Will Obamas größter Feind eine Spielhölle, ein Puff aus Katalonien machen?

Der Mann heisst Sheldon Adelson und gilt als einer der reichsten US-Bürger. Selbst Milliardenverluste in der Wirtschaftskrise 2008 ließen ihn auf der Skala der Superreichen nur ein paar Dutzend Plätze nach unten rutschen, denn die Quelle seiner Einkünfte ist offenbar krisenfest? Er betreibt bereits große Spielkasinokomplexe in las Vegas, Macao und Singapur. Barcelona oder Madrid sollen jetzt dazu kommen!

Hier in Europa ist er hauptsächlich als einer der eifrigsten finanziellen Förderer der republikanischen Gegenkandidaten von US-Präsident Obama bekannt geworden. Speziell Newt Gingrich scheint es ihm angetan zu haben. Ein weiteres Standbein seiner politischen Ansichten ist die bedingungslose Unterstützung der Person Benyamin Netanyahus und dessen betonharten Zionismus in Israel und der Welt. „…Im selben Jahr unterbreitete er ein erfolgloses Angebot, um eine Mehrheitsbeteiligung an der israelischen Zeitung Maariw zu erwerben. Er beschloss daher, seine eigene Zeitung zu gründen. Am 30. Juli 2007 wurde die erste Ausgabe von Israel HaYom (deutsch: Israel Heute) veröffentlicht. Mitte 2010 hatte diese Gratiszeitung in Israel einen Leseranteil von mehr als 35 %[2]…“ (Zitat: Wikipedia)

Dieser knallharte Geschäftsmann sucht nun im Schuldenkrisengeschüttelten Spanien, ganz speziell in der Comunidad Madrid oder der Autonomie Katalonien ein Geschäftsgrundstück mit ganz spezieller Infrastruktur. Ein internationaler Flughafen in der unmittelbaren Nähe steht ganz oben auf seiner Liste. Dort will er* dann in den nächsten zehn Jahren geschätzte 17 Milliarden Euro investieren in einen gigantischen Freizeit und Vergnügungspark, oder eine Spielhölle, ein Puff, je nach Sicht des Betrachters, und damit 164.000 direkte und weitere 97.000 indirekte Arbeitsplätze schaffen! Dieses Eurovegas soll aus einem Komplex von Kasinos, Hotels, Restaurants und Sportanlagen bestehen und eine Art Mini-Las Vegas in Europa darstellen.

*(Dazu will er zunächst ein Kasino errichten und betreiben, aus dessen reinvestierten Gewinnen die anderen Investitionen und Installationen erwachsen sollen. Adelson müsste also nur einen Bruchteil der Gesamtsumme auf den Tisch legen, der Rest sind zunächst Versprechungen, Absichtserklärungen!)

Er soll eine Liste mit Wünschen, Forderungen, Bedingungen, seinen „Wunschzettel“ übergeben haben, deren Erfüllung er anscheinend zur Bedingung seiner Investition macht? Laut EL PAÍS soll sogar von einer „administrativen, steuerlichen und rechtlichen Insel im spanischen Staat“ die Rede sein, einer Sonderwirtschaftszone Eurovegas sozusagen! Dies wird in Madrid dementiert. Das also fordert Adelson angeblich:

  • Änderung des „zu rigiden“ Arbeits- und Tarifrechtes
  • Änderung des Ausländerrechtes zur schnelleren Arbeitserlaubnis Vorzugsbehandlung seiner künftigen Mitarbeiter
  • Zwei Jahre völlige Befreiung von allen staatlichen, regionalen und kommunalen Steuern und Sozialabgaben
  • Staatsbürgschaft Spaniens für einen 25 Millionen Kredit (nur?) bei der Europäischen  Investitionsbank (Ich denke, der Mann schwimmt im Geld?)
  • komplette neue Infrastruktur nach seinen Wünschen (U-Bahn, S-Bahn, Hochgeschwindigkeitszug AVE, Strassen und Autobahnen)
  • Staat, Region und Kommunen sollen ihm die gesamte öffentlichen Grundstücke im betreffenden Baugebiet übereignen und die zügige Enteignung der vorhandenen Privatgrundstücke durchführen.
  • Er verlangt ein Gesetz, das ihm zehn Jahre der Exklusivität und Steuerbefreiung garantiert.
  • Es sollen Minderjährige ins Kasino dürfen und es soll überall geraucht werden dürfen.
  • Geltende Vorschriften bezüglich der Geldwäsche sollen außer Kraft gesetzt werden

Adelsons „Wunschzettel“ ist ein feuchter Traum jeden Neoliberalen. Angeblich müssten ,seinen Vorstellungen zufolge, mindestens dreissig Gesetze geändert werden. Auffallend ist, dass er zunächst nur Versprechungen macht und relativ wenig oder kein eigenes Geld investiert, sondern der Gesamtkomplex wie eine Sumpfblüte aus vermiedenen Steuern und Abgaben, also letztlich auf Kosten des spanischen Steuerzahlers, der kleinen Leute entstehen soll. Trotzdem verwundert es nicht übermäßig, dass viele spanischen Politiker die Rettung in diesem hartgesottenen US-Neoliberalen sehen.

Der Einzugsbereich der solventen Kundschaft soll mehrere Flugstunden betragen und bis in den Mittleren Osten ragen.

Adelson und seine Gefolgschaft aus internationalen Mitarbeitern und Vertretern des Jüdischen Lebens ins Spanien wurde von den Spitzen der Generalitat d’ Catalunya, die ihrerseits in Katalonien ansässige international erfolgreiche Geschäftsleute jüdischer Konfession hinzugebeten hatte, mit höchstem Interesse empfangen, die ihm ihre wirtschaftsfreundlichen Investitionsbedingungen schmackhaft machen wollten. Diskutiert wird über ein unmittelbar nordwestlich des Flughafens von Barcelona gelegenes und zur Comarca Baix Llobregat gehörendes Gebiet. Dieses Gebiet darf getrost als strategisches Filetstück des Großraumes Barcelona, der ansonsten von Bergen und dem Meer umschlossen ist, betrachtet werden. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden erfuhren aus den Medien von den Plänen ihrer Regierung! Erster Widerstand beginnt sich zu regen…

Der gewiefte Geschäftsmann hatte aber auch mit der Region Madrid entsprechende Gespräche geführt und nach der Anzahl seiner Besuche gerechnet, steht es derzeit 6:1 für Madrid, was für eine tiefere Betrachtung des Raumes Madrid spräche! Dieser hätte aus Adelsons Sicht den Vorteil, dass die Umgebung weniger Ablenkung von seinem Eurovegas bieten würde, als dies in Katalonien der Fall wäre.

Dies könnte wohl nur von einem Angebot getoppt werden, wenn ihm der umrührige Schwiegersohn des spanischen Königs (der allerdings momentan wegen genau dieser „Rührigkeit“ vor Gericht steht) die ganze Insel Mallorca komplett für seine Pläne anbieten würde?

http://www.lavanguardia.com/economia/20120221/54258188454/govern-magnate-sheldon-adelson-reunen-hablar-eurovegas.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Sheldon_Adelson

http://ccaa.elpais.com/ccaa/2012/02/21/madrid/1329844459_751580.html

http://www.abc.es/20120222/madrid/abcp-rajoy-mueve-ficha-vegas-20120222.html

12 Responses to Will Obamas größter Feind eine Spielhölle, ein Puff aus Katalonien machen?

  1. almabu sagt:

    Im Nachtrag stellt sich mir hier auch wieder die grundsätzliche Frage, wie in den Fällen Island, Irland oder anderen Ländern, wie die EU mit nationalen Alleingängen umgehen soll, die entweder die soziale Not in klammen EU-Mitgliedstaaten zumindest zeitweilig vergrößern, oder gar direkt oder über von der EU unterstützte Staaten EU-Gelder- und Fördermittel abgreifen?

    Das Eurovegas-Projekt ist letztlich nichts anderes als eine gewaltige Saugpumpe, die Kaufkraft aus der Euro-Zone absaugt!

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  2. almabu sagt:

    Katalanische Separatisten könnten hier einen wirtschaftlichen Motor für ein unabhängiges Katalonien als eine Art „Super-Monaco“ sehen?

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  3. almabu sagt:

    Viele der Forderungen auf Adelsons „Wunschzettel“ tangieren direkt oder indirekt EU-Rechtsprechung und dürften somit weder für Spanien, noch für Katalonien beliebig disponible Verhandlungsmasse sein?

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  4. Don Furioso sagt:

    Eurovegas ist eine Geldwaschmaschine. Sie bringt nichts, im Gegenteil, sie verirbt alles. Da verkaufen lokale Politiker ihre eigenen Kinder zu einem lächerlichen Preis. Ich hoffe, die Bürger lassen das nicht zu! Eine Frage, Almabu: Was meinst Du mit „Vertretern des Jüdischen Lebens ins Spanien“?

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    • almabu sagt:

      Der Berichterstattung zufolge hatte die Generalitat d‘ Catalunya und Adelson selbst (der US-Bürger jüdischen Glaubens ist) jüdische Verbandsvertreter aus Madrid sowie zwei, drei international erfolgreiche katalanische Geschäftsleute jüdischen Glaubens hinzugebeten. Das sollte vermutlich für eine angenehme Gesprächsatmosphäre sorgen? Aus der Nachsicht von Heute betrachtet, ohne Erfolg, denn die „Chancen“ für Madrid stehen offenbar weit besser? Aber Adelsons Forderungen wären natürlich auch in Madrid inakzeptabel…

      „…Por parte del magnate Adelson, han participado en la reunión el empresario David Hachuel, el representante del grupo Adelson en Europa, Andrew Tottenham, y el representante de la Casa Judía en Madrid, Sam Toledano. Además, han asistido los empresarios Isak Andic (Mango), Marc Puig (Puig) y Carles Vilarrubí (Rothschild). Con su presencia se buscaba trasladar a Adelson el mensaje de que la Generalitat facilita la actividad y las inversiones al empresariado, una actitud „business friendly“ de la que ha hecho bandera el gabinete de Mas desde su llegada a la Generalitat…“

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