Präsidentschaftskandidat Hollande: Merkel, die entscheidet nicht für Europa!

Bonjour Monsieur! Präsidentschaftskandidat Hollande endlich aufgewacht? In einem TV-Interview von FRANCE 2 reagiert der Kandidat endlich erkennbar auf die Tatsache, dass Sarkozy ihn in den meisten Umfragen überholt hat. Er zeichnet sich als Kandidat mit Entscheidungskraft aber ohne die rechtslastigen Vulgärexzesse Sarkozys, die mittlerweile sogar von der NYT kritisiert werden.

Er kündigte an, zwar notwendige Einsparungen zu treffen, dabei aber nie die Interessen seines Landes zu vernachlässigen (wie er es Sarkozy offenbar unterstellt)!  Wenn die EU nicht in der Lage sei Entscheidungen zu treffen, dann würde er faule Kompromisse auch nicht ratifizieren und er hätte dabei keine Angst vor den Konsequenzen!

„Es wäre nicht das erste Mal“, erinnerte er an die Zurückweisung der EU-Verfassung durch Frankreich und die Niederlande im Jahre 2005, die zu einer EU-Krise, Neuverhandlungen und der Ratifizierung im zweiten Anlauf geführt habe.

Hollande positionierte sich als Europäer, der die Ausrichtung des Kontinents verändern werde und verlangte Haushaltspläne auch für die Energie-, Forschungs- und Innovationssektoren.

Der Sozialist räumte ein, dass seine Politikwechsel einige roten Linien übertreten würden, die die deutsche Kanzlerin Angela Merkel aufgezeichnet hätte, aber die die deutsche Kanzlerin entscheide schließlich nicht im Namen aller Europäer! Denn so fügte er hinzu, „Frankreich sei nicht irgendein Land, sondern ein großes Land!“

Auch der Sozialist Hollande konnte sich leider eine Anleihe bei Marine Le Pen nicht verkneifen: Er kündigte die Bildung einer Spezialbrigade zur Bekämpfung der illegalen Einwanderung an und dass das Parlament künftig jährlich die Zahl der aus wirtschaftlichen Gründen benötigten Einwanderer öffentlich nennen werde. Darüber hinaus soll diese Einwandererquote noch nach Berufen, Kategorien und Herkunftsländern diferenziert werden. (Das klingt verdächtig nach einem neuen staatlichen Bürokratieapparat?)

Im Falle seiner Wahl zum Präsidenten wolle ab dem Sommer eine neue Phase der Dezentralisation und Verlagerung staatlicher Verantwortung nach unten beginnen, damit jeder französische Bürger künftig wisse „an wen er zahle und warum!“

Bei der Vermögenssteuer will er zur Situation vor Sarkozy zurückkehren und mit Belgien, der Schweiz und Luxembourg das Steuerabkommen neu verhandeln um die anhaltende Steuerflucht aus Frankreich zu stoppen.

Er will ferner die Arzneimittel-Preise senken in Frankreich und die Kosten für Medikamente der Sozialversicherung. Dazu wolle er den Benzinpreis für drei Monate einfrieren!

Wie es scheint, hat die Tatsache, dass Sarkozy ihn diese Woche erstmals in den Umfragewerten für den ersten Wahlgang überholte, den „Schlafwagenmann“ Hollande geweckt und aufgerüttelt? Seine hier vorgestellten Maßnahmen sind zwar teilweise kaum weniger populistisch als die Versprechungen Sarkozys, aber trotzdem hat Hollande erfolgreich dessen unterirdisches Kampagnen-Niveau vermieden!

Als Deutscher kann und muss man ihm Erfolg wünschen, denn nur mit einem Frankreich, das klar und vernehmlich „Non!“ sagt, kann die verhängnisvolle neoliberale Merkelpolitik in Europa beendet werden. Die Kanzlerin kann damit leben. Sie wird einfach ihr Mäntelchen in die neue Windrichtung hängen und künftig dann einfach das Gegenteil behaupten. Damit hat Madame überhaupt kein Problem…

http://www.lavanguardia.com/internacional/20120316/54269217675/hollande-desafia-a-merkel-y-dice-que-alemania-no-decide-sola.html

3 Responses to Präsidentschaftskandidat Hollande: Merkel, die entscheidet nicht für Europa!

  1. uhupardo sagt:

    Österreich als bestes aller Beispiele. Es ist bemerkenswert (und merkenswert), wie oft und wie sehr sich alle Parteien an den rechtsradikalen Gruppierungen orientieren im Wahlkampf. Auch Hollande macht keine Ausnahme – von Sarkozy erst gar nicht zu reden.

    Populistische rechtsaussen-Parolen, die immer problemlos in ein 15sekündiges TV-Statement passen, während linke Standpunkte fast immer lange Erklärungen verlangen, sind offensichtlich so schwierig zu bekämpfen, dass „Übernehmen“ einfacher erscheint. Eine fatale Entwicklung.

    Liken

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