David Cameron zündelt gezielt an Europa!

Sein flammendes Fanal, seine Brandrede hat er zwar wegen der Lage in Nordafrika auf unbestimmte Zeit verschoben, aber er hat schon mal was durchsickern lassen.

Offenbar wird er gezielt einen Keil ansetzen bei der nicht geringen Zahl der Unzufriedenen in, mit und über Europa. Cameron, der strikt und einzig auf seinen britischen Vorteil, genauer gesagt, auf den Vorteil der britischen Finanzindustrie, bedacht ist, will sich zum Sprecher dieser Unzufriedenen machen. Der Witz des Jahres 2013!

Er will Europa so weit aufdröseln und rückabwickeln, bis nur mehr ein gemeinsamer Wirtschaftsraum bleibt. Keine Kompetenzen für Brüssel. Wozu der Euro? Wozu der Versuch eines Europäischen Arbeits- und Sozialrechts? Das brauchen wir alles nicht!

Cameron will mit seiner so ziemlich letzten verbliebenen Industrie, dem Finanzunwesen der City of London, mit der Hilfe von allerlei kunstvoll gewebten Netzen aus unverständlichen Finanzprodukten, ungestört und vor allem unkontrolliert den europäischen Kontinent abfischen. That’s it!

Er versucht die zwangssparende EU-Südschiene hinter sich zu vereinen. Deshalb hat er Hollande und Monti vorab informiert. Rajoy wurde in dem Zusammenhang nicht erwähnt. Vielleicht hält er ihn für einen Merkel-Lakaien, vielleicht sind ihm Leute, die das urbritische Gibraltar in Frage stellen, generell suspekt?

Aus den USA hat man ihm aber erneut ungewöhnlich deutlich gemacht, in welcher Rolle  Obama das UK sieht, in der eines starken Wächters von US-Interessen INNERHALB der EU. Dies wurde ihm jetzt in kurzer Zeit zweimal deutlich erklärt. Ob er es diesmal kapiert?

Camerons Rede ist klar gegen Brüssel und Berlin gerichtet. Merkel will absolutely not be amused, I suppose?

Camerons Rede muss geradezu zwangsläufig den Euro destabilisieren. Die Frage ist nur, wie stark ihr Einfluss auf die Gemeinschaftswährung sein wird? Europa hat seit langem seine Hausaufgaben nicht gemacht. Das rächt sich jetzt. Cameron kann sich die Angriffspunkte beliebig aussuchen, wo er den Meissel ansetzen wird. Es gibt deren viele…

Wer Europa weiter entwickeln will, kann dies nur in Richtung einer sozialeren, menschlicheren Gesellschaft tun, sonst folgen ihm zu Recht die Menschen nicht. Eine Bürokratur der van Rompuys, Barrosos und Ashtons braucht kein Mensch. Sie kann letztlich nur gewaltsam durchgesetzt werden.

Ein Europa der Nationalstaaten, der profitierenden Merkels und Schäubles und des sparenden, hungernden, leidenden, peripheren Restes braucht auch keiner. Deutschlands Hartz IV ist kein Vorbild, sondern ein Irrweg, ebenso wie aggressiver Export um jeden Preis.

Viele hatten Hoffnung auf Frankreich und Hollande gesetzt als Kontrapunkt zu Merkel. Leider hat der Mann bisher ziemlich glücklos agiert und es ist kein Ende in Sicht. Klar ist jedenfalls, dass niemand versuchen sollte Hartz IV zu kopieren, weder freiwillig noch unter Zwang der EU oder des IWF. Es ist keine Lösung, sondern ein Vehikel der brutalen, globalen erpresserischen Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung.

Es ist zwangsläufige Folge der Millionen Billigarbeitsplätze, dass die Sozialsysteme krachen, zuerst die Krankenversicherungen und später die Renten. Das löst dann immer eine neue Zwangspar- und Streichrunde aus und das böse Spiel beginnt erneut.

Zurück zu David Cameron: Die eigentlichen Ursachen der britischen Wirtschafts- und Strukturprobleme sind hausgemacht und haben nicht das Geringste mit Europa zu tun. Europa wurde aber von den britischen Politikern gerne als Sündenbock gebraucht, genau wie dies auch hier bei uns oft genug geschieht.

Der Mann glaubt anscheinend tatsächlich, mit der Rückeroberung  einiger oder vieler Kompetenzen von Brüssel bricht an der Themse und darum herum das blühende Leben aus? Die Ursache seiner Wirtschafts- und Gesellschaftsprobleme auf der Insel hat einen Namen und der hat nur am Rande mit Europa zu tun. Dieser Name lautet Margaret „I-want-my-money-back“ Thatcher, seine Jahrhundertvorgängerin, deren großer, böser  Schatten Camerons Mittelmäßigkeit sowohl im Partei- als auch im Premierminister-Amt umso deutlicher werden lässt.

Wer aber so falsch, ob bewusst lügend oder einfach irrend, liegt, dem sollte man nicht noch Veto-Rechte und andere Blockadewerkzeuge an die Hand geben. Deshalb muss die Antwort auf seine Forderungen die totale Ablehnung sein! Es wäre sehr wichtig ein konstruktives UK tiefer in der EU zu integrieren, mehr als es dies heute ist. Wenn er das nicht will, dann besser eher und schneller raus mit ihm, bevor er eine Meuterei anzettelt.

Denn was Cameron hier versucht, ist lediglich das alte, bewährte britische Prinzip des Spaltens, Teilens und Beherrschens des Europäischen Kontinents.

Das Problem der Menschen in Europa ist der gravierende Abbau von Sozial- und Lebensstandards. Das ist das bewusste und konsequente gegeneinander ausspielen der Beschäftigten der EU-Nationalstaaten. Wenn sich dieser Oberschicht-Schnösel heute über die massive Einwanderung aus Ost- und Südosteuropa aufregt, dann ist das schlicht verlogener Populismus! Welche Schicht, die seine Partei vertritt, profitiert denn von der konsequenten Unterbietung aller Tarife und Sozialleistungen? Das Problem hat seine Partei doch erst geschaffen!

Drum sehe sich jeder Unzufriedene in Europa genau an, WER hier WAS sagt und WIE es bei ihm daheim wirklich aussieht. Mit Unterhaus-Theater, nicht einmal mit Shakespeareschen Qualitäten, kommt Europa nicht voran. Ein zurück in die Goldenen 70er und 80er Jahre gibt es nicht, schon gar nicht mit David Cameron.

Bei seinem durchsichtigen Versuch, sich zum Anführer der Unzufriedenen in der EU aufzuschwingen, erinnert er an den Rattenfänger von Hameln. Natürlich gibt es mehr genug Grund zur Unzufriedenheit in der EU. Nur die EU, welche die Unterschicht, die Arbeitslosen, die Armutsrentner und Billiglöhner wollen, deren Anteil ständig wächst, oder die Mittelschicht deren Anteil ständig schrumpft, eine soziale, humane, lebenswerte, demokratische Gesellschaft, die will David Cameron garantiert nicht, wetten?

12 Responses to David Cameron zündelt gezielt an Europa!

  1. landbewohner sagt:

    die frage dürfte sein inwieweit cameron überhaupt britische interessen vertritt. sicher ist, daß die interessen der city of london mit denen der wall street übereinstimmen – und diese beiden werden von cameron und obama vertreten. da deren oberstes ziel die zerstörung des euro ist und war (bedrohung des us-dollars als petro-währung), stellt sich automatisch die frage, ob nicht das uk von anfang an als wachhund oder undercover-agent des us-kapitals in die eu eingetreten ist.

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    • almabu sagt:

      Am Anfang, als die Briten in den EU-Vorläufer eintraten, spielte Wall Street wohl sicher noch nicht die Rolle der City of London? Die Engländer haben natürlich ihren eigenen Kopf und die Rolle des Schäferhundes der USA niemals freiwillig gespielt, sondern immer nur dann, wenn es keine anderen Optionen für sie gab.

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  2. Uhupardo sagt:

    Hervorragender Artikel! Kommentarlos so unterschrieben.

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  3. almabu sagt:

    VOLKSWAGEN hat in 2012 acht Millionen Autos verkauft und sein Chef hat 20 Mio Euro verdient, äh.. hm.. bekommen.

    Das ist ein perverser Exzess!

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  4. almabu sagt:

    Hier sind Fakten zu meinem Beitrag:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=15898

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  5. almabu sagt:

    Der frühere Vorsitzende der Konservativen Partei, Lord Tebbit sagte in seinem Blog auf der TELEGRAPH-Website, „dass das wahrscheinliche Ergebnis von David Camerons Rede noch mehr Durcheinander sei.. ..dass, falls er nicht die Rückholung von Kompetenzen von der EU nach Großbritannien fordere, den Tories die Aktivisten und Unterstützer davon laufen würden.. ..dass aber, wenn er dies täte, ihm Brüssel, die Deutschen und die Franzosen klar machen würden, dass es „kein Menue á la Carte“, sondern Tag für Tag für Tag für Tag nur das Tagesgericht geben würde. Kurz, Cameron habe sich in eine selbst gebaute Sackgasse gefahren!“

    Tebbit wirft Cameron generell vor, seine politischen Entscheidungen eigenmächtig, ohne Konsultationen und Diskussionen innerhalb seines Kabinetts zu fällen.

    Camerons Europa Rede, die erklärtermaßen „ans Eingemachte“ gehen soll, wird nun von vielen für Morgen erwartet! Ort und genauer Zeitpunkt unbekannt.

    http://blogs.telegraph.co.uk/news/normantebbit/100198906/david-cameron-has-driven-himself-into-a-political-cul-de-sac-over-europe/

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  6. Peter Vogl sagt:

    Entscheidendes blieb unerwähnt, wie 75% der Gesetze stammen nun aus Brüssel und Cameron plant Volksabstimmung über EU-Austritt. Das ganze eine wirre Utopie eines linken Schlaraffenländers.

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  7. almabu sagt:

    Bei den Tory-backbenchers, den Hinterbänklern der Konservativen, wächst offenbar die Unruhe über ihre Wahlchancen in 2015 mit einem David Cameron an deren Spitze.

    In privaten Kreisen soll bereits über seine vorherige Absetzung diskutiert werden!

    Zwar ist er nicht unmittelbar gefährdet, aber bis zu 17 MP’s (Parlamentsabgeordnete) sollen Misstrauensbriefe geschrieben haben und zumindest eine Liste von Abgeordneten soll zirkulieren, die einen Coup gegen Cameron unterstützen würden.

    Das erklärt vielleicht ein bisschen den Druck, der auf Cameron lastet und den er – in bewährter Manier – an Europa weiterleiten möchte?

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  8. almabu sagt:

    Der britische Außenminister William Hague sagte, dass Datum, Ort und Zeit von David Camerons „Red meat“-Europa-Rede heute bekannt gegeben werden würden. Vermutlich wird es Mittwoch sein, damit Cameron danach als Strahlemann zum Privat-Gipfel nach Davos jetten kann?
    Der US-Botschschafter im UK betonte am gestrigen Sonntag als dritter Vertreter der USA in kurzer Zeit, dass die USA die Rolle des UK IN der EU sähen, aber dass es natürlich Sache der Briten sei, darüber zu entscheiden…

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  9. almabu sagt:

    Britische Arbeiter: Kompetenzen von der EU zurückholen? Nein, danke!

    David Camerons berühmteste ungehaltene Rede stösst auf Protest im eigenen Land, bevor sie gehalten wurde! Unter einer Rücknahme der EU-Sozial- und Arbeitspolitik würden Millionen Arbeiter und Angestellte in Großbritannien zu leiden haben. Das muss, das darf nicht sein!

    Eines von Camerons-Lieblingsanliegen ist die Aufhebung der maximalen Wochenarbeitszeit von 48 Stunden, von bezahlten Pausen und vier Wochen bezahlten Urlaubs.

    Sind sich die Kumpels an den Theken der Pubs, die über Europa schimpfen eigentlich bewusst, was Camerons „Kompetenzenrücknahme“ für sie ganz konkret bedeuten würde?

    Lohn- und Sozialdumping kennt nur einen Verlierer, die arbeitende Bevölkerung. Die britischen Arbeiter, Angestellten und ihre Gewerkschaften sollten sich dies nicht von einem Tory-Oberschicht-Schnösel kaputt machen lassen. Sie haben viel zu verlieren!

    http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/jan/22/cameron-europe-speech-workers-rights

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  10. almabu sagt:

    Geniales Bild vom „Zocker“ Cameron, der gegen die EU blufft:

    http://www.economist.com/news/leaders/21570691-promising-referendum-europe-prime-minister-taking-punt-gambler?fsrc=nlw|hig|1-24-2013|4735738|112303699|EU

    Es soll exklusiv auf dem Titel der britischen Ausgabe stehen!

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