Hat Putin Erdogan abgezockt?

11. November 2020

Der Jahrzehnte alte latente Konflikt zwischen Azerbaidjan und Armenien um das international weder als legitim noch gar als Staat anerkannte Gebiet Berg-Karabach auf azerischem Territorium ging am 27. September 2020 urplötzlich in einen heissen Krieg über, bei dem die Interessenparteien, wie in diesem Gebiet nicht unüblich, nicht auf den ersten Blick klar waren.

Russland verkaufte Waffen an beide Seiten. Israel verkaufte Waffen, z.B. Drohnen an Azerbaidjan, das zugleich ein wichtiger Energielieferant Israels und ein strategischer Partner in einem möglichen Konflikt zwischen Israel und dem Iran wäre (Flughäfen am Kaspischen Meer, welche die Reichweite der israelischen Air Force gewaltig erweitern würden!).
Dann war da die Türkei Erdogans, der mitten im türkischen Wirtschaftschaos seinen fiebrigen Großmachtsträumen nachhing und Azerbaidjan direkt militärisch und mit Hilfe aus Libyen importierter Söldner unterstützte.

Der militärische Erfolg Azerbaidjans war so klar, daß sich Putin am Ende gar beeilen musste um eine totale militärische Niederlage Armeniens im letzten Moment zu verhindern. Möglicherweise war es der versehentliche Abschuß eines russischen Helikopters über armenischem Territoriums durch Azerbaidjan, der genug Druck aufbaute um dessen Präsidenten Ilham Aliyev zur Unterschrift unter den Waffenstillstand zu nötigen, der letztlich die armenische Kapitulation, „den totalen Endsieg“ verhinderte?

In Moskau wurde nach Verhandlungen der Kriegsparteien (ohne die Türkei!) ein Waffenstillstand unterzeichnet, der für Armenien nahezu einer Kapitulation gleich kam, so klagte zumindest dessen Präsident Nikol Pashinyan:

Das Territorium Berg-Karabachs hatte sich zu Gunsten Azerbaidjans um etwa 30% oder 12.000 km2 verkleinert und dies in strategisch entscheidenden Gebieten.
Das in drei zeitlich fixierten Schritten zu übergebende Gebiet wird künftig durch Azerbaidjan verwaltet.
2.000 schwer bewaffnete russische „Schiedsrichter“ kontrollieren künftig die wichtigen Schnittstellen und Verbindungen zwischen Armenien und Berg-Karabach, aber auch zwischen der Türkei und Azerbaidjan für die nächsten 5 Jahre mit der Option auf Verlängerung.

Sollte dies wirklich so eintreffen, dann wäre Erdogan nach Armenien der zweite Verlierer dieses Konfliktes und sein Einsatz wäre umsonst gewesen!
Aber vielleicht gibt es für Erdogan ja auch einen „sehr gut versteckten Nutzen“ dieses Waffenstillstandes von Putins Gnaden? Dann wird er dies seinen Türken gewiss zeitnah mitteilen?

Der französische Präsident Emmanuel Macron hätte sich nach dem Libanon nun auch in Armenien bisher vergeblich bemüht…

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https://www.al-monitor.com/pulse/originals/2020/11/turkey-russia-armenia-azerbaijan-nagorno-karabakh-deal.html


Heftige Kämpfe zwischen Armenien und Azerbaidjan!

27. September 2020

Am heutigen Sonntag seien LE MONDE und AFP zufolge heftige Kämpfe mit Toten und Verletzten auf beiden Seiten ausgebrochen. Sie fanden in der separatistischen, von Armenien unterstützten Region Nagorny-Karabakh statt. Moskau, Paris und die EU fordern einen sofortigen Waffenstillstand!
Beide Seiten geben dem jeweils Anderen die Schuld am Ausbruch der Kämpfe…

Diese Kaukasusregion kann im Konfliktfall schnell Russen und Türken mit hinein ziehen und unkontrollierbar eskalieren…

Azerbaidjan will sechs von Armeniern kontrollierte Dörfer „zurück erobert“ haben.

Armenien habe die Generalmobilmachung und das Kriegsrecht ausgerufen. Sicher wird die NATO ihnen helfen, oder?