Spanischer Innenminister gibt zu, dass die Guardia Civil mit Gummigeschossen und Tränengas „ins Wasser“ geschossen habe und nicht in die Luft, wie bisher behauptet!

13. Februar 2014

Jorge Fernández Díaz legte heute im spanischen Parlament seine Art von Rechenschaft ab über die Ereignisse des 6. Februar am Strand von Tarajal in Ceuta.

Auch diese Darstellung der Ereignisse wird sich nicht halten lassen, denn Fernández Díaz behauptet ernsthaft, dass nicht vom Wellenbrecher mit dem Zaun und nicht von See her von Schiffen geschossen worden sei! Seine Leute wollten den Übertritt über die spanische Grenze mit allen Mitteln verhindern und haben genau deshalb vom Zaun und von Booten geschossen, weil dies für dieses Ziel die besten Stellen sind, wenn man grundsätzlich Opfer in Kauf nimmt.

Ausserdem habe man aufgehört zu schiessen, als der Kommandierende vor Ort kapierte, dass er so das Leben von Menschen gefährden könnte. Na, dann ist ja alles gut…

Der Delegierte der Regierung vor Ort in Ceuta, Antonio Fernández, bestritt den Gebrauch von Tränengas und Gummigeschossen total und widerspricht damit seinem(?) Minister ganz offiziell.

Auch der Generaldirektor der Guardia Civil, noch so ein Fernández, diesmal aber Arsenio Fernández de Mesa, erklärte im Radio von Cadena SER, genau das Gegenteil seines Ministers!

Er sagt, seine Leute hätten vom Ufer aus mindestens 25 Meter Entfernung Sperrfeuer geschossen, nur ins Wasser und nur auf spanischer Seite, weswegen man Keinen habe treffen können, denn die starben ja alle auf marokkanischer Seite, nur woran dann eigentlich, an Querschlägern und Abprallern vielleicht, bei sehr flachen Schüssen oder haben sie sich einfach totgelacht?

Ich wette, mindestens ein Fernández muss in dieser Affäre den Hut nehmen, auf welchen der drei lege ich mich noch nicht fest!

Das Parlament kritisierte hauptsächlich die „heissen Rücklieferungen“ von aufgegriffenen Illegalen, denen so der Asylantenstatus verwehrt wurde.

Ein Abgeordneter zählte auf, dass es jetzt acht(!) „offizielle Versionen“ der Ereignisse gäbe, die sich alle irgendwie, irgendwo widersprächen!


Geheimtreffen: „Katalanische Bilderberger“ wollen Artur Mas retten!

27. Januar 2014

In seinem abgelegenen Landgut in der Comarca Empordá der Provinz Girona bat der Kopfgeldjäger* Luis Conde ausgesuchte spanische und katalanische Politiker und Größen der Wirtschaft zu Tisch, zum Edelfressen und Wohltätigkeitssaufen zugunsten einer Stiftung für Geistig-Behinderte.

Ihm gelang es dabei 260 Leute zusammen an die Tische zu bringen, die sich seit Jahren und noch bis wenige Stunden zuvor öffentlich auf das Übelste bekämpft hatten. Darunter gewiss auch einige der üblichen Verdächtigen, die in Katalonien Rang, Namen und Einfluss haben, gerne als „die Oase“ bezeichnet werden, die es sich auf Kosten der Steuerzahler gut gehen lässt, sich dabei hemmungslos die Taschen füllend…

Unter dem Motto „Der Geist von Fonteta“ sollten sie ohne weitere konkrete Vorgaben ein paar Stunden miteinander verbringen ohne sich gegenseitig an den Hals zu gehen. Dies scheint gelungen zu sein, denn von Verletzten wurde nichts bekannt.

Artur Mas war wie üblich der Allerletzte! Er ließ die anderen warten, weil er sich zuvor in einer Fabrik ausgiebig mit Korken beschäftigte, mit dem man gemeinhin Flaschen den Hals stopft. Vielleicht sinnierte er ja darüber, wie man den Geist der Unabhängigkeit wieder in die Flasche zurück bekommen könnte?

Am Tisch des Gastgeberpaares saß er dann einträchtig mit drei PP-Ministern der Rajoy-Regierung zusammen, die sich noch zwei Stunden zuvor auf ihrem Parteitag in Barcelona über den Unabhängigkeits-Phantasten Mas echauffiert hatten. Darunter die Präsidentin der PP in Madrid, Esperanza Aguirre, der Innenminister, Jorge Fernández Díaz, der Minister für Industrie, Energie und Tourismus, José Manuel Soria, und die Ministerin für Infrastruktur, Ana Pastor, der Kabinettschef des Premierministers, Jorge Moragas und last not least, „der Ewige“, der leibhaftige Meister Yoda des Katalanismus, der molt honorable Senyor Jordi Pujol und so Extrem-Pole wie der Vorsitzende der PSC, Pere Navarro, die Vorsitzende der PPC, Alicia Sánchez-Camacho.

Es gab Wildschwein und eigenen Wein und siehe da, die Damen und Herren verstanden sich als „reunió secreta: els quadres muntanyes de Catalunya busquen salvar Artur Mas del ridiculo!“

Es soll dabei zu Annäherungen gekommen sein, denn Mas sei ja kein Dummkopf…

Ministerpräsident Rajoy, der ganz in der Nähe in Barcelona ebenfalls am PP-Parteitag teilgenommen hatte, soll im Gegensatz zu seinen Ministern nicht eingeladen worden sein um dem katalanischen Präsidenten in Katalonien nicht durch Rangordnungsfragen die Schau zu stehlen!

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*Headhunter, Talentsucher, Partner von Seeliger y Conde.


Spanien: Rajoy PP findet „Nun ist genug demonstriert worden, das muss sich ändern!“

2. Oktober 2012

„Demonstrationsrecht schön und gut, aber das hatten wir doch bei Franco auch nicht und hat uns das damals etwa geschadet?

„Ständig immer diese Demos, wegen jedem Scheiss’, unsere Städte werden ja langsam unbewohnbar!“

„Soziale Einschnitte machen überhaupt keinen Spaß mehr, wenn der Pöbel sofort dagegen auf die Straße geht!“

Diese Zitate sind zwar vollkommen frei erfunden von mir, sie treffen aber genau den Gedanken, der hinter den jüngsten Plänen von Spaniens unbeliebtester Regierung steht und der da lautet:

Es wird zuviel demonstriert. Das Demonstrationsrecht, geregelt in Artikel 21 der Spanischen Verfassung, ist zu großzügig. Es muss schnellsten geändert werden. Nicht die Verfassung, sondern das „veraltete Ley Orgánico von 1983“, das die Durchführung von Demonstrationen regelt. Der öffentliche Raum müsse besser „verwaltet und geordnet“ werden, selbstverständlich nur, damit Spaniens Städte nicht unbewohnbar werden!

Die Delegierte der Regierung in der Comunidad Madrid Cristina Cifuentes nennt für Madrid 2.200 Demos und Kundgebungen pro Jahr. Ana, „die Flasche“, Botella, PP-Bürgermeisterin von Madrid, zählt sogar 2.732 Protestveranstaltungen pro Jahr. Das entspräche etwa 7 bis 8 pro Tag in einem Großraum der über sechs Millionen Menschen umfasst. Sind das zuviel Unzufriedene? Ist das zuviel Demokratie?
Hat das auch etwas mit den sozialen und politischen Verhältnissen zu tun? Wollen die PP-Señoras den Franquismus wieder einführen?

Sie wollen, dass der Rest der Bevölkerung, die berühmte „schweigende Mehrheit“ die Rajoy von der UN in New York aus in den höchsten Tönen rühmte, in ihrem Alltag weder durch Verkehrsbehinderungen, Lärm und den Anblick von Demonstranten, Fahnen und Plakaten gestört wird. Dafür kämpften sie!

Dazu wollen sie Zugriff auf den Ort und die Zeit und den Anlass aus dem demonstriert werden dürfe. Selbstverständlich nur um zu verhindern, dass sich zeitgleich ein Dutzend Demos gegenseitig behindern. Das müsse flutschen!

Aber jeder Versuch der PP in diese Richtung sei vom Obersten Gericht von Madrid kassiert worden, diesem abgehobenen, unverantwortlichen Juristenpack!

Wenn zum Beispiel eine dieser vollkommen abwegigen, unberechtigten und damit überflüssigen Anti-Rajoy-Demos statt Mittags im Zentrum von Madrid, Morgens um 6 Uhr auf einer abgelegenen Müllkippe am westlichen Stadtrand stattfinden würde, dann wäre doch allen geholfen. Es wäre demonstriert worden. Es wäre niemand davon belästigt worden. Keiner hätte die Demo zur Kenntniss genommen. Alles wäre gut!

Diese Initiative von Cristina Cifuentes, PP muss im Zusammenhang gesehen werden mit der Absicht des Innenministers, Jorge Fernández Díaz, der eine Reform plant, die Ungehorsam, Widerstand und Vandalismus auf den Straßen mit höheren Strafen belegen will.

Die Kinder von Aznar und die Enkel von Franco haben „recht“ konkrete Vorstellungen wie eine freie, iberische Gesellschaft im Hispanien des Jahres 2012 auszusehen hat!

http://ccaa.elpais.com/ccaa/2012/10/02/madrid/1349172692_804454.html