Frankreich: Bernard Tapie von der Finanz-Polizei arrestiert!

24. Juni 2013

Der Fall des Schlichtungsverfahrens Tapie / Crédit Lyonnais, der heute als bandenmäßiger Betrug mit einem Schaden von 405 Millionen Euro zu Lasten des französischen Staates betrachtet wird, geht in die nächste Runde. Tapie will von der Bank beim Verkauf seiner adidas-Anteile übervorteilt worden sein.

Heute wurde einer der Parteien des Schichtungsverfahrens, nämlich der schillernde, politiknahe Unternehmer Bernard Tapie arrestiert und soll dem Untersuchungsrichter Rede und Anwort stehen. Dieser Arrest kann maximal vier Tage dauern.

Es soll bewiesen werden, dass es sich bei der sogenannten Schlichtung um ein Scheinverfahren handelte, bei dem alle Beteiligten sich jahrelang gut kannten, Geschäfte miteinander machten, keineswegs objektiv und neutral handelten, sondern sich bandenmäßig gegen den französischen Staat verschworen haben.

Praktisch alle für das Verfahren relevanten Spitzen der Regierung Sarkozy sind verwickelt und auch der Präsident selbst soll sich mehrfach im fraglichen Zeitraum mit dem Unternehmer Tapie, dem Begünstigten des Plots, getroffen haben. Sarkozy genießt als Präsident allerdings die totale Immunität für all seine Handlungen, Taten und Untaten während seiner Amtszeit. Dies gilt indess nicht für seine damalige Finanzministerin Christine Lagarde „…nimm mich, benutze mich solange ich Dir von Nutzen bin!“* und auch nicht für seinen Kabinettschef Claude Guéant und den Christine Lagardes, Stéphane Richard, sowie für den Verwalter Jean-François Rocchi, der in der CDR die insolvente Crédit Lyonnais abwickelte.
Das gilt natürlich auch nicht für den Schlichter, den Ex-Richter Pierre Estoup, dem eine schwülstige, handschriftliche Widmung Tapies in einem Buch zum Verhängnis wurde. Dem Schlichter wird vorgeworfen, verbotene Geschäftskontakte zu Tapies Anwälten unterhalten zu haben und deshalb die gebotene Neutralitätspflicht verletzt zu haben.

Der französische Staat will das Verfahren für nichtig erklären lassen. Für den Fall hat Tapie schon mal angekündigt höchstens noch rund hundert Millionen der eingesackten 405 Millionen übrig zu haben, da das Leben teuer sei. Vielleicht musste er aber auch nur eine handvoll Komplizen und Mitwisser auszahlen und in ein günstiges politisches Umfeld investieren?

*(Das ist der Ton, in dem eine französische Ministerin mit ihrem Präsidenten (schriftlich!) verkehrt.)


Frankreich: Schlichtungs-Affäre Tapie / Crédit Lyonnais, Ex-Kabinettschef von Ex-Wirtschaftsministerin Christine Lagarde festgenommen!

10. Juni 2013

Stéphane Richard, Vorsitzender des Vorstandes des Telekommunikationsunternehmens Orange, muss heute der Untersuchungskommission Rede und Antwort stehen zu seiner Rolle in diesem Schlichtungsverfahren, das die Staatskasse mit über 403 Millionen Euro belastete und in dem heute wegen bandenmäßigem Betrug ermittelt wird. Er wird besonders zur Rolle des Wirtschaftsministeriums (Bercy) und des Präsidentenstabes (Elysée) gefragt werden.

Mit Jean-François Rocchi, dem Ex-Präsidenten des staatlichen Nachfolgeunternehmens CDR, das die in Zahlungschwierigkeiten steckende Crédit Lyonnais damals abwickelte, ist ein weiteres Schwergewicht vorläufig festgenommen worden. Er wird zur Auswahl der Schlichter und des Schlichtungsgremiums gefragt werden.

Behauptet Richard heute es habe Seitens des Präsidentenstabes keinen Befehl, keine Instruktion und keinen „Speziellen“ Druck gegeben für das Schlichtungsverfahren, so hatte er früher gegenteiliges behauptet: Es habe ein Meeting mit Claude Guéant, Sarkozys Generalsekretär im Elysée, gegeben, bei dem unter anderem auch Rocci, CDR teilgenommen habe und sie klare Handlungsanweisungen erhalten hätten!

Alle Hinweise scheinen auf Sarkozy zu deuten, mit dem sich Tapie vor und nach der Präsidentenwahl über ein Dutzend Mal getroffen hat und dessen Wahlkampf er, der ehemalige Günstling des Sozialisten Mitterand, finanziell und öffentlich unterstützt hat. Sein Seitenwechsel sollte sich für ihn lohnen!
Sarkozy genießt für alle Handlungen als Präsident völlige Immunität. Er ist fein raus…

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https://almabu.wordpress.com/2013/05/28/frankreich-richter-in-u-haft-im-403-millionen-e-skandal-tapieadidascredit-lyonnaissarkozylagarde/

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https://almabu.wordpress.com/2013/05/23/christine-lagarde-sagt-in-paris-vor-gericht-aus/


Frankreich: Richter und Anwalt in U-Haft im 403 Millionen € Skandal Tapie/adidas/Crédit Lyonnais/Sarkozy/Lagarde!

28. Mai 2013

Die juristische Untersuchung des Schlichtungsverfahrens nahm erneut eine unerwartete Wendung. Hatte man auf Grund der Aktenlage zunächst mit einer Anklage der damals die ungewöhnliche Schlichtung gegen den Rat der Experten ihres Ministeriums durchstechende Wirtschaftsministerin Christine Lagarde gerechnet, die dann jedoch vorläufig eine auf den Status einer „verdächtigen Zeugin“ reduzierte Verschnaufpause bekam, so wurde gestern Mittag einer der drei damals im CJR mit der Schlichtung befassten Richter in Untersuchungshaft genommen.

Der vorläufige Vorwurf lautet, dass der Richter Pierre Estoup Geschäftskontakte zu Maurice Lantourne, dem Anwalt Bernard Tapies verheimlichte, es somit einen möglichen Interessenkonflikt gegeben habe und somit eine Entscheidung des Gerichtes CJR zu Lasten der staatlichen Auffanggesellschaft CDR, die Nachfolgerin der in finanziellen Schwierigkeiten geratenen und vom Zusammenbruch bedrohten Credit Lyonnais, ermöglicht haben könnte!

Was kommt als Nächstes? Wer steckt nicht drin, in diesem Fall?
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NACHTRAG:
Wir brauchten nicht lange zu warten: Auch der Anwalt Bernard Tapies, Maitre Maurice Lantourne soll verhaftet worden sein und sich in U-Haft befinden!
Wenn die geschäftliche Verbindung des Richters Estoup zu Anwalt Lantourne zum Zeitpunkt der Schlichtung bestand und bewiesen werden kann, dann könnte das gesamte Verfahren als ungültig bewertet werden. Christine Lagarde wäre in einem solchen Fall fein raus!