Via Catalana. Einbahnstraße zur Unabhängigkeit?

11. September 2013, La Diada, Gedenken an die Niederlage des habsburgischen Lagers im spanischen Erbfolgekrieg 1714, Nationalfeiertag der Katalanen.

Im Vorjahr eine Millionen-Demo unzufriedener Menschen in Barcelona, die damals nur durch glückliche Umständen nicht aus dem Ruder lief. Sie war auch ein Teil des Protestes gegen die asoziale Kürzungspolitik der Gelb-Schwarzen CiU-Koalition* in Katalonien.

Artur Mas, der amtierende Präsident der Autonomie Katalonien, der unter erheblichem politischen Druck stand, glaubte seine Chance zu erkennen, ernannte sich zum obersten Separatisten und setzte sich an die Spitze der Unzufriedenen und rief nach nur zwei Jahren vorgezogene Neuwahlen aus. Er trommelte zwei Monate aus allen Propagandarohren Dauerfeuer…

Doch die katalanischen Wähler durchschauten ihn und sein taktieren und „schrumpften“ seine Koalition CiU von 64 auf 50 Sitze im Parlament. Er benötigte einen Partner, den eigentlichen Wahlsieger ERC (Esquerra Republicana de Catalunya). Diese trat nicht in die Regierung ein, sondern duldete sie und spielte sich als Teil der Regierung und der Opposition zugleich auf. Das machte das Leben für Artur Mas nicht leichter.

Die ERC stoppte, vertreten durch den selbstbewussten Oriol Junqueras, einerseits die neoliberalen Kürzungen der Gelb-Schwarzen, drückte andererseits aber aufs Tempo hinsichtlich eines Referendums unter dem Thema „Das Recht zu entscheiden!“ das die Katalanen bezüglich ihrer Unabhängigkeit für sich beanspruchen. Bis spätestens Ende 2014 sollte dieses Referendum durchgeführt werden. Dies ist Teil der Koalitionsvereinbarung! Nun hatten die Gelb-Schwarzen in Barcelona ein Problem. Ihr linker Koalitionspartner nahm sie beim Wort. Damit hatten sie nicht gerechnet! Einerseits trommelten sie munter ihre Parolen über die Unabhängigkeit, die sie Andererseits gleichzeitig konditionierten: Alles sollte rechtlich einwandfrei, gesetzlich, friedlich im Rahmen der Verfassung ablaufen. Sie mussten wissen, dass dies unmöglich ist?

Die spanische Verfassung verbietet den Austritt oder Abfall von Teilen des Staatsgebietes und sieht als Maßnahme für Abtrünnige die Amtsenthebung der verantwortlichen Politiker und Funktionäre und die Zwangsverwaltung notfalls quer durch alle Hierarchieebenen der Verwaltung vor.

Mas flüchtete nach Brüssel zur EU:
Die EU stellte klar, dass ein neuer Staat Katalonien nicht automatisch Teil der EU sein könne und sich erneut durch den ganzen Beitrittsprozess qualifizieren müsse.

Mas flüchtete nach Brüssel zur NATO:
Die NATO stellte klar, dass ein abfallender Teil eines NATO-Mitgliedes nicht Teil der NATO sein könne und dies auch nicht erneut werden könne, solange es Differenzen mit dem ehemaligen Staat gäbe.

Mas flüchtete zur Wirtschaft:
Die Multinationalen Firmen in Katalonien stellten klar, dass sie notfalls verlagern würden, wenn die katalanische Produktion nicht mehr Innerhalb der EU frei verkauft werden könne. Katalonien wäre bezüglich Import, Export und Reise- und Niederlassungsfreiheit Ausland für die EU und umgekehrt!

Zwischen Madrid und Barcelona beschimpfte man sich heftig und ausgiebig. Schwache politische Hauptakteure, endlose Korruptionsskandale auf beiden Seiten sorgten für einen lähmenden Stillstand. Madrid goß noch ordentlich Öl ins Feuer bezüglich der Bildung und des Schulsystems in Katalonien. Auch bezüglich der Steuern, deren Eintreibung und Verteilung lagen die Auffassungen diametral auseinander. Katalonien ging ohne Haushaltsentwurf(!) für 2013 und damit auch ohne eine Einigung über die von Madrid akzeptierte Verschuldung in die Sommerpause.

Inzwischen aber hatte sich etwas geändert. Es gab nach einer Phase der Provokationen und Sprachlosigkeit Gespräche zwischen Mariano Rajoy und Artur Mas sowohl über vertraute Emmissionäre als auch persönlich. Man suchte in der verfahrenen Situation nach Gesichtswahrenden Lösungen. Mas räumte ein, die Volksbefragung möglicherweise ans Ende (2016!) seiner Legislaturperiode zu verschieben und dann die nächste Autonomiewahl plebiszitär zu konzipieren. Mas neigte auch dazu, die Frage aller Fragen nicht eindeutig, sondern in einer Art „sowohl als auch“- Manier* zu formulieren. Die ERC protestierte! *(wollt ihr die Unabhängigkeit, oder reicht es euch, weniger Steuern zu bezahlen?)

Die Gelder, die Steuern und deren Verteilung rückten in den Vordergrund, wie viele von Anfang an prophezeit hatten. Auch innerhalb von CiU waren längst nicht alle für die Unabhängigkeit von Spanien! Josep Antoni Duran i Lleida von der Unió galt von Anfang an als unsicherer Kandidat in diesem Punkt.

In dieser Situation rückte erneut der 11. September näher und die Verantwortlichen, die unkontrollierbare Menschenmassen in Barcelona fürchteten, fanden eine nahezu geniale Lösung:

Die „Via Catalana“ eine fröhlich-jubelnde Menschenkette, etwa parallel zur Mittelmeerküste von den Pyrenäen bis hinunter bis zu den Nachbarn aus Valencia, etwa auf den Spuren der alten, römischen Via Augusta verlaufend.

Diese lieferte friedliche, fröhliche, bunte Bilder, die international starke mediale Beachtung fanden, trotz der akuten Syrien-Krise.  Die New York Times konnte sich aus journalistischer Sorgfalt Hinweise auf die Korruptionsskandale, das Haushaltsdefizit und die Verschuldung Kataloniens trotzdem nicht verkneifen.

Die erste Garde der Politik nahm an der privat veranstalteten Menschenkette nicht teil, um „das Amt zu schonen“, wie es hiess. Man legte sich damit aber auch nicht fest und hielt sich so mehrere Lösungen offen. Soweit mir derzeit bekannt, lief die Demo friedlich ab.

Selbst die naturgemäß parteiische katalanische Presse sprach zwar von einem vollen Erfolg, jedoch nicht von einer Beteiligung die höher als im vergangegen Jahr gelegen hätte, ganz im Gegenteil! Da diese Menschen zudem über 400km verteilt waren, gab es außer heftigen Staus auf den Straßen keine größeren negativen Vorkommnisse. Statt dessen: Alles unter Kontrolle! Wie schon gesagt, ein ziemlich geniales Konzept…

Zusammenfassung:
Halten wir fest. Es waren zwar nicht mehr Teilnehmer als im Vorjahr. Das Thema war aber klar die Unabhängigkeit und nicht eine generelle Unzufriedenheit mit der Autonomie-Regierung, die im Vorjahr eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hatte. Trotzdem sagten passend veröffentlichte Umfragen, dass sich nur gerade 52% der befragten Katalanen für die Unabhängigkeit aussprachen, das Land in dieses Frage also praktisch in zwei etwa gleich große Hälften (52/48) geteilt ist! Dies ist wohl kaum eine Basis für eine Abspaltung, die die Hälfte der Einwohner des neuen Landes Katalonien zu Bürgern zweiter Klasse machen würde?

Die Legalitätsfrage ist ungelöst. Eine verfassungsändernde Mehrheit aller Spanier, die diese Verfassung ändert und Katalonien (und andere?) aus Spanien entlässt, die ist nicht in Sicht und auch nicht zu erwarten.

Legal ist die Unabhängigkeit nicht zu haben, da kann die Generalitat noch so viele Expertengremien gründen, bezahlen und ganze Berge von Papier beschreiben lassen. So gründet sie halt Botschaften im Ausland, lobbyiert vor internationalen Organisationen und beliefert die Medien mit bunten Bildern und positiven Geschichten. (fürchte, wird fortgesetzt!)

__________

Convergència i Unió [kumbəɾˈʒεnsiə i uniˈo] (CiU) ist ein Parteienbündnis mit regionaler Verankerung in der spanischen Autonomen Region Katalonien. Es ist 1978 aus dem Zusammenschluss der Convergència Democràtica de Catalunya (CDC, Demokratischer Pakt Kataloniens) und der Unió Democràtica de Catalunya (UDC, Demokratische Union Kataloniens) hervorgegangen. (Quelle: Wikipedia)

14 Responses to Via Catalana. Einbahnstraße zur Unabhängigkeit?

  1. almabu sagt:

    Einige werden über den Ausdruck „Gelb-Schwarz“ stolpern? Das liegt daran, dass der größere Partner der CiU, die Convergencia als liberal gilt und die kleinere Unió als christlich-konservativ. Diese Koalition wäre also auf Deutschland bezogen eine in der Philipp Rösler der Koch und Angela Merkel die Kellnerin wäre…

    Liken

  2. almabu sagt:

    José Manuel García-Margallo, der spanische Außenminister, hat die katalanische Menschenkette anlässlich der Diada als Erfolg in jeder Hinsicht bezeichnet, der ihn mit großer Sorge und Traurigkeit erfülle und fügte hinzu, dass man auf die Straße hören müsse, aber es sei nicht die Straße wo die Politik gemacht würde. Man müsse die Gründe ermitteln aus denen ein Teil der katalanischen Gesellschaft sich nicht mehr spanisch fühle und diese davon überzeugen, dass man außerhalb Spaniens wesentlich schlechter lebe.

    Er schlug keine Verfassungsänderung vor, die erst einen Austritt Kataloniens aus Spanien ermöglichen würde, sondern will die drei Punkte Sprache und Kultur, Infrastruktur und Finanzierung zur Basis der Veränderung machen. Das würde auf einen Verbleib Kataloniens in Spanien hinauslaufen.

    Bei allem Respekt für die Demonstranten fügte er hinzu, man müsse auch den Respekt der mehr als drei Viertel der Katalanen beachten, die nicht demonstriert hätten! Diese müssten die Sicherheit haben, dass sie keinen Moment ungehört, unverstanden und unverteidigt seien von der spanischen Regierung.

    Liken

  3. almabu sagt:

    Die Menschenkette Via Catalana war sicher primär dem Thema Unabhängigkeit gewidmet, aber keineswegs ausschließlich, wie die Veranstalter und die Politiker im Hintergrund gerne glauben machen möchten.

    Es gab zahlreiche Untergruppen und Teilstrecken, die ganz andere Anliegen verfolgten. Sie kamen überwiegend aus dem Milieu der Linken und hatten vor allem soziale und gesellschaftliche Anliegen. Dazu gehörte unter anderem der Betrug durch die sogenannte „Bankenrettung“, ebenso wie soziale Kürzungen, Einsparungen im Bildungsbereich, die Arbeitslosigkeit und die Homophobie.

    Diese alternativen Menschenketten konzentrierten sich auf Barcelona, Badalona und Girona wo auch Banken von der Menschenkette umzingelt wurden.

    In Girona forderten die Menschen nicht nur die Unabhängigkeit Kataloniens sondern auch einen Staat sozialer Gerechtigkeit in dem nicht die Banken sondern die Menschen gerettet werden.

    Im Stadtpark von Barcelona forderten Homos, Lesben, Trans- und Intersexuelle (jemanden vergessen?), ach ja, und Heteros, ein anderes Gesellschaftsmodell für den neuen Staat Katalonien.

    Die stark zersplitterte Unabhängige Linke (CUP, Arran, Endavant, SEPC, COS, MDT y Alerta Solidària) war sehr präsent bei der Diada, nur nicht in dem Medien, die durch die Gelb-Schwarzen CiU Organisatoren geleitet, die Unabhängigkeit absolut in den Vordergrund stellten.

    Denn Artur Mas und seine CiU verfolgten bis zur Ausbremsung durch den Duldungspartner ERC ein fast lupenreines neoliberales Wirtschaftsmodell. Bei der massiven Verschuldung eines künftigen katalanischen Staates müssten sich die Katalanen auf weitere, extreme Einschnitte gefasst machen, die resultierende Verärgerung könnte diesmal aber nicht auf Madrid umgeleitet werden…

    Liken

    • almabu sagt:

      Die spanische Vize-Präsidentin und rechte Hirnhälfte des teilweise etwas geistesabwesenden Präsidenten Mariano Rajoy (Der mit Bárcenas tanzt…) hat die unverändert ablehnende Haltung der Zentralregierung zum katalanischen Referendum oder gar zur katalanischen Unabhängigkeit einmal mehr klar gestellt und betont, dass es im Rahmen der Verfassung dafür keine Möglichkeit gäbe. Alles, was getan werden könne, müsse sich im Rahmen der Gesetze abspielen.

      Liken

  4. almabu sagt:

    Wie schon im Vorjahr tobt jetzt zwischen der Zentralregierung in Madrid und der Generalitat in Barcelona der Streit um die Teilnehmerzahlen an der Menschenkette Via Catalana.

    Die Separatisten wollten eine noch höhere Zahl als im Vorjahr und nennen deshalb 1,6 Millionen gegenüber 1,5 Millionen in 2012.
    Madrid nennt Zahlen um eine halbe Million. Aber unstrittig bei diesem Zahlenstreit ist, selbst im Falle der 1,6 Millionen wären mehr als drei Viertel der Katalanen zu Hause geblieben und hätten sich nicht eingereiht, obwohl 2013 im Vorfeld JEDEM klar war, worum es ging! Madrid erklärte sich flugs zum Vertreter dieser stillen Mehrheit der zu Hause gebliebenen…

    Mariano Rajoy ließ seine Vize schon mal verkünden, dass er den Brief des Artur Mas, in dem er um die Genehmigung seines Referendums „Das Recht, zu entscheiden“ bat, in den nächsten 48 Stunden beantworten würde. Medien wollen wissen, dass er der Bitte natürlich nicht entsprechen wolle. Andere Medien wollen dagegen wissen, dass dies eine geplante, einkalkulierte Absage sein würde und der Mariano dem Artur somit sozusagen in die Falle gehen würde…

    Liken

  5. almabu sagt:

    In Erwartung des Briefes aus Madrid, mit der Ablehnung Mariano Rajoys auf Artur Mas Bitte den Katalanen ein Referendum zu ihrer Zukunft zu gestatten, geht die CiU bereits einen Schritt weiter.

    Sie wirbt jetzt verstärkt um die 48 Prozent, die sich in jüngsten Umfragen gegen die Unabhängigkeit ausgesprochen haben.

    Der größte Teil dieser Gruppe dürfte nicht in Katalonien geboren sein. Sie fühlt sich vom katalanischen Nationalismus nicht angesprochen, ja brüskiert. Sie wird jetzt – auch das ein Novum – in spanischer Sprache angesprochen, die der politische Katalane sonst meidet, wie der Teufel das Weihwasser!

    Dies ist zu sehen in einer Linie mit den verstärkten Aktivitäten der CiU, unter den Migranten aus aller Welt, in Katalonien für einen unabhängigen Staat zu werben.

    In der Tat ist die gegenwärtige Blockbildung 52% für und 48% gegen die Unabhängigkeit eine der größten Hürden für Artur Mas, denn eine Entscheidung von solcher Tragweite, kann nicht mit knappsten Mehrheiten durchgesetzt werden, sondern sie Bedarf der Unterstützung einer großen Mehrheit der Bevölkerung.

    Liken

  6. almabu sagt:

    Die Generalitat de Catalunya, die Regionalregierung der Autonomie, hat an die Außenminister aller EU-Mitgliedsstaaten ein Memorandum geschickt mit dem Titel „Was geschieht in Katalonien?“ Darin stellt sie ihre Sicht der Dinge dar, in der Auseinandersetzung mit der Zentralregierung im Streit um das Referendum „Das Recht zu entscheiden“ und die dahinter stehende Frage nach der katalanischen Unabhängigkeit von Spanien.

    Sie argumentiert – wie üblich – dass 75% der Bevölkerung Kataloniens dahinter stünden. Das ist die übliche Mogelpackung, denn diese Zustimmungsrate bezieht sich nur auf das Referendum über die eigene Zukunft selbst entscheiden zu dürfen. In diesen 75% sind also auch ein guter Teil derjenigen enthalten, die GEGEN eine katalanische Unabhängigkeit sind, aber sich das Recht wünschen, darüber selbst abstimmen zu dürfen. Aber die EU müsse sich nicht sorgen, Katalonien wolle Mitglied der Gemeinschaft und des Euro bleiben…

    Die EU-Staaten werden sich zwar generell hüten, sich in innerspanische Querelen einzumischen, mit Ausnahme des Briten David Cameron vielleicht, der gerade gegen Spanien einen „Sommerloch-Krieg“ um den Affenfelsen bei Andaluisen führt und der gerne zündelt um von seinem innenpolitischen Desaster abzulenken?

    Liken

  7. almabu sagt:

    In seiner Antwort an Artur Mas ging Mariano Rajoy auf die gestellte Frage überhaupt nicht ein. Sie ist rein technisch, juristisch gehalten in einer Form kalter Höflichkeit, die an „Verarschung“ grenzt. (http://wp.me/aBGla-30t)

    Die katalanischen Separatisten wurden damit – je nach Temperament – zur Weissglut gereizt oder vertröstet, denn die Optimisten unter ihnen argumentieren „am Tag danach“, dass der Ministerpräsident schließlich nicht kategorisch „Nein“ zum Ansinnen seines katalanischen Counterparts gesagt habe. Das ist wohl wahr… Nun soll das katalanische Parlament noch bis November eine „eigene Legalität“ konstruieren, was sicher der juristische Schwachpunkt im geplanten Prozess sein dürfte. Bis zum Jahresende soll/en dann die Frage/n zum Referendum formuliert sein.

    Auch Duran i Lleida von der Unió scheint jetzt für die „Mehr-Fragen-Lösung“ offen zu sein, die meines Erachtens eine erneute Mogelpackung werden wird á la „Sind sie für die katalanische Unabhängigkeit, weniger Steuern und Abgaben und immer schönes Wetter?“

    Zustimmung vermutlich bei 100 Prozent?

    Formulierte man die Frage/n aber anders herum

    „Wollen sie in einem unabhängigen katalanischen Staat von den gleichen korrupten Banden abgezockt werden nur unkontrolliert durch eine Zentralregierung und deshalb noch dreister und mehr?“

    dann dürfte die Unabhängigkeit Kataloniens scheitern?

    Liken

  8. almabu sagt:

    Schottland wird von den katalanischen Separatisten gerne als Beispiel angeführt, wie ein Referendum durchgeführt werden sollte. Am 18. September 2014 wird die Volksbefragung stattfinden und die Frage lautet schlicht „drinnen bleiben im UK, oder raus gehen“!

    Bisher haben Umfragen keine Mehrheit für den Austritt ergeben. Lib Dem, Nick Clegg sagte nun auf einer zweitägigen Konferenz, dass es im Falle eines Verbleibens Schottlands im UK eine zweite Befragung geben müsse, denn das was eine Mehrheit der Schotten wolle stünde gar nicht auf dem Wahlzettel. Er nennt es „devo-max“ und es bedeutet im Klartext, dass alle Kompetenzen außer Verteidigung, Außenpolitik und Währungspolitik, sprich, das britische Pfund, an das schottische Parlament in Holyrood übergehen sollten und nur die genannten drei Kernkompetenzen bei London verbleiben würden.

    Liken

  9. Adai sagt:

    Korrektur zu
    “ …das Land in dieses Frage also praktisch in zwei etwa gleich große Hälften (52/48) geteilt ist! …“
    in der Umfrage der Cadena Ser hieß es 52% der Katalanen seien für die Unabhängigkeit. Das heißt aber mitnichten, dass 48% dagegen sind!! Nämlich ist der Anteil der Gegner 24% die restlichen wissens noch nicht (13%), enthielten sich (8%) oder würden nicht antworten (3%). S.u. http://www.cadenaser.com/espana/articulo/52-catalanes-favor-independencia/csrcsrpor/20130911csrcsrnac_2/Tes

    DAS HEISST: das Land ist mitnichten in zwei gliechgroße Lager gespalten sonder ist das Verhältnis mehr als 2/3 zu 1/3! nicht unerheblich, oder?

    Liken

    • almabu sagt:

      Danke für die Klarstellung! Ich habe einfach den „ungünstigsten Fall“ zu Grunde gelegt, denn nicht einmal ein 50/50 würde in einer solch existentiellen Frage m.E. reichen. Bei einer auch nur annähernd objektiven Darstellung der Vor- und Nachteile der Unabhängigkeit könnte nur ein sektierischer, harter Kern dafür sein, oder?

      Liken

      • almabu sagt:

        Zwischen den Schotten und den Katalanen überwiegen die Unterschiede gegenüber den Gemeinsamkeiten. Schottland hatte sich als seit über dreihundert Jahren existierendes, unabhängiges Königreich, als Völkerrechtssubjekt sozusagen, in einem Vertrag mit England verbunden. Ein solcher ist relativ einfach lösbar. Schottland lebt nicht den Viktimismus der Katalanen, die selbst bei schlechtem Wetter die Schuld bei Madrid suchen.

        Das einzige was jetzt noch fehlt in dieser unverantwortlich aufgeputschten Lage ist katalanische Gewalt, Terrorismus. Berührungen zur ETA hat es 2005 in Perpignan, Frankreich von Seiten der ERC, damals in der katalanischen Regierung ja bereits gegeben…

        Liken

  10. Adai sagt:

    Oh, je. „sektiererischer harter Kern“, „katalanischer Terrorismus“, „unverantwortlich aufgeputschte Lage“, „katalanischer Viktimismus“…
    Hast wohl keine alzugroße Bereitschaft die Gründe zu verstehen, weswegen die Unabhängigkeitsbefürwortung so stark angestiegen ist in den letzten Jahren.
    Du kannst doch nicht einerseits Fakten zitieren (Umfrage) und dann zu einem fiktiven 50/50 wechseln, was nichts mit der Realität zu tun hat. Niemand würde bei 50/50 eine Abspaltung wollen. Bei 66% zu 33% schon eher. (Montenegro frei nach 55 zu 45!) Zumindest verstehe ich die Demokratie so. Schade für die 33%, aber so ist das Leben. Ich persönlich – als Nicht-Katalane – sehe auch Deinen Beitrag als Beleg dafür, wieso die traditionell sehr dialogbereiten Katalanen „prou“ (=genug!) sagen . Spanien hatte über 30 Jahre lang seine Chance gehabt nach Franco einen fairen Staat für alle Völker zu schaffen, wo die sich respektiert fühlen können. Nach meiner Meinung ist dieses Ziel, wenn das überhaupt nennenswerte Anteile der PP oder PSOE verfolgt haben sollten, wohl verfehlt. Finde ich echt schade für das schöne Spanien. Eventuell wird alles klarer nach einem freien Katalonien und sogar nach einem freien Baskenland. Da kann eventuell endlich eine gesunde Spanisch-Kastilische nationale Identität entstehen, die es nicht mehr nötig hat andere zu geringschätzen um sich gut zu fühlen.
    Und was den sektiererischen harten Kern betrifft: In einer gesunden Demokratie sollte man keine Angst haben vor den Wahlurnen. Sollen die Katalanen doch abstimmen, und dann kann man ganz genau sagen wieviele sind für welche Lösung.

    Damit habe ich meinen Beitrag in diesem blog beendet, keine Lust gegen tendenziöse Darsellungen anzuargumentieren.

    Lo mejor para Espana – El millor per a Catalunya!
    Adiós – Adéu!

    Liken

    • almabu sagt:

      Na so sei es denn, dann mach’s mal gut Hunnenkönig, nachdem du hier wie Attila durch mein Blog gefegt bist ohne mehr als einen(1!) allerdings berechtigen Einwand beizutragen, scheint es mit der Argumentation nicht allzu weit her zu sein? Woran Katalonien schon seit mindestens der Zeit von Jordi Pujol Senior krankt ist die hemmungslose Korruption der politischen Klasse. Diese würde beim gegebenen Personal und den „Familien“ dahinter auch am Tage 1 eines unabhängigen Staates munter weitergehen und so besteht wenig Hoffnung auf eine positive Änderung… und tschüss!

      Liken

Was denkst Du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: