Frankreich: Richter und Anwalt in U-Haft im 403 Millionen € Skandal Tapie/adidas/Crédit Lyonnais/Sarkozy/Lagarde!

Die juristische Untersuchung des Schlichtungsverfahrens nahm erneut eine unerwartete Wendung. Hatte man auf Grund der Aktenlage zunächst mit einer Anklage der damals die ungewöhnliche Schlichtung gegen den Rat der Experten ihres Ministeriums durchstechende Wirtschaftsministerin Christine Lagarde gerechnet, die dann jedoch vorläufig eine auf den Status einer „verdächtigen Zeugin“ reduzierte Verschnaufpause bekam, so wurde gestern Mittag einer der drei damals im CJR mit der Schlichtung befassten Richter in Untersuchungshaft genommen.

Der vorläufige Vorwurf lautet, dass der Richter Pierre Estoup Geschäftskontakte zu Maurice Lantourne, dem Anwalt Bernard Tapies verheimlichte, es somit einen möglichen Interessenkonflikt gegeben habe und somit eine Entscheidung des Gerichtes CJR zu Lasten der staatlichen Auffanggesellschaft CDR, die Nachfolgerin der in finanziellen Schwierigkeiten geratenen und vom Zusammenbruch bedrohten Credit Lyonnais, ermöglicht haben könnte!

Was kommt als Nächstes? Wer steckt nicht drin, in diesem Fall?
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NACHTRAG:
Wir brauchten nicht lange zu warten: Auch der Anwalt Bernard Tapies, Maitre Maurice Lantourne soll verhaftet worden sein und sich in U-Haft befinden!
Wenn die geschäftliche Verbindung des Richters Estoup zu Anwalt Lantourne zum Zeitpunkt der Schlichtung bestand und bewiesen werden kann, dann könnte das gesamte Verfahren als ungültig bewertet werden. Christine Lagarde wäre in einem solchen Fall fein raus!

7 Responses to Frankreich: Richter und Anwalt in U-Haft im 403 Millionen € Skandal Tapie/adidas/Crédit Lyonnais/Sarkozy/Lagarde!

  1. almabu sagt:

    Letzte Entwicklung vom 29.05.2013:

    Maurice Lantourne, Anwalt von Bernard Tapie aus U-Haft freigelassen.
    Der immerhin schon 86-jährige Ex-Richter Pierre Estoup sitzt hingegen noch bis mindestens Donnerstag in U-Haft!
    Präsident Hollande erklärte im Beisein des Spaniers Mariano Rajoy vor der Presse, dass der Staat seine Rechte schütze und eventuell ein Zivilverfahren oder die Ungültigkeitserklärung der Schlichtung möglich sei.

    Entschieden ist noch nichts. Man rechnet nicht vor nächster Woche mit Neuigkeiten in dieser Sache.

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  2. almabu sagt:

    Der Ex-Richter Pierre Estoup, 86, einer der drei Richter beim Schlichtungsverfahren Tapie / Credit Lyonnais und seit Montag in vorläufigem Polizeigewahrsam, wurde am heutigen Mittwoch im Pariser Krankenhaus l’Hôtel-Dieu unter dem Vorwurf des „Bandenmäßigen Betruges“ vernommen.

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  3. almabu sagt:

    Bernard Tapie, Skandal-Unternehmer in der Grauzone von Wirtschaft und Politik, hat Angesichts der möglicherweise drohenden Ungültigkeitserklärung der Schlichtung und der daraus folgenden Rückforderung des französischen Staates von bis zu 403 Mio Euro (plus Zinsen?) schon einmal vorsorglich erklärt, dass von der ganzen Sore nur noch gute 100 Mio vorhanden seien!

    Der Rest sei für Schulden, Steuern, Anwaltskosten und was man halt so zum Leben braucht, draufgegangen…

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    • almabu sagt:

      Es ist schlicht undenkbar beim Charakterprofil des Nicolas Sarkozy, dass die Tapi/Crédit Lyonnais-Affäre von zweit- und drittklassigen Akteuren aus dem engsten Umfeld des Präsidenten und seiner Wirtschaftsministerin eigenmächtig exekutiert wurde, ohne dass Sarkozy zumindest „grünes Licht“ dazu gegeben hat. Möglicherweise hat er sie sogar initiiert, was noch zu beweisen wäre? Zusammen mit der Affäre Bettancourt ein möglicherweise zusammenhängendes Korruptionsgeflecht des Systems Sarkozy? Dieser genießt allerdings als Präsident für alle Aktionen während seiner Amtszeit vollkommene Immunität, wie praktisch!

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      • Ronny sagt:

        Präsident müsste man sein, zumindest in Frankfreich. Wirklich unfassbar was da ablief oder auch immer noch abläuft. Inzwischen ist das Medieninteresse aber doch deutlich zurückgegangen. Ebenfalls sehr praktisch für die Beteiligten…

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        • almabu sagt:

          „Präsident müsste man sein, zumindest in Frankfreich…“

          Frankreich ist auch nicht mehr, was es mal war: Der Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, der Richter am Kassationsgericht Gilbert Azibert, dessen Kollege Patrick Sassoust, und der Anwalt von Nicolas Sarkozy, Thierry Herzog, der Staranwalt des Ex-Präsidenten sind Gestern und Heute in Frankreich von der Justiz-Polizei für maximal 48 Stunden arrestiert, bzw.“en garde à vue“ genommen worden. Das ist eine Premiere für einen Ex-Präsidenten der Grande Nation! Durch das Abhören von Sarkozys Telefon kamen die Ermittler auf die Spur, dass Sarkozy und/oder sein Anwalt von dem Dritten, dem Magistraten, Interna aus den endlosen Bettencourt-Ermittlungen wegen illegaler Wahlkampffinanzierung 2007 gegen Sarkozy erfahren wollten und ihm bei Lieferung der gewünschten Infos einen hübschen Prestige-Job an der Cote d‘ Azur, angeblich im Staatsrat von Monaco, versprochen haben sollen. Das wäre aktive und passive Bestechung und für Sarkozy könnte es „endlich einmal“ eng werden?

          Die Maßnahme der Justiz, der „garde à vue“, einer vorläufigen Arrestierung, wird für gewöhnlich bei Bandenkriminalität, bei Fluchtgefahr oder Gefahr der Absprachen und Vertuschungen angewandt. Für Sarkozy könnte ein bißchen von allem zutreffend sein?

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