Frankreich: Wie verzweifelt ist Sarkozy?

Der amtierende französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy vollzieht in diesen Tagen eine erstaunliche Metamorphose. War er zu Beginn seines Wahlkampfes, vor etwa acht Wochen, noch ein harter Verfechter eines eng an Deutschland und Madame Merkel angelehnten Sparkurses, ein wahrer Euro-Fighter und allzeit bereit, seine Herrin und Meisterin gar im französischen Wahlkampf einzusetzen, so hat er jetzt einen brutalen Kurswechel vollzogen.

Frankreich ist für ihn kein Land, dass – wie der britische THE ECONOMIST in seinem aktuellen Heft schreibt – extrem renovierungsbedürftig, gar brachial reformreif ist,  Sarkozys Frankreich hat ganz andere Probleme:

Es hat zu viele Migranten! Fast doppelt so viele, wie es verkraften kann. Die andere Hälfte schmeisst Sarkozy unter dem lebhaften Beifall der Front National raus!

Die Franzosen müssen Halal-Fleisch, also nach muslimischen Religionsvorschriften geschächtetes Fleisch von lebend ausgebluteten Tieren essen und wissen es nicht!

Die Mordserie von Toulouse und Montauban gab Sarkozy die Chance, sich selbst zum Kämpfer gegen den Islamismus zu ernennen und er nutzte sie!

Er stellte im Wahlkampf kunstvoll einen schamlosen Vergleich zwischen den Morden des Mohamed Merah und dem 11. September 2001 der USA her, einen Moment, von dem an nichts mehr so sei wie es vorher gewesen war…

Zufällig ist Merah kaum unter der (französischen!) Erde, als überall in Frankreich Razzien bei Islamisten stattfinden, bei denen 19 Verhaftungen erfolgen und Kalaschnikov-Sturmgewehre beschlagnahmt werden.

„In einen guten, französischen Haushalt gehört keine Kalaschnikov“, findet Sarkozy zwar nicht zu Unrecht, aber ein Staatspräsident der Razzien kommentiert wie ein Polizeisprecher? Man könnte es als würdelos und durchsichtig bezeichnen…

Es gibt scheinbar nur noch ein Thema in Frankreich, der extreme Islam, die „Islamisten“?

Sarkozy warf sein gesamtes Spar- und Wirtschaftskonzept und Euro-Retter-Image über Nacht kurzerhand über Bord und setzte statt dessen auf die Themen, Ausländer, Migranten, Islamismus, Innere Sicherheit. Sarkozy reloaded, wann kommt der „Kärcher“?

Der ganz profane Grund für diesen Wechsel ist seine vernichtende Bilanz der ersten fünf Jahre, „quelle catastrophe!“

Dazu seine späte Erkenntnis, dass man mit Merkel und ihrer grenzdebilen Sparpolitik in Frankreich nicht punkten kann!

Die Themen in Frankreich müssten da sein:

Jobs
Verschuldung
Euro-Rettung
EU
Neo-Kolonialismus

Leider hat Monsieur, „le President de la Republique“ bei diesen Themen gaanz schlechte Karten und viele Altlasten im Keller!

Schließlich: ohne die Unterstützung und Stimmen der extremen Rechten von der FN kann Sarkozy nicht wieder Präsident werden und er weiss das!

4 Responses to Frankreich: Wie verzweifelt ist Sarkozy?

  1. Die Wahrzeit sagt:

    Die Hohe Arbeitslosigkeit von Jugendlichen in Frankreich wird immer von der CDU und FDP mit den Mindestlöhnen in Frankreich begründet. Der wahre Grund ist die hohe Zahl von Immigranten.

    Die keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben !

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    • almabu sagt:

      Das halte ich für falsch! Die Migration wird in Frankreich ebenso kontrolliert wie in Deutschland. Die arbeitlosen Jugendlichen in den Vorstädten sind im übrigen zum großen Teil Franzosen von Geburt an und keine Migranten! Viele von ihnen sind einfach nicht ausreichend qualifiziert. Mindestlöhne sind da nicht das Problem. Es gibt ja auch staatliche Zahlungen an arbeitlose Jugendliche ohne Gegenleistung.

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  2. almabu sagt:

    In der Print-Ausgabe des PARIS MATCH gibt es ein Sarkozy- Interview mit dem vielsagenden Titel und Versprechen:

    „Ich werde ein anderer Präsident sein!“

    Deutlicher kann er sein Versagen in den ersten fünf Jahren den Franzosen kaum eingestehen. Er schreckt anscheinend wirklich vor keiner Peinlichkeit zurück?

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  3. joachim-lieb sagt:

    Ein „Akt der Verzweiflung“ des Sarkozys um an die nationale Gesellschaft zu appellieren. Den Hass schnüren, dort wo es nicht angebracht ist und das in einem Land in dem ein Großteil der Bevölkerung Wurzeln mit Migrationshintergrund hat, ist mehr als verwerflich. Seine Rede hat schon wieder einmal bewiesen, dass seine Person Vorstellungen veralteter Werte vertritt und er als Führungsmitglied in der europäischen nichts zu suchen hat.

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