Jahr 1 nach der Tragödie von Lampedusa:

19. Oktober 2014

Italiens Patrouillen retteten im Zuge der Operation „Mare Nostrum“ 150.000 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer und nahmen 330 Schleuser fest. Italien lässt sich diese Operation 9 Millionen Euro pro Monat kosten. Im Jahr davor waren es ca. 60.000 Flüchtlinge. Ihre Zahl ist binnen eines Jahres um das Zweieinhalbfache angestiegen! Bei der Anzahl der Toten kursieren verschiedene Zahlen, die zwangsläufig häufig auf Schätzungen basieren. So wird oft die Zahl von 2.500 Toten in diesem Jahr genannt. An einem einzigen Wochenende im September waren es aber schon rund 700 Tote. Es ist zu vermuten, dass die wirkliche Zahl erheblich höher liegen dürfte…

Jetzt läuft parallel eine Aktion der EU mit Namen des griechischen Meeresgottes „Triton“ an. Die 28 EU-Mitglieder lassen sich dies ganze 2,9 Millionen Euro pro Monat kosten, ein knappes Drittel nur des italienischen Beitrages und rechnerisch nur 100.000 € pro EU-Mitglied und Monat! Ein Skandal!

FRONTEX hat nur von 8 der 28 EU-Mitgliedern Boote unterstellt bekommen. Dies sind Finnland, Spanien, Portugal, Niederlande, Lettland, Malta, Frankreich und Island.

Während die italienische Marine bis vor der lybischen Küste operiert, können und dürfen die FRONTEX Boote dies nicht tun. Es sind 2 Hochsee-Schiffe, 2 Küstenschutzboote, 2 Schlauchboote, 2 Flugzeuge und ein Hubschrauber.

Damit ist absehbar nicht annähernd die Hilfe möglich, die Italien leistete.


Tötliche EU-Aussengrenze: Migrantenskelett taucht vor Ibiza auf!

3. Juli 2013

Abdelaziz Elfayafi war ein strebsamer, geistig beweglicher junger Mann, dem es nicht an Selbstvertrauen mangelte. So einer sollte im Leben eine Chance haben, sollte man denken. Er wurde am 8. Januar 1989 in Imzouren, einer Hunderttausend Einwohner Stadt im Rif, im Norden Marokkos geboren. Er machte einen höheren Schulabschluss und erlernte Buchhaltung und Informatik. Während seiner Ausbildungen arbeitet er in verschiedenen Firmen der Lebensmittelindustrie. Zusätzlich widmete er sich anderen Themen wie zum Beispiel dem Kontakt zu Banken. So schrieb er in seinem Profil bei Linkedin. Auch gab er an, mehrsprachig zu sein und mündlich und schriftlich in der Lage zu sein auf Arabisch, Französisch, Englisch und Niederländisch zu kommunizieren. Seinen Lebenslauf verbreitete er in verschiedenen sozialen Netzwerken im Web auf der Suche nach Arbeit. Dann verlor sich seine virtuelle Spur. Es gab keinerlei Aktivitäten mehr.

Ungefähr in der Mitte des Ibiza-Kanals, ziemlich genau in der Mitte zwischen der Baleareninsel und der Stadt Calpe am spanischen Festland auf Position 38° 27’ 35“ Nördlicher Breite und 00°40’ 06“ Östlicher Länge, etwa 40 Meilen von Calpe bei Alicante entfernt, entdeckt ein Segler im Wasser treibend das Skelett eines Menschen.

Die alarmierte Guardia Civil birgt den Leichnam. Ein bizzares Bild: Der Tote ist vollkommen skelettiert, trägt aber einen Neoprene-Taucheranzug, Schwimmflossen und einen Rucksack. Keine Pressluftflaschen, keine Taucherbrille, kein Schnorchel.

Die Polizei prüft den Inhalt des Rucksacks und entdeckt, sorgfältig wasserdicht verpackt, ein Handy, einen Reisepass und ein Bündel mit 540 Euros. Dazu Kleidung.

Der Pass lautet auf den Namen Abdelaziz Elfayafi, geboren am 8. Januar 1989 in Imzouren, Rif, Marokko. Hat der junge Mann versucht die für ihn undurchlässige EU-Aussengrenze schwimmend von Marokko nach Spanien zu durchbrechen?

Möglich wäre es, denn zum einen bezeichnete er Schwimmen in seinen sozialen Netzwerken als sein Hobby und zum anderen gibt es eine starke Strömung zwischen Nordafrika und Spanien, die ihn genau dahin treiben würde, wo dann später seine sterblichen Reste gefunden wurden.

An dieser Geschichte ist noch vieles ungeklärt. Seine genaue Todesursache wird vielleicht nie geklärt werden können. Ziemlich sicher scheint aber, dass hier ein hoffnungsvoller junger Mensch an unserer Abschottung der „Festung Europa“ zu Grunde gegangen ist…