Geisel oder Lobbyist? David Cameron in den Klauen der City of London!

David Camerons melodramatischer Auftritt bei der EU sollte die Öffentlichkeit darüber hinwegtäuschen, dass er faktisch keine andere Wahl hatte, dass er ein Getriebener der City of London ist und keinesfalls Herr seiner eigenen Entscheidungen!

Ähnlich, der gefährlichen Schieflage der deutschen Wirtschaft durch ihre Exportlastigkeit, hängt im Vereinigten Königreich alles von den Bankern in London ab:

Die City erwirtschaftet mit 30 Milliarden Euro rund zehn Prozent des gesamten Steueraufkommens obwohl ihre Institutionen mit Niedrigsteuern nach London gelockt werden.

Das bedeutet 8,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und 34 Prozent des gesamten Handelsvolumens der Briten.

Dies wird von etwa einer halben Millionen direkt und einer ebensolchen Zahl indirekt Beschäftigter erwirtschaftet.

Täglich werden hier Unsummen an Dollar, Euro und Pfund Sterling bewegt. Was den Euro betrifft, sogar mehr als im gesamten Rest des Euro-Raumes zusammen! Nur Wallstreet, NY, ist größer…

Das einzige Zauberwort das dieser Moloch fürchtet ist das Wort „Regulierung“!

Die Zahlen sind unfassbar: 80 Pozent aller europäischen Hedgefonds sitzen an der Themse. 500 Banken, Versicherungen, Rückversicherungen. Jährlich werden alleine Anwaltsrechnungen für 1,5 Milliarden Euro geschrieben und großzügige Erfolgsboni von über 10 Milliarden Euros ausbezahlt auch wenn die Bank gerade mit Steuermitteln gerettet werden muss!

Nicht zuletzt die Einkünfte von Camerons Konservativer Partei werden zu 25 Prozent von der City of London erbracht. Er agiert also immer auch als zwangsverpflichteter Lobbyist der City…

Trotzdem steckt Cameron in der Klemme! Zwar hat die Regierung seit 2008 rund 1500 Milliarden zur Bankenrettung aufgebracht, trotzdem würgen diese Banken mit sehr restriktiver Kreditvergabe die Konjunktur und die Klein- und Mittelständler des Landes ab!

Auch die extremen Immobilienpreise und die Mieten im Großraum London unter denen alle zu leiden haben, werden nicht zuletzt durch die City verursacht. Was nun Cameron betrifft, könnte man sagen „hier steht er, er kann nicht anders!“

Wie ärgerlich, gefährlich und schädlich wir das Wirken der City of London auch immer bewerten mögen, mit der Forderung zu gravierenden Beschränkungen fordern wir Cameron auch stets zum wirtschaftlichen Selbstmord auf. Kein Wunder also, wenn er dann „den Lauten“ gibt!

7 Responses to Geisel oder Lobbyist? David Cameron in den Klauen der City of London!

  1. […] Geisel oder Lobbyist? David Cameron in den Klauen der City of London! 20. Dezember 2011 David Camerons melodramatischer Auftritt bei der EU sollte die Öffentlichkeit darüber hinwegtäuschen, dass er faktisch keine andere Wahl hatte, dass er ein Getriebener der City of London ist und keinesfalls Herr seiner eigenen Entscheidungen! Ähnlich, der gefährlichen Schieflage der deutschen Wirtschaft durch ihre Exportlastigkeit, hängt im Vereinigten Königreich alles von den Bankern in London ab. Quelle: almabu.wordpress.com […]

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  2. Dave B sagt:

    Sowohl als auch.

    Natürlich wäre es eine recht naive Fantasie zu glauben, ein demokratisch gewählter Staatschef eines marktorientierten Wirtschaftssystems könnte irgendwelche Entscheidungen alleine ohne Berücksichtigung der wirtschaftlichen Hauptinteressen des Landes, genauer gesagt ohne enge Rücksprache mit den Vertretern aus der Privatwirtschaft des Landes treffen. Cameron musste im Sinne des britischen Finanzsystems handeln, genau wie zB Merkel im Sinne der deutschen Exportindustrie handeln muss. Dazu sind sie ja schließlich auch da, so hat sich das System entwickelt. Ideen mit vielen Konjunktiven sind schön und gut, helfen auch, dass sich das System (hoffentlich positiv) weiterentwickelt, aber ein Cameron, Merkel oder Sarkozy muss sich nach der Realität der Situation im eigenen Land richten, sonst droht ein ähnliches Schicksal wie bei Papandreou oder Berlusconi.

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    • almabu sagt:

      Ich sehe das Dilemma! Aber auch der Lobbyismus für die Wirtschaftsinteressen des eigenen Landes hat selbstverständlich Grenzen. Wer definiert die „Interessen“? Die Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft droht soziale Gegensätze, sowohl im Land selbst als auch in der EU, zu verschärfen. Die Schere zwischen Binnen- und Exportmarkt, zwischen Arm und Reich, öffnet sich weiter. Irgendwann kommt dann ein Punkt, wo die Interessen neu definiert werden müssen. Zumal heute der Besitz an Banken, Fabriken und Kapital durchaus internationalisiert ist, die vor Ort konkret damit verbundenen Nachteile wie Standortkosten, Umweltbelastungen aber lokal und höchstens national sind. Es ist somit nicht ganz einfach zu sagen, WESSEN Interessen im konkreten Fall von welchem Politiker vertreten werden…

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      • Dave B sagt:

        Das ist alles richtig, ideal wäre eine perfekte Verzahnung zwischen Export und Import mit ausgeglichenen Handelsbilanzen. Sowas haben wir aber nicht, und darauf legt man Wert. Stark vereinfacht steht Deutschland wie ein Lieferant da, der möglichst viel an möglichst viele Kunden verkaufen will, dabei die Kreditwürdigkeit der Kunden nicht allzu genau prüft. Ein klassischer Fall drohender Insolvenz trotz voller Auftragsbücher, wenn auch der Weg für ein ganzes Land wesentlich länger ist.

        Wie löst man das Problem? Eine Bilanz auf Nachhaltigkeit zu reduzieren bedeutet massiven Jobverlust. Den Binnenmarkt stärken schützt vielleicht Arbeitsstellen, am anderen Ende wird aber alles, wofür importiert werden muss (also alles, fangen wir bei Mineralien an, dann kommt das Bauwesen), erheblich teurer.

        Die Westeuropäer (wie die Amerikaner) wollen – auch wieder sehr einfach ausgedruckt – für $15 arbeiten, aber für $5 einkaufen. Das ist an sich nicht das Schlimme. Das Schlimme ist, dass wir es auch können. Das nicht mehr können bedeutet, extreme Änderungen in allen Bereichen des Lebens hinzunehmen. Wie macht man das dem Volk schmackhaft? Im Krieg geht das, aber im Frieden nicht.

        Wie löst das Problem? Ich habe keinen blassen Schimmer, wie man das Problem realistisch lösen könnte. Naja, eigentlich löst sich das Problem von selbst, und die Politiker sind praktisch genau so dumm wie wir. Die können nur Linderung verschaffen.

        Meine persönliche (ich weiß, auch nicht wirklich originelle) Prognose wäre, dass sich das System so wie jetzt langsam aber mit kurzen, scharfen Krisen wie die jetzige kaputt wirtschaftet, wird aber langsam zunehmend mit anderen vereinfachten Geld- und Tauschsystemen (ähnlich LIP, LETS) ersetzt, wobei Schulden nicht mehr als handelbare Instrumente mit Eigenwert angesehen werden. Demgegenüber steht natürlich die massive Kapitalisierung und Monopolisierung des Wirtschaftsystems, was aber aufgrund der systembedingten Ineffizienz und einer darunter wachsenden neuen Produktionsdynamik entwickeln wird. Erste Anzeichen sind vereinzelt schon da, aber dieser ganze Vorgang wird so langsam und zaghaft stattfinden, dass man es nicht bewusst wahrnimmt.

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  3. almabu sagt:

    Zur Verdeutlichung des oben gesagten noch ein Beispiel:
    Die „Deutsche“ Bank ist ein Unternehmen mit international gestreutem Kapitalbesitz. Ihren Hauptgewinn macht sie in der City of London, als dessen Teil sie deshalb bezeichnet werden kann.
    Man kann also keineswegs sagen, dass Ackermann nur deutsche Interessen vertritt oder David Cameron nur britische Interessen. Es ist vielmehr so, dass sowohl Merkel als auch Cameron mit Nachdruck die Interessen u.a. der Deutschen Bank vertreten! Nur, die Interessen der kleinen Leute, die vertreten weder Merkel noch Cameron, das steht fest!

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    • Dave B sagt:

      Sehe ich auch so.

      Vielleicht werde ich paranoid, aber ich finde es unwahrscheinlich, dass wir nicht die Verhandlungen an sich, sondern die Ergebnisse gesehen haben, die Rollen waren schon vorher abgesprochen und verteilt. Solche Verhandlungen finden ja nicht an einem Tag statt.

      Die kleinen Leute interessieren sie genau so wenig wie uns die wirklich sehr viel kleineren Leute (weil Kinder) im indonesischen Cibaduyut interessieren, das uns unsere Freizeitschuhe für einen Hungerlohn zusammenkleben. Warum auch.

      Der Unterschied ist, dass ein Politiker wahrscheinlich gut argumentieren könnte, warum das Überleben des Finanzsystems den kleinen Leuten zu Gute kommt. Vielleicht glaubt er es selber.

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  4. almabu sagt:

    Noch ein Beispiel zur Internationalität der Industriekonzerne:

    Die NZZ berichtet heute, dass DAIMLER einen Großaktionär in China suche.
    Jeder 7. Mercedes oder 14 Prozent des Absatzes gehe heute nach China. Da sehe man es als Pkw- und Lkw-Bauer als Notwendigkeit an, diesen Markt zu sichern.

    Als Favorit gälte der chinesische Staatsfond CIC (China Investment Corporation).
    Mit dem chinesischen Partner BAIC werden in Peking Pkw, mit der BAIC-Tochter FOTON werden Lkw in China entwickelt und gebaut.

    Der gesuchte Großaktionär solle sich mit 5 bis 10 Prozent beteiligen. Zusammen mit den 9 Prozent von Abu Dhabi und den 6,9 Prozent von Kuwait könnten sich dann also etwa 25 Prozent in Auslandsbesitz befinden.

    So, oder so ähnlich, werden die Dinge bei den meisten börsennotierten Konzernen liegen? Deren Interessen sind längst vielschichtig komplex und international, während Politik und Medien noch immer kräftig national argumentieren…

    Darum soll Politik aber keinesfalls zögern, kräftig ihre nationalen Interessen gegenüber der Industrie zu vertreten, denn diese hat keinerlei Probleme z.B. in China nach chinesischen ordnungspolitischen Spielregeln und in den USA nach deren Regeln zu operieren. Daimler tut dies mit der größten Selbstverständlichkeit!

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