Bluff oder Pleite: Will niemand Pate von Marine Le Pen, FN sein?

2. Februar 2012

Der LE FIGARO rätselt heute Morgen, ob Marine Le Pen eine große Blamage ins Haus steht, oder ob die Rechten von der FN wieder mal bluffen und sich in der Opferrolle suhlen?

Grund für die Spekulationen sind die Regeln des französischen Wahlrechts für die Präsidentschaftswahlen. Bis zum Stichtag, Freitag, dem 16. März 2012 müssen die Kandidaten ihre offizielle Bewerbung abgegeben haben. Mit diesem Datum spielt auch Sarkozy, der sich bekanntlich ja noch nicht offen als Kandidat erklärt hat. Zu dieser Bewerbung gehören aber auch 500 Patenschaften für den Kandidaten, die aus einer Gesamtheit von 42.000 gewählten Repräsentanten aller Ebenen des französischen politischen Systems per Unterschrift übernommen werden müssen. Seit dreissig Jahren stellte dies für die FN keine Hürde dar.

Jetzt jammert Marine Le Pen auf ihrer Wahlkampftour, dass sie gegenwärtig nur über 340 Patenschaftsversprechen verfüge. Alles diene dazu, „dass die Republik für die großen Parteien reserviert bleibe“, sagte einst ihr Vater Jean-Marie Le Pen, als die Zahl der benötigten Patenschaften im Jahr 1981 von hundert auf fünfhundert erhöht worden war.

Marine Le Pen behauptete, die Zahl ihrer Patenschaften läge um 70 bis 80 niedriger als zur gleichen Zeit im Jahr 2007, als ihr Vater am Ende 507 vorweisen konnte und so nur knapp über die Eingangshürde der Bewerbung hüpfen konnte.

Tatsache ist, dass ein Teil der Paten der Wahl von 2007 ihre Patenschaft für die FN nicht wiederholen wollen. Sie beklagen Drohungen, Einschüchterungen, Repressalien, bis hin zu Morddrohungen!

Selbst der Präsident nahm Sonntag Abend Stellung zu diesem Phänomen, als er es bedenklich fand, „dass ein Konkurrent, auch wenn ich dessen Ansichten nicht teile, nicht kandidieren könne!“ Das alte Schlitzohr sagte dies nicht aus reinem Mitleid:

Es wird befürchtet, dass bei einer Nichtzulassung Le Pens, die Umfragen zufolge mit bis zu 20% der Stimmen rechnen könnte, auch wenn sie aktuell wieder auf 15% abgesunken zu sein scheint, ihre Anhänger einen Aufstand beginnen könnten.

Es wird nun gemunkelt, dass Amtsträger der UMP der FN die nötigen Patenstimmen „leihen“ könnten! Im Gegenzug könnten dann Teile der FN im zweiten Wahlgang zum Dank für Sarkozy stimmen um so den Umfrage-Favoriten Hollande zu verhindern!

Umgekehr betrachtet: Sollte Le Pen an der 500-Paten-Hürde scheitern und nicht zur Wahl zugelassen werden und die FN dann die Teilnahme am zweiten Wahlgang verweigern, dann hätte Sarkozy schon verloren. Er bräuchte gar nicht erst zur Wahl anzutreten. Daher rührt sein scheinbares Mitgefühl…

http://www.lefigaro.fr/politique/2012/02/01/01002-20120201ARTFIG00399-parrainages-du-fn-reelle-inquietude-ou-grand-bluff.php

 

NACHTRAG, 02.02.2012:

Die Front National der Marine Le Pen hat heute in der Form einer „question prioritaire de constitutionnalité“ (QPC) beim Staatsrat beantragt, die Frage klären zu lassen, ob die Veröffentlichung der Namen der 500 erforderlichen Paten 8 Stunden vor der Präsidentschaftswahl mit der französischen Verfassung übereinstimme! Der Staatsrat hat die Eingabe akzeptiert und an den Verfassungsrat weitergeleitet. Dieser hat nun drei Monate Zeit in diesem Punkt zu entscheiden.
Die FN argumentiert, dass so „geoutete“ Paten, speziell in kleinen Gemeinden so unter Druck gesetzt würden, dass sie sich künftig dieser Pateneigenschaft verweigerten! Auch finde ein regelrechter Wettbewerb der Parteien um die Paten statt.