EuroVegas und das erste Gebot: Du sollst niemals in Vorleistung gehen!

Die Eigentümer der 750 Hektar Brachland „La Venta de la Rubia“ bei Alcorcón, südwestlich von Madrid hat die Gier und die Angst gepackt. Die Gier ihr Land zum Höchstpreis an den „superreichen Onkel Adelson aus Amerika“ zu verkaufen und die Angst vorher von der Comunidad de Madrid enteignet zu werden.

Sheldon Adelson kann kein Interesse daran haben, langwierig mit Hinz und Kunz über Phantasiepreise zu verhandeln. Die Comunidad de Madrid ist sein gefügiger Verhandlungs- und Geschäftspartner. Wahrscheinlich gibt es über das procedere des Landkaufes bereits konkrete Absprachen?

Die Eigentümer könnten sich einen Preis von 60 Euro pro Quadratmeter vorstellen. Das würde für Adelson 450 Millionen Euro bedeuten. Wenn die Comunidad de Madrid hingegen die Eigentümer enteignet, sind Entschädigungen von 30 Euro pro Quadratmeter im Gespräch. Irgend jemand, vermutlich Adelson, könnte so die ersten 225 Millionen Euro gespart haben, noch bevor der erste Spatentich getan ist! Wenn Adelson einen höheren Preis als die Entschädigung an die Eigentümer bezahlt, dann könnten sich hier die ersten eine goldene Nase verdienen? Das sind die Momente wo Politik, Spekulanten und Big Business zusammen treffen, an denen die Korruption entsteht, unter der ganz Spanien leidet!

Natürlich wurde hier im Vorfeld spekuliert und es sollen spekulierende Käufer vor der Entscheidung für Alcorcón bis zu 240 Euro pro Quadratmeter bezahlt haben. Hier wird es also zwangsläufig Verlierer geben!

Las Vegas Sands, Adelsons Firma, kündigte den Landkauf als letzten Schritt der ersten Phase an und will dazu sowieso nur höchstens ein Drittel eigenes Geld bei steuern. Das bedeutet, Adelson nimmt höchstens zwei Milliarden eigenes Geld in die Hand. Den Rest sollen spanische Banken finanzieren! Diese halten sich noch vornehm zurück, zumindest offiziell, denn sie haben gerade eine geplatzte Immobilienblase zu verantworten unter der das Land seit Jahren leidet. Bald wird diese Erinnerung Schnee von Gestern sein…

Diese Banken sind gerade mit 40 Milliarden EU-Geldern zum Minimalzins gerettet worden. An dieses international konkurrenzlos günstige Geld kommt der Spielhöllenmagnat sozusagen durch das Zwischenschalten geretteter spanischer Banken. So würden letztlich auch EU-Gelder in Adelsons EuroVegas-Projekt fliessen!

Adelson will aber zunächst auch nur das Land für die erste Bauphase erwerben. Das lässt Raum für weitere Spekulation in den angrenzenden Ländereien in die sich bereits Spekulanten einkaufen, in der Erwartung, dass der Wert dieses Landes stark steigen wird, wenn die erste Bauphase abgeschlossen sein wird und die ersten Spielkasinos in der Einöde stehen.

Aber vielleicht ist Adelson ja auch einfach nur „klamm“, knapp bei Kasse? Seine Firma soll in 2012 bei 11,6 Milliarden Dollar Umsatz Schulden von 10 Milliarden angesammelt haben. Die Geschäfte in den USA, China und Singapur seien von der Krise beeinträchtigt. Jede weitere Beeinträchtigung könne Auswirkungen auf weitere geplante Investitionen haben…

Das erste Gebot dieser Deals lautet „Gehe niemals in Vorleistung!“ Wer wird wohl zuerst wackeln, zucken und umfallen, bei diesem Pokerspiel?

http://www.elconfidencial.com/espana/2013/03/06/adelson-aun-no-sabe-ldquoel-tamano-y-el-alcancerdquo-de-la-primera-fase-de-eurovegas-116290/

http://www.elconfidencial.com/espana/2013/03/08/los-propietarios-del-suelo-se-agrupan-para-intentar-sacar-450-millones-por-eurovegas–116432/

4 Responses to EuroVegas und das erste Gebot: Du sollst niemals in Vorleistung gehen!

  1. Leo Brux sagt:

    Eines der spannendsten Themen – bleib am Ball, almabu! Ich warte auf die Fortsetzung!

    Ein paar erste Gedanken dazu von mir:

    Eine Spielhölle – das ist es, was die Spanier jetzt, genau jetzt brauchen.

    Denn was macht man im Elend? – Entweder besäuft man sich (ist ungesund, und teuer), oder man bringt sich um (ist trostlos, beeinträchtigt außerdem die Demografie des Landes) – oder man wird aktiv – aktiv am Glücksspielautomaten! Man gibt sich selber eine Chance!

    Es ist noch nicht alles verloren. Adelson spielt Gott und wird den einen oder anderen Spanier aus dem Elend retten. Für diejenigen, die es nicht schaffen, ist es ohnehin egal. Wird das Elend halt noch ein bisschen elender.

    Und ganz nebenbei geraten einige Dollars in die Hände von Spaniern. Aus schierem Patriotismus sollte jeder Spanier begeistert sein, wenn es einem der ihren gelingt, ganz schlau-heimlich Dollars auf seine privaten Konten zu lotsen. Das wird den Konsum in Spanien ankurbeln – na ja, vorausgesetzt, der Fuchs investiert diese erkorrumpierten Dollars nicht auf dem Berliner Wohnungsmarkt.

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  2. almabu sagt:

    Die meisten spanischen Steuerhinterzieher legen ihr Geld im Ausland, gerne in der Schweiz, in Liechtenstein oder dem UK an.
    Gewaschenes Geld könnte aber zum Beispiel u.a. auch auf dem Berliner Immobilienmarkt landen, der für spanische Verhältnisse trotz aller Preissteigerungen immer noch billig sein dürfte?

    Teilweise fliessen auch Gelder nach Südamerika und in die Karibik, aber das erscheint diesen feinen Herren meist nicht sicher genug.

    Das Wahnsinnsproblem hinter dem weit verbreiteten Korruptionssystem ist die konsequente Verteuerung, zumeist verbunden mit einer gleichzeitigen Verschlechterung jeder staatlichen oder wirtschaftlichen Leistung durch eine scheinbar allgegenwärtige aktive und passive Bestechung!

    Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und seiner Wirtschaft wird so konsequent und systematisch zu Grunde gerichtet, wie von Schmarotzern, die ihren Wirtskörper zu Tode aussaugen…

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  3. almabu sagt:

    Um das hier einmal deutlich klarzustellen: Es geht in Deutschland nicht grundsätzlich anders zu! Korruption ist auch bei uns ein sehr ernstes Problem.

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