sind der wütenden Menge zum Opfer gefallen, die politisch von Mitte-Rechts und zum Teil von Ganz-Rechts gesteuert werden.

Durch den im europäischen Vergleich überproportional hohen Staatsanteil in der französischen Wirtschaft und Gesellschaft werde der Staat sofort für alle Mängel verantwortlich gemacht, handele aber nicht entsprechend.

Flucht in kriegerische Aktionen in Lybien (unter Sarkozy), in Syrien und Mali und diplomatische Großmachtallüren (wie zuletzt in Genf gegen den Iran) werden vielleicht kurzfristige Ablenkung bieten, aber die Dinge in Frankreich keinen Schritt bewegen. Während die EU mit den USA über ein Freihandelsabkommen verhandelt, dass unser aller Leben vermutlich negativ beeinflussen wird, ist Frankreich wie paralysiert…


Bearbeiteter Film von Merahs Mordanschlägen auf USB-Stick mit Briefmarke an Al-Jazeera gepostet!

27. März 2012

Die Zeitung LE PARISIEN hat gestern auf ihrer Website gemeldet, dass die französischen Behörden über den katarischen TV-Sender AL-JAZEERA einen USB-Stick erhalten hätten, der eine 25-minütige, mit Kriegsgesängen unterlegte Version der von Mohamed Merah mit seiner GoPro-Kamera gefilmten Mordanschläge enthalten habe.  Die Authentizität der Aufnahmen werde zur Zeit geprüft.

Der Stick sei mit der Post geliefert worden, aufgegeben am vergangenen Mittwoch in einem kleinen Dorf am Rande von Toulouse, als Merah noch in der Wohnung von den Raid-Kommandos belagert worden war. Auch sein Bruder und die Mutter müssten sich zu diesem Zeitpunkt (meiner Erinnerung nach!) in Polizeigewahrsam befunden haben?

Es soll sich auch ein Bekennerbrief zu Al-Kaida in der Postsendung befunden haben. Dieser Bekennerbrief weiche in einigen Punkten vom normalen Schema dieser Schreiben ab. Wenn die Dinge echt sind und diese Meldung zutreffend ist, dann müsste es eine weitere, eine dritte Person geben, die in Merahs Pläne zumindest teilweise eingeweiht war?

http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2012/03/26/01016-20120326ARTFIG00709-un-montage-des-videos-prises-par-merah-envoye-a-al-jazeera.php