Thronfolge: Staats- oder Legitimationskrise in Spanien?

10. Juni 2014

Der unter voller Geheimhaltung vorbereitete und mit außerparlamentarischer Geschwindigkeit exekutierte Generationswechsel in der Borbonen-Dynastie von JC1 zu F6 soll einerseits größtmögliche Normalität suggerieren und wird gleichzeitig von anderen als Chance, als Möglichkeit der Änderung der Regierungsform von der Monarchie zur Republik gesehen, einer Änderung die gleichzeitig eine Regelung der Unabhängigkeitsbestrebungen durch die notwendige Verfassungsänderung ermöglichen würde.

Grob vereinfacht kann man sagen, dass die politische Linke, zu der ich die PSOE nicht mehr zähle, eine Republik Spanien fordert, während die Systemerhaltenden Parteien PSOE und PP sowie die spanische Rechte die Monarchie beibehalten will.

Dieser Riss geht aber auch quer durch die katalanischen Separatisten von der CiU von denen die Unió weder eine Republik noch eine Unabhängigkeit fordert. Die Opportunisten der CDC um Artur Mas würden sich mit allen Regierungsformen anfreunden, die ihnen eine größere Unabhängigkeit zugestehen und die Duldungs- und Oppositionspartner von der ERC wollen weder Monarchie, noch Spanien sondern ausschließlich Catalunya Llure.

Alle Seiten versuchen derzeit mit Umfrageergebnissen ihre Positionen zu untermauern und das kommt u.a. dabei heraus:

49% wollen mit Felipe VI die Monarchie fortführen.
36% wollen die Bourbonen zum Teufel jagen und eine Republik.
62% wollen ein Referendum der Spanier über ihre Staatsform.

77% glauben, dass JC1 seine Sache gut gemacht hat!
89% verstehen die Motive seiner Abdankung.
72% glaubt, dass die Monarchie der Nation Stabilität verleihe.
87% halten den 46-jährigen Thronfolger F6 für gut vorbereitet.

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JC1 = Juan Carlos I, der abdankende Vater
F6 = Felipe VI, der Sohn und Thronfolger.