Katalonien: Generalabrechnung mit Madrid seit 1714!

10. Dezember 2013

Es klingt wie ein Witz, aber den Beteiligten ist es offenbar ernst! Die katalanischen Sezessionisten, deren Anliegen in letzter Zeit nicht mehr so recht voranzukommen scheint, versuchen neuen Schwung und Zulauf zu kreieren. Dazu soll dem Affen Zucker, dem katalanischen Victimismus Treibstoff gegeben werden.

In dieser Woche findet in Barcelona ein heftig umstrittenes Symposium unter dem Motto „Spanien gegen Katalonien“ statt. Die Generalitat de Catalunya will buchstäblich alle von ihr so bewerteten historischen Ungerechtigkeiten Madrids gegen Katalonien seit dem Jahre 1714 auflisten. Kritiker nennen dies schlicht und einfach Geschichtsfälschung und bewusstes Schüren von Abneigung und Hass!

Damit soll kurz vor der sich selbst gesetzten „Deadline“ für das Datum und die Frage des Referendums, dem Jahresende 2013, noch einmal richtig polemisiert werden!

Artur Mas, CiU versucht sich aus der Klemme zu winden und noch im letzten Moment zusätzliche Verbündete zu finden, während sein Albtraum Oriol Junqueras, ERC ihm offen damit droht, seine Duldung der CiU-Regierung zu beenden und auf die Straßen zu gehen. Junqueras will eine klare Ja-Nein-Frage und ein möglichst frühes Datum in 2014 für sein Referendum! Die vielbeschworene Legalität im Rahmen der Spanischen Verfassung scheint ihn nicht zu kümmern, denn die ist nicht zu bekommen ohne Verfassungsänderung. Dazu aber müssten ALLE Spanier befragt werden und künftig mit den GLEICHEN Rechten versehen werden.

Mit dem Seminar „Spanien gegen Katalonien“ würde die Jahrhunderte alte Aversion Madrids gegen die Katalanen absolut unzweifelhaft belegt und  die öffentliche Meinung aller total verändert werden! Die „Wissenschaftler“, die dieses Symposium und die Studien abhalten, hängen existenziell vollkommen von der Generalitat ab und wurden von ihr eingesetzt und finanziert. Um wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen müsste die Untersuchung ergebnisoffen durchgeführt worden sein. Das behaupten jedoch nicht einmal die Beteiligten. Sie wollten ihre feststehende Meinung untermauern und das ist ihnen – Überraschung – gelungen!

Das Spektakel wird an diesem Donnerstag durch den Präsidentenberater Francesc Homs im Auftrag des Präsidenten Artur Mas eröffnet werden. Das Symposium soll die katalanische Unterdrückung in die Teile politisch, militärisch, ökonomisch und kulturell gliedern. Mich wundert, dass die Unterdrückung im Fußball nicht extra aufgeführt worden ist?

Nur CiU und ERC verteidigen das Symposium. Der Rest des katalanischen Parlamentes ist strikt dagegen, denn man könne nicht mit der Regierung das Gespräch suchen und ihr gleichzeitig ans Bein pinkeln um es einmal derb auszudrücken!


Hat die CiU Angst vor einem Unabhängigkeits-Referendum in Katalonien?

21. September 2012

Der Sprecher der Generalitat d’Catalunya, Francesc Homs i Ferret, hat in RAC1 erklärt, dass von 50.000 neuen Schulanfängern in diesem Schuljahr nur 12 Familien die Schulausbildung in Castellano, also in spanischer Sprache, verlangten (was ihr verfassungsmäßiges Recht ist!) Dies zeige wie „groß“ das Problem der Erziehung in katalanischer Sprache sei. Es gäbe kein Problem!

“…Ha començat un nou curs i, de 50.000 nous alumnes, només dotze famílies han plantejat un model d’escolarització lingüística diferent. Aquest és el volum del conflicte que hi ha a Catalunya…”

Aber noch interessanter war eine fast wie nebensächlich gemachte Bemerkung, mit der er eine Alternative zu einem Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens ins Spiel brachte!

Noch sind Neuwahlen nicht einmal angekündigt, da erklärt uns Homs, dass ein Referendum nicht der einzige Weg zur Unabhängigkeit sei! Nach einem Wahlsieg könne CiU schließlich einfach im Parlament mit Mehrheit die Unabhängigkeit, den eigenen Staat beschließen.

– “El referèndum és una possibilitat, però hi ha vies alternatives. Es poden prendre decisions en el marc del Parlament de Catalunya.”
– “Hi ha mecanismes alternatius a la convocatòria d’un referèndum. […] Es poden prendre decisions en el si del Parlament després d’un procés electoral. […] Podria ser proclamant l’estat propi…”

Warum bringt Homs diesen Weg ins Spiel? Weil eine Mehrheit für die Unabhängigkeit keineswegs sicher ist! Die 1,5 Mio-Katalanen-Protest-Demo vom 11. September bestand keinesfalls aus einem monolithischen Block von Unabhängigkeitsbewegten!

Barcelona, 11. September 2012

Da waren Familien, Menschen die einfach die Tradition der Diada pflegten. Da waren Menschen, die den Fiskal-Pakt forderten. Da waren Menschen, die gegen Rajoy-Madrids Spar-Tollwut protestierten. Da waren Menschen, die gegen die Sparwut der Generalitat d‘ Catalunya protestierten. Sie alle drückten ihr Anliegen, ihre Unzufriedenheit aus in dieser Demo.

Da waren natürlich auch diejenigen, die für die Sezession, die Abspaltung, die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien waren! Wie hoch war ihr Anteil? Die Hälfte, Ein Drittel? Homs weiss es nicht, auch wenn er posthum alle Demonstranten für sein Anliegen vereinnahmt!

In Umfragen über die Unabhängigkeit stieg die Zustimmung seit dem Frühjahr von 46 auf 51 Prozent! Die knappste aller denkbaren Mehrheiten! Daraus will er eine Berechtigung ableiten zur Staatsgründung? Was soll mit den 49 Prozent geschehen, die dagegen gestimmt haben? Fällt ihre Meinung in einer solch existentiellen Frage unter den Tisch? Sollte eine Frage dieser Tragweite nicht mit mindestens einer Zweidrittel-Mehrheit beschlossen werden? Dann würden „nur“ 33,3 Prozent überstimmt!

Katalonien ist seit Generationen Einwanderungsland. Zuerst kamen billige Industriearbeiter aus Andalusien für den Industriegürtel um Barcelona. Diese Menschen sind heute Rentner. Ihre Kinder sind in Katalonien aufgewachsen und trotzdem sprechen viele selbstverständlich Catalá und Castellano. Vermutlich sind nicht mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Bevölkerung Katalanen mit katalanischen Wurzeln. In der Area Metropolitana de Barcelona gibt es heute ganze Stadtviertel und Straßenzüge in denen Arabisch, Pakistanisch und sogar Chinesisch gesprochen wird. Jeder dieser Menschen, dessen Status legal ist, kann mit an einem Referendum teilnehmen. Zwar hat die CiU sogar organisatorische Maßnahmen getroffen, diese Neu-Katalanen einzubinden, aber wie würden sie im Ernstfall abstimmen?

Homs, Mas und die CiU wissen es nicht. Das macht ihnen Angst!

http://www.lavanguardia.com/politica/20120921/54350875388/doce-familias-escolarizar-castellano-catalunya.html