Die Deutschen, antizyklische Abzocker?

26. Juni 2013

Den mit 240 Milliarden US-Dollar größten Handelsbilanzüberschuss in 2012 hatte nicht China und nicht Saudi Arabien sondern… Deutschland, tätärätääh!

Dabei wurde das Allzeit-Hoch der Vor-Krisen-Zeit von rund 250 Milliarden US-Dollar fast erreicht, obwohl der Euro zum Dollar seither fast 20% an Wert verloren hat. Das bedeutet, dass wegen des Wechselkurses etwa 20% mehr umgesetzt werden musste um an die alten Zahlen heran zu kommen!

In der Vor-Krisen-Zeit vor 2008 wurde dieser Bilanzüberschuss hauptsächlich durch die EU und den Euro-Raum erzielt. In der Krise schrumpfte die deutsche Wirtschaft um 5%. Durch eigene Investitionsanreize, vor allem aber durch Maßnahmen in den USA und China, wurde der deutsche Export wieder angeheizt und zugleich aus dem europäischen Raum umgeleitet in den US- und asiatischen Raum. Gleichzeitig wurde der Wechselkurs des Euro durch die Krise gesenkt, so die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, was dem Exportaufschwung zusätzlichen Drive gab.

Deutschland hat sich als EU- und Euro-Raum-Mitglied stets antizyklisch oder gegen den Mainstream verhalten und davon profitiert. Unter diesem Aspekt ist für unsere Euro-Partner vor deutschen Ratschlägen also durchaus Vorsicht und eine gesunde Skepsis angebracht, denn bisher nützten sie stets zuverlässig nur… genau, Deutschland!

Durch die extreme Exportlastigkeit hat sich Deutschland umgekehrt von den Entwicklungen auf den Absatzmärkten stark abhängig und verletzlich gemacht. Wenn die US-FED den billigen Dollar aus dem Markt nimmt, dann trifft das direkt die deutschen Exporte. Wenn China seit den Rekordüberschüssen 2008 zu einer mehr oder weniger ausgeglichenen Bilanz zurückgekehrt  ist und sein Wachstum rückläufig und die Inflation steigend ist, dann trifft auch dies unsere Exporte. Gleichzeitig ist Deutschland finanziell extrem exponiert in den Euro-Staaten.

Ein Crash des Euro würde zig-Milliarden Abchreibungsbedarf bedeuten und eine neue deutsche Nachfolgewährung würde vermutlich durch die Decke schiessen und den Export endgültig abwürgen. Die Folgen für die deutsche Wirtschaft wären fatal, wenn diese nicht – wie zum Beispiel VW dies gerade tut – ihre Produktion im großen Stil in die Absatzmärkte verlagert. Die deutschen Arbeitsplätze, der Binnenmarkt, all diejenigen, die nicht einfach davon- und der Konjunktur hinterherlaufen können, die werden das auszubaden haben. Von Frau Merkel oder ihrer Nachfolgerin werden wir dann schlaue Ratschläge wie „wir müssen den Gürtel enger schnallen“ zu hören bekommen.


Türkischer Wirtschaftsminister: Ausrichtung der Wirtschaft auf die EU ist ein Fehler!

17. Februar 2013

Der türkische Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan sagte in einem Gespräch mit Wirtschaftsjournalisten, dass die türkische Wirtschaft falsch ausgerichtet sei, nämlich auf die EU, während sich die Pole der Weltwirtschaft  längst verschoben hätten.

Zwar würde die Türkei mittlerweile diesen Fehler korrigieren und so gäbe es gegenwärtig nur zwei Länder auf der Welt, Naura und Micronesien, in die die Türkei nicht exportieren würde.

Die Türkei habe großen Wert auf strategische Investitionen gelegt um das Handelsbilanzdefizit abzubauen. Dabei ging es sowohl um Schlüssel- als auch um nachgeordnete Industrien. Die Entwicklung eines eigenen türkischen Autos sei prestigeträchtig aber auch entscheidend für ganze Industriebereiche. Dazu gehörte es auch Elektrofahrzeuge und natürlich deren Batterien im Lande zu entwickeln und zu produzieren. Letztere seien auch für die Luftfahrtindustrie von großer Bedeutung.

Der Minister will sich Volkswagen zur Brust nehmen und den Konzern einladen in der Türkei zu produzieren, wo ihre Autos Verkaufsschlager sind. Trotzdem habe VW kürzlich eine Liste von Investitionsländern veröffentlicht, in der die Türkei nicht aufgeführt worden ist. Darüber wolle er reden.

http://www.hurriyetdailynews.com/european-dependency-was-wrong-minister.aspx?pageID=238&nID=41321&NewsCatID=345