Frankreich: Ein Land in Realitätsverweigerung!

THE ECONOMIST schreibt diese Woche über Frankreich, seinen Wahlkampf und seine gravierenden Probleme.  Wenn man in diesen Zeiten die Eurozone bereise, würde man von den vielen verbalen Reformen bekräftigt. Mari Monti haben den „Rettet-Italien-Plan“ ausgerufen und damit die Euro-Krise schon beinahe für beendet erklärt! Spaniens Rajoy habe den Arbeitsmarkt „reformiert“ und einen brutalen Spar-Haushalt angekündigt. Die Griechen wüssten, dass die Freigiebigkeit und Steuerhinterziehung vorbei seien. Doch ein Land habe sich noch nicht mit seiner veränderten Lage beschäftigt, Frankreich. (Das fängt ja an wie bei Asterix!)

Frankreich gehe in die letzten drei Wahlkampf-Wochen vor dem Ersten Wahlgang seiner Präsidentenwahlen.  Beide Kandidaten überböten sich in teuren Wahlversprechungen und „angekündigtem Geld ausgeben“, völlig losgelöst von den wirtschaftlichen Realitäten Frankreichs.

Die Verschuldung, die Arbeitslosigkeit, spätestens seit den Anschlägen von Toulouse und Montauban kein Thema mehr im Wahlkampf! Statt dessen Sicherheit, Migration, Halal-Fleisch und Islamismus. (Sarkozy verstieg sich sogar dazu, die Anschläge des Mohamed Merah als Frankreichs 11. September zu bezeichnen, nach dem nichts mehr so wie vorher sein würde!)

Als Rezept würden höchstens wirtschaftliche Abschottung gegen den bösen Weltmarkt und ein Ausstieg aus dem Schengen-Abkommen, der europäischen Reisefreiheit angeboten.

Der mutmaßliche Wahlsieger Hollande stünde am Tag nach der Wahl, vor genau den selben Problemen wie Sarkozy…

Der ECONOMIST hat mit seiner Analyse recht und doch nicht recht! Er beschreibt die Lage Frankreichs zutreffend, aber er unterstellt, dass dieser Problematik nur mir den üblichen neoliberalen Folterwerkzeugen beizukommen sei. Damit erweist er sich als ideologisch blind.

Die Hoffnung Europas ruht darauf, dass Hollande (ja, diese Schnarchnase!) nach der Wahl das Steuer herumwirft und Merkel Paroli bietet. Im Interesse ganz Europas muss das hirn- und charakterlose Wirken dieser Dame schleunigst beendet werden. Wenn Frankreich die Südschiene und einige andere Länder hinter sich vereinen kann, dann besteht die reale Chance den neoliberalen Irrsinn, dem Merkel blindlings folgt, zu beenden! Dafür wünschen wir Hollande Glück!

(Was den ECONOMIST betrifft, anstatt über den Kanal nach Frankreich zu spähen, sollte er sich zunächst an beiden Ufern der trüben Themse umsehen?)

http://www.economist.com/node/21551478

3 Responses to Frankreich: Ein Land in Realitätsverweigerung!

  1. Andre sagt:

    Hollande Schnarchnase, ja – besser noch die Bezeichnung vom gemäßigt Linksaussen Mélenchon: Tretbootkapitän.

    Das Problem ist nicht so sehr – wie das bei der franz. Linken immer vorkommt: Gegen Neoliberalismus und gegen die Reichen, sondern dass man mal ein paar Reformen richtig angeht: Analysen dazu gibt es einige – etwa von einem „französischen“ Brüsseler Thinktank. Dort hatten franz. Wissenschaftler die franz. und die deutsche Verwaltung verglichen: Ihre Bilanz: 163 Mrd Mehrkosten in F!

    Die Zahl lasse ich mal so im Raume stehen, aber wenn ich überlege, dass das Städtchen in dem ich lebe (Annecy) organisiert ist in einem „Großraum (Agglomeration) Annecy“ mit ca. 150.000 Einwohnern, wobei dieser „Großraum“ aus 13 Gemeinden mit 13 Bürgermeistern, +/- 100 stellvertretenden Bürgermeistern und vielleicht 500 Gemeinderäten besteht, dann könnte man da im Verwaltungsverfahren vieles besser machen. Ebenso in der Wirtschaftsförderung für KMU und Jungunternehmen, da ist der Sarko schon halbwegs auf der richtigen Schiene.

    Aber Reformen will hier in F eigentlich keiner. Ich erlebe immer wieder dass die Leute GEGEN etwas sind aber nicht FÜR etwas anderes, also ist man bei der Wahl GEGEN Sarkozy ohne sich so richtig Gedanken über die Alternative zu machen: Und wenn man sich das Postengeschachere zwischen PS und den Pseudogrünen anschaut, dann wünscht man sich wie der Economist tatsächlich den Bayrou, vielleicht mit Corinne Lepage als Umweltministerin…?

    Aber leider geht der Politzirkus hier bald ins Links-rechte Endspiel ohne dass man wirklich über die anhaltenden Probleme spricht:

    Kurzum ein wunderbarer Titel des Economist, welche sich gleich auf der ersten Internetseite des Figaro wiederfand – und bei den franz. Kommentatoren auch VIEL Zustimmung fand.
    Besteht also noch Hoffnung?

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    • almabu sagt:

      Andre, ich vermute mal, dass du einen bürgerlichen Background hast (UMP, MoDem?) wenn Du Sarkozy und Reformen im Sinne von Einsparungen in der öffentlichen Verwaltung befürwortest?
      Die 163 Milliarden jährliche Einsparungen der Deutschen Verwaltung gegenüber der Französischen Verwaltung, die verschenkt Frau Merkel alle drei Monate in einem Rettungspaket! Wozu wie verrückt Jobs streichen, Löhne kürzen, Leistungen abbauen, wenn die Einsparungen danach direkt an die Banker gehen? Wir machen schlicht die falsche Politik und hirnloses Sparen bringt nichts positives hervor, finde ich? Gruss nach Annecy!

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      • Andre sagt:

        Ja und nein, war vorher bei Europe Ecolo… kenne da auch viele Details, sehr unappetitlich, so dass ich einem der top 3 EELV gesagt habe die Kandidatenwahl hinsichtlich der Spitzenkandidatin (die lokal keiner kannte…) erinnere mich an eine stalinistische Groteske.
        Ansonsten halte ich mich aus dem rechts-links Theater fern und habe meine eigene Meinung, die (auch) gute Dinge bei Sarkozy wie auch bei Melenchton, weniger bei Hollande findet.

        „Wozu wie verrückt Jobs streichen, Löhne kürzen, Leistungen abbauen, wenn die Einsparungen danach direkt an die Banker gehen? Wir machen schlicht die falsche Politik und hirnloses Sparen bringt nichts positives hervor, finde ich?“
        Nur eben genau hier ist der Staat gefragt das GERECHT zu regeln. Ansonsten stimme ich voll zu, nur: sollte man auch mal heilige Kühe schlachten und da gibt es in F viel zu viel, die alle Geld kosten und wenig bringen.
        Und: Öffentliche Verwaltung an sich ist noch kein Mehrwert, sondern sie sollte zum Nutzen der Bürger da sein. Hier in F hat man oft den Eindruck, dass die Bürger vor allem für die Verwaltung da sind.
        Beispiel:
        1. Nur einen von 2 ausscheidenden Verwaltungsbeamten zu ersetzen halte ich im Prinzip (für F) für richtig, dies muss aber klug geschehen, also nicht im Bildungsbereich, wie Schulen und Kindertagesstätten.
        2. Gewerkschaften
        Im Bereichen, die kaum direkte Bedeutung haben, haben die Gewerkschaften viel Befugnisse, aber da wo es wichtig ist, kaum. Also : teils zu viel und teils zu wenig Macht. Und etwa im Bereich der Energieversorger kostet das richtig Geld, das der Betriebsrat (Budget p/a >500. Millionen Euro !) Feriensiedlungen baut und ähnliches macht. Aber:; alles in allem ein weites Feld

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