UK / Schottland: Unabhängigkeitsreferendum, Modell für Spanien / Katalonien?

Wie es scheint, steht eine Einigung zwischen London und Edinburgh über das Procedere des Referendums unmittelbar bevor. So soll sie aussehen:

Schottland erkennt an, dass die legale Kompetenz über ein Referendum alleine bei London liegt. London autorisiert Edinburgh das Referendum durchzuführen.

Beide Seiten einigten sich auf 2014 als Termin für das Referendum.

Es soll aus einer einzigen Frage bestehen, die mit Ja oder Nein zu beantworten ist.

Offen ist noch das Mindestalter für die Teilnahme*, die Schottland bei 16 und England bei 18 Jahren sieht.

Schottland plant, organisiert und führt das Referendum durch. Es legt das genaue Datum in 2014 und den genauen Wortlaut der Frage fest, über die abgestimmt werden soll. Schottland entscheidet auch, ob Schotten, die im Ausland leben wie z.B. der Promi Sean Connery, am Referendum teilnehmen können.

Alles, was nach einem Votum für schottische Unabhängigkeit zu klären wäre, muss danach mit London ausgehandelt werden und das dürfte ziemlich viel sein. An der konkreten Durchführung bzw. ihren Konditionen, könnte das Vorhaben natürlich auch später noch scheitern.

Am meisten sorgen jedoch die Umfragen für Gelassenheit bei der britischen Regierung. Die Zustimmung zur Unabhängigkeit ist deutlich rückläufig! Sie ist seit Jahresbeginn von 38 auf 28 Prozent gefallen! 53 Prozent der Schotten erklären in Umfragen, dass Schottland Teil von Großbritannien bleiben solle. Das waren früher nur 44 Prozent. Also heisst es in Downing Street entspannt, „abwarten und Tee trinken!“

http://internacional.elpais.com/internacional/2012/10/10/actualidad/1349865063_398838.html

Nachtrag, 11.10.12:
Die SNP des Alex Salmond hat sich durchgesetzt! Das Mindestwahlalter zur Ausübung des aktiven Wahlrechtes beim Referendum wurde auf 16 Jahre herabgesetzt.

5 Responses to UK / Schottland: Unabhängigkeitsreferendum, Modell für Spanien / Katalonien?

  1. Lumpy Gravy sagt:

    Wozu ein Referendum? Warum holen wir nicht Genscher aus dem unverdienten Ruhestand und schicken ihn nach Edinburgh, damit er Alex Salmond zu einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung überreden und dem unabhängigen Schottland mit viel Waffen, Munition, Propaganda und Geld unter die Arme greifen kann? Ich dachte, das wäre mittlerweile gängige Praxis in der Friedens-EU …

    Ernsthaft: ich bin sehr für das Referendum und hoffe, daß die Schotten den Mumm aufbringen, sich aus dem UK zu lösen um vollständige nationale Souveränität zu erlangen. Noch besser wäre es, wenn das Parlament in Cardiff und die nord-irischen Abgeordneten in Westminster ähnliche Prozeduren in Gang brächten. Obwohl all das geographisch, kulturell und ökonomisch wenig Sinn macht, so scheint es doch die einzige Möglichkeit zu sein, dem imperialistischen und anti-demokratischen Biest UK ein Ende zu bereiten und auch in England demokratische Reformen zu ermöglichen. Langfristig gesehen könnten sich die demokratischen Republiken (yes, bye-bye Liz) dann wieder in einer losen, föderalen Union zusammenfinden um sich über interne und internationale Angelegenheiten besser abstimmen zu können. In der SU hat das Modell 70 Jahre lang gut funktioniert.

    Was Jugoslawien betrifft: wäre es nicht gut, wenn sich Mitglieder der Kohl/Schröder Kabinette in Belgrad vor einem Kriegsverbrecher-Tribunal verantworten müßten? Vor ein paar Nächten habe ich tatsächlich geträumt Genscher (wie vor ihm Göring) mit Kopfhörer auf dem Kopf, und Fischer und Scharping (wie vor ihnen Eichmann) in einem Glaskasten zu sehen. Leider bin ich dann aber noch vor der Urteilsverkündung aufgewacht. Der Grund für den Traum war sicher, daß wir uns vor kurzem nochmal Judgment at Nuremberg mit Spencer Tracy und den sowjetischen Dokumentarfilm Nuremberg Trials (Sud narodov, 1947) im Internet angesehen hatten.

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    • almabu sagt:

      Der Gedanke, einige dieser westeuropäischen Balkanverbrecher vor Gericht zu sehen, der hat etwas, in der Tat! Wenigstens hat Kohl nicht den Friedensnobelpreis erhalten, was ja durchaus im Raum stand.

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  2. almabu sagt:

    Heute, Montag, der 15. Oktober werden Alex Salmond und David Cameron in Edinburgh den Vertrag über das schottische Unabhängigkeitsreferendum unterzeichnen! Darin gewährt Großbritannien Schottland für eine bis auf Ende 2014 befristete Zeit das Recht ein entsprechendes Referendum durchzuführen. Die Schotten wollen dies erst im Herbst 2014, kurz vor Ablauf dieser Frist, tun. Beide Seiten verbreiten Optimismus über ihre Siegchance!

    Aktuelle Umfragen sehen die Unabhängigkeitsbefürworter bei zwischen 25 und maximal 33 Prozent. Die Befürworter eines Schottlands als Teil des UK, also des status quo, liegen bei 53 Prozent. Die Unentschlossenen, um die jetzt wohl zwei Jahre(!) gekämpft werden wird, liegen also zwischen 14 und 22 Prozent.

    Wichtig sind auch die Details der Finanzierung dieses „Wahlkampfes“, ist es doch schlechterdings unmöglich zu erwarten, dass London mit seinen Mitteln die eigene Sezession finanziert?

    http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/cameron-heads-for-edinburgh-to-agree-historic-referendum-deal-with-salmond-8211010.html

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  3. Philline Niedermeier sagt:

    Sehr interessanter Artikel! Allerdings habe ich hier einen informativeren Artikel gefunden:

    http://www.fairobserver.com/article/scotland-or-out-british-union

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