Katalonien: Milchcafé, schwer verdaulich für die Clique um Artur Mas!

In Katalonien gibt es eine Zeitschrift mit dem harmlosen Namen Milchcafé (spanisch = Café con leche, auf katalan Cafè amb llet).

Die Chefredakteure Marta Sibina i Camps und Albano Dante Fachin Pozzi recherchierten in Zeiten brutaler Kürzungen dem massiven Geldschwund im Gesundheitsbereich, dem berüchtigt-dunkel-undurchsichtigen Geschäftsgebahren dieser autonomen Einrichtung, nach.  Sie stellten Fragen, produzierten ein Video, nannten darin Namen und stellten es unter dem Titel „Der größte Raub in der Geschichte Kataloniens“ ins Internet. Da verschwanden in Krankenhäusern Millionenbeträge, da wurden hundertausende für Reisen, Spesen und Restaurants verprasst. „Cafèambllet“ nannte Ross und Reiter im Klartext. Das war eindeutig zu viel an Transparenz!

Flugs gab es eine Klage eines betroffenen Beraters aus dem Umfeld von Artur Mas, wie es sie zu Dutzenden bei der Generalitat d’Catalunya gibt. Sie sind nicht demokratisch legitimiert, hochbezahlt, wirken geschäftig im tiefen Schatten und blähen den politischen Bereich unförmig auf. Dieser Mann fühlte sich von dem Video in seiner Ehre, seinem guten Ruf geschädigt.

Mit für katalanische Verhältnisse absolut unüblicher, geradezu „affenartiger Geschwindigkeit“ wurde das Verfahren 158/2012 durchgezogen. Die Redaktion wurde am 23. Oktober 2012 durch die Richterin María Millán Gisbert der Rufschädigung schuldig gesprochen und zu 10.000 Euro Strafe verurteilt.

Inhaltlich wurde jedoch kein einziger im Video genannter Fakt als falsch wiederlegt! Mittlerweile wurden sogar von den namentlich genannten Personen drei angeklagt, zwei verhaftet und gegen einen wird ermittelt. Trotzdem erging ein Urteil als eine „Frage der Ehre“?

Obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, mussten die Videos am 28. Februar 2013 auf richterlichen Beschluss aus dem Netz genommen werden, was faktisch reine Symbolik sein dürfte?

Die Betreiber von „cafèambllet“  liessen sich jedoch nicht einschüchtern. Sie beschlossen vielmehr in die Offensive zu gehen!

Sie sammeln im Web Geld. Aber nicht in erster Linie um die Strafe zu bezahlen, die durchaus an der Existenz der Zeitung rüttelt, sondern um aus dem Thema des Videos ein Buch zu machen und dieses zu vertreiben.

Der Fall „cafèambllet“ erregte sogar in der Washington Post Aufsehen als ein in den USA unvorstellbarer Verstoss gegen die Presse- und Informationsfreiheit.

Wer sich im Netz etwas auskennt, kann das Video angeblich problemlos finden, da es gespiegelt und von Personen heruntergeladen wurde, die es jetzt jederzeit wieder hochladen können.

http://www.cafeambllet.com/press/?p=17726

Namen und Details in spanischer Sprache:

http://ccaa.elpais.com/ccaa/2012/10/26/catalunya/1351282852_593776.html

4 Responses to Katalonien: Milchcafé, schwer verdaulich für die Clique um Artur Mas!

  1. almabu sagt:

    Der undurchdringliche Amigismo-Filz aus Familien, Freunden und Beratern lässt leider ernsthaft befürchten, dass die Unabhängigkeitskampagne des Artur Mas und der CiU nichts weiter ist, als der Versuch eines noch größerer Raubzuges, des Raubes einer ganzen Autonomie, aus dem Verbund des Spanischen Volkes.

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    • Volksverdummung sagt:

      Ein Filz, der „undurchdringlich“ ist?

      Das…“lässt ernsthaft befürchten“, dass es für eine legale, rechtsstaatlich legitimierte „Selbstreinigung“ dieses Systems zu spät ist!?
      .
      HESSE
      .

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      • almabu sagt:

        Ich bin kein Hellseher, nur ein kritischer Optimist! Als solcher glaube ich immer noch an irgendeine Lösung des Korruptionssumpfes in Katalonien. Schließlich hat man auch die Malaria besiegt, in dem einst sumpfigen Schwemmland-Mündungsgebiet des größten katalanischen Flusses Llobregat, der zwischen Barcelona und dem Flughafen Prat de Llobregat trübe und belastet ins Mittelmeer fliesst. Witzigerweise wollte die Generalitat d’Catalunya hier die katalanische Variante der Mega-Zockerbude EuroVegas ansiedeln!
        Ein Rudel Hyänen, das sich in seine Beute verbissen hat, gibt diese freiwillig nicht wieder her. Da muss der Druck schon groß genug sein, ein Rudel Löwen vielleicht? Es wird jedenfalls sehr schwer, denn Katalonien ist faktisch seit mindestens einer Generation ein Selbstbedienungsladen einiger Dutzend Großfamilien und Sippen, die sich kennen, untereinander heiraten und die Autonomie als von Gott gegebene Beute betrachten. Ausserdem hat jeder noch Leichen im Keller, die Teils in die unaufgearbeitete Franco-Zeit zurückreichen. Artur Mas ist ein austauschbarer Repräsentant dieser Kaste. Er wird keine Transparenz durchsetzen oder gar Strafverfolgung, so optimistisch bin ich dann doch wieder nicht;-)

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  2. almabu sagt:

    Die Regierungspartei PP in Madrid scheint das juristische Verhalten „eine Frage der Ehre“ dieses katalanischen Falles kopieren zu wollen?

    Im Fall ihres Ex-Schatzmeisters Bárcenas soll er von der PP (ohne ihren Ministerpräsidenten Rajoy) wegen Rufschädigung und nicht wegen z.B. Untreue, Veruntreuung, Betrug, Diebstahl, Steuerhinterziehung, Urkundenfälschung, etc. angezeigt werden, sondern wegen Rufmord!

    Das erlaubt es dem Gericht, auf die dem „Rufmord“ zu Grunde liegenden Sachverhalte gar nicht erst eingehen zu müssen.
    Obwohl sie sich öffentlich streiten, sind sich CiU und die PP in der praktischen, konkreten Politik oft sehr ähnlich…

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