Staatsrat repariert Personen-Limit für Kirchen!

29. November 2020

Staatsrat gibt Castex-Regierung 3(!) Tage um „unnötiges, unproportionales, diskrimatorisches“ 30- Personen-Limit für Gottesdienste zu ändern! (Dieser ursprüngliche Titel wurde von wordpress zensiert, obwohl es sich dabei nicht etwa um meine Worte, sondern um die der französischen Bischöfe handelt, also diese zensiert werden!)

Die Konferenz Französischer Bischöfe hatte Gestern die 30-Personen-Beschränkung für Gottesdienste mit den vernichtenden Adjektiven obigen Titels reklamiert und vom Staatsrat (Le Conseil d’Etat) recht bekommen! Die Castex-Regierung Macrons hat heute, Sonntag, den 29. November, eine Drei-Tages-Frist und dazu klare Worte bekommen: „Es handele sich um eine schwerwiegende und eindeutig illegale Einmischung in die Religionsfreiheit und disproportioniert in Hinsicht auf das Ziel des Schutzes der öffentlichen Gesundheit!“

Ein konkretes Zahlenbeispiel zum 30-Personen-Limit:
Für den Handel gilt ein Limit von 8 Quadratmetern por Person.
Für die Pariser Kirche Saint-Sulpice mit ihren 6.170 Quadratmetern,
gälten bei 30 Personen 205 Quadratmeter pro Person. Der Handel dürfte also auf der gleichen Fläche, in der die Kirche 1 Person unterbringen darf, 26 Personen unterbringen! Klarer Fall von, „das Geschäft geht vor!“

Klarer kann man eine Klatsche wohl nicht formulieren? Es zeigt sich immer deutlicher, daß Präsident Macron auch nach der Regierungsumbildung im vergangenen Juli über keine wirklich ihren Aufgaben gewachsene Regierungstruppe verfügt. Vielleicht ist diese Erkenntnis auch einer der Gründe, daß er immer mehr und deutlicher dazu neigt, im kleinen Kreis seines Kriegsrates, „alles selbst zu regeln“?

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https://www.francetvinfo.fr/sante/maladie/coronavirus/confinement/ceremonies-religieuses-le-conseil-d-etat-ordonne-au-gouvernement-de-modifier-la-limitation-a-30-personnes-jugee-disproportionnee_4200147.html#xtor=EPR-51-%5Bceremonies-religieuses-le-conseil-d-etat-ordonne-au-gouvernement-de-modifier-la-limitation-a-30-personnes-jugee-disproportionnee_4200147%5D-20201129-%5Bbouton%5D


Legen Darmanin, Castex und Macron sich jetzt trotz Laizismus mit der Katholischen Kirche an?

28. November 2020

Innenminister, Premierminister und Präsident sind strikte Verfechter des Laizismus der klaren Trennung von staatlichen und kirchlichen Angelegenheiten. Dies gälte zumindest solange es nicht zu öffentlichen Unruhen käme!

Nun hat die Französische Regierung Castex des Präsidenten Macron offenbar genau dies getan? Sie hat doch einfach verfügt, daß bei allen Gottesdiensten, Andachten und Feiern im Lande der Dome und Kathedralen mit oft tausenden von Sitzplätzen, daß bei religiösen Feiern in diesen max. 30 Personen teilnehmen dürfen!

Bei einem normalen Weihnachtsgottesdienst dürfte schon die Zahl der Bischöfe, Priester und Ministranten und Messner diesen Wert locker erreichen oder gar überschreiten?

Die Konferenz Französischer Bischöfe, Conférence des évêques de France (CEF) hat für den morgigen Sonntag, den 29. November, ein Treffen mit Premierminister Jean Castex vereinbart, „bis dahin seien die von diesem verfügten Regeln in Kraft“, so ließen sie verlauten.

Denken so alle Bischöfe? Nein, in einer kleinen französischen Staat von 60.000 Einwohnern, in Montauban, Département Tarn-et-Garonne, ruft der Bischof Bernard Ginoux die Katholiken zum Widerstand durch „Glaubensbekenntnis mit den Füßen“ auf: Sie sollten alle zu den normalen, üblichen Zeiten zu den Gottesdiensten und Andachten kommen, wobei im Inneren* die normalen sanitären Vorbeugemaßnahmen gegen das COVID-19-Virus eingehalten würden, wie man es immer getan habe…

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* Laut der klaren Trennung der Zuständigkeiten im französischen Laizismus, habe der Staat IM INNEREN von Gotteshäusern und religiösen Einrichtungen NICHTS zu sagen, sei UNZUSTÄNDIG!

Den Muslimen in Frankreich müssen bei diesen Worten die Ohren geklingelt haben?

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https://www.20minutes.fr/societe/2919263-20201128-coronavirus-eveque-montauban-appelle-catholiques-envahir-eglises-heure-messe-dimanche


Nach TV-Solo auf France 2: „Hollande, das ist Sarkozy in einem anderen Körper!“

29. März 2013

Gestern Abend sprach der laut Meinungsumfragen unpopulärste Französische Präsident François Hollande (73 % der Befragten lehnen seine Politik ab!) zum vierten Mal in seiner bald einjährigen Präsidentschaft über TV France 2, zu den Franzosen.

Das sind erste Kommentare in der französischen Presse am Tag danach:

Laurence Parisot, oberster Unternehmerfunktionär Frankreichs lehnt naturgemäß die angekündigte Besteuerung der Spitzengehälter ab und nennt sie gegen die Unternehmen gerichtet. Hollande kündigte an, dass die Unternehmen, für den Teil der Spitzengehälter, der eine Million Euro Jahreseinkommen übersteigt, eine Besteuerung von 75% tragen müssen. (Da wird es sicher Mittel und Wege geben, diese Zahlungen zu umgehen?)

Marine Le Pen, von der rechten Front National, veralberte François Hollandes Auftritt als „eine gute mündliche Prüfung“ an einer der Elite-Unis des Landes und befand: „Er möchte alles verändern, ohne etwas zu ändern und das gehe nun einmal nicht!“ Sie bemängelte kleingeistiges Denken und das fehlen strategischer Visionen. Hollande sei ein Funktionär einer Technokratenregierung. Er sei der französische Monti!

Jean-François Copé, Interimspräsident der rechten UMP Sarkozys, spricht von einer tiefen Spaltung zwischen François Hollande und den Franzosen. Auch hier lautet der Hauptvorwurf an Hollande, keine Strategie zu haben für die schweren Wirtschaftsprobleme, denen sich Frankreich gegenüber sieht.

François Hollande hat in den Augen von Jean-Luc Mélenchon, dem Ex-Kandidaten der Linksfront (Front de gauche), eine blutarme und entmenschlichte Rede gehalten. Er sei als Sozialist nichts Links genug. Seine wirtschaftliche und soziale Linie sei nicht akzeptabel. Hollande sei von der sozialen Realität des Landes abgeschnitten. Es müsse ein Richtungswechsel eingeleitet werden.

Hollande regiere nach der Formel „Was ich tue funktioniert zwar nicht, aber ich mache einfach weiter so!“

Einer brachte Hollandes Politik auf die griffige Kurzformel: „Das ist Sarkozy in einem anderen Körper!“

François Bayrou, Präsident von Modem, sah Hollande gut vorbereitet und kompetent. Er habe aber die großen Linien vermissen lassen, mit denen er den wirtschaftlichen Herausforderungen Frankreichs begegnen wolle.

Aber worüber hatte der Präsident eigentlich so enttäuschend gesprochen?

Zunächst sprach er konsequent in der ersten Person „Ich …“ ohne seine Regierung oder seinen Premierminister auch nur einmal zu erwähnen. Vermutlich wollte der ziemlich farblos und blass gebliebene Präsident so Aktivität und Kontrolle ausdrücken?

Er sei Präsident aller Franzosen, entschuldigte er seine rechte Politik. Er wolle an seinen Ergebnissen beurteilt werden, irgendwann, wenn es denn welche gibt?

Er gab den Westentaschen-Napoleon: Ich bin in Schlachtordnung! Ich bin der Chef dieser Schlacht! Ich rücke voran!

Sein Sparprogramm? Richtig, wichtig und es werde fortgeführt!
Späterer Rentenbeginn natürlich. Die Deutschen arbeiten bald bis 70! (Pardon, ein kleiner Scherz meinerseits!)
Kürzungen bei Löhnen und Sozialleistungen? Unbedingt notwendig!

Die Hauptversammlung der Aktionäre müsse künftig die Spitzenlöhne für Manager bestimmen und die Unternehmen für den Teil des Einkommens, der 1 Million Euro Jahreseinkommen übersteigt, 75% Steuern bezahlen.

Der Rückzug der französischen Armee aus Mali beginne Ende April (später als ursprünglich geplant). Bis zum Juli soll sich die Zahl der stationierten französischen Soldaten auf 2.000 Mann halbieren. Diese sollen sich bis zum Jahresende nochmals auf tausend Mann halbieren. Die würden also demnach zumindest bis 2014 in Mali verbleiben. Selbst wenn er diesen Plan einhalten sollte, was noch nicht sicher ist, sieht das doch sehr nach Dauerpräsenz aus?

Wer sich den offiziellen, vollständigen Text des Interviews in französischer Sprache durchlesen will, der sei auf den folgenden Link der Französischen Regierung verwiesen: http://www.elysee.fr/interviews/article/entretien-du-president-de-la-republique-sur-france/