Kölner Beschneidungsverbot: Vollkommen unnötige Korinthenkackerei!

Gut gemeint, ist meist das Gegenteil von gut. Das gilt wohl auch für diesen Fall, der ohne Not in die traditionell ausgeübten religiösen Sitten und Gebräuche von zum Teil jahrtausendealten Weltreligionen eingreift.

Im Prinzip unterstellt das Urteil, jüdische und muslimische (und US-amerikanische!) männliche Kinder müssten vor ihren fanatischen Eltern geschützt werden, die ihnen verantwortungslos am Schniebel herumschnippeln wollten.

In der Konsequenz von Köln müsste dann dieser Logik folgend bald ein Urteil folgen, dass die religiöse Indoktrinierung von Kindern durch Eltern, Kirchen, Schulen und Gesellschaft bis zu deren Volljährigkeit verbietet, um keinen psychischen Schaden bei ihnen anzurichten.

Das Kölner Gericht hätte sich in der Sache für unzuständig erklären und die Klage zurückweisen müssen!

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/urteil-zur-beschneidung-von-jungen-schnitt-und-schmerz-11801177.html

http://www.zentralratdjuden.de/de/article/3705.html

http://islam.de/20585

http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=2123&cHash=a6089e7b33e7f370adce23918d4a197f

http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2012_06_28_4_kontroverse_beschneidungsurteil.html

17 Responses to Kölner Beschneidungsverbot: Vollkommen unnötige Korinthenkackerei!

  1. […] “Kölner Beschneidungsverbot: Vollkommen unnötige Korinthenkackerei!” erklärt der almabu-Blog, warum das Urteil, das die Beschneidung eines muslimischen Jungen für strafbar erklärt, unsinnig […]

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    • almabu sagt:

      Vielen Dank auch für die mir ungefragt „aufgezwungene“ Diskussion, lieber Uhu!

      Uhupardo: Deutschland ist oft eine sehr seltsame Mischung aus rigiger Haltung und falsch verstandener Toleranz.  Das Kölner Urteil ist so richtig wie erforderlich. Jede Zivilisation ist verpflichtet, ihre eigenen Werte zu formulieren und aktiv zu schützen. Tut sie das nicht, wird sie von denjenigen Zivilisationen unterdrückt, die mit ihr konkurrieren. Körperliche Unversehrtheit gehört unbedingt dazu.

      almabu: Wieviele Millionen Eltern in Deutschland unterziehen ihre minderjährigen Kinder teils schmerzhaften und langwierigen medizinischen Behandlungen von Teils zweifelhaftem Nutzen? Das fängt bei bestimmten Impfungen an, geht über Korrekturen am Knochenbau und Skelett und Gebiss bis hin zu Schönheitsoperationen, Tätowierungen, Ohrringen und Piercings! Im Prinzip sind das alles mit Schmerzen verbundene körperliche Eingriffe (Misshandlungen?) an Minderjährigen, für die ihre Eltern entscheiden.

      Uhupardo: Das Urteil unterstellt das nicht nur, so ist es tatsächlich. Im juristischen Raum Deutschlands, der die Werte der Gesellschaft ummanteln soll, stellt Köperverletzung eine Straftat dar. Hier müssen die Kinder also davor geschützt werden, vor wem auch immer und mit aller Konsequenz.

      almabu: Die allumfassende, globale Zuständigkeit des Westens und seiner „Werte“ ist das Vehikel des politischen und militärischen Eingreifens überall auf der Welt. Wir können oder wollen uns nicht vorstellen, dass andere Kulturen gewisse Werte anders definieren. Wir missionieren also „unsere Werte“, die sich im Alltag durchaus als fragwürdig herausstellen. Wir fordern Mädchenschulen in Afghanistan und importieren gleichzeitig minderjähriges Frischfleisch aus Osteuropa für die Puffs flächendeckend in Deutschland.

      Uhupardo: So wie Mädchen in Deutschland juristisch vor Genitalverstümmelung zu schützen sind, so sehr das auch woanders “Jahrtausende alte Tradition” sein mag, trifft es auch bei den Jungs zu. Daran ist schlicht gar nichts falsch, ganz im Gegenteil. Wenn religiöse Indoktinierung bis zur Volljährigkeit ausserdem untersagt würde, wäre das tatsächlich ein Segen, wenn auch nicht zu erwarten. Darin sind wir allerdings einig.

      almabu: Ich glaube niemand ausser Dir hier setzt Genitalverstümmelung von Mädchen mit der religiös oder medizinisch begründeten Beschneidung von Jungen gleich?

      Uhupardo: In keinem Fall! Das Gericht ist definitiv für Delikte von Köperverletzung im deutschen Rechtsraum zuständig. Deswegen war dieses Urteil seit langem überfällig, egal wer jetzt wie laut portestiert!

      almabu: Dann müsste also jedes Foul in der Bundesliga als Offizialdelikt gerichtlich verfolgt werden?
      Spaß beiseite, ich will mal eine andere These einbringen:
      Dieses Thema erlaubt es Minderheiten unseres Landes anzuprangern, folgenlos unter Generalverdacht zu stellen, sich moralisch über sie zu setzen und gleichzeitig durch die deutsche Gesetzgebung ein Alibi zu bekommen. Dem können anscheinend viele nicht widerstehen?
      Meine These ist sehr einfach. Wir haben Religionsfreiheit in Deutschland. In Deutschland wird wahrscheinlich länger beschnitten als getauft, denn als die großflächige Christianisierung durch Irische Mönche erfolgte, da waren die Juden, die Jahrhunderte zuvor mit den Römern gekommen waren schon „Alteingesessene“!
      Jüdische und muslimische und US-Eltern lieben ihre Kinder nicht weniger als Deutsche und werden ihnen deshalb nicht mutwillig Schmerzen zufügen, oder?
      Kinder werden seelisch verletzt, wenn man ihnen vom Teufel und der Hölle erzählt. Wo bleibt da das entsprechende Gerichtsurteil?

      PS: Mein Bruder wurde als junger Erwachsener in Berlin wegen einer Phimose beschnitten. Er war mehrere Tage im Krankenhaus und empfand es durchaus als schmerzhaft. Der Arzt sagte ihm damals in meiner Gegenwart, dass dieser Eingriff ein Klacks gewesen wäre, wenn er bei ihm als Kleinkind vollzogen worden wäre. Es gab in den 70ern der Vor-Aids-Zeit auch Tendenzen „in fortschrittlichen Kreisen“sich aus hygienischen Gründen beschneiden und aus Fairness gegenüber den Frauen in den Zeiten des fröhlichen „Jeder treibt es mit Jedem“ Rudelbumsens sterilisieren zu lassen. Körperverletzung hatte da keiner im Sinn…

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  2. almabu sagt:

    Weitere Aspekte zum Kölner Beschneidungsverbot:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/nach-dem-koelner-urteil-strafbare-beschneidung-11802626.html

    Unter dem Artikel befinden sich weiterführende Links zum Thema!

    Interessante Folge des Urteils:

    Das Kölner-Urteil stellt ja nur nachträglich fest, dass der Arzt, der die Beschneidung durchgeführt hatte, einem Verbotsirrtum unterlegen sei, dass die Beschneidung also bereits vor dem Urteil rechtswidrig gewesen sei!

    Daraus wiederum folgt nun womöglich ein Rechtsanspruch von Hundertausenden in Deutschland beschnittenen Jungen gegen den Staat auf Schadensersatz, da er sie nicht vor der Körperverletzung geschützt habe…

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    • uhupardo sagt:

      „Das Kölner-Urteil stellt ja nur nachträglich fest, dass der Arzt, der die Beschneidung durchgeführt hatte, einem Verbotsirrtum unterlegen sei, dass die Beschneidung also bereits vor dem Urteil rechtswidrig gewesen sei!

      Daraus wiederum folgt nun womöglich ein Rechtsanspruch von Hundertausenden in Deutschland beschnittenen Jungen gegen den Staat auf Schadensersatz, da er sie nicht vor der Körperverletzung geschützt habe…“

      Das allerdings wäre eine wirkliche innerliche Fiesta für mich. Erwachsenentaufe und Erwachsenenbeschneidung – schon wäre es vermieden.

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  3. almabu sagt:

    Da das Kölner Urteil inzwischen rechtskräftig geworden ist und dagegen keine Revision möglich ist, weil der angeklagte Arzt ja freigesprochen worden war, hat das Jüdische Krankenhaus Berlin ab sofort die Beschneidungen aus religiösen Gründen eingestellt:

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/juedisches-krankenhaus-berlin-stoppt-religioese-beschneidungen-a-841804.html

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  4. dieandereperspektive sagt:

    Ich denke die Diskussion ist hier nicht sachlich. Deutschland hat eine andere Kultur und daher finde ich das Urteil für absolut richtig. Wer sich in Deutschland aufhält, hat unsere Kultur zu repektieren und nicht wir die des Gastes. Daher ist es ein gutes Urteil. Menschenrechte stehen über religiöse Rituale, so sollte es immer sein.

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    • almabu sagt:

      Wer sich seit zweitausend Jahren in Deutschland aufhält und – zwar unter Schwierigkeiten, Behinderungen, bis hin zu Pogromen und Holocaust leidend – über viele Jahrhunderte seine Religion ausüben durfte und ausserdem Deutscher ist wie Sie und ich, der hat sich heute woran anzupassen? Die Juden sind seit Jahrtausenden Teil dieses Landes und seiner Kultur, eine Minderheit zwar, aber durchaus prägend. Die Muslime sind auch schon drei Generationen im Land haben aber auch zu den Zeiten der Bedrohung Europas, wie z.B. Wien 1683, Europa von aussen auch kulturell beeinflusst. Es gab sogar Zeiten, da waren sie total in Mode bei unserem Adel. Nein, dieses Argument des „Gastes“ ist quatsch! Sie sind keine Gäste sondern Mitbürger, teils deutsche Staatsbürger, teil nicht. Sie genießen aber die Religionsfreiheit, die ebenso wie das Recht auf körperliche Unversehrheit ein Grundrecht ist. In die kulturellen und religiösen Gebräuche unserer Mitbürger sollten wir uns aber nicht einmischen.

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      • dieandereperspektive sagt:

        Im Prinzip richtig, ja, aber von freier Entscheidung kann man da nicht sprechen, daher reagiere ich darauf sehr skeptisch. Ich habe selbst mit ansehen müssen wie Kinder, die noch nicht einmal aus den Windeln sind, dieser Folter unterworfen werden. Ich rede hier von religiösem Zwang, der nichts mit freier Willensentscheidung zu tun hat und insbesondere bei Mädchen grotesk und unmenschlich ist. Ich finde man sollte doch mindestens jedem Menschen die Freiheit geben, dies alleine zu entscheiden und diese Entscheidung vorbehaltlos akzeptieren. Das in einem Alter, bei dem er dazu fähig ist. In Europa ist das ohne weiteres möglich. Doch ich sehe und höre nie, dass dies auch so praktiziert wird. Daher kann es für mich nur Ablehnung dem gegenüber geben. Quatsch ist es dabei auch noch auf sein „Recht“ zu pochen und dabei die Menschlichkeit einfach zu vergessen. Oder würden sie es gut heissen, dass den chinesischen Frauen immer noch die Füße abgebunden werden. Ekelhalft ist so etwas, sonst nichts.

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      • uhupardo sagt:

        „Sie genießen aber die Religionsfreiheit, die ebenso wie das Recht auf körperliche Unversehrheit ein Grundrecht ist.“

        Na eben! Und was ist nun mit Erwachsenentaufe und Erwachsenenbeschneidung? Oder ist es richtiger, an kleinen Kindern herumzuschippeln, die sich nicht wehren können?

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        • almabu sagt:

          Ich bin eindeutig dafür, diese Entscheidung den Eltern zu überlassen. Zumindest bei den Juden stellt die Beschneidung (bis zum achten Lebenstag!) ein wesentliches, zentrales Element des Glaubens dar, habe ich während dieser Debatte erfahren. Wie sollen wir uns da einmischen und Ihnen vorschreiben gefälligst erst als Volljährige Juden zu werden?
          Aber ebenso wie die berühmten Mädchenschulen in Afghanistan bietet diese Forderung einen weiteren Ansatzpunkt, einen Kulturkrieg des Westens gegen den Islam herbeizureden.
          Dann müsste man den Eltern kleiner Mädchen auch deren Ballett-Unterricht verbieten, denn das tut Anfangs richtig weh, ist also Körperverletzung. Jeder Muskelkater, hervorgerufen durch Sport, ist im weitestens Sinne eine Körperverletzung. Wir sollten wirklich die Moschee, Verzeihung die Kirche im Dorf lassen, finde ich!

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  5. uhupardo sagt:

    Schlusswort: Vale, almabu, wir halten jetzt fest, dass wir endlich mal in einem Thema überhaupt nicht einig werden. Wurde eh Zeit, finde ich. ;-)

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    • almabu sagt:

      Das sehe ich auch so;-) Es ist normal unterschiedliche Ansichten zu haben. Vor diesem Hintergrund geht mir jeder missionarische Eifer und der Wunsch Weltreligionen einem Kölner Gerichtsurteil anzupassen, völlig ab. Aber gegensätzliche Ansichten sind nützlich zur Überprüfung und Bestimmung des eigenen Standortes die im Idealfall ergebnisoffen sein sollte!

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  6. dom sagt:

    Beschneidung ist schlecht, das sagt einem außerdem der gesunde Menschenverstand.
    Einstein sagte:
    “Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden. […] Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Inkarnation des primitiven Aberglaubens. “
    Da hatte er wiedermal recht.

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  7. Leser sagt:

    “Sie genießen aber die Religionsfreiheit, die ebenso wie das Recht auf körperliche Unversehrheit ein Grundrecht ist.”

    Ja, dieser Satz ist ja schon ein Widerspruch in sich. Auf der einen Seite Religionsfreiheit, auf der anderen Seite das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Da muss das Gericht ja, wenn es eingeschalten wird, sich auf eine Seite stellen. Gilt in Dtld. das Grundgesetz oder die Religionsfreiheit? Wir sind kein religiöser Staat. Also Grundgesetz vor Religionsfreiheit, oder?
    Im übrigen sind ja auch Frauenbeschneidungen teil von Tradition und Glauben in afrikanischen und muslimischen Kulturen. Ist das in Dtld. also auch erlaubt? Nach ihrer Meinung, dann wohl ja.

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  8. almabu sagt:

    Die American Academy of Pediatrics, der Verband der Kinderärzte in den Vereinigten Staaten, hat seine Haltung zur Beschneidung von Knaben revidiert. Eine in der Zeitschrift „Pediatrics“ veröffentlichte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die medizinischen Vorteile gegenüber den Risiken überwiegen.

    In einem mit der Standesorganisation der Gynäkologen, dem American College of Obstetricians and Gynecologists, abgestimmten “policy statement”, stellen sie fest, die Beschneidung senke die Risiken der Ansteckung mit HIV, Herpes, humanen Papillomaviren und Syphilis. Beschnittene Männer erkrankten seltener an Peniskrebs, für ihre Geschlechtspartnerinnen sinke die Gefahr des Gebärmutterhalskrebses…

    http://www.faz.net/aktuell/wissen/mensch-gene/beschneidungsdebatte-amerika-sieht-vorteile-in-der-beschneidung-11871169.html

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