Frankreich: Wie verzweifelt ist Sarkozy?

30. März 2012

Der amtierende französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy vollzieht in diesen Tagen eine erstaunliche Metamorphose. War er zu Beginn seines Wahlkampfes, vor etwa acht Wochen, noch ein harter Verfechter eines eng an Deutschland und Madame Merkel angelehnten Sparkurses, ein wahrer Euro-Fighter und allzeit bereit, seine Herrin und Meisterin gar im französischen Wahlkampf einzusetzen, so hat er jetzt einen brutalen Kurswechel vollzogen.

Frankreich ist für ihn kein Land, dass – wie der britische THE ECONOMIST in seinem aktuellen Heft schreibt – extrem renovierungsbedürftig, gar brachial reformreif ist,  Sarkozys Frankreich hat ganz andere Probleme:

Es hat zu viele Migranten! Fast doppelt so viele, wie es verkraften kann. Die andere Hälfte schmeisst Sarkozy unter dem lebhaften Beifall der Front National raus!

Die Franzosen müssen Halal-Fleisch, also nach muslimischen Religionsvorschriften geschächtetes Fleisch von lebend ausgebluteten Tieren essen und wissen es nicht!

Die Mordserie von Toulouse und Montauban gab Sarkozy die Chance, sich selbst zum Kämpfer gegen den Islamismus zu ernennen und er nutzte sie!

Er stellte im Wahlkampf kunstvoll einen schamlosen Vergleich zwischen den Morden des Mohamed Merah und dem 11. September 2001 der USA her, einen Moment, von dem an nichts mehr so sei wie es vorher gewesen war…

Zufällig ist Merah kaum unter der (französischen!) Erde, als überall in Frankreich Razzien bei Islamisten stattfinden, bei denen 19 Verhaftungen erfolgen und Kalaschnikov-Sturmgewehre beschlagnahmt werden.

„In einen guten, französischen Haushalt gehört keine Kalaschnikov“, findet Sarkozy zwar nicht zu Unrecht, aber ein Staatspräsident der Razzien kommentiert wie ein Polizeisprecher? Man könnte es als würdelos und durchsichtig bezeichnen…

Es gibt scheinbar nur noch ein Thema in Frankreich, der extreme Islam, die „Islamisten“?

Sarkozy warf sein gesamtes Spar- und Wirtschaftskonzept und Euro-Retter-Image über Nacht kurzerhand über Bord und setzte statt dessen auf die Themen, Ausländer, Migranten, Islamismus, Innere Sicherheit. Sarkozy reloaded, wann kommt der „Kärcher“?

Der ganz profane Grund für diesen Wechsel ist seine vernichtende Bilanz der ersten fünf Jahre, „quelle catastrophe!“

Dazu seine späte Erkenntnis, dass man mit Merkel und ihrer grenzdebilen Sparpolitik in Frankreich nicht punkten kann!

Die Themen in Frankreich müssten da sein:

Jobs
Verschuldung
Euro-Rettung
EU
Neo-Kolonialismus

Leider hat Monsieur, „le President de la Republique“ bei diesen Themen gaanz schlechte Karten und viele Altlasten im Keller!

Schließlich: ohne die Unterstützung und Stimmen der extremen Rechten von der FN kann Sarkozy nicht wieder Präsident werden und er weiss das!


Erziehen die Märkte Merkel?

26. November 2011

Die in dieser Woche „suboptimal“ verlaufene Platzierung einer zehnjährigen Bundesanleihe könnte ein Zufall gewesen sein. Der angebotene Zinssatz, unterhalb der Inflationsrate, ein realer Geldverlust also, machte die Offerte auch nicht hübscher. Sie könnte aber auch schlicht ein Signal der Märkte an die Autistin im Kanzlerinnenbunker in Berlin gewesen sein, der in diesen Tagen von den Weltmedien höchste Wichtigkeit, Sturheit, Unbelehrbarkeit, Inkompetenz und Unfähigkeit gleichermaßen konstatiert wird.

Merkel sieht sich ja offensichtlich in der Lage und Rolle, die Domina einer soliden europäischen Haushaltspolitik sein zu können. Sie lässt Länder, Volkswirtschaften und Völker zappeln, sich selbst strangulieren und betet dabei ein Mantra herunter, das sie wohl selbst nicht ganz verstanden hat?

Merkel will sich eine EU nach nationalem deutschen Vorbild zurechtnötigen. Sie nutzt dabei die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Ländern zu deren Entstehen die deutsche Real- und Finanzindustrie, kräftig assistiert von der deutschen Politik, selbst beigetragen hat! Griechenland zum Beispiel ist nicht gegen den Willen Deutschlands – trotz klar erkennbaren mangelnden Voraussetzungen – in den Euro aufgenommen worden, sondern mit deutscher Unterstützung. Deutschlands Konzerne haben sich mit Lust und Energie den Hellenen gewidmet, nützliche Aufwendungen, vulgär Bestechung genannt, eingeschlossen.

Die deutsche Wirtschaft hat sich Absatzmärkte gekauft „bis zum Anschlag“! Sie konnte getrost darauf vertrauen, dass im Fall der Zahlungsunfähigkeit die Politik den deutschen Steuerzahler in Regress nehmen würde. Trotzdem wird von den Griechen verlangt, eingegangene Verpflichtungen zum Beispiel im Rüstungsbereich, vollständig zu erfüllen. Das ist die pure Heuchelei.

Nun erpresst Merkel, die Notlage einiger Länder ausnutzend, die Änderung der Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Sozialpolitik bisher souveräner Länder nach dem Motto „Hartz IV“ für alle! Dazu sollen die EU-Verträge mal eben passend gemacht werden. Das wird dann aber nicht mehr der Club sein, dem diese Länder einmal beigetreten sind. Da bisher souveräne Rechte von Nationalstaaten mit demokratisch gewählten Regierungen nun an Brüsseler Technokraten übertragen werden sollen, die nicht demokratisch legitimiert sind, sind wir alle, auch die deutschen „Musterschüler“, davon betroffen. Dafür werden sich wohl keine Mehrheiten finden, denn auch Merkels engster Partner Sarkozy folgt ihrem Weg mehr aus Zwang, denn aus innerer Überzeugung!

Wenn England dazu eine mehr liberalere, offenere EU propagiert, dann werden dieser „atlantischen Gegenposition“ nicht wenige Europäer folgen. In diesem Sinne ist Merkel eher die deutsche Schäferhündin, die laut kläffend die Schafe dem Schäfer Cameron zutreibt. Deutschland droht dank Merkels Starrsinn in die europäische Isolation zu geraten. Tendenzen dazu sind bereits erkennbar.

Zurück zu der Eingangs erwähnten suboptimal platzierten Bundesanleihe: Die Größen- und damit die Machtverhältnisse zwischen Deutschland und dem volatilen globalen Kapital ist derart ungleich, dass man nicht im Entferntesten von Waffengleichheit sprechen könnte! Merkel könnte von den Märkten auf ein Zinsniveau gezwungen werden, das dem erwarteten Zins der von ihr verweigerten Euro-Bonds entspräche, nur ganz ohne Nutzen hinsichtlich der Banken- und Schuldenkrise der notleidenden europäischen Peripheriestaaten.

Die deutsche Wirtschaft, die deutsche Politik und die deutschen Steuerzahler müssen letztlich akzeptieren, dass wir vielfältig eingebunden sind und nicht im luftleeren Raum agieren können. Wir müssen zugunsten der Binnenkonjunktur umsteuern. Das bedingt ein neues, sozialeres Menschenbild. Wenn bei diesem Prozess ein paar Autos weniger verkauft werden, dann ist dies eine überfällige Anpassung an die vermutlich nächste Krise. Die der auf Old-Tecnology basierenden und von der Politik auf vielfältige Weise gepäppelten deutschen Autoindustrie…


Sarkozys Doppelschlag: Bruni gebar ein Mädchen, Merkel ein Euro-Monster!

20. Oktober 2011

Der hektisch-quirlige Griechen-, Banken-, Euro und vor allem Frankreich-Retter jettete zwischen Kreissaal und Konferenzraum, zwischen Paris und Berlin, zwischen Carla und Angela hin und her! Die kleine Tochter von Bruni-Sarkozy hat offiziell noch keinen Namen. Das Monster, das er mit Merkel gezeugt hat, nennt man französische Bankenrettung!