CARIBS, who?

30. Mai 2014

Müssen wir uns schon bald wieder an eine neue Abkürzung gewöhnen? Wie zu hören ist, habe Argentinien Interesse daran, den BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika beizutreten?

Südafrika, Indien und Brasilien sollen diesem Wunsch positiv gegenüber stehen, während Russland und China wegen der hohen Verschuldung Argentiniens eher zögernd abwarten.

Dem Polarisierungstrend der letzten Monate folgend, soll sogar über eigene Ratingagenturen und einen BRICS-Währungsfond nachgedacht werden. Trotzdem beeilt man sich zu betonen, dass diese Gedanken nichts mit der akuten US-Sanktionitis gegen Russland zu tun hätten.

Auf dem BRICS-Gipfel im März in Den Haag seien erste Konturen einer gemeinsamen Außenpolitik angedacht worden.
Beim nächsten Gipfel am 15. Juli in Fortaleza, Brasilien sollen mögliche Erweiterungen diskutiert werden.

Alle BRICS-Staaten haben Gemeinsamkeiten. Sie haben eine sich entwickelnde Wirtschaft mit teils beachtlichen Wachstumsraten, wenngleich sich diese abschwächt. Sie haben soziale Probleme und mehr oder weniger Probleme mit dem von den USA dominierten Weltfinanzsystem nach dem WW2.

Die BRICS-Partner wollen ein Finanzsystem, das ihrer wachsenden Bedeutung für die Weltwirtschaft Rechnung trage.
Immerhin seien die BRICS-Staaten über alle Kontinente der Welt verteilt und zählten 3 Milliarden Menschen!

Dieses Potential wolle man gezielt entwickeln und mit existierenden Organisationen wie der SCO und der neuen EEU verknüpfen.

Schwierigkeiten liegen in den doch sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Kulturen der BRICS-Staaten, die wir demnächst vielleicht in CARIBS umtaufen müssen?


Der Zeitfaktor: Wie Argentinien die Falkland-Inseln trotzdem kriegt!

14. September 2012

Es ist wieder ruhiger geworden um die Falklands, oder Las Malvinas, nachdem der Jahrestag der Invasion 1982 friedlich verstrichen ist.

Da schaffen die Zahlen eines Zensus neue Unruhe auf den Inseln. Die Bevölkerung ist seit der letzten Umfrage 2006 nicht gewachsen, aber stark gealtert. Wenn man die britischen Militärs und Zivilangestellten und deren Familien abzieht leben gerade 2.563 Falkländer auf dem Archipel. Der Anteil der über 65-jährigen ist seit 2006 um 14 Prozent gewachsen.

Positiv: Die Arbeitslosenquote beträgt 1 Prozent. Das Einkommen der Insulaner ist etwa dreimal so hoch wie das der Südamerikaner auf dem Kontinent.

Negativ: 20 Prozent der Falkländer benötigen mehr als einen Job. Größter Arbeitgeber ist mit 28 Prozent die Regierung. Die prosperierende Offshore Öl- und Gasindustrie beschäftigt hingegen nur 26 Insulaner, da denen meist die benötigte Qualifikation fehlt.

Diese Zahlen zeigen, dass die Falklands als Gesellschaft ein britisches Kunstprodukt sind, eine camouflierte Kolonie lautet der argentinische Vorwurf, die ohne London wahrscheinlich nicht lebensfähig wäre.

Die Falkländer wollen auch weiterhin gerne unter sich bleiben und leisten sich deshalb eine sehr restriktive Immigrationspolitik. Weniger als ein Drittel sieht sich als Briten, knapp 60 Prozent verstehen sich als Falkländer und die fehlenden zehn Prozent fühlen sich als… nein, nicht doch etwa als Argentinier?

Einbürgerung kann nur beantragen, wer mehr als sieben Jahre auf den Inseln gelebt und gearbeitet hat. Dies auf der Basis von wiederholten Zeitverträgen. Nur vierzig (40!) Einbürgerungsanträge sind pro Jahr erlaubt, von denen nicht alle angenommen werden.

Nur 70 Prozent oder 1.973 der Zivilisten auf der Insel sind Falkländer. Weitere 4,3 Prozent oder 121 haben eine permanente Aufenthaltsgenehmigung die Voraussetzung für den Einbürgerungsantrag ist.

Obwohl den Verantwortlichen die bevölkerungspolitisch kritische Situation klar ist, lähmt die Angst vor dem Einsickern von Argentiniern die Offiziellen. Aber auch am Willen der Briten, die Inselgruppe im Südatlantik ernsthaft zu entwickeln, wird inzwischen gezweifelt.

Es gibt viele Pläne die Inseln zu entwickeln, aber keine verfügbaren arbeitenden Menschen diese Pläne zu realisieren.

70 Prozent der Menschen leben in der Inselhauptstadt Stanley, der Rest ist weit verstreut auf abgelegenen Farmen, zu denen oft nicht einmal Straßen führen, was Kleinflugzeuge und Boote zu normalen Verkehrsmitteln macht.

Wenn nur ein Bruchteil der Erlöse aus der Förderung der Offshore-Energie-Ressourcen auf der Insel landete, dann könnten die paar Falkländer reicher als Saudi-Arabische Ölscheichs werden, falls sie so alt werden, dies zu erleben…

http://www.guardian.co.uk/uk/2012/sep/13/falkland-islands-census-british-identity


​Falkland – Malvinas: Cristina Kirchner provoziert, Briten schicken Atom-U-Boot!

20. Mai 2012

Zwei Länder mit massiven wirtschaftlichen Problemen suchen ihr Heil in geradezu kindischen, nationalistischen Provokationen.

Seit einigen Monaten spielen sich Kirchner und Cameron gezielt und gekonnt die Bälle zu in einem Ballwechsel von unterirdischem Niveau.

Argentiniens Präsidialamt in der Casa Rosada ließ von der Werbeagentur Young and Rubicam einen Werbespot drehen, der den argentinischen Teilnehmer an der bevorstehenden Olympiade London 2012, Fernando Zylberberg,  dabei zeigt, wie er auf den Falkland-Inseln seine Kondition trainiert. Dazu der Spruch: Um uns auf Englands Boden zu messen, trainieren wir auf argentinischem Boden! Gedreht in  pathetischen Szenen und Bildern, die an eine militärische Erstürmung erinnern, unterlegt mit dramatischer Musik. Der Spot ist den Verwundeten und Gefallenen des Falkland-Krieges gewidmet. Wenigstens bei Ihnen wird nicht unterschieden nach Nationalität…

Die Agentur, mit einem Briten an der Spitze, bat die argentinische Regierung den Spot nicht mehr zu senden. In der britischen SUN ist er jedoch jederzeit abrufbar, denn er dient der Motivation der eigenen Truppen durch Erzeugung eines Feindbildes:

http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/news/4298654/Argentinas-Olympic-team-ad-filmed-on-Falklands-war-memorial-is-blasted-by-agencys-British-boss.html

Die Antwort der Briten ließ nicht lange auf sich warten: Letzte Nacht stahl sich das Atom-U-Boot HMS TALENT, randvoll beladen mit Tomahawk-Cruise Missiles, aus einem südafrikanischen Versorgungshafen und nahm Kurs auf die Falkland – Malvinas im Südatlantik. Das Jagd-U-Boot der Trafalgar-Klasse soll rechtzeitig zur dreissigjährigen Jubiläum der Siegesfeier vor Ort sein.

Nationalistische Ablenkung von Regierungen, die ihrer echten Probleme immer weniger Herr werden..

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Bisher zum Thema erschienen:

https://almabu.wordpress.com/2012/03/02/telenovela-uk-argentina-jetzt-wochentlich-the-falklands-vs-las-malvinas/

https://almabu.wordpress.com/2012/02/15/briten-drehen-die-spannungs-spirale-um-die-malvinasfalkland-inseln-hoch/

https://almabu.wordpress.com/2012/02/11/argentinien-bringt-den-streit-um-die-malvinas-vor-den-weltsicherheitsrat/

https://almabu.wordpress.com/2012/02/01/1982-2012-dreissig-jahre-spater-falkland-krieg-reloaded/

https://almabu.wordpress.com/2012/01/22/uk-cameron-prinz-william-soll-die-falklands-retten/

https://almabu.wordpress.com/2012/01/21/gibraltar-und-falkland-zweifrontenkrieg-fur-cameron/


Was nicht sein darf, kann nicht sein! Paul Krugman in der NYT über Argentinien.

5. Mai 2012

Argentinien ist seit seinem Ausstieg aus dem von IMF und WB von außen verordneten Schuldenprogramm so etwas wie der Paria der internationalen Wirtschaftsjournalisten. Dazu kommen vollkommen unmögliche, populistische Regierungen, zuletzt die des Ehepaares Kirchners, die zuweilen durch Enteignungen und drastische Eingriffe in die „Freiheit der Wirtschaft und der Märkte“ von sich reden machten. „Ih-gitt, bäh, also Argentinien, das geht ja gar nicht“ lautet im Allgemeinen der Tenor der Berichterstattung.

Paul Krugman verweist auf Vorurteile und Wunschdenken, die verhinderten, die Basisfakten zur Kenntnis zu nehmen. Während wir bei Irland jeden vermeintlichen Mini-Fortschritt laut bejubeln, weil die Iren „die richtige Medizin“ gegen die Krise zu sich nähmen, gingen wir im Falle von Argentinien grundsätzlich erst einmal negativ zur Sache: Sie seien unverantwortlich, populistisch, ganz, ganz böse.

Vergleicht man den hochgelobten Nachbarn und BRIC-Staat Brasilien mit Argentinien, dann ist dieses, wenn man das Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2000 gleich 100 setzt, in Brasilien fast kontinuierlich gestiegen, mit einer leichten Delle in der Krise 2008-2009, und liegt jetzt bei etwa 150% bezogen auf das Jahr 2000. Argentinien stürzte zunächst bis 2002 steil ab auf etwa 85% um dann ebenso kontinuierlich wie Brasilien –nur steiler, stärker – anzusteigen und diesen Anstieg (abgeschwächt!) sogar 2008-2009 beizubehalten. Heute liegt Argentinien mit 180% um zwanzig Prozentpunkte über dem hochgelobten Brasilien. Haben wir das so wahrgenommen in Europa? Vermutlich eher nicht!

http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/05/03/down-argentina-way/

Matthew Yglesias zieht Argentinien sogar als Vorbild für die Südeuropäischen Krisenstaaten in Betracht. Anstatt Merkels bittere Brutal-Spar-Medizin anzuwenden, die den angeborenen Konstruktionsfehler des Euros in keiner Weise tangiert und die somit nicht zur Ursachenbewältigung der Krise beiträgt, solle man sich am Beispiel Argentiniens orientieren.

Argentiniens Problem war ein fester Wechselkurs zum US-Dollar, dem die Wirtschaft des Landes nicht gewachsen war. Die Verschuldung stieg und der IMF verweigerte schon fest zugesagte Mittel. Da stiegen die Argentinier aus dem Deal aus, kappten den festen Wechselkurs zum US-Dollar und hörten auf die Auslandsschulden zu bedienen. Das Land war auf sich alleine gestellt, das war der Absturz bis 2002, und dann hatte sich die Wirtschaft wieder erholt, Argentinien exportierte und der Tourismus florierte. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 6,7%, das ist ja schon beinahe Vollbeschäftigung!

Yglesias Resumée: Die Euro-Südstaaten sollten den Abschied aus der Gemeinschaftswährung ernsthaft in Betracht ziehen, die eher auf die Bedürfnisse Deutschlands zugeschnitten sei, als auf die der Südschiene Europas!

Ich teile diese Ansicht, denn mit Merkels dumpfen Gewalt-Spar-Exzessen sind die konstruktiven Geburtsfehler des Euros nicht beseitigt. Entweder eine andere EU, einen anderen Euro, oder einen Ausstieg der Südschiene aus der Gemeinschaftswährung! Alles andere wäre ein Leiden ohne Ende und eine unverantwortliche Zumutung für die jungen Generationen Europas:

50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit sind ein inakzeptabler Skandal der alles Positive, das es in Europa natürlich auch gibt, klar in den Schatten stellt!

http://www.slate.com/articles/business/moneybox/2012/05/spain_greece_and_portugal_should_quit_the_euro_it_s_the_only_way_to_save_their_doomed_economies_.html


Argentinien: Warum Spanien im Streit um die YPF-Enteignung die Hände gebunden sind!

26. April 2012

Nach anfänglich martialischer Kriegsrhetorik ist im politischen Spanien erfreulich schnell der gesunde Menschenverstand zurückgekehrt! Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

In Argentinien sind rund dreihundert spanische Firmen aktiv. Wenn die Argentinier so willkürlich und gesetzlos wären wie Spanien zunächst beklagte, dann gäbe es reichlich Erpressungspotential für Cristiana Kirchners neo-peronistische „Junge Wilde“. Diese dreihundert spanischen Firmen halten im Moment alle sehr still und den Ball flach.

Die Gesellschafterstruktur, deren verschlungene Finanzierung und die Geschäftspolitik von YPF lassen Fragen offen, an deren Beantwortung momentan niemand so richtig interessiert zu sein schein? So wurde in argentinischen Medien berichtet, YPF habe jährlich rund eine Milliarde Dollar an den Büchern vorbei produziert und ausgeschüttet und man fragt sich nun, wer diesen Geldsegen bekommen hat.

Mercosur, eine Vereinigung von vier Südamerikanischen Staaten, verhandelt gegenwärtig mit der EU. Die Forderung von Spaniens Außenminister, dabei Argentinien auszuschließen, wurde von der EU als absurd abgelehnt. Man könne nicht mit drei Viertel eines Zusammenschlusses verhandeln, hieß es dazu in Brüssel.

Die bisher einzige erfolgte Maßnahme Spaniens, der kunstvoll ausgetüftelte Ausschluss argentinischen Bio-Diesels vom spanischen Markt, ist vom Volumen her gesehen nicht gravierend und kostet die spanischen Verbraucher einfach nur mehr Geld! Ein populistischer Schnellschuss der Rajoy-Regierung ins eigene Knie!

Argentinien hat offen gelegt, dass Repsol/YPF für den Finanzbedarf zur Erschließung der nichtkonventionellen Öl- und Gasvorkommen in „Vaca Muerta“ zu wenig finanzstark ist und womöglich auch für diese spezielle Aufgabenstellung über zu wenig Knowhow verfügt. Der Versuch, weitere Gesellschafter ins Boot zu holen und selbst mehr als Händler, als Agent zu wirken, deutet darauf hin. Immerhin werden über zehn Jahre jährlich 19 Milliarden benötigt. Das ist eine Menge Holz!

Der zunehmend klarer zu Tage tretende Raubtier-Kapitalismus wird künftig häufiger dazu führen, dass größere westliche Konzerne, kleinere westliche Konzerne gnadenlos fressen, wenn sich die Chance dazu bietet.

Die US-Reaktion auf die Enteignung und Verstaatlichung der YPF war sehr verhalten und gerade noch formal als diplomatisch-höflich zu bezeichnen. Das versteht man aber wenn man hört, dass Argentinien längst mit US-Firmen über Formen der Beteiligung und Zusammenarbeit bei der Erschliessung und Ausbeutung von „Vaca Muerta“ im Gespräch ist.

Streit könnte es hier nur geben, wenn die rund 17 Prozent der YPF-Aktien, die US-Hedgefonds gehören, mit dem Firmenwert von YPF wertmäßig „heruntergerechnet“ werden um die Kompensation Repsols zu verbilligen. Deshalb wird Argentinien wohl eher den Weg der „Verrechnung“ gegen echte und fiktive Umweltschäden unter der Verantwortung von Repsol wählen? Das würde dann bedeuten, dass Repsol nichts, die US-Hedgefonds aber ihre erwarteten Dividenden bekommen würden.

Im Hintergrund zeichnet sich für Spanien aber ein grundsätzliches – und wie ich finde – schwerwiegendes Problem ab. Das Land hat ganz Süd- und Mittelamerika, als seine historischen Kolonien mit der Expansion spanischer Firmen überzogen. Man teilte die Sprache, die Geschichte, die Kultur und glaubte zumindest die Geschäftsgebahren zu kennen. Spanien hatte auf diesen Märkten zunächst tatsächlich einen „Heimvorteil“. Für viele spanischen Firmen sind die amerikanischen Geschäfte inzwischen von existenzieller Bedeutung. Die Wirtschaftskrise im Mutterland verstärkt diesen Trend noch. Durch das Wachsen dieser amerikanischen Märkte stieg auch das Selbstvertrauen der nationalen Akteure, die sich immer öfter fragen, wozu man die einstige Kolonialmacht eigentlich wirklich noch braucht? Und dann wäre da auch noch Exportweltmeister China, der verstärkt und erfolgreich in Südamerika Fuss fasst. Der Kontakt Repsols über die mögliche Beteiligung einer chinesischen Ölfirma im Projekt „Vaca Muerta“ könnte in diesem Fall der Tropfen gewesen sein, der das Fass zum Überlaufen brachte? Wenn die USA am Ende China in Schach halten und dabei eigene Pflöcke einschlagen können, dann werden sie Cristina Fernández de Kirchner wohl nicht lange böse sein…

Es zeugt von einer gewissen Hilflosigkeit der spanischen Politik in diesen Fragen, wenn am Ende – wie von der Rajoy-Regierung bereits angedroht – der berüchtigte Elefantentöter Juan Carlos, wenn Hüfte und Blondine mitspielen, „die Kuh vom Eis holen“ soll.


Argentinien: Repsol kündigt rechtliche Schritte gegen jede Firma an, die versucht in die enteignete YPF einzutreten!

23. April 2012

Die argentinische Regierung versucht angeblich bereits Partner zum Betrieb und zur Operation der Energiefirma YPF zu finden und hat angeblich Kontakte zu PETROBAS (Brasilien) und CONOCO PHILLIPS und ExxonMobil (beide USA) hergestellt. (FINANCIAL TIMES)

Dies sollen nur die ersten von einer Reihe von Kontakten zu Energiefirmen sein, die die argentinische Regierung in den nächsten Tagen herstellen wolle. So wolle man Vereinbarungen zur Erhöhung der Produktion treffen.

Auch mit der kanadischen Firma TALISMÁN wolle man verhandeln. Mit der französischen TOTAL habe man die Steigerung der Produktion zweier Gasfelder vereinbart.

Zur Ausbeutung der neuentdeckten, nicht konventionellen Öl- und Gasvorräte der  „Vaca Muerte“ (der toten Kuh) benötige man über ein Jahrzehnt eine jährliche Investitionssume von 19 Milliarden Euros, oder 190 Milliarden Euro insgesamt!

Möglicherweise hat die argentinische Regierung einfach festgestellt, dass dieses Investitionsvolumen die Möglichkeiten von Repsol bei Weitem übersteigt und hat deshalb die Notbremse der Verstaatlichung gezogen?

Ab nächsten Monat sollte die GRUPO PETERSEN Ihre Anteile an YPF bezahlen, die bisher Kredit- bzw. Darlehensfinanziert sind. Es dürfte ihr wohl schwer fallen diese – mindestens – 2,5 Milliarden aufzutreiben. So dürfte auch über dem Imperium der Eskenazis, die sich einst angeblich auf Wunsch des Ex-Präsidenten Néstor Kirchners ( zu dem der Senior der Gruppe, Enrico Eskenazi über viele Jahre ein sehr enges Verhältnis hatte) an der YPF beteiligten, ein Fragezeichen stehen?


Argentinien: Kirchner kontert Rajoy!

21. April 2012

Sie weist die von Spanien beschlossenen Repressalien gegen ihre souveräne Entscheidung der Verstaatlichung der YPF als unwirksam zurück und kontert mit dem Artikel 128 der spanischen Verfassung. Dieser erkenne staatliche Eingriffe in wirtschaftliche Prozesse ausdrücklich an, wenn das öffentliche Interesse dies erfordere!

Der von Spanien boykottierte argentinische Biodiesel, rund 400.000 Tonnen, könne von Argentinien leicht selbst im Land verbraucht werden. Im Übrigen sei dies eine Jahre alte Forderung der spanischen Landwirtschaft*, denn der argentinische Biodiesel sei sehr viel billiger als der in Spanien produzierte. Wenn Spanien an die eigenen Unternehmer höhere Preise bezahlen wolle, dann sei dies eine souveräne Entscheidung, die sie nicht in Frage stellen wolle. (Knapp die Hälfte des in Spanien verbrauchten Biodiesels stammt aus Argentinien. Es würde billiger angeboten als der unverarbeitete Ausgangsstoff Soya! Von der rund 50 spanischen Erzeugern arbeiteten derzeit nur 19. Die restlichen mussten wegen des Kostendrucks die Produktion einstellen).

Sie würde deswegen keinen Protest bei der Welthandelsorganisation (OMC, WTO, WHO) einlegen. Die EU und die USA seien im Übrigen die protektionistischsten Wirtschaftsblöcke dieses Planeten, fügte Kirchner hinzu.

Dann gab sie Rajoy noch eine persönliche Botschaft mit: Sie erinnerte an dessen heftige Opposition als 2008 die russische LUKOIL bei REPSOL einsteigen wollte. Dies habe die spanische Regierung damals durch staatlichen Eingriff verhindert.

Sie selbst sei die Enkelin spanischer Großeltern und erinnere sich noch an die Solidarität Argentiniens mit dem international isolierten Franco-Spanien der Nachkriegszeit. Sie erinnere  an die Reise von Evita Perón, die Nahrung nach Spanien brachte, in dieses gebrochene Spanien nach dem Bürgerkrieg.

Unterstützung bekam Kirchner von ihrem Vorgänger Carlos Menem, unter dessen Regierung die Privatisierung der argentinischen Ölindustrie seinerzeit erfolgte. Die Situation habe sich seit damals grundlegend verändert, sagte Menem und fügte hinzu, niemand würde Investitionen in Argentinien unterlassen, weil eine Regierung ihre Rechte ausübe…

http://www.lavanguardia.com/economia/20120420/54284677577/argentina-no-respondera-medidas-economicas-espanolas.html

*(Einen fast identischen Plan der Kontingentierung der Einfuhr von Biodiesel nach Spanien hat die Zapatero-Regierung bereits im Juli 2011 erarbeitet! Es handelt sich also bei der „Reaktion“ Rajoys auf Kirchners Verstaatlichung um alte spanische Pläne.)

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Die argentinische Regierung „bewirbt“ die Verstaatlichung der YPF mit folgendem Spot:


Argentinischer Saustall: Kirchners Kollateralschaden bei der Verstaatlichung der REPSOL-Tochter YPF.

20. April 2012

Eigentlich sah alles ganz einfach aus für Cristina Kirchner. Sie wollte YPF verstaatlichen und damit die Kontrolle über Argentiniens Energieressourcen zurück gewinnen. Daran hatte angeblich schon ihr verstorbener Mann und Vorgänger im Präsidentenamt, Néstor Kirchner gedacht.

Dazu benötigte sie 51% und damit die Mehrheit für Argentinien bei YPF. Sie wollte sich dabei nicht mit mächtigen US-Hedgefonds (17,11%) anlegen und auch die argentinische GRUPO PETERSEN (25,46%) der Bankerfamilie Eskenazi schonen. Da blieb auf den ersten Blick nur ein „Schlachtopfer“ übrig, die spanische REPSOL mit ihren 57,43%.

Jetzt stellt sich aber heraus, dass der Anteil der GRUPO PETERSEN zum größten Teil finanziert wurde, zum Teil sogar von REPSOL selbst(!), und bisher überhaupt nur Zinsen bezahlt worden sind, keinerlei Tilgungen, also Eigenkapitaleinzahlungen bei YPF. Diese Zinsen waren vertraglich aus den Dividendenzahlungen der YFP zu zahlen. Eigentlich eine sehr listige, ungewöhnliche, sich selbst finanzierende Investition ohne viel eigenes Geld einzubringen.

Man muss sich schon fragen, wer diesen Deal, überhaupt und aus welchen Gründen, eingestielt hat? Wessen Strohmann ist die GRUPO PETERSEN? Wie kann der REPSOL-Vorstand dies seinen Aktionären erklären? Ist dies nicht Veruntreuung zu Lasten von REPSOL?

So lief der Coup ab:
2008 kaufte PETERSEN 25% von YPF in zwei Tranchen. Im Februar 2008 die ersten 15% und im Mai 2011 folgten die restlichen 10%. Der Wert des Kaufes wurde mit über 2,5 Milliarden bezeichnet. (Leider erwähnt der Artikel nicht die Währung! Nehmen wir deshalb an, es handele sich um US-Dollar, bei Euros wäre der Schaden noch größer!)

Die ersten 15% kosteten 1,7 Milliarden von denen die PETERSEN nur 4,5% oder 77 Millionen an Eigenkapital einbrachten, die restlichen 95,5% wurden Kreditfinanziert zu je 50% zwischen Banken und REPSOL(!).

Bei den restlichen 10%, der zweiten Tranche von etwa 1 Milliarde, zahlte PETERSEN überhaupt kein Eigenkapital ein. Sie wurde zu 100% mit Darlehen finanziert. Davon steuerten Banken 52% und REPSOL(!) selbst 48% bei! PETERSEN hatte sich also mit 77 Millionen einen Firmenwert von über 2,5 Milliarden und die Kontrolle bei YPF gesichert. Das nenne ich ein Geschäft!

Das Ergebnis:
Die Familie Eskenazi schuldet den Banken rund 1 Milliarde und REPSOL 1,542 Milliarden! Sie hat ihren 25%-Anteil an YPF praktisch für 2,5% eigenes Geld „geschenkt“ bekommen!

Die Frage:
Wer macht solche Geschäfte? Welcher Vorstand bei YPF und bei REPSOL stimmt solchen Deals zu? Die Eskenazis hatten eine Sperrminorität und damit erheblichen Einfluß auf die Geschäftsentscheidungen und die Kontrolle von YPF „gratis“ bekommen!

Die Eskenazis sollten ab 2013 Eigenkapital einzahlen. Bis dahin zahlten sie nur Zinsen auf die Kredite und Darlehen „NUR AUS DEN AUSGESCHÜTTETEN DIVIDENDEN“.

Zu den Milliardengläubigern unter den Banken zählen CREDIT SUISSE, GOLDMAN SACHS, BNP PARISBAS, CITY, ITAÚ und SANTANDER.

Immer vorausgesetzt, diese Fakten stimmen, dann hat die Firma REPSOL mindestens ebenso viel zu erklären wie Cristina Fernández de Kirchner, die neue Buhfrau des internationalen Finanzkapitals!

http://www.lavanguardia.com/economia/20120420/54284994607/eskenazi-deben-2500-millones-repsol-banca-25-ypf.html

NACHTRAG:
Es soll im Vertrag des Eintritts der GRUPO PETERSEN in die YPF eine Klausel geben, die REPSOL verpflichte im Falle des Kontrollverlustes bei YPF den gesamten Anteil der GRUPO PETERSEN zurückzukaufen. Experten sehen diesen klausulierten Vertragsfall mit der Enteignung REPSOLs eingetreten. Es könne also sein, dass REPSOL zwar nichts mehr zu sagen habe bei YPF, trotzdem aber die Schulden und Verpflichtungen der GRUPO PETERSEN nun übernehmen müsse. Es scheint, als sei die GRUPO PETERSEN lediglich ein Strohmann gewesen, des verstorbenen argentinischen Ex-Präsidenten Néstor Kirchner vielleicht?

http://economia.elpais.com/economia/2012/04/20/actualidad/1334914649_079912.html


Spanier stufen Cristina Fernández de Kirchner auf Schurkenstatus ab!

19. April 2012

Über 80% der Spanier halten die Enteignung  von 51% der Anteile von YPF, entnommen ausschließlich vom Mehrheitsanteil REPSOLs an der Tochterfirma YPF, für schwerwiegend. Diese 51% sollen künftig zwischen argentinischen Provinzen und dem Staat aufgeteilt werden.

Der spanischen Energiefirma verbliebe so von ihren bisherigen 57,43% nur ein Minderheitsanteil von 6,43 %. Sie könnte künftig auf die Geschäfte der YPF keinen Einfluss mehr nehmen.

Unangetastet bliebe die Sperrminorität von 25,46% der argentinischen GRUPO ESKENAZI, sowie die 17,11% die US-Hedgefonds gehören. REPSOL soll für die Enteignung entschädigt werden.

Über den Wert des Anteils gehen die Meinungen weit auseinander. Ausserdem behält sich Argentinien vor, diesen gegen Umweltschäden zu verrechnen, die YPF in Argentinien begangen haben könnte! Die Einigung könnte also etwas Zeit in Anspruch nehmen…

Argentinien hatte REPSOL als Begründung dieser Enteignung Versäumnisse und Fehler in der Geschäftspolitik sowie einseitige Gewinnorientierung vorgeworfen.

Die Ende 2011 entdeckten großen Energiereserven im Gebiet Vaca Muerta (Tote Kuh) sollen künftig schnell und in ausreichender Menge gefördert werden um die für dieses Jahr benötigten Energie-Importe im Wert von rund 10 Milliarden Euro künftig zu vermeiden. Argentinien soll so schnell wie möglich vom Importeur zum Exporteur werden, sagt Kirchner.

Bei einer telefonischen Umfrage des Real Instituto Elcano werteten 1.000 Befragte die argentinische Präsidentin ab auf das Ansehens-Niveau von Vladimir Putin oder Raul Castro!

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PS: Aber auch der Französische Präsident Sarkozy und der Italienische Premierminister Monti wurden für ihre wiederholten Spanien-kritische Äusserungen in jüngster Zeit abgestraft!


Die Gase der toten Kuh weckten Kirchners Begehren, meint REPSOL!

17. April 2012

Der Präsident von REPSOL Antonio Brufau schrieb, sozusagen als letzten Versuch die Enteignung von REPSOL bei der Tochterfirma YPF zu verhindern, einen Brief an die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, den diese als Unverschämtheit und Affront wertete und der schließlich die Dinge in Bewegung brachte, aber anders als Brufau sich dies vermutlich beim Schreiben vorgestellt hatte.

Kirchner veröffentlichte den Inhalt des Briefes und bewertete ihn sehr freimütig:
Anstatt zu investieren sei es die Politik von REPSOL gewesen, maximalen Profit aus dem Unternehmen zu ziehen. Seit der Übernahme von YPF seien 13,423 Milliarden Dollar an Dividenden ausgeschüttet aber zu wenig investiert worden!

Der Brief des REPSOL-Präsidenten Antonio Brufau belege ausserdem, dass YPF und REPSOL aktuell überhaupt nicht in der Lage seien, die Suche und Förderung zu steigern und zu diesem Zweck den argentinischen Staat sowie Dritte Unternehmen als Subunternehmer ins Spiel brächten. REPSOL selbst wolle lediglich als eine Art Zwischenhändler, als Agent eingeschaltet sein und mitverdienen.

Das Problem sei nur, dass REPSOL dabei etwas anbieten wolle, das der Firma gar nicht gehöre, sondern Argentinien und seinen Provinzen! Eine schamlose Unverfrorenheit und ein Offenbarungseid sei das, wertete die argentinische Regierung das REPSOL-Schreiben, dass dem Parlament vorgetragen wurde.

REPSOL und die Spanier sehen die Dinge naturgemäß anders! Der Kauf im Jahre 1999, in einem günstigen Moment zum Schnäppchenpreis von 13,4 Milliarden Euro, habe aus dem regionalen Anbieter REPSOL einen Global Player gemacht und ihn innerhalb eines Jahres auf Platz 8 der Ölproduzenten und auf Platz 15 der weltweiten Energieanbieter katapultiert. Die FINANCIAL TIMES zeichnete den damaligen REPSOL-Präsidenten Cortina sogar für die Fusion des Jahres aus!

An den Schwierigkeiten und atmosphärischen Störungen sei der argentinische 25,46% Minderheitspartner mit Veto-Recht, die GRUPO PETERSEN-ESKENAZI schuld, die von der argentinischen Regierung zur „Nationalisierung“ YPFs in Spiel gebracht worden sei. REPSOL habe mit allen politischen Mitteln, bis hin zum Einsatz des berüchtigten Elefantentöters Juan Carlos, versucht das Klima zu verbessern.

Das war auch angebracht, denn die YPF sei für REPSOL von entscheidender Bedeutung: YPF steuert rund die Hälfte der Tagesproduktion von REPSOL (472.000 Barrel/Tag) bei und etwas weniger als die Hälfte der bekannten Reserven (1.000 / 2.180 Millionen Barrel) sowie ein Drittel des Bruttogewinnes (1.23 Milliarden Euros).

Ausserdem habe YPF insgesamt 8,33 Milliarden Euro in Argentinien investiert und 2,6 Milliarden Euro an Dividenden an die verschiedenen Aktionäre ausgeschüttet. (Dies steht im klaren Widerspruch zu Kirchners Aussagen!)

Die falsche Wirtschaftspolitik der argentinischen Regierung habe zu den aktuellen Schwierigkeiten geführt und die Entdeckung eines riesigen, nicht konventionellen Öl- und Gasvorkommens in einer toten Kuh* auf dem Gebiet der Provinzen Neuquén und Mendoza habe Begehrlichkeiten geweckt, die zu den aktuellen Entwicklungen beigetragen hätten!

http://economia.elpais.com/economia/2012/04/12/actualidad/1334265948_064598.html

*(Das Fundgebiet wird Vaca Muerta, tote Kuh genannt!)