LIBOR-Skandal: Wie London die Finanzwelt kolonialisiert!

7. Juli 2012

Vergesst Bernie Madoff und Ken Lay von ENRON! Sie waren Amateure der Finanzkriminalität. Das schreibt Robert Scheer in seiner Kolumne in www. truthdig.com. Der gegenwärtige LIBOR-Skandal, über die von einigen Großbanken der Londoner City manipulierten Referenzzinsen, zeige wie die wirklich großen Jungen das Spiel spielten.

Es zeigt nebenbei, wie leicht und beinahe spur- und geräuschlos die Britische Regierung, die internationale Finanzwelt zu ihren Gunsten beeinflussen kann. Wo die EU und die EBZ mühsam über Streit, Verhandlungen und Konferenzen versuchen, die europäische Wirtschaft zu steuern, genügt in Whitehall offenbar ein Anruf! Man kennt sich halt und tut sich schon mal den einen oder anderen Gefallen…

Wichtige Kontrollämter werden zum Teil in Personalunion von den zu Kontrollierenden ausgeübt, aber es gilt  „honi soit qui mal y pense!

Sie fühlten sich so sicher und unangreifbar, dass Konspiration und Preisabsprachen durch email-Verkehr reichlich belegt sind.

Trotzdem gelangte Barclays auf wundersame Weise mit dem US-Justizministerium zu einer Vereinbarung, die zwar eine symbolische Strafe beinhaltet aber keinerlei drastische Maßnahmen gegen die Substanz der Bank.

Man wird sich jetzt noch die anderen „üblichen verdächtigen“ Bankster vornehmen, sie mit symbolischen Strafen belegen, ein paar Köpfe austauschen und dann „weiter so!“

Für schwer angeschlagene Wirtschaften, wie die Großbritanniens und zum Teil auch die der USA, sind die „Finanz-Raubfischer“, die regelmäßig ihre Netze in der internationalen Finanzwelt auswerfen und dumme Länder und deren dumme Kleinkapitalisten, Kleinsparer und Rentner abzocken, längst unverzichtbar! Denn das ist nicht nur eine leichte und stetige Einnahmequelle sondern das bedeutet vor allem auch auch politische Macht. Wie anders könnte man sich das asoziale Auftreten dieses Oberklassen-Dummkopfes David Cameron bei internationalen Konferenzen erklären. Man hat die vielen Milliarden an privaten Spargeldern, an Renten und Versicherungsleistungen als ungehobene Ressourcen entdeckt, die es auszubeuten gilt und zwar ohne jede Nachhaltigkeit. Finanzielles Dynamitfischen sozusagen…

Die Finanzindustrie, besonders ihre betrügerische Variante, ist als globales Besteuerungsorgan  die höchste Entwicklungsstufe des Kapitalismus. Jetzt killt er zwangsläufig noch die Reste demokratischer Systeme zugunsten eines neuen Faschismus, wie weltweit ansatzweise zu beobachten ist. Vielleicht riskiert er vorher noch einen großen Krieg? Danach bringt ihn seine systemimmanente Gier dann an sein selbstverschuldetes Ende.

http://www.truthdig.com/report/item/crime_of_the_century_20120706/


Gefeuert! Der 20 Mio. p.a. US-Amerikaner Bob Diamond fetzt sich mit Barclays und bringt die Bank von England ins Spiel!

4. Juli 2012

Er sagt, ihm sei von Paul Tucker, der Nummer Zwei der Bank von England am 29.Oktober 2008 telefonisch „die Anregung“ gegeben worden, doch nicht immer so hohe Zinsen für die Ermittlung des Libor zu melden, weil man daraus schließen könnte, dass Barclays durch die signalisierte Bereitschaft hohe Zinsen zu zahlen, ein Liquiditätsproblem haben könnte. „Die Anderen“ würden dies auch nicht tun. Er verwies auf Wünsche und Anregungen der britischen Regierung! Hatte Barclays bis dahin immer tendenziell hohe Zinsen gemeldet, so änderte sich dies in Folge des Telefonates ins Gegenteil.

Heute wird Bob Diamond vor einer Parlamentskommission gehört und die „volle Breitseite“ von Barclays gegen die Bank von England, könnte als Warnschuss gewertet werden?

Barclays erklärte der Parlamentskommission nun schriftlich, dass in Folge des Telefonates Bob Diamond seinem zuständigen Untergebenen Jerry del Messier „die Anregung“ der Bank of England als „Anregung“ weitergegeben hätte. Bob Diamond wusch seine Hände in Unschuld: Er glaube nicht, dass er „Anweisungen“ bekommen und weitergegeben habe!

Jetzt hat also der inzwischen ebenfalls zurückgetreten wordene Jerry del Messier den „Schwarzen Peter“ in diesem schändlichen Spiel. Er hielt die „Anregungen“ für „Anweisungen“ und gab sie innerhalb Barclays von oben nach unten bis an die zuständigen Stellen weiter.

Gegenwärtig wird in dieser Libor-Manipulation gegen über zwanzig Banken in Europa, den USA und Japan ermittelt.

Hauptverdächtig seien 16 Banken, konzentriert in zwei Straßen der City of London, deren Insider sich kennen und schnell mal auf ein Bier im Pub an der Ecke zur Absprache, Anregung oder Anweisung treffen können…

http://economia.elpais.com/economia/2012/07/03/actualidad/1341343970_840364.html


LIBOR-Manipulation: Betrugs-Porno im Sumpf der Finanzmafia!

3. Juli 2012

Selbst ausgesprochene wirtschaftsfreundliche Portale wie Bloomberg sagen inzwischen, dass es schwer bis unmöglich sei die kriminellen Machenschaften der Bankster gegen Kontrollforderungen zu verteidigen. Mit den manipulierten Zinsen würden schließlich andere Banken und vor allem Endverbraucher als Kreditnehmer bestohlen! Ausserdem wurden auf diese Weise die eigenen Einkommen und Boni „garantiert“.

Im Artikel  gibt es vor allem zwei interessante Neuigkeiten:

Erstens: Der Verdacht auf  Unregelmäßigkeiten beim LIBOR wurde bereits 2008 bekannt!
Das LIBOR-System (London Interbank Offered Rate) wird als Verrechnungszins für praktisch alle Geldgeschäfte zwischen Banken und damit für Billionen von Geldeinheiten zu Grunde gelegt. Er ist eine täglich um 11 Uhr in London von bestimmten Banken ermittelte Einschätzung von Kreditkosten, die zum Teil auf Annahmen und nicht realen Geschäften beruhen und somit anfällig für Manipulationen sind. Es wird von der British Bankers Association überwacht. Deren Vorsitzender war bis Montag praktischerweise der Barclays Verwaltungsratsvorsitzende Marcus Agius in Personalunion. Er hat sich also praktisch selbst kontrolliert mit dem bekannten Ergebnis. Und er ist – zumindest für den Moment – noch immer im Amt bei Barclays, bis ein Nachfolger für Bob Diamond gefunden ist!

Die zweite interessante Nachricht bei Bloomberg: In den USA werde auch gegen die Deutsche Bank in diesem Zusammenhang ermittelt!

Ansonsten werden Beispiele des email-Verkehrs zwischen den am Betrug beteiligten Bankern zitiert, die an Widerwärtigkeit kaum zu übertreffen sind. Das ist Finanz-Porno!

Alle Beispiele der letzten Zeit zeigen, dass die Finanzbranche erwiesenermaßen vollkommen unwillig und unfähig zur Selbkstkontrolle ist!

Das EU-Äquivalent zum LIBOR ist der EURIBOR. Es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis auch hier Manipulationen nachgewiesen werden.

http://www.bloomberg.com/news/2012-07-02/barclays-case-shows-something-s-rotten-in-banking-culture.html


Chef der Barclays-Bank Bob Diamond mit sofortiger Wirkung zurückgetreten!

3. Juli 2012

Der bereits am gestrigen Montag hatte Verwaltungsratschef Marcus Agius seinen eigenen Rückzug angekündigt. Er soll jetzt aber die Geschäfte weiterführen bis ein Nachfolger für Diamond gefunden sei, berichtet die NZZ.

Barclays wird vorgeworfen jahrelang mit falschen Angaben den Londoner Referenzzinssatz LIBOR manipuliert zu haben.

Großbritannien und die USA hatten gegen die Bank deshalb bereits eine Geldstrafe von 360 Millionen Euro (453 Mio Dollar) verhängt. Für Barclays ein Trinkgeld!

Fachleute nannten dies nur die Spitze eines Eisbergs, da die genannte Manipulation zwingend Partner benötige und rechneten deshalb mit weiteren beteiligten Banken. Die Frage sei höchstens, wer als nächster erwischt würde…

Haben Banken in Europa, den USA und in Japan über Jahre hinweg Referenzzinssätze manipuliert und damit Finanzsektor und unzählige Kreditnehmer geschädigt, deren Zinsen auch von diesen Referenzzinssätzen wie dem Libor abhängen?

Die USA führen seit Jahren branchenweit entsprechende internationale Untersuchungen. Auch Kanada und Japan untersuchen das Geschäftsgebahren von über einem Dutzend internationaler Banken. In der Schweiz seien die Credit Suisse sowie hauptsächlich die UBS betroffen. Auch Großbritannien und die EU sind offenbar mittlerweile aufgewacht.

Die UBS hat zur Schadensbegrenzung und Strafminderung Selbstanzeige gestellt. In New York sind jedoch bereits Sammelklagen eingereicht worden.

http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/barclays-chef-bob-diamond-tritt-zurueck-1.17311987

http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/auch-schweizer-banken-sind-vom-libor-betrug-betroffen-1.17311493

http://fromthetrenchesworldreport.com/big-banks-have-become-mafia-style-criminal-enterprises/17097/