Korruptionsfall ITV: Strippenzieher Oriol Pujol vor Anklage vor dem TSJC!

Oriol Pujol „delegiert“ nach Klageeröffnung im Korruptionsfall ITV durch das Oberste Katalanische Gericht TSJC sein Amt als CiU-Generalsekretär! Er hat es nicht niedergelegt, er lässt es nur zeitweise ruhen, denn wie er sehr  ausführlich erklärte, sei er bisher nur zum Verhör vorgeladen, was ein Hinweis auf Indizien bedeute, aber keineswegs Beweise oder gar eine Verurteilung. Seine überaus bedeutenden Ämter werden gar gleich auf drei Funktionäre seines Vertrauens aufgeteilt. Das könnte aber auch ein Hinweis sein, auf das mühsam austarierte Gleichgewicht der aus den drei Parteien CDC, UDC und ERC gebildeten Separatisten-Koalition.

Trotzdem ist die Anklage des Schattenmannes Pujol, der Nummer zwei in der Separatisten-Partei CiU, durch ein katalanisches Gericht ein starker Hinweis und in der Tagesarbeit der Koalition ein Schlag für die Bestrebungen des Artur Mas zu einem unabhängigen Katalonien. Sein Abgeordneten-Mandat wolle er selbstverständlich behalten, denn es niederzulegen komme schließlich einem Schuldeingeständnis gleich und er sei, da ist sich Oriol Pujol ganz sicher, sich keinerlei Schuld bewusst! Er konnte sich den Hinweis nicht verkneifen, dass aus Madrid gegenüber den Katalanen bekanntlich ein schmutziges Spiel getrieben würde. Damit tat er genau das, was er zuvor wortreich vermeiden wollte, nämlich sich gegen Angriffe in die katalanische Flagge, die Senyera einzuwickeln.

Es geht um Durchstechereien unter Nutzung seines bekannten Familiennamens und Druckausübung auf Bedienstete der Autonomie Katalonien. Im Fall ITV ging es quasi um die Lizenz zum Geld drucken: Es sollte in Zusammenarbeit mit einer Deutschen TÜV-Organisation ein flächendeckendes TÜV-System der „Inspección Técnica de Vehículos“, kurz ITV, in Katalonien aufgebaut werden.

Pujol und einige Partner und Amigos wollten sich durch ihren Informationsvorsprung, seinen Namen und seine Kontakte an die Schaltstellen setzen. Das hätte ihnen Millionen garantiert. Er hat aber nicht das Format seines berühmten Papas, des „ewigen Jordi Pujol“ ,des Meister Yoda des letzten Vierteljahrhunderts katalanischer Politik.

Damit hat das Oberste Katalanische Gericht in diesem Monat gleich drei hohe Politiker verschiedener Parteien der Korruption angeklagt, ein nie zuvor dagewesener Rekord an versuchter juristischer Transparenz. Es gäbe indessen noch mehr Kandidaten dafür…

7 Responses to Korruptionsfall ITV: Strippenzieher Oriol Pujol vor Anklage vor dem TSJC!

  1. Uhupardo sagt:

    Hervorragender Artikel, der es gut zusammenfasst!

    Zusätzlich soll bemerkt sein, dass in anderen Teilen Spaniens die Landesregierungen sehr wohl auch dafür gesorgt haben, dass die ITV in den „richtigen“ Händen landet. Ein sicheres Geschäft.

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    • almabu sagt:

      Danke! Jetzt müsste in den Fällen Gürtel, Bárcenas und Noos etwas Handfestes kommen. Die spanische Demokratie braucht einen glaubhaften Versuch der Säuberung von der Korruptionsseuche. Den größten Dienst könnte der Elefantentöter seinem Land erweisen, indem er zurück tritt und einem Neuanfang Platz macht. Aber das wäre vielleicht zuviel verlangt?

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      • Uhupardo sagt:

        almabus Lieblingsthema, ya lo sé. Aber es ist erstens falsch und zweitens das unwichtigste Thema überhaupt – was ich nicht weiter ausführen will, eben deswegen.

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      • Volksverdummung sagt:

        Ein Rücktritt des Elefantentöters würde die korrumpierten regierenden Eliten (auch die „Finanzeliten“, die in diesem System in politische „Beteiligungen“ investiert haben) kaum stören, sofern es eine geordnete „Staffelübergabe“ gäbe…

        Jeder Versuch eines Neuanfangs innerhalb des bestehenden Systems ist m. E. zum Scheitern verurteilt, weil sich die herrschenden Eliten hartnäckig dagegen sträuben, grundlegende, strukturelle Gesellschaftsreformen einzuleiten.
        .
        HESSE
        .

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        • almabu sagt:

          Aber es muss ja ab sofort in Spanien weitergehen und nicht irgendwann, nach einer Revolution und einem neuen, so noch nie dagewesenen, ganz tollen Wirtschaftssystem, das dann in Spanien alleine eingeführt wird, oder?

          Den Idealfall können wir uns schnitzen, er wird so vermutlich nicht so schnell eintreten?

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    • angelika sagt:

      Hör mal Uhu und almabus, ich kenne die Namen die man noch aufzählen könnte in dieser Story und es gibt demnächst noch ganz andere Überraschungen in dieser Hinsicht. ITV ist erst der Anfang, Rathaus von Lloret ist nur Schaumschlägerei, oder nur ein kleiner Teil von dem ,was wirklich ist. Plan Pive wird uns noch überraschen, die Holzmafia wird uns noch überraschen und die Liste ist noch lang, aber Überraschungen am laufenden Band sind langsam langweilig und hinter den Kulissen spielen sich ganz andere Dinge ab, sozusagen nimm den „Frass“ und rege Dich auf, (schließlich muss das Volk ja beschäftigt werden und einen Kanal zum Wut- ableiten haben), damit es nicht hinter die Gitter schaut!
      Schöne Grüße aus Barcelona
      Angelika

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  2. Volksverdummung sagt:

    (Zitat:)… „Den Idealfall können wir uns schnitzen, er wird so vermutlich nicht so schnell eintreten?“
    .

    1. Es ist unwichtig, ob man eine „Veränderung zum Besseren“ als „Revolution“ oder als „Reform“ klassifiziert. Wichtig ist allein, dass man das „Schnitzen“ und die „Seuchenbekämpfung“ nicht einstellt, auch man unter Garantie weiss, dass das Schnitzwerk nicht perfekt sein kann.

    Warum sollte es nicht möglich sein, die intellektuellen Kapazitäten ferngesponserter Denkfabriken umzuprogrammieren, oder auf anderen Wegen Alternativen zu entwickeln, die mehrheitsfähig und auch „moralisch koscher“ sind? – nicht nur „Solaranlagen“, auch politische Handlungsalternativen lassen sich fördern, oder sabotieren.

    2. Ich halte es für denkbar, dass sich ein souveränes politisches Gebilde ein erneuertes „tolles Wirtschaftssystem“ verpasst, allerdings nicht auf einer supranationalen, oder auf einer globalen „Verständigungsebene“…
    Wenn das nicht so wäre, stünde die Souveränität eines Staates nur auf dem Papier. Leider gibt es für Letzteres gewisse „Indizien“…

    • Das geldpolitische „Rettungsprogramm“, das uns von diversen Marionetten seit 2008 „demokratisch legitimiert“ in den Schlund geschoben wird, zielt primär darauf ab, den ökonomischen und finanzpolitischen „status quo“ nicht zu verändern.
    • Entgegen allen Versprechungen gab es keine systematische Krisenursachenforschung mit dem Ziel, Handlungsalternativen zu sondieren, geschweige denn diese politisch umzusetzen.

    FAZIT:
    Ist es nicht so, dass sich der Wert eines Menschen In dem bestehenden System zusehends nach ökonomischen Verwertungskriterien bemisst?
    Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Spannungen von Budapest bis Madrid könnte ich mir auch vorstellen, dass ein „Elefantentöter“ unfreiwillig abtreten muss.
    .
    HESSE
    .

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