Katalanische Unabhängigkeit: Nix Halbes und nix Ganzes!

Wenn es je einen tragischen Tropf gegeben hat, der in seinem Tun stets das Gegenteil des Beabsichtigten erreicht hat, dann ist dies Artur Mas, der President de la Generalitat d’Catalunya.

Ein Hasardeur, der ohne Plan auf den Unabhängigkeitszug sprang, Neuwahlen ausrief und grandios scheiterte. Er weiss es wohl, will es aber noch nicht eingestehen?

Ein Unabhängigkeitsprojekt, das zu keinem Zeitpunkt wesentlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung hinter sich scharen kann, ist von Beginn an zum scheitern verurteilt. Mit weniger als der Hälfte der Stimmen wäre es ein Witz und mit demokratischen Mitteln nicht zu realisieren.

Persönlich hat Mas das Wählervotum für das Bündnis CiU von 64 über 50 auf prognostizierte 32 Sitze im katalanischen Parlament halbiert! Dies hat er als regierender Präsident mit Amtsbonus vermasselt. Da gibt es keine Ausrede. Sein Bündnispartner Unió, der nicht das Unabhängigkeitsziel teilt, bedankt sich herzlich für diese ungewollte Marginalisierung.

Sein blutsaugender Partner ERC hat im gleichen Zeitraum seine Sitze beinahe verdoppelt von 21 auf 37 Sitze. Zusammen aber haben sie in dem einen Jahr des Unabhängigkeitsdeliriums ihre Sitze von 71 auf 69 reduziert! Auch das ist wenig überzeugend…

Statt dessen baut er, obwohl stets klamm,  „Botschaften“ an wichtigen Plätzen der Welt, wo man ihm kaum einmal einen Gesprächstermin gewährt. Der fährt ja schon irgendwo hin in seiner Verzweiflung, wenn ihn dort wenigstens die Klofrau empfängt!

Mas ist aber keineswegs der einzige Verlierer. Die Sozialisten der PSC verlören ein Drittel ihrer Wähler, wenn jetzt gewählt würde! Darüber hinaus sind ihre Anhänger in der Mitte gespalten zwischen  Zustimmung und Ablehnung der Parteipolitik. Wenn man sich vor Augen hält, dass die PSC vor kaum drei Jahren in Katalonien regierte, dann ist dies ein weiterer unvorstellbarer Abstieg.

Die PP verlöre sogar etwas mehr als ein Drittel in diesem Fall. Das ist der Rajoy-Malus.

Der von der Unió propagierte sogenannte „dritte Weg“, wie immer der im einzelnen auch ausgestaltet sein mag, wird wohl die letzte Hoffnung für fast alle Beteiligten sein?

Der Zuspruch zur Unabhängigkeit ist leicht rückläufig auf den Stand vor einem Jahr zurück gegangen. Artur Mas hat’s vermasselt!

3 Responses to Katalanische Unabhängigkeit: Nix Halbes und nix Ganzes!

  1. almabu sagt:

    Die Generalitat d’Catalunya hat eine britische Lobbygruppe, die Independent Diplomat, eingekauft, die gegen ein Honorar unbekannter Größe bei den Regierungen der EU-Mitgliedstaaten für die katalanische Unabhängigkeit werben und so indirekten diplomatischen Druck auf die spanische Regierung in Madrid ausüben soll. Ob die Europäer sich dazu bereit erklären, das darf bezweifelt werden. Ausser den Briten, die zwar grundsätzlich jede spalterische Tendenz in Europa nutzen, jedoch aktuell selbst vor dem (kleinen!) Risiko einer Schottischen Abspaltung stehen, dürften sich kaum Unterstützer finden lassen?

    Artur Mas reiste seit Januar 2012 laut spanischen Medien elf mal ins Ausland, davon drei mal nach Brüssel (anscheinend erfolglos?) und unter anderem nach London, Marroko, USA, Portugal, Moskau und Frankreich..

    Derweil bereitet der Traumtänzer und Hütchenspieler Artur Mas bereits seine nächsten Auslandsreisen vor. Er will Indien und Israel die Vorzüge eines unabhängigen Kataloniens erläutern und benutzt dafür die logistische Hilfe des „feindlichen“ spanischen Außenministeriums in Madrid…

    Liken

  2. almabu sagt:

    Spätestens jetzt sollte das „herumeiern“ der katalanischen Sezessionisten eigentlich ein Ende haben?

    Auf eine offizielle Anfrage des katalanischen CiU-Europaabgeordneten Ramón Tremosa bekam dieser vom Präsidenten der EU-Kommission José Manuel Durao Barroso mit Datum des 20. November 2013 die schriftliche Antwort „dass die EU-Verträge für einen sich abspaltenden Teil eines EU-Mitgliedes nicht mehr gültig seien, da dieser sich mit der Unabhängigkeit in ein Drittland zur EU verwandle!“

    Er könne dann über Artikel 48 der EU-Verträge den Beitritt zur EU beantragen. Wenn dieser Antrag einstimmig von den Mitgliedern angenommen worden sei, dann erst könnten die Beitrittsbedingungen im Detail ausverhandelt werden. Die ausgehandelten Beitrittsbedingungen seien dann vom Beitrittskandidaten selbst, sowie von allen 28 EU-Mitgliedern einstimmig zu ratifizieren um wirksam zu werden.

    Von einem quasi automatischen, oder auch nur schnellen Beitritt könne auf Grund dieses procedere nicht die Rede sein.

    Liken

  3. almabu sagt:

    Da das hochverschuldete Katalonien vom Kapitalmarkt kaum noch Geld bekommt verschuldet sich die Autonomie immer stärker beim spanischen Staat. Der staatliche Anteil an den katalanischen Schulden wächst von 29% im Juni auf 36% bis zum Jahresende auf einen Betrag von rund 21 Milliarden Euro!

    Bis 2011 waren ausschließlich Banken und Versicherungen mit ungefähr 12 Milliarden Euro Gläubiger der Katalanen. Die Gesamtschulden Kataloniens betragen dann 58 Milliarden Euro.

    Zusammen mit der anteiligen Übernahme der spanischen Altschulden hätte ein unabhängiger Staat Katalonien mit seinen 7 Millionen Einwohnern „vom Start weg“ mindestens 150 Millionen Schulden zu tragen…

    Liken

Was denkst Du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: