Türkei – EU: Erdoğan und Merkel mit Beziehungen ganz zufrieden!

30. September 2013

Diese überraschende Einschätzung teilt der türkische Hochschullehrer und Wissenschaftler Professor Ayhan Kayla in HURRIYET mit. Nach Merkels Wahlsieg könne mit einer Fortführung des status quo gerechnet werden, womit beide Politiker zufrieden seien.

Wie begründet Kayla diese für manchen doch überraschende Ansicht? Beide glaubten daran, dass Christentum und Islam getrennt bleiben sollten. Faktisch habe die Türkei die Tür zur EU bereits 2005 geschlossen.

In der EU habe eine Strömung zurück zu den Nationalstaaten begonnen. England, Frankreich und Deutschland stärkten ihre Kompetenzen bei gleichzeitiger Schwächung der EU-Institutionen. Im Gegensatz zu Adenauer und Kohl sei Merkel keine überzeugte Europäerin. Es fehle derzeit in ganz Europa an einer überzeugenden europäischen Figur. Die EU habe sich seit Merkels Regierungsantritt generell auf sehr negative Weise verändert. Die transnationale, über den Regierungen stehende visionäre EU, die dem türkischen Beitritt positiv gegenüber gestanden hätte, die gäb es nicht mehr. Die Macht der EU-Kommission sei gesunken, die des EU-Parlamentes vielleicht gestiegen, ganz sicher jedoch sei die Macht von nationalen Regierungen wie  der Frankreichs und Deutschlands gestiegen.

Seit 2005 habe es in der EU in der Migrations- und Integrationspolitik keinen Fortschritt mehr gegeben. Statt dessen habe eine Germanisierung der EU mit den deutschen Vorstellungen von Migration und Integration stattgefunden. Die EU habe ihre magische Anziehungskraft verloren und sich den nationalen Interessen der Führungsstaaten ergeben. Es gäbe keine Visionen mehr, z.B. keine eigenständige Nahostpolitik der EU, statt dessen wüchsen Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit und Rassismus.

Die türkische Regierung bemühe sich derzeit nicht besonders um die EU. Die AKP sei mehr und mehr euroskeptisch geworden. Ein positiver Impuls müsse deshalb von der EU kommen. Dann müsste die türkische Regierung aber gewillt sein darauf einzugehen, denn die Konzepte der türkischen Außenpolitik seien auf vielen Gebieten gescheitert. Eigentlich könne sich die Türkei – außer an die EU – an keine wirkliche Perspektive halten.

Für die nähere Zukunft ist Kayla eher skeptisch. Die Christin Merkel und der Moslem Erdoğan redeten und handelten so, dass klar würde, Christentum und Islam seien zwei verschiedene Dinge die getrennt bleiben sollten. Nur unter dieser Prämisse könne man überhaupt von einer Brückenfunktion der Türkei zwischen Europa und Asien sprechen.

Zwar würde Merkels Position sich nicht ändern, aber ein konservatives Umfeld begünstige Fremden- und Islamfeindlichkeit und Rassismus in Deutschland.

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http://de.wikipedia.org/wiki/Ayhan_Kaya

http://www.bilgi.edu.tr/en/directory/people/ayhan-kaya/


Aznar, Katalonien und die muslimische Einwanderung!

28. Februar 2012

Der spanische Ex-Präsident José María Aznar bezichtigte die Generalitat d’ Catalunya der Begünstigung der muslimische Einwanderung. Sie könne Migranten aus Pakistan und Algerien sprachlich leichter integrieren als „Hispanisch“ sprechende Menschen.

Diese tiefschürfende Erkenntnis – und 5 Millionen weitere – wurden von Stratfor Global Intelligence gewonnen und von Wikileaks veröffentlicht.

Demnach soll Aznar ein beliebtes Witzobjekt für die US-Agentur gewesen sein. Sie belustigten sich über seine radikalen Überzeugungen (schlimmer als ein israelischer Funktionär!) ebenso wie über sein Äußeres. Er habe offenbar seine Niederlage 2004 nicht verarbeitet…

http://www.lavanguardia.com/politica/20120227/54260568762/aznar-wikileaks-catalunya-fomenta-inmigracion-musulmana.html


Baden-Württemberg Wahlen: Dolchstoss-Legende Guttenberg und Islam-Ängste! Die Waffen der Union.

7. März 2011

Sie sind ja so gemein, niederträchtig könnte man fast sagen, diese Linken die den strahlendsten Hoffnungsträger der Unionsparteien als schnöden Dissertationsbetrüger geoutet haben. So etwas tut man nicht! Deshalb entrüstet sich die Union, allen voran die von allen moralischen Geistern verlassene Kanzlerin, über Anstand und Ehre und Moralbegriff der Grünen, der Sozis und der Linken. Wie durch ein Wunder tauchen dann Schröder Millionen in den Medien auf, Vorschüsse vom Drücker-König für Buchrechte? Was ist denn eigentlich aus Kohls Ehrenwort-Millionen geworden? Denn wisse, Wähler, Moral und Anstand hat die Union gepachtet, auch bei ertapptem Betrug…
Das ist nicht Schizo, das ist vielmehr Merkel ;-))

Wenn es in Wahlkampfzeiten eng wird für die Union, so richtig eng, dann macht sie eine Kampagne gegen Türken oder gegen Muslime im Allgemeinen. Rund vier, fünf Millionen Angehörige dieser Religion leben seit etwa sechzig Jahren zwischen uns und gehen mehr oder weniger ungestört ihrem Glauben nach. Es soll hier sogar die eine oder andere Moschee und dazugehörige Minarette geben. Trotzdem erdreisten sich immer wieder deutsche Politiker über die Zugehörigkeit dieser Menschen zu unserer Kultur zu befinden. Diese ist jedoch gelebte Realität dieses Landes und untersteht nicht unserem Urteil.
Auch hier ist Merkel sich nicht zu Schade zu zündeln, denn der Zweck heiligt bei ihr bekanntlich die Mittel ;-((

Und da gibt es noch diesen Volkstribun eines aussereuropäischen Landes, der in Abständen hier einfällt und in Deutschland Wahlkampfveranstaltungen mit gelinde gesagt nicht hilfreichen Aussagen und Forderungen durchführt.
Der kommt der Union in Wahlkampfzeiten wie gerufen. Die brauchen nur den Auftritt des Nationalislamisten abzuspielen und die Halle tobt. Vielen Dank nach Ankara für diesen Fauxpas, den wir uns vielleicht wirklich künftig ersparen sollten?


Nordafrikanischer Dominoeffekt: Greifen die Unruhen über?

17. Januar 2011

Theoretisch könnten sich die Unruhen von Tunesien ausgehend auf die gesamte Südostküste des Mittelmeeres ausbreiten. Daraus könnte im ungünstigsten Falle ein Flächenbrand unter den arabischen Völkern entstehen. Zwar ist es nicht schade um jeden Diktator der aus dem Amt verschwindet, aber es müsste dann auch ein einigermaßen funktionierendes, demokratisch legitimiertes System folgen, sonst kämen die Menschen nur vom Regen in die Traufe!

Nun scheint Israel die Lage dazu zu nutzen, den status quo bei den stockenden Friedensgesprächen mit den Palästinensern einzufrieren, zu zementieren mit dem treuherzig vorgetragenen Argument, dass man ja nicht wissen könne, ob diese labilen Systeme Vereinbarungen überhaupt langfristig einzuhalten in der Lage wären. (HAARETZ berichtete gestern. Siehe dazu den vorigen Artikel in diesem Blog.)

Anscheinend waren die Europäer genauso unvorbereitet von der Entwicklung wie die arabischen Diktatoren selbst? Europa muss ein vitales Interesse daran haben, dass an seiner Südgrenze stabile wirtschaftliche, soziale und politische Verhältnisse herrschen. Einen oder mehrere Bürgerkriege, soziale Unruhen die Flüchtlingsströme auslösen könnten und wohl auch würden, wären das letzte, was die EU sich wünschen könnte. Das Mittelmeer stellt keine ernsthafte Grenze mehr dar. Das zeigen die konstanten Flüchtlingsströme der letzten Jahre nach Spanien, Italien und Griechenland. Einem Ansturm verzweifelter Menschenmassen hätte Europa nichts entgegen zu setzen…

Wem also könnte die Lage nützen? Zunächst einmal den Menschen, die ihre Diktatoren zum Teufel gejagt haben! Die Frage ist, was kommt danach? Militärs, Islamisten, Gotteskrieger, Demokraten? All dies hat unmittelbaren Einfluss auch auf den Nahost-Konflikt, mittelbar auf den Konflikt mit dem Iran und womöglich auf die Entwicklung des Islams als politische Kraft. Nützt die Lage Israel? Nicht notwendigerweise, trotz der schnellen Reaktion Netanyahus von gestern! Aber man darf dabei nicht vergessen, dass Israel zu den meisten dieser Diktatoren inoffizielle Beziehungen verschiedenster Art unterhielt, mit dem Ergebnis, dass diese Länder stillhielten im Nahost-Konflikt egal ob sie dies aus Einsicht, Vorsicht, Klugheit oder Korruption taten.

Von der Vorsicht und Klugheit der Beteiligten wird es abhängen, ob sich diese Staaten in Demokratien transformieren lassen, oder ob sich die Massen radikalisieren, was im Ergebnis auf den „Clash of civilizations“ hinauslaufen könnte. Dann stünde sicher die NATO bereit, „Gewehr bei Fuss“ sozusagen, um entsprechend ihrer neuen Doktrin, dem Westen die Energieversorgung zu gewährleisten.


Caldwell: Islam wichtiger als Christentum in Europa!

8. Dezember 2009

Einen interessanten Aspekt zum schwierigen Verhältnis muslimischer Einwanderer zur christlichen Aufnahmegesellschaft fand ich in einem Interview bei SPON mit dem Einwanderungsexperten und US-Amerikaner Christopher Caldwell. Ich muss gestehen, so habe ich das Thema bisher noch nie betrachtet und würde spontan sagen, da ist wohl was wahres dran:

(Zitatausschnitt SPON)
SPIEGEL ONLINE: Halten Sie die europäische Mehrheitskultur für so schwach, weil sie säkular ist?

Caldwell: Der Islam ist in Europa die zweitgrößte Religion. Aber das ist nur statistisch richtig. Wenn man die Lebendigkeit seiner Ideen betrachtet, ist der Islam in Europa die viel wichtigere Religion als das Christentum. Es gibt so viele Artikel in Zeitungen, so viele Debatten zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, die sich mit der Frage beschäftigen, was der Koran zu Ehrenmorden oder zum Kopftuch sagt. Was das Christentum dazu sagt, scheint für niemanden von großer Wichtigkeit zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Da höre ich ein gewisses Bedauern.

Caldwell: Ich will Europa keine Ratschläge erteilen. Mir fällt nur auf, dass viele Europäer sich selbst für aufgeklärt halten und den Islam für barbarisch. Es ist ein Fehler, die Religiosität der Muslime zu verachten. Mein Eindruck ist, dass sie ihnen etwas gibt, das den Europäern fehlt. Das ist auch einer der Gründe, weshalb die Präsenz so weniger Muslime viele Europäer so nervös macht. (Zitatende SPON)

Wenn man die dynamischen Aktivitäten der beiden Religionen in der Öffentlichkeit betrachtet, dann hat man oft wirklich nicht mehr den Eindruck, dass der Islam die Nummer zwei in Europa ist?


Der Trittbrettfahrer!

3. Dezember 2009

Die Schweizer sind zur Tat geschritten und mussten richtigerweise den Kopf hinhalten für ihr Minarett-Verbot. Aus Deutschland gab es dafür viel „klammheimliche“ und erschreckend viel „offene“ Zustimmung. Da nützt ein Rechter, wie der hessische Innenminister Volker Bouffier gleich die Gelegenheit, den Muslimen „einen mitzugeben“ ohne sich ähnliches Ungemach wie die Schweizer einzuhandeln. Das nennt man im allgemeinen Sprachgebrauch einen „Trittbrettfahrer“.
Bouffier empfiehlt also den Muslimen, wie Focus berichtet, sich künftig mit dem Moschee-Bau etwas zurück zu halten und sogar dezenter als es das Baurecht erlaubt zu bauen!

Husch, husch, Muslime, zurück in eure „Hinterhof-abgetakelte-Fabrikhallen-Moschee“ aus der ihr gekommen seid und in die ihr nach anscheinender Ansicht des Herrn Bouffier auch gehört, aber zack, zack!

Schlecht ist nur, dass Bouffier offenbar keine Einzelmeinung vertritt, sondern der Sprecher der Innenminister der Unions geführten Bundesländer ist. Da haben einige also sehr schnell die Chance ergriffen, die sich aus der Initiative der Schweiz ergab. Im Ergebnis empfehlen diese Herren also einem Teil ihrer deutschen Mitbürger ihre Religiösen Bauten diskreter zu halten als die der Mehrheits-Deutschen. Von einem angedachten Rückbau des Kölner Domes, des Freiburger oder Ulmer Münsters habe ich hingegen noch nichts gehört?