Alles oder Nichts, die spanische Krankheit?

Es gibt nur Schwarz oder Weiss, Gut oder Böse, Gutmensch oder Fascho, Alles oder Nichts. Das ist Politik in Spanien, verbal zumindest…

Da gibt es nach Wahlen oft zwei große Blöcke, jedoch ohne eigene Mehrheit. Das schafft dann Raum für radikale, extreme Splittergruppen, ihrer Bedeutung als Mehrheitsbeschaffer sehr bewusst, deren Ego und Wünsche, besser Forderungen, ins nahezu Unermessliche steigen, weil sich die Welt bekanntlich ja nur um sie dreht.

In Murcia stellten die Ciudadanos, C’s, den Koalitionspartner der PP in einer Mitte-Rechts-Koalition. Dann wechselten sie den Partner und traten mit den „Sozialisten“ der PSOE in eine Mitte-Links-Koalition ein.

In Madrid beobachtete die Präsidentin Isabel Díaz Ayuso das Geschehen, fürchtete die Nächste zu werden, der die C’s von der Koalitionsfahne gehen und rief kurzerhand vorgezogene Neuwahlen aus.

In Murcia schaffte es die PP drei Abgeordnete der abtrünnigen C’s zum Seitenwechsel, besser zum Verbleib aber jetzt als PP-Abgeordnete, zu bewegen um so an der Regierung, an der Macht zu bleiben.

Damit waren C’s, aber besonders Inés Arrimadas, schwer angeschlagen und verortbar, eher Links (Neu!) oder eher Rechts (Alt!)?

Diese verfahrene Situation nutzte der große Verlierer der aktuellen spanischen Koalitionsregierung Pablo Iglesias, UP, eine der vier(!) Vizepräsidentinnen von Präsident Pedro Sánchez, PSOE und zuletzt in der „Links“-Koalition quasi „kalt, zumindest in Frage gestellt“, gnadenlos aus, erklärte seinen Rücktritt aus der Spanischen Regierung und seinen Antritt als Gegenkandidat zu Präsidentin Isabel Díaz Ayuso bei den vorgezogenen Neuwahlen am 4. Mai (4-M) in Madrid: Es ginge um „Linke oder Faschismus“ und nur ER himself könne als Wählermagnet Madrid vor der Rechten retten und forderte gleichzeitig die Unterstützung alter, inzwischen längst eigenständiger ehemaliger Parteigänger, (Más Madrid), die dies jedoch umgehend ablehnten! (https://www.abc.es/espana/madrid/abci-monica-garcia-rechaza-tutela-iglesias-mujeres-estamos-cansadas-hacer-trabajo-sucio-202103161123_video.html)
Nebenbei: Podemos hat 7 Abgeordnete und 5,56% Wählerstimmen, während Más Madrid 20 Abgeordnete und 14,65% Wählerstimmen hat. Typisch Iglesias, der will, daß sich 20 den 7 oder 14,65% den 5,56% unterordnen…

Was Arrimadas, Ayuso und Iglesias hier versuchen, die Blöcke des Links/Rechts-Schemas zu optimieren, könnte aber die (ungewollte, unerwünschte?) Folge haben, die Ultrarechten von VOX als Koalitionspartner der PP zu etablieren und womöglich gar in Madrid als Rechtskoalition an die Macht zu bringen!

Wählerwille in Zeiten von Corona ist eine schwer einzuschätzende Größe und so hat diese Wahl auch eine Prise von Glückspiel und Schuldzuweisung:

Ein Vater in Madrid beklagte sich öffentlich, daß seine in Deutschland lebende Tochter ihn problemlos über Ostern besuchen könne, sein nur 5km ausserhalb der Comunidad de Madrid lebender Sohn aber nicht!

Schon seit Monaten operiert die konservative Regierung Madrids (Ayuso) eigenständig und risikofreundlicher als die spanische Zentralregierung (Sánchez). Bis zum 4. Mai sind noch eineinhalb Monate gelebte Corona-Pandemie zu ertragen bevor der Wähler dann der Politik die Rechnung präsentieren wird. Ende offen?

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Hier ein 8-minütiges Video in dem Pablo Iglesias, fast ohne Luft zu holen, erklärt, daß nur ER himself Madrid vor der Rechten retten könnte:
https://www.abc.es/espana/abci-video-pablo-iglesias-anuncia-deja-vicepresidencia-y-competira-ayuso-madrid-202103151236_video.html







2 Responses to Alles oder Nichts, die spanische Krankheit?

  1. almabu sagt:

    Die kleinen Machtspielchen gehen weiter in der spanischen Koalitionsregierung des Pedro Sánchez und des abtrünnigen Pablito Iglesias. Letzterer hat zwar seinen Abgang aus der Regierung verkündet, um Madrid zu erobern bei den vorgezogenen Kommunalwahlen am 4-M, schiebt aber jetzt nach, daß er nicht vor dem 20. April herum seine Regierungsämter als Minister und 2. Vizepräsidentin niederlegen wolle, wegen der zahlreichen Privilegien vermutlich? Immerhin bewacht die (verhasste!) Guardia Civil dann die Millionenvilla des Anarchos im Norden Madrids nicht mehr, oh Graus! Dienstwagen weg, oh Schreck!
    Seine Nachfolgerin in der Regierung Sánchez wird aber als Vizepräsidentin auf Rang 3 herabgestuft, ätsch!
    Die Ultra-Rechten von VOX meinen, Iglesias solle nicht nur aus der Regierung austreten sondern am Besten gleich Spanien in Richtung Venezuela oder Kuba verlassen…

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