Generalstreik Spanien: Realität und Wahrnehmung!

Die Gewerkschaften werten diesen landesweiten Streik also großen Erfolg mit einer Beteiligung von rund 80 Prozent. Die Arbeitgeberseite und die Regierung hingegen sprechen von einer Beteiligung von nur etwa 20 Prozent.

Die Gewerkschaften UGT und CCOO errechneten für die zentrale Kundgebung in Barcelona 800.000 Teilnehmern auf der Passeig de Gràcia zwischen Diagonal und Plaça d’ Catalunya. Die Politik spricht von 80.000 Teilnehmern. EL PAÍS errechnete 275.000 Demonstranten. Der Strom- und Gasverbrauch habe nur 24 Prozent unter einem normalen Arbeitstag gelegen. Was stimmt nun wirklich?

Wie können so krass abweichende Zahlen zustande kommen? Weil es funktioniert! Sie müssen nicht stimmen. Sie werden durch ständige Wiederholungen in den Medien in die Köpfe gedrückt und dadurch entsteht dann die subjektive Wahrheit. Die Einen werden diesen Generalstreik als Erfolg, die Anderen als Flop werten!

Es habe Gewaltausbrüche gegeben. Barcelona brenne, hiess es sogar. Tatsächlich waren Teile des Stadtzentrums blockiert für den Durchgangsverkehr durch brennende Reifen, Paletten und Müllcontainer. In anderen Teilen war es dagegen ruhiger als sonst und in weiteren Teilen ging das Leben fast seinen normalen Gang. Was ist nun wahr, was falsch? Gibt es verschiedene Wahrheiten?

Objektivität ist schon schwierig genug, bei direkter Wahrnehmung von Ereignissen. Bei indirekter Wahrnehmung, durch Medien gefiltert und präsentiert, noch viel schwieriger. Wir selbst konsumieren „News“ ja keineswegs objektiv. Wir selektieren ja schon dadurch, wo und wie und aus welchen Quellen wir uns informieren. Die wenigsten von uns konsumieren zum Beispiel die Medien des politischen Gegners. Vielleicht, weil wir unterbewusst die Bestätigung unserer Meinung suchen?

Zurück zum Generalstreik in Spanien. War er ein Erfolg? Auf jeden Fall! Für wen? Für beide Seiten:

Kurioserweise könnte die Manifestation der Bürger auf der Straße dazu beitragen, den Druck der EU und der unerbittlichenTante Merkel auf das Rajoy-Regime etwas zu mildern! Denn eine Revolution in Spanien wäre das Letzte was die Märkte wollen. Rajoy hat gegenüber Brüssel jetzt eine Entschuldigung.

Die Gewerkschaften haben ein eindrucksvolles Lebenszeichen inszeniert und müssen jetzt den Druck aufrecht erhalten, denn das darf es nicht gewesen sein!
Sie haben – nebenbei gesagt – für alle Arbeitnehmer Europas gestreikt, auch für uns! Wir erleben alle die gleichen frühkapitalistischen Renovationsversuche…

Rajoy und seine Lakaien haben getönt, an ihren „Reformen“, die brutale Einschnitte und Kahlschläge sind, kein Komma zu ändern.

Die Gewerkschaften haben ihm einen ganzen Monat Zeit gegeben, zuviel wie ich meine! Am 1. Mai, dem traditionellen Tag der Arbeit, soll dann bilanziert werden.

11 Responses to Generalstreik Spanien: Realität und Wahrnehmung!

  1. uhupardo sagt:

    Die Bilanz des Streiks ist ein „ausreichender Erfolg“ für die Protestierenden.

    Millionen insgsamt waren auf der Strasse, die meisten Läden waren geschlossen, der landesweite Stromverbrauch auf Feiertagsniveau, alle internationalen Medien haben über den Streik berichtet. Das reicht, um Rajoy einen gehörigen Arschtritt zu versetzen.

    Die Gewerkscjaften haben Recht: „Bei den nächsten Generalstreiks muss man die Bevölkerung nicht mehr mobilisieren, das hat Rajoy jetzt schon ausreichend getan.“

    Es war erst der Anfang – das heutige Kürzungspaket von 27,3 Milliarden sorgt für den Fortgang.

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    • almabu sagt:

      Es muss auch weiter gehen! Rechnest Du mit einem weiteren Generalstreik, vielleicht Ende Mai, Anfang Juni, oder sollte es andere Formen des Widerstandes geben? Die Gewerkschaften könnten auch mit zwei, drei Streiks finanziell „ausgeblutet“ werden…

      PS: Nach deutschen Schulnoten würde ich diesen Streik nicht nur als „ausreichend“, sondern als „befriedigend“ werten!

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      • uhupardo sagt:

        Nach Schulnoten ganz sicher, so war es auch gemeint.

        Ich rechne mit 1. einem weiteren Generalstreik im Mai/Juni und 2. ab Mai auch mit vielen anderen Aktionen von Vereinigungen oder sich spontan gründenden Initiativen, die Facebook oder ähnliche Kommunikationswege nutzen. Zum Beispiel sollte „yo no pago“ erheblichen Auftrieb bekommen.

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        • almabu sagt:

          Ja, “yo no pago” war eine ebenso neue wie kreative (und witzige!) Aktion. Sie sollte mehr Beachtung erfahren, auch bei uns in Deutschland!

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  2. uhupardo sagt:

    Ja wieso denn in Deutschland? Deutschland geht es doch hervorragend. Habe ich gerade noch hier in den comments ein Dutzend Mal gelesen: http://dieliebenessy.wordpress.com/2012/03/26/liebe-generation-meiner-eltern/

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    • almabu sagt:

      Ich will Dir mal sagen, wie gut es uns in Deutschland doch geht: Die Fraktion der LINKEN im Bundestag hat eine formelle Anfrage gestellt, die ebenso formell beantwortet werden musste. Sie wollte wissen, wieviel Rente einer dieser neuen Billigjobber/innen von denen es mittlerweile Millionen in Deutschland gibt, nach 45 Beitragsjahren erwarten könnte. Die Antwort lautete unter 200 € pro Monat (den genauen, lächerlichen Betrag habe ich vergessen oder verdrängt!). Diese/r Billigjobber hat natürlich auch keine adäquaten Krankenkassenbeiträge oder Steuern bezahlt um die ganze Kacke am Laufen zu halten. Das bedeutet, wir machen uns hier in Deutschland mit solchen kurzsichtigen, asozialen Lösungen selbst kaputt und empfehlen das auch noch den anderen Europäern als Vorbild!

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    • Also dieser locker-flockige Ton dieser Kaffee-Klatsch-Tante da ist sowas von Schönfärberei der Armut in Deutschland, das mir schlecht wurde, als ich das las.
      Dieser Artikel ist ein frecher Schlag ins Gesicht für jeden Hartz-IV-Empfänger, zu dem immer mehr junge Menschen auch mit Universitäts-Abschluss gehören, die unbezahlte Praktika machen, damit es nicht irgendwann heißt: Anschluss verpasst, ihr Wissen ist zu alt, was ja trotzdem passiert, denn Prkatikum ist nicht arbeiten und meist wird den Praktikanten nur die unqualifizierte Arbeit aufgebrummt – ein Teufelskreis!
      Das riecht mir nach BILD Niveau…

      Die 166 Kommentare dazu habe ich mir gar nicht erst durch gelesen.

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      • uhupardo sagt:

        Sehr richtig, Solveigh, ich hätte es auch besser lassen sollen, denn den richtigen Flash bekommt man erst bei den Kommentaren. Mindestens interessant aber, wie viele Menschen von Buxtehude bis Bad Tölz sehen können und keinen Schritt weiter. Und selbst in dem Bereich entgeht ihnen Misere geflissentlich.

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