Spanien: Streik – eine stumpfe Waffe?

Am Beispiel des Baskenlandes möchte ich – ohne zu sehr ins lokale Detail zu gehen – einige Dinge anmerken, die vielleicht andernorts durch Gewerkschafter bestätigt, einen Trend, eine Tendenz erkennen lassen?

Das Baskenland wird Tag für Tag ein Stück ärmer. Die Menschen verlieren hart erkämpfte soziale Errungenschaften der letzten dreissig Jahre. Die zunehmende Verschärfung der Arbeitskonditionen und die schleichende Verarmung der unteren und mittleren Einkommensschichten haben NICHT mehr Menschen auf die Straße gebracht, das Gegenteil ist der Fall!

Im Vergleich zum Jahr 2010 sanken in 2011 die Anzahl der Streiks um 19,5 Prozent, oder ein Fünftel. Die Anzahl der Teilnehmer an den Streiks halbierte sich (-51,1 Prozent). Die Anzahl der durch Streiks verlorenen Zeit sank gar um 53,2 Prozent. Die gesamten Streiks haben, gemessen durch den verlorenen Zeitanteil am Bruttoinlandsprodukt PIB, etwa 24 Millionen Euro gekostet. Das kratzt weder den Staat noch die Unternehmen!

Es gibt im Baskenland 160.000 Arbeitslose, 500.000 Beschäftigte ohne gültige Tarifvereinbarung und 60.000 Menschen die Sozialhilfe beziehen.

Das genügte nicht, um alle Gewerkschaften vereint und koordiniert handeln zu lassen! Lediglich zu einem Streik konnten die vier großen Gewerkschaften ELA, LAB, sowie CC OO und UGT seit 2009 gemeinsam aufrufen, denn sie dann aber dann am 29. März 2011 in zwei Blöcke getrennt durchführten.

So werden am kommenden Mittwoch wieder ELA und LAB einen Generalstreik im Baskenland und dem angrenzenden Navarra durchführen an dem sich die Gewerkschaften CC OO und UGT nicht beteiligen werden.

Der Generalsekretär der ELA, Adolfo Muñoz sagte, der spanische Ministerpräsident Rajoy wolle nicht nur die die Arbeits- und Sozialrechte zerstören sondern dem Land auch seine neoliberale Ideologie aufzwingen.

Sein Kollege von der LAB, Ainhoa Etxaide findet, dass eine Wirtschaftsdiktatur eingerichtet werden soll, in der eine kleine Elite diktiere und dass die jetzt aufgezwungenen Reformen keinen Ausweg aus der Krise böten, sondern in eine rechtlose Zukunft führen würden.

Kleine Gewerkschaften wie die ESK, Stee-Eilas, EHNE, Hiru, CGT y CNT schlossen sich dem Generalstreik an.

Die Gewerkschaften CC OO und UGT reden indessen über einen Generalstreik im Dezember, möglichst auf europäischer Ebene…

http://ccaa.elpais.com/ccaa/2012/09/22/paisvasco/1348333027_255931.html

4 Responses to Spanien: Streik – eine stumpfe Waffe?

  1. Sepp Aigner sagt:

    Bei hoher Arbeitslosigkeit sind wirtschaftliche Streiks natürlich schwierig. Für jeden, der motzt, stehen fünf andere vor der Tür, die bereits sind, seine Arbeit zu machen, und womöglich ist die Auftragslage eh so flau, dass ein paar ausgefallene Arbeitstage, die vom Unternehmer nicht bezahlt werden müssen, ganz recht kommen. In einer Krisensituation wie zur Zeit gibt es nur zwei Möglichkeiten: Kuschen oder branchenübergreifender politischer Streik, Generalstreik. Ich denke, die Lage ist so, dass die spanischen Lohnabhängigen in ihrer Mehrheit unschlüssig sind oder im Moment (noch ?) eher zum Kuschen neigen. Selbst die gelegentlichen Generalstreiks sind ja nicht wirklich ein Erzwingungsmittel, wenn man sie bloss auf einen Tag ansetzt. Ein solches Mittel wäre nur der unbefristete Generalstreik, verbunden mit einer wirklichen entschlossenen Massenbewegung z.B. auch der kleinen Selbständigen und kleinen Unternehmer.
    Im Baskenland ist natürlich die Spaltung der Gewerkschafter entlang der Nationalitäten besonders fatal.

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    • almabu sagt:

      „Im Baskenland ist natürlich die Spaltung der Gewerkschafter entlang der Nationalitäten besonders fatal.“

      Ist das nicht ein generelles spanisches Problem, das keinesfalls auf das Baskenland beschränkt ist?

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  2. Sepp Aigner sagt:

    Nein, meines Wissens gibt es diese Gewerkschaftsspaltung nach Nationalitäten nur im Baskenland.

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