Pujol: Haltet den Dieb, oder Victimismus, die alte Strategie katalanischer Separatisten!

Der Ex-Präsident der Autonomie Katalonien, Jordi Pujol i Soley, gegen den wegen Steuerhinterziehung und anderer damit zusammenhängender Delikte wie Korruption und Geldwäsche ermittelt wird, hat wie angekündigt den Spieß umgedreht und seinerseits die Bank(en) bzw. Unbekannte in Andorra angezeigt, die seine Bankdaten illegal an den spanischen Staat weitergeleitet hätten.

Was zunächst absurd erscheint, könnte ihm jedoch wertvolle Zeit verschaffen, denn womöglich dürfen unrechtmäßig erlangte Daten nicht gegen Pujol verwendet werden? Bis zur Klärung dieses Sachverhaltes kann die ganze Untersuchung gegen Pujol womöglich gestoppt werden? Das soll dann gleich auch für die Ermittlungen gegen seinen Sohn gelten, der im September vom Untersuchungsrichter gehört werden soll. Ausserdem reklamieren sie das Recht für sich ein über den kompletten Datenaustausch zwischen Andorra und Spanien zu ihrem Fall informiert zu werden.

Die Zeitung LA RAZON titelt den Pujols gar die Aussage zu, „dass in ihrer Partei CDC die Verräter rebellierten, aber diese dafür bezahlen würden!“

Seine Partei CDC appelliert an alte, tiefsitzende Instinkte der Katalanen, den „Victimismus“, die Überzeugung stets Opfer der Verschwörung finsterer Mächte zu sein, wie es der spanische Staat, seine Justiz und seine Steuerbehörden für sie nun mal sind! Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die zunächst von Pujols Geständnis heftig geschockten Katalanen erneut darauf anspringen. Der besaß sogar die Frechheit, an einen anderen Ermittlungsfall gegen ihn aus seinen politischen Anfängen, den Fall „Banca Catalana“ zu erinnern, aus dem er einst auf geradezu wundersame Weise ungeschoren entkam. Da sieht er eine nahtlose Verschwörung des spanischen Staates gegen die Katalanen. Von diesem Punkt ist es nur noch ein kleiner Schritt seine mutmaßlichen, langjährigen Steuerhinterziehungen als politische Heldentat eines katalanischen Robin Hood zu bewerten!

„Die Spanier berauben die Katalanen“, so lautet der Slogan der Separatisten und „Pujol beraubt die spanischen Räuber“ wollen sie ihn jetzt als listigen Helden des Unabhängigkeitskampfes darstellen, wobei Pujol Zeit seines politischen Wirkens auf das Engste mit Madrid zusammenarbeitete, sich dies gewiss auch entsprechend honorieren ließ und erst in jüngerer Zeit auf den scheinbar unaufhaltsamen Zug der Separatisten aufsprang!

Vermutlich wird man es in Spanien irgendwie schaffen, den Mantel des Vergessens über diese Geschichte zu ziehen, wie beim Zaubertrick eines Magiers und am Ende wird NICHTS geschehen, denn eine ernsthafte Aufarbeitung der grassierenden Korruption liegt im Interesse KEINER Partei, da alle irgendwo, irgendwann, irgendwie betroffen sind oder waren…

9 Responses to Pujol: Haltet den Dieb, oder Victimismus, die alte Strategie katalanischer Separatisten!

  1. almabu sagt:

    Seit Jordi Pujol i Soley am vergangenen 25. Juli sein Steuerhinterziehungsvergehen schriftlich einräumte, herrscht bei der von ihm mitbegründeten Partei CDC Alarmstimmung. Sie fürchtet (zu Recht wie ich meine) von ihrem Gründer mit in den Orkus hinab gezogen zu werden.

    Während Pujol sich in eines seiner verschiedenen Refugien, abgelegen in Queralbs, in den Vorpyrenäen, in die Einsamkeit zurück zog und dort mit den Seinen und einer Schar von Anwälten und Beratern über seine Verteidigungsstrategie nach sinnt, erkennt die aufgeregte CDC, die von allen Seiten des politischen Spektrums angegriffen und unter Feuer genommen wird, dass ihre Interessen als Partei nicht deckungsgleich mit denen ihres Gründers und Übervaters sind.

    Dabei geben Vorwitzige schon mal den guten Rat über die Medien, dass sie, die CDC, den freiwilligen Parteiaustritt ihres Gründers Pujol akzeptieren würde. Der schäumt, ob solcher Frechheit und sieht sich von Verrätern umgeben die, so will es die konservative Madrider Tageszeitung LA RAZON über Dritte von Pujols Frau Marta Ferrusola erfahrten haben, dies alles bezahlen würden!

    So wurden Boten zu Pujol geschickt um dessen Stimmung und Strategie auszuloten. Bisher hat er nicht verbindlich zugestimmt am 2. September im katalanischen Parlament eine persönliche Erklärung abzugeben. Sollte er dies aber nicht tun, nicht befriedigend tun, dann würden andere Parteien auf die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses bestehen, steht bereits die Androhung im öffentlichen Raum.

    Klar ist bisher nur, dass die CDC die Strategie verfolgt, Pujols Steuerhinterziehung als etwas privates, persönliches zu bewerten, dass nichts mit seinem politischen Wirken während der letzten 50 Jahre zu tun habe, weshalb sie, die CDC davon auch nicht direkt betroffen sei.

    Nun gibt es aber auch einen Skandal Palau bei dem es um Parteienfinanzierung geht und diejenigen, die es genau wissen wollen, glauben dass es einen Split der bezahlten Provisionen für öffentliche Aufträge zwischen der Partei und der Familie Pujol gegeben habe. Dann müsste es aber allerhand Mitwisser geben, bis hin zum aktuellen Präsidenten der katalanischen Autonomie-Regierung Artur Mas, der unter Pujol in Schlüsselfunktionen für diese Korruption saß…

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    • almabu sagt:

      Wie der Zufall und das Leben so spielen:
      Spanische Medien berichten, dass in Andorra, wo Pujols Anzeige gegen Unbekannt wegen Weitergabe seiner Kontodaten an die spanischen Behörden vor Gericht kommen wird, ein Untersuchungsrichter zuständig sein wird, der zuvor in Barcelona im Korruptionsverfahren „Palau“, wo es um illegale Parteienfinanzierung von Pujols CDC durch fingierte, überhöhte Rechnungen ging, tätig war und dem zu große Nähe zur Generalidad de Catalunya vorgeworfen worden war. Ob dies der Grund seiner damaligen Ablösung war, entzieht sich momentan meiner Kenntnis, doch hätten die Pujols wohl kaum einen für sie besseren Richter in Andorra finden können, so heisst es…tja!

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      • almabu sagt:

        Der economista zitiert einen doppeldeutigen Satz der Financial Times „es un escándalo que el padre del nacionalismo catalán moderno y fundador del partido Convergència Democràtica, que ha encarnado los valores tradicionales del trabajo y la moral, haya confesado tener cuentas millonarias en el extranjero“.

        Dieser Satz lässt (bewusst?) offen WAS ein Skandal sei, der Umstand, dass Pujol Millionenkonten im Ausland besitzt, oder dass er diesen Fakt öffentlich eingestanden hat ;-)

        Leer más: „La vergüenza de Cataluña, una mancha sobre España“: el editorial del FT sobre el ‚caso Pujol‘ – Ecoteuve.es http://ecoteuve.eleconomista.es/noticias/noticias/6007858/08/14/Financial-Times-piensa-que-el-escandalo-Pujol-afectaria-a-las-negociaciones-entre-Rajoy-y-Mas-.html#Kku8UXdCnRvYRMEi

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        • almabu sagt:

          lainformacion.com berichtet über den Unternehmer Juan Antonio Salguero, der beichtete 2005 eine Provision von 20% auf Rechnungen für Arbeiten für die Generalitat de Catalunya bezahlt zu haben. Damit seien Teile der Wahlkampfkosten bezahlt worden.

          Der Mann sagt heute auch: Es sei offensichtlich, dass Artur Mas diese 3%-Provisions-Regelung für öffentliche Aufträge der Autonomie Catalunya gekannt haben muss.

          Wer die 3% Regelung nicht akzeptiert und im Vorfeld bezahlt habe, dessen Arbeit, dessen Rechnungen seien nicht beglichen worden, was im Prinzip einer Erpressung gleich kommt. Auch dafür kenne er Beweise und Beispiele.

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  2. almabu sagt:

    Im katalanischen Tarragona schimpft man dieser Tage auf Artur Mas und seine Separatisten, weigerten sich diese doch nach Ansicht lokaler Politiker den 2.000-jährigen Todestag des römischen Kaisers Augustus, der lange Zeit aus Tarragona das Römische Weltreich regierte, gebührend zu feiern.

    Für die katalanischen Separatisten ist Augustus wohl nur ein weiterer Unterdrücker der Katalanen und ihres Landes, ebenso wie Mariano Rajoy Brey?

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  3. almabu sagt:

    Die Spezialeinheit der spanischen Polizei für Steuer- und Finanzdelikte UDEF, vermutet dass Pujol und seine Sippe über die Jahrzehnte möglicherweise weit über eine Milliarde Volksvermögen, darunter auch EU-Gelder abgegriffen hätten.

    Es sollen systematisch für öffentliche Aufträge der Generalitat de Catalunya 4,5% Provisionen gefordert worden sein. Davon seien 3% an das regierende Parteienbündnis CiU und 1,5% direkt an die Pujol-Sippe geflossen. Eine wesentliche Rolle innerhalb der Sippe habe dabei die Ehefrau des Präsidenten Marta Ferrusola gespielt. Pujol selbst behauptet ja steif und fest „auf seinen Namen gäbe es keine Konten im Ausland“, was möglicherweise stimmen mag.

    Daraus folgt, dass im Bündnis CiU mehrere Personen über die konstant herein sprudelnden Riesensummen Bescheid gewusst haben und sich gewiss auch in großer Zahl bereichert haben müssen. Es gab also vermutlich ebenso regelmäßige monatliche Schwarzgeldzahlungen an die Politiker, wie dies bei der PP des spanischen Premierministers Mariano Rajoy der Fall war?

    Solche Veruntreuungen und Betrügereien im großen Stil können langfristig nur funktionieren, wenn auch die Regierung in Madrid partizipierte, der immerhin Finanzbehörden, UDEF, Polizei und Geheimdienste zur Verfügung stünden finanzielle Unregelmäßigkeiten in den Autonomien aufzuklären, so sie es denn wollte…

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  4. almabu sagt:

    Spanischer Finanzminister: Fall Pujol, eine der größten Steuerhinterziehungen Spaniens, wird restlos aufgeklärt!

    Vor dem Finanzausschuss des Kongresses erklärte er heute, wenn Pujol geglaubt habe mit einer öffentlichen Entschuldigung davon zu kommen, dann habe er sich geirrt.

    Es gäbe auch kein Steuergeheimnis, da Pujol selbst mit dem Fall an die Öffentlichkeit gegangen sei, ähnlich wie im Fall des in Madrid im Gefängnis einsitzenden EX-PP-Schatzmeisters Luís Bárcenas.

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  5. almabu sagt:

    ALLE Parteien im katalanischen Parlament verlangten mit unterschiedlichem Nachdruck und unterschiedlicher Wortwahl das Erscheinen des Ex-Präsidenten Jordi Pujol i Soley vor dem Parlament in Barcelona und Erklärungen und Auskünfte zu seinem Verhalten als Steuerzahlungsvermeider. Sie schlugen ihm dazu höflich einige Termine vor, er möge sich den passenden aussuchen. Der so Gebetene lässt sich Zeit und möchte anscheinend erst die Vorladung seines Sohnes und deren Ergebnis abwarten, bevor er entscheidet ob und wie und wann er reagiert auf diese Wünsche. Da besteht die Gefahr, dass die DIADA am 11. September sowie die anschließende Generaldebatte im Parlament unter dem Vorzeichen Pujol geführt werden muss, wovor viele zurückschrecken. Der Alte kann’s nicht lassen. Er pokert und glaubt, dass er noch Bedingungen stellen kann, in völliger Verkennung seiner Lage…

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  6. almabu sagt:

    Pikanter- aber logischerweise stellt das spanische Parlament in Madrid auch Fragen zur Rolle des damaligen und heutigen Finanzministers Montoro, der ausgeführt hatte, dass seine Steuerbehörde seit 2002(!), als bereits seit einem Jahr vor Pujols Rücktritt, gegen ihn und seine Familie wegen Steuervergehen ermittle. In diesen 12 Jahren kam es zu keiner Anklage gegen das Ehepaar Pujol und seine 7 Kinder, den mindestens 9 Personen umfassenden engeren Clan Pujol!

    Das deckt sich mit meiner Einschätzung, dass Madrid bei einem solchen dreisten „Fischzug“ mit unter der Decke stecken muss!

    Der geschätzte Steuerausfall durch diese spanischen Praktiken beträgt 60 bis 80 Milliarden Euro pro Jahr!

    Ein ganz anderes Licht werfen solche Praktiken auf die Qualität der Entscheidungsfindung in der spanischen Politik, wenn ständig die eine Hälfte der Politiker von der anderen Hälfte erpressbar ist, weil jeder „etwas Verbotenes“ vom anderen weiss? Dies kann natürlich ims Bedarfsfall von den Geheimdiensten anderer Länder genutzt werden um sich die Spanier gefügig zu machen…

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