NISSAN schließt alle Fabriken in Katalonien!

28. Mai 2020

Diese erwartete Schließung hat wohl nur am Rande mit den unberechenbaren Verhältnissen in der nationalkatalanistisch-separatistisch regierten aufsässigen spanischen Autonomie zu tun. Auch die Covid-19-Pandemie war höchstens das Tröpfchen, daß das Fass der wirtschaftlichen Unzufriedenheit zum Überlaufen brachte. Vielmehr haben NISSAN, MITSUBISHI und RENAULT weltweit ihre Produktpaletten und Claims neu geordnet, wobei NISSAN im EU-Europa seine Produktionen schließen wird.

Nissan hat heute Morgen die Schließung dem spanischen Innenministerium und zuvor der Belegschaft mitgeteilt und so „die gefühlt allzuständige“ katalanische Generalitat (ein letztes Mal?) übergangen.  Von der Schließung werden 3.500 direkte und etwa 25.000 indirekte Arbeitsplätze in der Zona Franca, Montcada und Sant Andreu betroffen sein. In Spanien will man NISSAN den Abgang so teuer wie möglich machen, wie man im Vorfeld schon drohte, der könne so bis zu 1 Milliarde €uro kosten!

Im Januar 2020 hatte sich der spanische Präsident Pedro Sánchez im Forum in Davos mit der Kuppel von RENAULT und NISSAN getroffen und danach verkündet, die Sicherheit der Arbeitsplätze „sei garantiert“. Da hat er wohl was nicht  richtig verstanden? So schnell kann es gehen…

Aber wirtschaftlich sollten weder rebellische Katalanen noch verfassungskonforme Spanier sonderlich überrascht sein, denn das NISSAN-Werk schnitt bei internen Vergleichen und Wettbewerben seit Jahren schlecht ab, besonders auch im Vergleich zu Sunderland, UK. NISSAN wird die EU verlassen, das Werk im UK aber beibehalten, wobei momentan noch nicht klar scheint, zu welchen Konditionen und Bedingungen dessen Produkte in die EU gelangen könnten?

Theoretisch könnte zwar auch RENAULT das Werk übernehmen, aber die kennen die Verhältnisse in Barcelona genau, haben schon genug eigene Probleme und werden von ihrem französischen Wirtschaftsminister Bruno Le Maire und Präsident Emmanuel Macron seit langem unter Druck gesetzt „Wirtschaftshilfe nur gegen Rückholung von Arbeitsplätzen nach Frankreich!“

Die CAT-SEP-Regierung drohte indess mit Rache: „Wir werden es ihnen nicht leicht machen!“ Was wollen sie tun? Etwa eine stillgelegte Fabrik mit Streiks belagern? Bis Ende des Jahres will NISSAN aus Barcelona ganz raus sein. Spätestens dann wäre der Separatisten-Spuk beendet.

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https://www.elperiodico.com/es/economia/20200528/nissan-anuncia-cierre-fabricas-catalunya-7977870

https://www.abc.es/motor/economia/abci-nissan-comunica-cierre-planta-barcelona-202005280859_noticia.html


12 EU-Staaten verlangen Spezial-Plan für Auto-Industrie von der EU!

17. Mai 2020

Der Vorstoß dieses Dutzends EU-Staaten für die Einrichtung eines speziellen Hilfsinstrumentes für die diversen Auto-Industrien im Wiederaufbau-Plan der EU-Kommission, der am 27. Mai vorgestellt werden soll, wird von den Auto-Nationen Frankreich und Deutschland nicht unterstützt!

Diesen Spezial-Plan fordern neben Spanien, Bulgarien, Tschechische Republik, Ungarn, Italien, Lettland, Malta, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakien und Slowenien.

Die erinnern die EU daran, daß die Auto-Industrie eine zentrale, strategische Aktivität der europäischen Wirtschaft sei, die 7% des EU-Brutto-Inlandsproduktes, 6% der EU-Arbeitsplätze, 12% der EU-Exporte, 84,4 Milliarden €uro Gewinne und 57,4 Milliarden €uro Investitionen pro Jahr bedeute, was 28% der gesamten Investition der EU für Entwicklung entspräche!

Trotz, oder wegen, der noch höheren Bedeutung der Auto-Industrie für Frankreich und Deutschland haben diese beiden Nationalstaaten der EU die Initiative „des Auto-Dutzends“ nicht mitgetragen, nicht signiert…

Bis Heute seien in der EU 2,3 Millionen Fahrzeuge aller Kategorien weniger produziert worden und zwar (in absteigender Reihenfolge!):
-605.722 in Deutschland,
-451.883 in Spanien,
-277.127 in Frankreich,
-238.644 im UK
-159.336 in Italien,
-151.598 in der Tschechischen Republik,
-114.632 in Slowakien.

Diese Initiative hat in Verbindung mit den Nachrichten/Gerüchten über die Rückholung von Produktionskapazitäten und damit Arbeitsplätzen nach Frankreich und wohl auch nach Deutschland, den Anschein, als soll diese von den betroffenen Staaten mittels/durch die EU-Kommission verhindert werden. Da tut sich offenbar ein neuer, schwerwiegender, innerer Konflikt entlang nationaler Grenzen in der EU auf, die deren inneren Zustand weiter belasten und damit schwächen wird, fürchte ich? Es sieht nicht gut aus…

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https://www.elperiodico.com/es/motor/20200515/doce-paises-de-la-ue-entre-ellos-espana-reclaman-un-plan-especial-para-la-automocion-7963126


Diesen Sommer also keine Briten und Deutschen in Spanien?

27. April 2020

EL MUNDO berichtet am 27.04.2020 unter Bezug auf Thomas Barreis, den Tourismusbeauftragten der Bundesregierung (wusste nicht, daß wir so etwas haben?), daß diesen Sommer wohl keine deutschen Touristen in Spanienurlaub kommen könnten. Die Deutschen stellten mit  ca. 11 Mio Touristen (nicht einmal 2/3 der Briten!) die zweitgrößte Gruppe von Touristen nach den Engländern mit unerreichten 18 Mio Urlaubern.

„Es wäre mehr als unwahrscheinlich, daß in diesem Sommer Tourismusreisen nach Spanien, Griechenland oder die Türkei zu Stande kämen“, so Barreis.

Ähnlich verhalte es sich in der Frage der Geschäftsreisen, denen Einreisestopps, Grenz- und Flughafenschließungen entgegen stünden.

Der UK-Botschafter in Madrid, Hugh Elliot, drückte sich vor einigen Tagen ähnlich aus: „Seine Landsleute kämen nach Spanien zurück um Land und Leute zu genießen, aber nicht in den nächsten Monaten!“

EU-Kommissions-Präsidentin von der Leyen verkündete schon vor Wochen in BamS, daß besser niemand jetzt buchen sollte, da man noch nichts konkretes über die Lage im Juli und August sagen könne.

Deutsche und Briten stellen zusammen eine Touristenlawine von etwa 29 Mio Menschen auf die Beine, bereit die Küsten und Strände am Festland und auf den Inseln zu überfluten. Das bedeutet „zigtausende“ Jobs, Einkommen und damit Konsumenten, die Spaniens Wirtschaft fehlen werden. Das Jahr 2020 wird wohl überall recht bitter, aber bei Tourismus- oder auch bei Export-Weltmeistern dürfte es besonders heftig werden?

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https://www.elmundo.es/internacional/2020/04/27/5ea67872fdddff115b8b4601.html

 


Illegale Bootsflüchtlinge zahlen bis zu 5.000€ um Europa nach Afrika zu verlassen!

26. April 2020

Die spanische EL PAÍS brachte am 24. April eine schier unglaubliche Geschichte. Die Pandemie Covid-19 brachte den supranationalen Reiseverkehr zu Wasser, zu Lande und in der Luft praktisch zum Erliegen. Immer mehr Nordafrikaner, die sich aus welchem individuellen Grund auch immer gerade in Europa aufhielten, versuchten nun aus Angst vor dem Virus, aber auch um den Ramadán feiern zu können nach Hause, nach Nordafrika zu (ent-)kommen.

Der erste bekannt gewordene Fall waren ca. 100 Marokkaner, die sich für 5.400 €uro pro Kopf einen der Plätze in zwei Schlauchbooten erkauften, die dann illegal das Mittelmeer überquerten und dabei sowohl spanisches als auch marrokkanisches Recht brachen. Die Preise zur Überfahrt von Nordafrika nach Europa, genauer von Marokko nach Spanien dümpelten mangels Nachfrage zwischen 400 und 1.000 €uro herum!

Diese Tatsachen wurden zuerst von der marokkanischen Presse publiziert und flossen aber auch in ein internes Papier der EU-Kommission ein, zu dem EL PAÍS Zugang gehabt habe!

Die Menschenhändler-Mafia, welche die Bootsflüchtlinge bediene, agiere extrem flexibel auf sich ändernde Umstände, zollte man unfreiwillige Anerkennung. Es gibt auch selbständige Grenzgänger die zur Arbeit im jeweiligen Nachbarland waren, als plötzlich die Grenzen geschlossen wurden. Sie alle versuchen nun „irgendwie, in’s jeweils richtige Land“ zu kommen.

Das marokkanische Parlament beschäftigte sich bereits mit dem Fall dieser illegalen Rückkehrer, die offen als gesundheitliche Bedrohung angesehen werden.

Auch nach Algerien findet eine illegale Rückreisebewegung über’s Mittelmeer statt und dies nicht nur aus Spanien. Wer erwischt wird kommt (zumindest) in Quarantäne, wo und wie auch immer diese vollzogen werden mag?

Noch immer kommen illegale Flüchtlinge von Afrika nach Europa, hier speziell nach Spanien. Es waren von Mitte März bis Mitte April 829 Personen. Zum gleichen Vorjahreszeitraum ein Rückgang von 24%.
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https://elpais.com/espana/2020-04-23/mas-de-5000-euros-por-escapar-de-espana-en-patera.html


Verkommt die EU zum Polit-Chaos-Karussell?

23. April 2020

„…Ein Karussell (frz. carrousel ‚Ringelstechen‘), früher auch Ringelreiten, im süddeutschen Raum Reitschule, in Österreich Ringelspiel und in der Schweiz (mundartlich) Rösslispil, Rössliritti oder Riitschuel genannt, ist ein um eine vertikale Achse drehbares Gestell, durch das Personen auf Sitzen verschiedener Art im Kreis gedreht werden… (Zitat: wikipedia)

So langsam mache ich mir wirklich ernsthaft Sorgen um „die gute, alte EU, wie wir sie kennen“!

Okay, sie agierte zwar wirklich mehr zu Diensten der Wirtschaft, war zumindest Anfangs ein ökonomischer Stabilisator Westeuropas in Zeiten des Kalten Krieges und als solcher nützlicher und wirksamer als die NATO. Sie leistete geradezu Unglaubliches bei der Bewältigung der Folgen des Ersten und des Zweiten Weltkrieges bezüglich der Aussöhnung der europäischen Völker.  Die EU hat ihren wirtschaftlichen Konflikt mit dem russisch besetzten Osteuropa gewonnen, bei der NATO wurde dies zu unser aller Glück bis heute nie ausprobiert! Die Bürger der einzelnen Mitgliedstaaten bekamen zwar Grundrechte als EU-Bürger, aber so wirklich gleichberechtigt waren sie höchstens auf dem Papier (Stichworte: Die polnische Pflegerin, „unsere Polin“, die tschechische Ärztin, der „rumänische Spargelstecher“). Dazu ein Euro, der im primären Interesse Mitteleuropas mit allen Mitteln stabil gehalten wurde und die Südeuropäer systematisch in die Verschuldung trieb, da er ihnen die bewährten Mittel Inflation und Abwertung raubte.

Scheinbare Überschneidungen von nationalen und europäischen Kompetenzen boten den Populisten und Nationalisten, die in den letzten Jahren „ob der bösen EU“ in vielen Ländern wir Pilze aus dem Boden schossen, reichlich populistische Argumente nach dem berühmt-berüchtigten Motto: „Wer ist schuld? Die EU ist schuld!“

Fakt ist, in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten wird von Nationalisten und Populisten seit Jahren (leider relativ erfolgreich!) Anti-EU-Politik gemacht. Oft ist dies Mittel zum Zweck, z.B. um eigene Unfähigkeit, Fehler, Korruption und Verantwortung zu kaschieren.

Die Flüchtlingskrise/n, der Brexit und die Corona-Pandemie zeigen uns wie schnell die alten und die ganz-alten Vorurteile von EU-Mitgliedstaaten beiderseits der Grenzen aus den Schubladen gezogen und bedenkenlos unter’s Volk gebracht werden.

Doch machen wir uns nichts vor, eine EU, in deren Mitgliedstaaten Populisten Wahlen mit Anti-EU-Parolen gewinnen können, die ist mittelfristig schlicht nicht überlebensfähig! Auch folgenloser Bruch von geltendem EU-Recht wirkt destruktiv. Wegsehen hilft da nichts!

Aber sogenannte „Rettungskonzepte“ die auf Schuldenvergesellschaftung und Gewinnprivatisierung nach dem beliebten Modell der Bankenrettung von 2007-2010 beruhen, nur diesmal sogar noch auf die global agierende Industrie und den Handel ausgeweitet, die von den zu Millionen arbeitslosen oder kurzarbeitenden abhängig Beschäftigten, „den Malochern“ auch noch bezahlt werden soll, dies hat das Zeug zum gesellschaftlichen Sprengstoff.

Diese gesellschaftliche Frage stellt sich in den einzelnen nationalen Mitgliedstaaten ebenso wie supranational in der ganzen EU als übergeordneter politischer Instanz.
Es gehört nicht allzuviel Phantasie dazu, sich dann irgendwann die Frage zu stellen welche Instanz, welches Gremium wohl am Ehesten überflüssig und verzichtbar wäre?
Wenn das UK auch nur halbwegs glatt den BREXIT, bzw. seine Folgen bewältigen sollte, dann stellte dieser künftig immer eine Alternative für unzufriedene Europäer dar.

Die Digitalisierung unserer Gesellschaften, ja unserer ganzen Welt, würde wohl verwaltungstechnisch zentralistische Lösungen ermöglichen (wie China?), die wir uns lieber nicht näher vorstellen mögen. Andererseits müssen wir auch keine menschlichen, allzumenschlichen Verwaltungsstrukturen haben, gelegentlich auch mit korruptem Beamtentum, die es in der historischen Entwicklung halt brauchte um Staaten zu regieren.  Auch in der Nach-Corona-Pandemie-Betrachtung wird es interessant sein, wie sich zentralistische und föderale Staatstrukturen in der Krise bewährten. Spannende Zeiten halt…

Es wäre darum wohl einmal an der Zeit, genau der richtige Moment gar, auch auf EU-Ebene die Systemfrage zu stellen, an den Beispielen öffentlicher Dienst, Verkehr, Gesundheitssystem und für eine gemeinsame Aktion ALLER EU-Bürger für deren länderübergreifende Interessen zu werben und daß sich diese nicht mit uralten, nationalpopulistischen, z.T. offen faschistoiden Parolen auseinanderdividieren lassen, wie das in der Geschichte so häufig geschah…


Portugals Präsident stellt Hollands verbleiben in der EU in Frage!

12. April 2020

António Costa, der portugiesische Präsident, hat in einem Interview mit der Agentur Lusa, veröffentlicht am Samstag, den 11. April, gesagt, daß die Corona-Krise die künftige Einigkeit der EU auf die Agenda gebracht hätte. Beispielhaft dafür sei die Haltung der Niederlande in der Frage der Bewältigung der finanziellen Folgen der Pandemie!

Costa bezog sich auf die Ablehnung der Euro-Bonds, u.A. durch die Niederlande, damit zugleich unterstellend, daß die Übernahme der Altschulden, entstanden u.A. durch Finanzkrise, Misswirtschaft und Korruption, unabdingbar sei um nach der Corona-Krise wieder zu einer Art von „Normalzustand“ zurück zu finden.

Mehr als eine ökonomische, gar nur finanzielle Frage stelle sich die Frage ob die EU der 27 oder die 19 Euro-Staaten fortbestehen werde, oder ob jemand daraus austreten wollte? Natürlich beziehe er sich auf Holland“, fügte Costa erklärend hinzu!

Persönlich glaube er, weil er ein unverbesserlicher Optimist sei, daß ein Europa der 27 und eine €uro-Gruppe der 19 tatsächlich möglich sei, aber dazu sei die politische Kapazität aller Beteiligten notwendig, sich nicht zu Geiseln der jeweiligen Populismen der einzelnen Staaten zu machen.

Costa erinnerte an das unsolidarische Verhalten der EU-Staaten in der Flüchtlingskrise, wo es mindestens 4 Staaten gegeben habe, auf die man in Europa nicht zählen konnte. Diese Situation wiederhole sich jetzt in der Corona-Krise.

Heute wisse man, daß man in einer Krise dieser Art NICHT mit der Solidarität der 19 €uro-Staaten rechnen könne, denn es gäbe MINDESTENS ein Land der Eurozone („natürlich“ die NL!) daß sich weigere die Tatsachen anzuerkennen, daß eine gemeinsame Währung gemeinsamer Anstrengungen bedürfe! (Schlichte Umkehrung der Ereignisse der letzten Jahre!)

Für den portugiesischen Regierungschef, einem Land mit zu diesem Zeitpunkt 435 Toten und über 15.000 Infizierten mit dem Corona-Virus, sei „eine gemeinsame Antwort auf die Pandemie keine Frage der Solidarität, sondern der Rationalität, weil Solidarität ein Ausdruck sei, den man gebrauche, wenn EIN Land ein Problem habe und man mit diesem (als Unbetroffener) solidarisch sei. In diesem Falle aber seien ALLE betroffen und die Pandemie stelle den gemeinsamen inneren Markt als GANZES in Frage!

Wenn es vor dieser Situation keine Rationalität gäbe um zu verstehen, daß man GEMEINSAM antworten müsse und keinen Mut den Populismen zu widerstehen, dann würde man wie im Wahlkampf agieren und nicht in Verantwortung für die Gesamtheit der Bürger dieser EU und dies bringe einem dann zu der Frage ob man eine gemeinsame Euro-Zone dieser 19 Staaten haben könne oder ob man andere Formen der Organisation im Inneren Europas haben müsse?“

Der Sozialist stellte zudem in Aussicht, daß sich der Europa-Rat (bekanntlich kein Organ der EU und eine ältere Organisation!), aber mit den Urdemokratien Russland und Türkei an Bord, in seiner nächsten Sitzung am 23. April mit diesem Thema beschäftigen könnte, weil innerhalb der EU einige Hauptstädte eine Einigung blockierten! Glaubt er wirklich mit der Hilfe von Russen und Türken zu „seinen geliebten Euro-Bonds“ zu kommen, die EU quasi dazu zwingen zu können?

Ich finde, man muss prinzipiell in alle Richtungen offen sein und die Problematik in ihrer Gesamtheit betrachten um zu einer möglichen Lösung zu kommen, z.B.:

1.) wie war die wirtschaftliche Lage aller EU Staaten seit der letzten Weltwirtschaftskrise?

2.) wie haben sich die EU Staaten danach bis zum Beginn der Corona-Pandemie entwickelt und verändert und warum?

3.) Was sind die bisherigen finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie?

4.) Wie werden sich die EU-Mitgliedsstaaten NACH der Corona-Krise entwickeln und was bedeutet dies für die künftige Finanzierung der EU? Deutschland war/ist extrem Export-lastig, Spanien hängt starkt vom Tourismus ab. Jedes Land muß daher einzeln betrachtet werden.

5.) Bei grundlegenden Verschlechterungen in den Wirtschaften der Netto-Zahler kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, daß diese trotzdem weiter zahlen „als sei nichts geschehen“ und wesentliche Empfänger von EU-Geldern weiterhin nationalpopulistisch „ihr eigenes Ding machen können“, ohne daß dies Folgen für ihre Finanzierung durch die EU haben würde?

Ich habe immer befürchtet, daß der BREXIT nur der Anfang, nicht das Ende der Austritte aus der EU sein würde. Zu viele Staaten und Kräfte dieser Welt (natürlich auch außerhalb Europas!) haben kein Interesse an einer starken EU und es existieren überall in den EU-Mitgliedsstaaten Nationalpopulisten, die sich allzu gerne „vor den Karren des Austritts spannen lassen würden“.

Von der gemeinsamen Geschichte, vom gemeinsamen Handel und dessen Bedeutung und von der wirtschaftlichen Basis her wären die Nordsee-Anrainerstaaten vermutlich die wahrscheinlichsten Austrittskandidaten?

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https://www.20minutos.es/noticia/4223742/0/portugal-pone-en-duda-holanda-quiera-seguir-union-europea/


Testfall Corona-Krise: Kriegt die EU die Kurve zwischen Anspruch und Leistungen ihrer Mitglieder?

24. März 2020

Die EU ist ein kompliziertes Gebilde aus (noch) 27 Nationalstaaten. Sie geben Teile ihrer Kompetenzen an Europa ab und empfangen dafür Leistungen. Damit die kleinen Staaten dabei nicht untergingen und überhaupt an diesem Europa interessiert waren, waren sie alle gleichberechtigt, Einstimmigkeit war bei Entscheidungen das Gebot der Stunde, die man sich zuweilen teuer bezahlen ließ. Da ging es dann zuweilen zwar zu, wie auf dem Basar, aber irgendwie hatten am Ende dann doch meistens alle irgendwie den Eindruck, es habe sich für sie gelohnt, ein Teil dieser EU zu sein.

Einer der Geburtsfehler dieser EU war im Nachhinein betrachtet, die Einführung einer gemeinsamen Währung, des €uro. Er führte schnell zur Verschuldung der schwächeren Peripheriestaaten, denen die Möglichkeit der Inflation, der Abwertung genommen war.
Man hätte es bei der Verrechnungseinheit ECU belassen sollen.

Faktisch hat dies zu einem Mehrklassen-Europa geführt, in dem offiziell gleichberechtigte Europäer aus Süd- und Osteuropa, als Billigarbeitskräfte, ob nun als Erntehelfer, als LKW-Fahrer, auf dem Bau oder in Kranken- und Pflege- und Alteneinrichtungen „benutzt“ und ausgebeutet wurden. Faktisch keine Spur von Gleichberechtigung auf Augenhöhe.

Jetzt, in der akuten Corona-Krise, geht es für viele Menschen in den meisten Staaten, ganz unabhängig von der EU ums schlichte Überleben. Dazu fehlt es ÜBERALL an Kapazitäten von adäquaten Krankenhauskapazitäten, inklusive Personal und Schutzkleidung. Es hat den Eindruck, daß die Pandemie in den einzelnen Staaten sehr ähnlich, aber zeitversetzt abläuft. Die Ansteckungskurven folgen dicht auf dicht mit jeweils exponentiellem Anstieg.

Allen betroffenen EU-Mitgliedsstaaten fehlt es buchstäblich an ALLEM. Alle versuchen sich verzweifelt Nachschub an den fehlenden Kapazitäten zu verschaffen, wenn es sein muß mit Forderungen, die entweder humanitär oder durchaus auch mit handfesten Drohungen bezüglich der Zukunft der EU in der Nach-Corona-Zeit verknüpft werden.

Aus Italien hören wir entsetzt, daß Ärzte und wohl auch Pflegepersonal ungewollt als Herren über Leben und Tod agieren müssen und täglich entscheiden wer gleich stirbt und wer zumindest noch eine befristete Chance zum Weiterleben erhält.

Jetzt kommt die menschlich verständliche Forderung an die EU, SIE müsse die vorhandenen Resourcen verwalten und zuteilen und zwar an diejenigen, die sie am dringendsten bräuchten. Dazu müssten zunächst ALLE 27 EU-Staaten nationale Kompetenzen abgeben, die das Überleben ihrer Bürger direkt beeinflussen. Das wäre der Offenbarungseid der nationalen Regierungen z.B. in Paris, Berlin, Madrid, Rom, Wien, Warschau, Budapest, allen halt! Angenommen, dies geschähe und zwar EU unüblich sehr schnell, dann müssten die einzelnen Nationalstaaten ihre Bestände vollständig, komplett und ohne stille Reserven der EU zugänglich machen. Diese Maßnahme würde rückwirkend alle nationalen Vorsichtsmaßnahmen und Planungen außer Kraft setzen.
„Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ sagt ein altes Sprichwort. Ein Anderes sagt „den Letzten beissen die Hunde!“ Wer, welche demokratisch legitimierte Institution der EU dürfte diese Schiksalsfrage über Leben und Tode entscheiden und würden deren Entscheidungen in den betroffenen Nationen akzeptiert, oder käme sofort die übliche Schuldumlenkung zur Verhüllung der eigenen Unfähigkeit, der Spruch „die EU ist Schuld“? Populisten und Demagogen werden dies reflexartig tun, sie können sonst nix!

Dazu kursieren fake-news über riesige Bestände an Mangelwaren in einigen Nationalstaaten (welchen bitte?) und deren fehlende Bereitschaft diese zu verkaufen, besser natürlich, sie zu verschenken, aber ganz, ganz schnell, dabei kennen wir die realen Bestände nicht und auch nicht die Verfügbarkeit von angeblich riesigen Nachbestellungen, die dann auf einem afrikanischen Provinzflughafen spurlos verschwinden, sich in Luft auflösen…

In Deutschland und Luxembourg gibt es kleinere Aktionen schwererkrankte Corona-Patienten aus dem Elsaß grenzüberschreitend über den Rhein in freie deutsche Intensivkapazitäten zu holen und sie dort zu behandeln. Das ist menschlich sehr schön, aber wohl zeitlich sehr begrenzt? Würde man dies auch mit Erkrankten aus Flüchtlingslagern in Griechenland oder sonstwo tun? Ich las, es dauere im Schnitt ca. eine Woche der Intensivpflege, bis klar würde, ob der Patient gesunden oder sterben würde?

Was geschähe also, wenn in dieser Woche der Bedarf vor Ort so ansteigt, daß die Intensivbetten nicht ausreichen? Wer entscheidet dann, wer sterben muss und wer leben darf? Die EU, der nationale Staat? Kann man von den Menschen in der EU wirklich erwarten, daß sie akzeptieren als später Erkrankte leider sterben zu müssen, weil die Kapazitäten leider schon aufgebraucht wurden?

(Ich habe vor vielen Jahren im reichen Deutschland einen mir nahe stehenden alten Mann mangels Bett im Flur eines Krankenhauses sterben sehen und seine Leiche wurde, als er Tod war, aus Platzgründen in einer Garage zwischengelagert.)