Was bedeutet der Angriff auf die US-Kräfte in Benghazi?

16. September 2012

11. September 2012, gegen 19 Uhr:
Vor dem US-Konsulat(?) in Benghazi rotten sich Menschen zusammen und protestieren am 11. Jahrestag des Anschlags auf die WTC-Türme in New York gegen den bis dahin unbekannten Mohammed-Film.

Zu dieser Gruppe anscheinend spontan Protestierender stiess eine Gruppe von etwa 50 schwerbewaffneter Männer, die sich weder verbal noch mit Transparenten am Protest beteiligten. Sie sagten laut Augenzeugen, sie seien Muslime und würden den Propheten und den Islam verteidigen.

Der Protest dauerte an, irgendwann fielen Schüsse, wie die Menge glaubte, von Innen nach Aussen. Nun schossen auch die bewaffneten Männer von Draussen nach Innen. (Das alte, scheinbar wichtige Konfliktrechtfertigungsschema: Wer hat angefangen?)

Zwischen 21:30 und 22:00 gelang es der Menge auf das Gelände vorzudringen.
Sie stürmte zu einem einstöckigen Gebäude und es begann der Beschuss mit Handfeuerwaffen und Granatwerfern.

Jetzt soll noch eine zweite, größere, ebenfalls schwer bewaffnete Gruppe mit gepanzerten Fahrzeugen eingetroffen sein. Das Gebäude sei dann von etwa 200 Angreifern gestürmt worden.

(Spätestens ab hier gehen die Angaben auseinander oder sind spekulativ.)

Teile des Geländes brannten. Es gab eine starke Rauchentwicklung.

Sicherheitsbeamte in Zivil versuchten das diplomatische(?) Personal des Konsulates(?) in dem chaotischen Durcheinander in Sicherheit zu bringen.

Dabei wurde der Botschafter, der in Benghazi nur kurzzeitig zu Gesprächen mit der Ölindustrie zu Besuch war, zusammen mit dem Lufftwaffen-Kommunikationsspezialisten Sean Smith, von seinen Leibwächtern von der Hauptgruppe getrennt. Diese kleine Gruppe verlor sich im Rauch auf dem Gelände. Der Leibwächter entkam und kehrte mit Verstärkung (wer? woher? wann?) zurück um den Botschafter zu suchen und zu retten.

Sie entdeckten nur den bereits toten Sean Smith aber nicht den Botschafter und gerieten in einen Schusswechsel der Stunden(!) andauerte. Ein Wächter des Anwesens sagte, eine Gruppe der Angreifer sei durch ein zerstörtes Fenster eingestiegen und mit dem Botschafter verschwunden.

Ein Arzt der Notaufnahme eines Krankenhauses in Benghazi sagte, ein Mann mit Herzstillstand sei gegen 01 Uhr des 12. Septembers, also sechs Stunden nach Beginn des Angriffs, eingeliefert und als US-Amerikaner bezeichnet worden. Man habe 45 Minuten versucht ihn wiederzubeleben. Er sei aber an der erlittenen Rauchvergiftung gestorben. Der Arzt habe den mit Ruß verschmierten Botschafter zunächst nicht erkannt und glaubte auch nicht, dass die Leute die ihn brachten wussten, um wen es sich bei dem Mann handelte.

Eine Gruppe von 37 US-Bürgern (alles Diplomaten eines Konsulates, das in der offiziellen Konsulatsliste des US-Aussenministeriums nicht existiert?) sei gerettet und in in ein 1,5km entferntes „sicheres Haus“* verbracht worden. *(Dies ist ein Geheimdienstbegriff!)

Aber die bewaffneten Angreifer kannten dieses Haus zur Überraschung der Geflüchteten! Entweder folgten sie den Geflüchteten oder das „sichere Haus“ war doch kein gut gehütetes Geheimnis in Benghazi, gar von einem Maulwurf verraten worden?

Gleichzeitig mit lybischen Sicherheitskräften trafen die bewaffneten „Gruppen“ ein und eine Schiesserei begann. Ein Oberst lybischer Spezialkräfte erhielt um 01:30 Uhr Nacht einen Anruf aus Tripolis, dass ein Helikopter mit einem Rettungsteam der US-Marines unterwegs sei. Er holte dieses Team mit zehn Fahrzeugen am Flughafen Benghazi ab, von denen eines mit einer Batterie Luftabwehrraketen ausgerüstet war. Als sie an dem nun „unsicheren Haus“ angekommen waren, stellten sie überrascht fest, dass dort 37 Personen und nicht die erwarteten 10 Personen auf ihre Evakuierung und Rettung warteten!  Sie hatten also nicht genügend Transportkapazität, nicht genug Fahrzeuge vor Ort.

Genau in diesem Moment begann erneut ein schwerer Angriff gegen das Gebäude. Sie erhielten mehrere direkte Treffer von Granatwerfern. Aus ganz Lybien wurde der Oberst mit Anrufen aufgefordert die Gruppe zu retten, aber er hatte zu wenig Kräfte und Fahrzeuge. In dem Gefecht starben zwei Marines des Rettungsteams, das aus Tripolis eingeflogen worden war.

Schließlich konnten mehr Fahrzeuge und Soldaten herangeschafft und der Angriff zurückgeschlagen werden. Die Feuergefechte sollen bis zum folgenden Morgen gegen 7 Uhr und damit ganze zwölf Stunden angedauert haben. Dabei hätten die Angreifer die Granatwerfer so geschickt und wirkungsvoll eingesetzt, wie man es von einem bewaffneten Haufen ohne militärische Ausbildung nicht erwarten könne.

Um 7 Uhr Morgens erreichten die überlebenden US-Amerikaner den Flughafen Benghazi und wurden zusammen mit ihren Toten (und Verwundeten?) aus Lybien evakuiert

Als die Bilder des durch die Stadt geschleppten toten Botschafters um die Welt gingen, wurden aus dem südspanischen US-Stützpunkt Rota weitere 50 Mann einer weltweiten Eingreif-Reserve der US-Marines nach Benghazi in Marsch gesetzt.

Am 14. September, in der Nacht nach dem Ende des Angriffs, überflogen US-Aufklärungsdrohnen die Stadt Benghazi und den Komplex der US-Mission(?) und lokalisierten die bewaffneten Aufständischen. Sie wurden von diesen mit Lufabwehrraketen unter Beschuss genommen.

Die Libyer sperrten darauf den Luftraum über Benghazi für über zehn Stunden für den zivilen Luftverkehr und sagten die US-Drohnen seien mit ihrer Zustimmung eingesetzt worden. Diese Flüge hätten in den letzten Tagen zugenommen, da sich die Sicherheit im Lande verschlechtert habe.

Hieraus ergeben sich einige Fragen:
Welchen genauen diplomatischen Status hatten diese Gebäude, die weder Botschaft (die ist in Tripolis) noch Konsulat sind (in der offiziellen Liste des US-Aussenministeriums wird kein US-Konsulat in Lybien aufgeführt)?
Das US-Aussenministerium selbst spricht von einer „Mission“ in der der Botschafter getötet worden sei. Waren die unerwartet große Anzahl von US-Bürgern vor Ort Diplomaten, Militärs, Geheimdienstler oder private Söldner? Welche Aufgabe hatten sie in Benghazi? Wie es scheint, war der ermordete Botschafter der Einzige, der zufällig vor Ort war?

Wir erfahren hier, dass ein zwölfstündiges Gefecht stattfand, das lybische Spezialkräfte und US-Marines nicht beenden konnten. Dies wirft Fragen zur Sicherheitslage in Lybien allgemein und in Benghazi im besonderen auf? Welche Kontrolle besitzt die lybische Regierung über Benghazi und den Osten Lybiens, dem Abspaltungstendenzen nachgesagt werden?

Das im andalusischen Rota stationierte Rettungsteam der US-Marines ist eines von zwei Teams auf der Welt, von denen das andere in Asien stationiert ist.

Da Benghazi nur wenige Flugstunden entfernt von Rota liegt, scheint dieses Rettungskonzept der USA nicht zu funktionieren. Sie haben es nicht geschafft, während der zwölf Stunden der Attacke, das Team vor Ort zu bringen. Fraglich ist zudem, ob 50 Mann in diesem Fall gereicht hätten? Das Team wäre vermutlich besser in Süditalien, z.B. in Sizilien stationiert, wenn man sich mal die möglichen Einsatzorte ansieht?

http://internacional.elpais.com/internacional/2012/09/15/actualidad/1347744676_349873.html


Drei US-Special-Forces-Soldaten von afghanischer Polizei ermordet.

10. August 2012

Der Vorfall ereignete sich am bereits am Donnerstag, den 9. August in der südlichen Provinz Helmand. Die Special Forces seien von den Afghanen zu einem Dinner eingeladen worden um Sicherheitsfragen zu besprechen. Während des Essens wurden sie vom Polizeikommandeur des Distriktes Sangrin und einigen seiner Soldaten erschossen. Diese flohen nach der Tat.

Laut NATO sind seit Januar in 25 Zwischenfällen mit eigentlich Verbündeten afghanischen Sicherheitskräften 31 Soldaten getötet worden. Im Vorjahr wurden in 21 Zwischenfällen 35 NATO-Soldaten getötet.

Drei weitere US-Soldaten und ein US-Helfer wurden früher am Donnerstag in der östlichen Provinz Kunar durch einen Selbstmordattentäter getötet.

Nichts wie raus da! Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt und die USA auch nicht. Die Leute, die man offiziell für den 11. September 2001 verantwortlich macht, kamen überwiegend aus Saudi Arabien. Jenem Saudi Arabien, dem George W. Bush großzügig erlaubte mit Sonderflügen seine Leute aus den USA zu holen, als dort für den Rest der Welt ein Flugverbot herrschte…

http://www.huffingtonpost.com/2012/08/10/afghanistan-police-kill-us-troops_n_1763135.html?utm_source=DailyBrief&utm_campaign=081012&utm_medium=email&utm_content=FeatureTitle&utm_term=Daily%20Brief