Luis de Guindos: Märchenstunde im spanischen Kongress!

20. April 2016

Der spanische Interim-Wirtschaftsminister der 10. Legislaturperiode beehrte sich das regierungslose Nachfolgeparlament der 11. Legislaturperiode mit seiner freiwilligen, großzügigen Anwesenheit zu beehren. Er legte die neuen Planzahlen 2016 und 2017 der Rajoy-Regierung vor, welche eine künftige Regierung dann einhalten soll. Vielleicht plant man besonders locker und kreativ, wenn andere diese Zahlen später realisieren sollen?

Die spanische Staatsverschuldung beträgt inzwischen 100% des BIP.
Die Neuverschuldung 2016 soll 3,6% betragen und damit „NUR“ 20% über dem von der EU erlaubten Niveau liegen. 2015 lag sie mit 5% um 66% oder Zweidrittel über EU-Plan!

Diese Pläne hält die Regierung normalerweise nicht ein, sie sind notorisch optimistisch. Damit hält Spanien in den letzten zehn Jahren zum vierten Mal die mit der EU vereinbarten Zahlen nicht ein. Außerdem würden sich die von der EU verlangten Kürzungen der Ausgaben negativ auf das geplante Wirtschaftswachstum von 2,7% auswirken. Spaniens hochgelobtes Wachstum basiert also hauptsächlich auf Pump, historisch niedrigen Zinsen und Energiekosten, sowie einer inzwischen nahezu exklusiven Tourismusindustrie, weil die typischen Urlaubsregionen ums Mittelmeer sich inzwischen in Krisenregionen gewandelt haben, die von den Touristen gemieden werden!

Die geplante Arbeitslosenquote soll 2016 19,9% und im Folgejahr 2017 noch 17,9% betragen. Dazu müssten in den kommenden beiden Jahren aber 900.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Vor der Krise in 2008 betrug sie 11,2%. Sie liegt also noch immer fast doppelt so hoch wie damals!

Die Banco de España und der IWF / FMI / IMF sehen das kritischer. Sie glauben nicht an die geschönten Zahlen der spanischen Interimregierung Rajoy.

Defizit in % lt. Regierung Rajoy / lt. IWF / lt. Banco de España:

2016 = 2,8% / 3,38% / 4,4%
2017 = 1,4% / 2,48% / 3,4%

Kein Zweifel, die Banco de España „kennt ihre Papenheimer“ am Besten!


IWF an Spanien: Schön weiter kürzen, Mariano!

17. August 2015

Der IWF hat dem Vorzeige-Reform-Land Spanien (so Ministerpräsident Mariano Rajoy, PP), das bekanntlich ja kein Rettungspaket brauchte um seine Banken zu retten, sondern nur die Zusage notfalls die benötigten Gelder bekommen zu können, eine kalte Dusche verpasst.

Mariano Rajoy hatte ja immer voller Stolz darauf hingewiesen, dass eine äußere Einmischung in Spaniens Wirtschafts- und Steuerpolitik für ihn und sein Land völlig außerhalb des Bereichs des Vorstellbaren läge und nun das!

Nach einem einleitenden Höflichkeitslob für das bisher Erreichte kam man beim IMF gleich direkt zur Sache:

Der noch immer zu unflexible Arbeitsmarkt, die hohe Arbeitslosigkeit und die geringe Produktivität von Teilen der spanischen Wirtschaft wurden reklamiert. Das muss in den Ohren der Millionen Spanier, die heute mit schlechteren Arbeitsverträgen, sehr oft Zeitverträgen, mit weniger Urlaub, zu geringeren Löhnen als vor der Krise von 2008 arbeiten, wie ein Hohn klingen. Dazu lobte der IWF die niedrigen neuen Löhne und die geringen Lohnsteigerungen dieses Jahres. Es lebe die Sklaverei! Unter diesen Bedingungen würde die Arbeitslosigkeit von 26% in 2013 auf geschätzte 22% Ende 2015 sinken und sich so langsam dem Fernziel 16% annähern.

Außerdem höhnte der IWF weiter, dass diese erfreuliche Wachstum nur unter günstigen Begleitbedingungen wie niedrigen Energiepreisen, der Euro-Abwertung und den Hilfen der EZB, der Europäischen Zentralbank, wie Null-Zins-Krediten zu Stande gekommen und deshalb prinzipiell anfällig sei…

Man habe bei IMF den Eindruck, dass Spaniens Reformeifer etwas nachlasse und so fordert die Organisation mit Schulden-Domina Christine Lagarde* an der Spitze weitere Kürzungen, speziell genannt werden dabei der Sozial-, der Gesundheits- und der Erziehungsbereich und Mehrwertssteuererhöhungen in den Bereichen wo bisher noch reduzierte Steuersätze existierten. Auch sollten spezielle Steuern, z.B. im Umweltbereich eingeführt werden.

Laut FMI existierten regional weitere Sparmöglichkeiten im Öffentlichen Dienst, dem Gesundheits- und dem Bildungssektor! Dazu sollten mehr Kompetenzen an die Autonomien delegiert werden. Mehr Kompetenzen, das ist zwar genau das, was die Autonomien hören wollen, diese auszunutzen um weitere schmerzhafte Einschnitte durchzuführen, dürfte den Menschen in den Autonomien wohl nur schwer vermittelbar sein? Der IWF ist unersättlich!

Es soll mehr von direkten zu indirekten Steuern gewechselt werden um das Wachstum nicht zu bremsen. Rajoy bekam von Lagarde den öffentlichen Rüffel mit dem Reformeifer nachzulassen und die Hausaufgabe künftig ein halbes Prozent des jährlichen Brutto-Inlandproduktes BIP einzusparen um die hohe Verschuldung abzubauen. Dies kann Mariano Rajoy angesichts anstehender nationaler Wahlen im November nicht gefallen, bei denen er sich den Spaniern als einziger seriöser Reformer präsentieren will, in einem Meer von linken Spinnern und Träumern, die das Geld mit beiden Händen aus dem Fenster werfen…

Man sieht hier schön wie der IWF sich zuständig fühlt, sich in die inneren Angelegenheiten eines großen EU-Landes einzumischen! Mit welcher Kompetenz übrigens? Bei „geretteten Ländern“ ist der IMF in der Regel als Kreditgeber mit im Boot und hat daher eine Berechtigung der Einmischung, aber hier „im Vorzeigemodell der erfolgreichen Restrukturierungen“ Spanien? Que raro es esto..

_____
Alles eine Kacke:
IWF = Internationaler Währungsfond, IMF = International Monetary Fund, FMI = Fondo Monetario Internacional
*(Christine Lagarde, unvergessen ihre Ergebenheitsadresse als Französische Wirtschaftsministerin an ihren damaligen Chef und Schuldenkönig Nicolas Sarkozy: „Ich stehe dir zu hundert Prozent zur Verfügung. Du kannst mit mir machen, was du willst!“ Die Sache mit den Schulden hat Lagarde übrigens erst gestört als sie ihren neuen Job auf der anderen Seite des Atlantik antrat…)


Es geht aufwärts: Eine Arbeitslose weniger in Spanien!

8. November 2014

Eine junge, supergutqualifizierte Frau bekam einen Job bei der Weltbank, der ihr steuerfreie 14.000 Dollar pro Monat einbringt.

Ihr Job: Spanien zu repräsentieren in der Weltbank.

Was sprach für sie? Neben ihrer superguten persönlichen Qualifikation war anscheinend der Umstand nicht schädlich, dass die junge Frau die Nichte des spanischen Wirtschaftsministers und Ex-Goldman-Sachs-Bankers Luis de Guindos ist, der allerdings selbst eher als eine rechte Pfeiffe gilt…


Die Sorgen der Spanier: Arbeitslosigkeit, Rezession, Korruption, Politik!

6. Juni 2013

In einer Umfrage des CIS im Mai nannten 82 Prozent der befragten Spanier die Arbeitslosigkeit an erster Stelle ihrer Sorgen.

Die in der Rezession dümpelnde Wirtschaft lag mit knapp 35 Prozent auf dem zweiten Platz des Negativ-Rankings.

Es folgten mit 31 Prozent Korruption und Betrug auf Platz drei.

Auf dem vierten Platz kam mit 30 Prozent die politische Klasse, Politiker und Parteien.

42 Prozent erwarteten eine weitere Verschlechterung der Lage binnen eines Jahres.

Über 90 Prozent der Spanier bezeichneten die Lage ihres Landes als schlecht oder sehr schlecht.

Rund zwei Drittel hielten es für unwahrscheinlich oder wenig wahrscheinlich innerhalb eines Jahres Arbeit zu finden.

Nach Alternativen für die Organisation des Landes oder der Staatsform gefragt, waren 31 Prozent dafür alles unverändert so zu lassen wie es heute ist, also einen Staat mit Autonomien.

Einen Zentralstaat ohne Autonomien wünschten sich 23 Prozent.

Gerade mal 14 Prozent wünschten sich mehr Autonomie als dies heute der Fall ist.

52 Prozent der befragten Menschen in Autonomien fühlten sich ebenso als Spanier wie als Angehörige ihrer Autonomie.

Nur als Spanier fühlten sich 15 Prozent.

Ausschließlich als Angehöriger ihrer Autonomie fühlten sich ganze 6 Prozent!

Gell Herr Mas, ganz schön blamabel diese letzte Zahl, nach all dem sezessionistischen Propaganda-tamtam der letzten Monate?


Spanien Pleite?

12. Mai 2013

Jeremy Warner(sic!), einer der führenden Wirtschaftsjournalisten des UK, warnte am 10. Mai 2013 im TELEGRAPH, dass der Internationale Währungsfond, IWF in seinem letzten Bericht vom April Spanien – so klar wie überhaupt in der Diplomatie üblich und möglich – als Pleite bezeichnet habe!

Als Beleg für seine Behauptung führt er das nahezu stabile Haushaltsdefizit Spaniens über den gesamten Zeitraum der IWF-Übersicht bis ins Jahr 2018 an. Die jährlichen Prognosen schwankten nur im prozentualen Dezimalbereich.

Das sogenannte strukturelle Defizit soll im Beobachtungszeitraum sogar von jetzt 4,2% auf 5,7% steigen und dies unter Berücksichtigung aller bisher bekannten Sparmaßnahmen und „Reformen“ der spanischen Regierung!

Die strukturelle Verschuldung Spaniens werde 2018 sogar schlechter sein als in den „chronischen Schuldenstaaten“ USA und dem Vereinigten Königreich. Die Gesamtverschuldung Spaniens soll von gegenwärtig 84,1% auf dann 110,6% ansteigen. Keine andere entwickelte Volkswirtschaft weltweit weise eine derart dramatisch verschlechterte Prognose auf.

Der Autor glaubt, dass Spanien keine Chance habe, die maximale geduldete Schuldenobergrenze der EU von 3% jemals zu erreichen, sich statt dessen neu verschulden müsse um Altschulden zu bedienen und deshalb auf geradem Weg in die Pleite sei!

Ohne weitere Sparexzesse sei dieses Ziel nicht zu erreichen, aber diese seien bei einer Gesamtarbeitslosigkeit von über 25% nicht vorstellbar. Er glaube deshalb, dass eine Restrukturierung der Verschuldung Spaniens unvermeidlich sei.

Die EU habe Griechenland als Ausnahmefall bezeichnet, aber dann kam Zypern. Spanien habe gehofft, sich in die Europäische Bankenunion retten zu können und deshalb die Rekapitalisierung seiner Banken hinausgezögert. Verzockt!

Zypern habe exemplarisch gezeigt, dass künftig die Sparer und ihre Einlagen zur Fianzierung der Schulden herangezogen werden würden. Die Beschlagnahme von Guthaben sei allzu wahrscheinlich. Zwar wolle er (der Spaßvogel!) keine Panik herbeireden, aber es sei das einzig rationale Verhalten, sein Geld aus Spanien abzuziehen.

Als Ausnahme sieht er lediglich den britischen Ableger der BANCO SANTANDER, der zumindest theoretisch, gegen das Mutterhaus in Spanien abgesichert sei…

Zwei Tage später widersprach der IWF diplomatisch, „dass es aus der Sicht des IWF unkorrekt sei, aus den Prognosen seiner Finanzübersicht bis 2018 eine Pleite Spaniens zu interpretieren!“

Zukünftige Maßnahmen, die man erwarte, seien natürlich in die Prognosen nicht eingerechnet.

Als dissonante Begleitmusik dazu findet die Rating-Agentur FITCH, dass Spaniens Immobilienpreise die seit 2007 schon um 24% gefallen seien, noch einmal um etwa den gleichen Prozentsatz sinken müssten und damit auf etwa die Hälfte von 2007 um sich dort zu stabilisieren…

Gleichzeitig zitiert der SPIEGEL ein Papier der Merkel-Regierung, das weitere Reformen auf Spaniens Arbeitsmarkt einfordert. Auf einem Markt, der bereits jetzt von extremer Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist, soll also laut Merkel weiterhin flexibel gefeuert werden können? Die lernt es nie…


Spanien: Streiflichter zur Krise aus ULTIMA HORA, EL PAÍS.

1. Juni 2012

Spanien war im März das EU-Land mit der höchsten Arbeitslosigkeit (24,3%), gefolgt von Griechenland (21,7%), Lettland (15,2%) und Portugal (15,2%).

Die EU-Länder mit der geringsten Arbeitslosigkeit waren Österreich (3,9%), Luxemburg  und die Niederlande (beide 5,2%) sowie Deutschland (5,4%).

Spanien hievt die Arbeitslosenquote in der EU auf satte 11%. Im Euro-Raum gibt es 17,4 Millionen, in der ganzen EU gar 24,6 Millionen Menschen ohne Arbeit!

Der Verkauf von Neuwagen in Spanien stürzte im Mai um 8,2% auf 72.442 Fahrzeuge ab und wird bis zum Jahresende auf dem Niveau von Marrokko angelangen.

Der Risikoaufschlag Spaniens für neue Kredite stieg angesichts der fehlenden Lösung der Bankenkrise auf den Rekordwert von 542 Basispunkte bezogen auf den deutschen Bezugswert. Zehnjährige Anleihen kosteten 6,5%. Ab sieben Prozent werden Rettungsmaßnahmen der EU und des IMF erwartet.


Wird Frau Merkel zum Totengräber des Euros und der EU?

16. April 2012

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass am westlichen Ufer des Atlantiks nicht nur der Blickwinkel sondern auch die politische und ökonomische Interessenlage eine andere ist. Trotzdem sind die folgenden Erkenntnisse deshalb nicht von der Hand zu weisen:

Die NEW YORK TIMES spekuliert darüber, dass Spanien zum nächsten Opfer von Merkels Missis-Management der Euro-Krise werden könnte!
Merkels Sparorgie, ihr wenig orginelles Allheilmittel gegen alle Krisensympthome, funktioniere bisher nirgendwo und würde auch in Spanien nicht funktionieren.

Nach ein paar Wochen der Ruhe und riesigen Liquiditätsinjektionen, versinken die Länder tiefer in der Rezession, die Arbeitslosigkeit und die Defizitprognosen steigen an. Die Geldmärkte reagierten besonders nervös auf Spanien und Italien, zwei der größten Volkswirtschaften der Europäischen Union.

Spanien sei bereits gebeutelt von einer Arbeitslosigkeit auf dem Niveau einer Depression. Aber es werde wohl noch schlimmer kommen wenn Ministerpräsident Rajoy das Defizit in zwei Jahresschritten von 8,5 auf 5,3 Prozent zusammenknüppeln wolle, nachdem die EU Ende März sein Gnadengesuch abgeschmettert habe!

Dieses Ziel sei vermutlich unerreichbar. Selbst die optimistischsten Prognosen erwarten einen Rückgang der spanischen Wirtschaft um mindestens zwei Prozent für dieses Jahr. Das sei eine zerstörerische Abwärtsspirale. Die Finanzmärkte hätten bereits auf die Unerreichbarkeit dieses Zieles gesetzt. Die Zinsen Spaniens steigen wieder in gefährliche Regionen.

Die Engstirnigkeit Frau Merkels und ihrer Partner führten dazu, dass Rajoy nun sogar substanzielle Einschnitte ins Bildungs- und Gesundheitssystem anstrebe.

Paul Krugman fragt in seinem OP-ED, ob der ergreifende Bericht in THE TIMES über einen Selbstmord aus wirtschaftlichen Gründen, nicht gar symbolisch für die Führer der EU sei, die dabei seien die ganze Europäische Union ökonomisch „selbst zu morden“?

Spanien sei das momentane Epi-Zentrum der Krise. Jeder wisse, dass es so nicht weitergehen könne und trotzdem fiele den Verantwortlichen nichts als das zusätzlich schädliche Brutal-Sparen ein. Vor der Krise hatte Spanien geringe Schulden und einen Haushaltsüberschuss. Unglücklicherweise hatte Spanien aber auch eine Immobilienblase die größtenteils durch Kredite deutscher Banken an ihre spanischen Partner überhaupt erst ermöglicht worden war.

Spaniens Finanzprobleme seien die Folge seiner Depression nicht ihre Ursache! Trotzdem kämen aus Berlin, sie erraten es gewiss,  noch mehr, immer neue Spar-Diktate.

Das sei einfach krank! Europa habe bereits jahrelange Erfahrung mit Sparprogrammen und deren Ergebnis sei stets haargenau das, was jeder Student wisse, diese Sparprogramme stiessen die betroffenden Wirtschaften tiefer in die Depression hinein.

Krugman forderte als Lösung des Problems die Aufgabe des Euros und die Rückkehr zu nationalen Währungen! Wenn man dies nicht wolle, dann bliebe nur der Weg einer höheren Inflationsrate um die Schulden schmelzen zu lassen.

http://www.nytimes.com/2012/04/13/opinion/an-overdose-of-pain-for-spain.html?_r=4&hp

http://www.nytimes.com/2012/04/16/opinion/krugman-europes-economic-suicide.html?src=me&ref=general#