Spanien: Wie man pragmatisch mit Streiks umgeht!

17. September 2012

Spanien: Landesweiter Streik der Bahn (RENFE) gleichzeitig überlappende Streiks der öffentlichen Verkehrsmittel in Madrid und Barcelona. Nahverkehrszüge, die U-Bahnen und die Busse haben einen 24-stündigen Streik begonnen. Aufgerufen haben die verschiedenen Gewerkschaften, zu unterschiedlichen Zeitpunkten, aus unterschiedlichen, höchst ehrenwerten Gründen.

Das Arbeitsministerium hat eine garantierte Mindestversorgung von 73 Prozent der Fern- und Hochgeschwindigkeitszüge, von 75 Prozent bei den Nahverkehrszügen im Raum Madrid zu den Spitzenzeiten und von 65 Prozent bei den Zugverbindungen zwischen Städten verfügt.

Es fällt also im Prinzip nur jeder vierte Zug, jede vierte U-Bahn aus. Das ist ärgerlich und sicher unbequem aber kein Weltuntergang. Ausserdem überlappen sich dabei verschiedene Streiks, die von den verschiedenen Gewerkschaften aus unterschiedlichen Gründen ausgerufen worden waren. So fällt auch ein landesweiter Streik von RENFE, der spanischen Bahngesellschaft, auf dieses Datum.

Das ist spanischer Pragmatismus: Man lege mehrere Streiks auf das selbe Datum und setze die Mindestversorgung hoch an! Dann haben alle Beteiligten ihr Gesicht gewahrt und kommen schon irgendwie klar.

Währe dies kein allgemeines Modell in einer neokonservative Wirtschaft? Man terminiere alle denkbaren und möglichen Streiks verbindlich auf einen einzigen Tag  und lege dann die gesetzlich vorgeschriebene Mindestversorgung auf 75 Prozent, y ya està!

Durch die Akkumulation verschiedener Streiks werden praktisch bereits ausfallende Züge erneut virtuell bestreikt. Darauf muss man erst einmal kommen, liebe Gewerkschaften! Der zuerst festgelegte Streik ist der eigentlich wahre, die draufgesattelten Streiks sind Scheinstreiks ;-)

http://www.huffingtonpost.es/2012/09/16/el-metro-madrid-y-de-barc_n_1887902.html?utm_hp_ref=spain